mini|Zwei Rechenpfennige Ein Rechenpfennig, auch als Münzmeisterpfennig, Zahlpfennig oder im süddeutschen Raum als Raitpfennig bezeichnet, war ein Rechenhilfsmittel, das beim Rechnen auf Linien Verwendung fand. Die Konstruktion mit den Rechenpfennigen ist eine flache Version des Abakus.
Das Rechnen auf Linien war eine Rechenmethode, die etwa vom 13. bis ins 17. Jahrhundert in Mitteleuropa in Gebrauch war. Auf ein mit Linien unterteiltes Brett oder Tuch wurden flache Scheiben zumeist aus Metall gelegt. Der Wert der Metallscheiben, die im Lauf der Zeit münzähnliches Aussehen erhielten, war von ihren Positionen auf dem Brett abhängig. Ab dem 15. Jahrhundert entwickelte sich neben den Niederlanden vor allem die freie Reichsstadt Nürnberg zu einem Zentrum der Herstellung von Rechenpfennigen. Der größte Teil der in Europa hergestellten Rechenpfennige wurde dort geprägt. Selbst nach dem Übergang von der römischen Zahlschrift auf die indische Zahlschrift, wodurch das schriftliche Rechnen wesentlich erleichtert wurde, wurden Rechenpfennige als Spielgeld noch bis ins 19. Jahrhundert geprägt. (Scanversion)
Bekannte Nürnberger Rechenpfennigmacher Damian Krauwinckel, 1543–1581 Georg & Hans Schultes, 1550–1596 Wolf Lauffer I, 1554–1601 Hans Krauwinckel I, 1562–1586 Egidius Krauwinckel, vor 1570–1613 Hans Krauwinckel II, 1586–1635 Hans & Wolf Lauf(f)er II, 1607–1660 Wolf Lauffer III, 1650–1670 Conrad & Cornelius Lauffer, 1660–1676 Johann Weidinger, 1670–1700 Johann Conrad Höger, 1705–1743 Johann Jacob Dietzel, 1711–1748 Albrecht Höger, 1735–1789 Ernst Ludwig Sigmund Lauer, 1783–1829 Johann Jacob Lauer, 1806–1852
Siehe auch Calculus Tand
Literatur Werner Press, Wolfgang Bauch: Von Adam Ries bis Bordesholm. Rechenpfennige aus Nürnberg. In: Jens Ahlers (Red.): Münzen – Banknoten – Notgeld – Medaillen. Schätze aus dem Münzkabinett der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek. Begleitband zur Ausstellung „Papier – Not – Geld – Medaillen“. Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, 1. September – 27. Oktober 2013. Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek, Kiel 2013, ISBN 978-3-941713-12-3, S. 80–92. Martin Straßburger: Eröffnung der Sonderausstellung „Aus 5 mach 1“ – Rechenpfennige in Sachsen geprägt. In: Jahrbuch des Adam-Ries-Bundes, Bd. 16. Annaberg-Buchholz 2025, ISBN 978-3-944217-62-8, S. 126–130. Manfred Weidauer: Rechenpfennige im Wandel der Zeit. In: Jahrbuch des Adam-Ries-Bundes, Bd. 16. Annaberg-Buchholz 2025, ISBN 978-3-944217-62-8, S. 40–50. Nach Adam Riese … Geschichte und Wesen der Rechenpfennige. Begleitheft zur Ausstellung der Kreissparkasse Köln, Oktober 1975 (= Das Fenster, Thema 94); geldgeschichte.de (PDF). Niederländische Rechenpfennige und Marken. Schweizerischer Bankverein, Zürich 1992. Nürnberger Rechenpfennige. 2 Bände. Staatliche Münzsammlung München. A. Koenig, F. Stalzer: Die Familien Schulte, Koch und Krauwinckel. 1989. F. Groenendijk, R. Levinson: Die Familie Lauffer. 2015.
Weblinks
Inge C. Rudowski: Die Vielfalt und Schönheit der Rechenpfennige. (PDF; 9,0 MB) rechenschieber.org, 2014.
Einzelnachweise
Kategorie:Rechenhilfsmittel Kategorie:Geschichte der Mathematik Kategorie:Numismatik