mini|Flagge der Samen mini|Parlament der norwegischen Samen (Sameting) in Karasjok, Norwegen mini|Kulturzentrum der Samen und Komi in Lowosero, Russland

Die Samen (veraltet Lappen) sind ein indigenes Volk im Norden Fennoskandinaviens. Ihr heutiges Siedlungsgebiet, Sápmi, erstreckt sich von der Gemeinde Idre in der Provinz Dalarnas län im Süden über die nördlichen Teile Schwedens, Norwegens, FinnlandsSowohl Samen als auch Finnen gehörten zu den finnougrisch(sprechend)en Völkern aus Gegenden am Uralgebirge, die vor rund 5.000 Jahren westwärts wanderten und in Gebiete am nördlichen Rand Europas vordrangen. Bezüglich der Besiedlung Finnlands bis zur Spätantike bestehen nur vage Hinweise und Hypothesen. Möglicherweise wanderten in der Antike finnische Stämme von Südosten in rein samisch besiedelte Landstriche Süd- und Westfinnlands ein und bildeten dort eine sesshafte Bauernkultur, während die nomadischen Samen nach Norden auswichen. Dies würde die These vom samischen Urvolk Finnlands stützen, obgleich auch die finnische Präsenz weit zurückreicht und Finnen später selbst in Jahrhunderte langer Abhängigkeit von Schweden lebten. Neben den Finnen bildete sich durch Zuwanderung und Assimilation die Bevölkerungsgruppe der Finnlandschweden, und erst im 19./20. Jahrhundert konnten Finnen ein selbstständiges Gemeinwesen bilden, das sie zur kulturell und politisch dominierenden Volksgruppe in Finnland werden ließ. Ihre eigene Geschichte und ihr Verhältnis zu den Samen im Laufe der Geschichte unterscheidet sich demnach deutlich von der Situation in Norwegen und Schweden, wo Norweger und Schweden früh als Kolonisatoren samischer Gebiete auftraten. und im Osten bis zu den Küsten der Barentssee und dem Weißen Meer auf der heute russischen Halbinsel Kola. Die samischen Sprachen gehören zur Familie der finno-ugrischen Sprachgruppe und mit dieser zu den uralischen Sprachen und sind insbesondere mit dem Finnischen verwandt.

Die Samen sind in allen vier Ländern als „Urvolk“ anerkannt (in Russland zählen sie zur Gruppe der indigenen kleinen Völker des Nordens), aber allein Norwegen stellt sie unter den Schutz der internationalen ILO-Konvention 169.

Name Der deutsche Name „Same“ leitet sich von dem heute auf Norwegisch und Schwedisch üblichen same ab und ähnelt dem Endonym (vgl. nordsamisch sámi,sanit.oahpa.no kildinsamisch saaʹm/са̄мь,sanj.oahpa.no die als Adjektive bzw. Substantive im Genitiv verwendet werden). Andere übliche deutsche Schreibungen sind Saame,Same, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 2. Juli 2025. Sami, Sámi oder Saami. Die Fremdbezeichnung Lappe gilt im Deutschen als veraltet und wird heute meist als abwertend wahrgenommen.Lappe, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 1. Februar 2023.

Selbstbezeichnungen Die Selbstbezeichnung der Samen ist Sámi („Sumpfleute“), Samit, Samek oder Sápmelaš aus der Ursprungsform šämä, das mit dem baltischen Wort žēme „Land“ verwandt ist.Lars Ivar Hansen, Bjørnar Olsen: Samenes historie fram til 1750. Cappelen Forlag, 2007, S. 47. ISBN 978-82-02-19672-1.

Fremdbezeichnungen In der modernen nordischen Literatur wird norwegisch/schwedisch same oder finnisch saamelainen erst seit den 1960er-Jahren verwendet. Bis dahin wurde fast ausschließlich norwegisch finne (Plural finner), schwedisch lapp (lappar), finnisch lappalainen (lappalaiset), russisch lopar (лопарь, Plural lopari/лопари) verwendet. Das norwegische Wort geht auf altnordisch finnr zurück und ist kognat zu althochdeutsch fendo „Fußgänger“. Das Wort liegt der Benennung der Landschaft Finnmark zugrunde und wurde in der altnordischen Literatur auch in der Variante Skriðfinne verwendet.

Die Namen im Finnischen, Russischen und Schwedischen (auf die deutsch Lappe zurückgeht) stammen aus einer gemeinsamen Form, die als lop erstmals in einer russischen Chronik aus der Zeit um 1000 belegt ist.V. Uibopuu: Finnougrierna och deras språk: kapitel om de finsk-igriska folkens förflutna och nutid. Lund 1988. Bei einem nordischen Autor ist der früheste Beleg in den Gesta Danorum des Saxo Grammaticus als Landschaftsbezeichnung Lapponia (auf Latein) zu finden, entsprechend der heutigen Namen der Landschaft Lappland (schwedisch, finnisch Lappi, russisch Laplandija/Лапландия). Die Etymologie des Wortes Lappe ist verwirrend und nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise liegt der Ursprung in einer Ableitung aus dem altfinnischen Wort lappe(e)a „Rand“, die sich zu einer Bezeichnung für ein „Randgebiet“ entwickelte.Marek Stachowski: Zur Frage der ursprünglichen Bedeutung von finnisch Lappi ‘Lappland’. (PDF) Studia Etymologica Cracoviensia, Jagiellonen-Universität Krakau, Polen, 2002. PDF abgerufen am 23. März 2013.Dieselbe Bedeutung „Grenzgebiet“ hat im Deutschen das Wort Mark; vgl. Dänemark, Mark Brandenburg u. a. Der finnische Ausdruck lappalainen wurde demnach ursprünglich im Sinne von „Bewohner des Grenzgebiets“ von den die Samen nach Norden verdrängenden Finnen verwendet.Johann Jakob Egli: Nomina geographica. Sprach- und Sacherklärung von 42000 geographischen Namen aller Erdräume. Friedrich Brandstetter, 2. Aufl., Leipzig 1893, S. 525. Später kam eine geographische Fixierung auf die Provinzen im Norden Finnlands hinzu. Die Ähnlichkeit der nordgermanischen und deutschen Wörter lapp und Lappen („Lappen, Lumpen“) sieht Stachowski als zufällig an. Aus der Umwandlung des finnischen Landesnamens Lappia zu Lappland entstand viele Jahrhunderte später die Idee von der ursprünglichen Identität der beiden Wörter und damit die Ursache für die Assoziation einer Abwertung.

Das Erstarken des samischen Identitätswillens nach Beendigung der sozialdarwinistischen Rassenpolitik führte im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts dazu, die Exonyme in den nordischen Ländern offiziell zu meiden und stattdessen same oder samelainen zu verwenden, weil die Exonyme von vielen Samen als herabsetzend angesehen werden.Rolf Kjellström: Samernas liv. Carlsson Bokförlag, Kristianstad 2003, ISBN 91-7203-562-5. (schwedisch) In einigen schwedischen Dialekten ist „Lappe“ jedoch noch heute die Bezeichnung für Samen, die sich mit der Rentierwirtschaft beschäftigen. Verwenden Fremde den Ausdruck, wird dies allerdings als respektlos angesehen.. Website des Samiskt informationscentrum in Östersund, Schweden. Abgerufen am 28. Januar 2013.

Siedlungsraum mini|Sápmi – das Siedlungsgebiet der Samen mini|Protest samischer Rentierhüter in Jokkmokk, Schweden, gegen zu geringe Ersatzleistungen beim Verlust von Rentieren durch Raubtiere Die rund 90.000 bis 140.000 Samen leben im Norden von Norwegen (60.000–100.000), Schweden (14.600), Finnland (9.350) und Russland (1.991). (MS Excel; 62 kB) Das Siedlungsgebiet der Samen wird oft vereinfachend mit Lappland gleichgesetzt, geht aber über die Gebiete der gleichnamigen Provinzen Lappland in Schweden und Lapin Lääni in Finnland weit hinaus. Die Samen selbst nennen ihr Siedlungsgebiet Sápmi oder Same Ätnam.

Geschichte

Herkunft Im Erscheinungsbild sowie nach Genuntersuchungen (u. a. von Cavalli-Sforza) weisen die Samen einige Merkmale auf, die sie deutlich von allen anderen Europäern unterscheiden, so dass ihre Herkunft seit jeher kontrovers diskutiert wird. Derzeit werden drei Hypothesen favorisiert:Rolf Kjellström: Samernas liv (schwedisch). Carlsson Bokförlag, Kristianstad 2003, ISBN 91-7203-562-5. Eurasische Menschen kamen sehr früh nach der Eiszeit (10.000–5.000 v. Chr.) als erste Siedler nach Fennoskandinavien und lebten dort weitgehend isoliert für viele Jahrtausende (Diese Hypothese stammt bereits aus dem 17. Jahrhundert, ist aber nach wie vor populär). Eine Notsituation (z. B. Nahrungsmangel durch Klimaveränderungen) im 1. Jahrtausend v. Chr. führte bei den isoliert lebenden Stämmen durch Gendrift zur Ausprägung der typischen Merkmale der Samen. Nach den DNA-Untersuchungen von Cavalli-Sforza bilden die Samen genetisch den Übergang von den Europäern zu den Ostasiaten. Demnach überwiegt eine sehr lange isolierte europäische Genkomponente, während die zweite Komponente von uralischen Ethnien zu den sichtbaren ostasiatischen Merkmalen (z. B. Epikanthus-Falte, Haut und Haare) geführt hat, die zum Teil bei den Samen zu sehen sind.Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation. Hanser, München/Wien 1999. Eine mögliche Erklärung dieser genetischen Disposition in Verbindung mit den finno-ugrischen Sprachen der Samen ist die Einwanderung samojedischer Völker, die den „Ur-Samen“ unter anderem die Domestikation des Rentieres als Last- und Zugtier beibrachten. Dabei wurde die Sprache der fortschrittlicheren Kultur übernommen.

Die Schlussfolgerungen aus den DNA-Analysen sind teilweise auf Kritik gestoßen: Die theoretischen und methodischen Prämissen, die Ergebnisse von DNA-Analysen auf vorhistorische soziale und kulturelle Verhältnisse anzuwenden, wurden zu wenig problematisiert.P. Sims-Williams: Genetics, linguistics, and prehistory: thinking big and thinking straight. In: Antiquity. Vol. 72, 1998. Die heutige genetische Verteilung muss nicht mit der ethnischen und kulturellen Verteilung in vorhistorischer Zeit übereinstimmen.Lars Ivar Hansen, Bjørnar Olsen: Samenes Historie fram til 1750. Cappelen akademisk forlag, 2007, S. 44. ISBN 978-82-02-19672-1. Auch die Abweichung der mitochondrialen DNA von anderen Europäern wird bezweifelt.R. Villems und andere: Reconstruction of maternal lineages of Finno-Ugric speaking People and some remarks on their paternal inheritance. In: The roots of peoples and languages of Northern Eurasia. Turku 30. Mai – 1. Juni 1997. Societas Historiae Fenno-Ugricae, 1998. Die behauptete Abweichung findet sich nicht in den genetischen Markierungen der männlichen Y-Chromosomen.T. Zerjal: Geographical, linguistic, and culturel influences on genetic diversity: Y-chromosomal distribution in Northern European populations. In: Molecular Biology and Evolution. Vol 18. 2001. Die Auswahl der Probanden wird infragegestellt. Welche Prämissen führten zu deren Auswahl? Welche samischen Gruppen repräsentierten sie? Wurden sie aus einem als ursprünglich samisch angenommenen Siedlungsgebiet ausgewählt?Lars Ivar Hansen, Bjørnar Olsen: Samenes Historie fram til 1750. Cappelen akademisk forlag, 2007, S. 44. ISBN 978-82-02-19672-1.

Vorgeschichte mini|Samische Familie in Nordland, Norwegen, um 1900 Schon seit der Jungsteinzeit wohnten Menschen als Jäger, Sammler und Fischer in großen Teilen Fennoskandinaviens. Beweise dafür liefern rund 10.000 Jahre alte Funde, zum Beispiel Reste von Feuerplätzen oder Pfeilspitzen in Arjeplog. Es wurden auch 6.000 Jahre alte Felszeichnungen im nordnorwegischen Alta gefunden. Das Siedlungsgebiet dieser sogenannten Komsa-Kultur erstreckte sich vom Norden bis weit in den Süden Skandinaviens und bis zum Weißen Meer in Russland.

Der Beginn der Rentier-Domestikation in Nordeuropa wird in die Zeit zwischen 1800 und 900 v. Chr. datiert. Aus der Zeit von 1500 v. Chr. bis 300 n. Chr. haben Archäologen Asbestkeramiken gefunden, die bereits als ein Merkmal samischer Kultur interpretiert werden. Daneben wurden auch Fanggruben entdeckt. Mit Systemen aus mehreren Fanggruben wurden Elche und Rentiere gefangen.

Die erste bekannte mögliche Nachricht über das Nordvolk stammt von Tacitus, der sie 98 n. Chr. als Fenni bezeichnete. Der griechische Historiker Prokopios erwähnte 555 n. Chr. ein Volk, das er Skrithfinoi nannte. Skridfinnen hießen sie auch noch bei Paulus Diaconus im 8. Jahrhundert. Die Bezeichnung bezog sich auf Skier.

Mittelalter mini|Jahrhundertelang lieferten die Samen Produkte ihrer extensiven Lebensweise wie Felle, Fische, Fleisch u. ä. an die Steuereintreiber der Kolonialherren ab. mini|Noch heute sind Rentierschlittenrennen ein beliebter Sport der Samen.