Karnataka (), bis 1973 Mysore, ist ein südindischer Bundesstaat mit einer Fläche von 191.791 Quadratkilometern und über 61 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2011). Der frühere indische Fürstenstaat Mysore trat im Jahr 1947 der Indischen Union bei. Im States Reorganisation Act 1956 wurden die Grenzen Mysores neu gezogen, so dass der Bundesstaat anschließend alle Kannada-sprachigen Gebiete umfasste. Im Jahr 1973 wurde der Staat Mysore in Karnataka umbenannt. Die Hauptstadt Karnatakas ist Bengaluru, die Amtssprache ist Kannada.
Der Name des Bundesstaates Der Name Karnataka hat denselben etymologischen Ursprung wie Kannada, die Bezeichnung der in der Region gesprochenen Sprache. Er leitet sich wahrscheinlich von den dravidischen Wörtern karu für „schwarz“ und nāṭu für „Land“ ab und verweist auf die Schwarzerde des Dekkan-Hochlands. Ursprünglich bezeichnete Karnataka genauso wie heute das kannadasprachige Gebiet im südwestlichen Dekkan. Während der britischen Kolonialzeit wurde die anglisierte Bezeichnung Carnatic auf das südlich gelegene Flachland zwischen den Ostghats und der Koromandelküste übertragen, während der über Kannada ebenfalls von Karnataka abgeleitete Name Canara den Küstenstreifen im Westen bezeichnete. Mit der Umbenennung des Bundesstaates Mysore, der 1956 aus den kannadasprachigen Gebieten gebildet worden war, im Jahr 1973 wurde der Begriff Karnataka in seiner Sanskrit-Form wieder zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurückgeführt.
Geographie mini|Topografische Karte Karnatakas
Karnataka grenzt an die Bundesstaaten Goa im Nordwesten, Maharashtra im Norden, Telangana im Nordosten, Andhra Pradesh im Osten, Tamil Nadu im Südosten und Kerala im Südwesten, sowie an das Arabische Meer im Westen.
Karnataka gliedert sich in drei landschaftliche Großräume. Auf die 320 Kilometer lange und nur 48 bis 64 Kilometer breite Küstenebene im Westen folgen die Bergketten der Westghats, die in Karnataka eine Höhe von bis zu 1923 Metern erreichen.Berge in Karnataka – Fotos + Infos Den größten Teil des Bundesstaats nimmt das hauptsächlich aus Granituntergrund bestehende Hochland des Dekkan ein.
Auf dem Dekkan entspringen auch die drei wichtigsten Flüsse Kaveri, Krishna und Tungabhadra.
Klima In Karnataka herrscht tropisches Klima. Überall im Land werden die klimatischen Verhältnisse maßgeblich vom Monsun beeinflusst. Der Sommermonsun dauert von Juni bis September, wobei die Niederschläge je nach Region unterschiedlich stark ausfallen.
An der Küste herrscht tropisches Wechselklima. Es ist ganzjährig heiß – im Jahresmittel um 27 Grad Celsius – bei geringen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf. Während des Sommermonsuns kommt es zu starken Niederschlägen. Von Oktober bis Dezember können noch schwache Nachmonsunregen auftreten. Die restlichen Monate sind zwar niederschlagsfrei, teilweise herrscht aber dennoch hohe Luftfeuchtigkeit, besonders unmittelbar vor und nach dem Monsun. Über das Jahr verteilt fallen je nach Ort bis zu 3500 mm. Die hinter der schmalen Küstenebene aufsteigenden Westghats gehören zu den regenreichsten Gegenden Indiens. Dort gibt es einige Orte mit jährlichen Niederschlagsmengen von mehr als 5000 mm.
Auch im Hochland von Dekkan, das den größten Teil Karnatakas einnimmt, herrscht tropisches Wechselklima, allerdings ein wesentlich trockeneres als an der Küste. Die Temperaturen schwanken stärker, da der ausgleichende Meereseinfluss fehlt. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen höhenbedingt teils deutlich niedriger als an der Küste, dennoch wird es in den Sommermonaten auch auf dem Dekkan unerträglich heiß. In den niedriger gelegenen Regionen im Norden Karnatakas (Vijayapura, Kalaburagi, Raichur, Ballari) sind die Niederschläge mit 500 bis 600 mm pro Jahr am geringsten; gleichzeitig wird es dort im Sommer am heißesten. In den anderen, höher gelegenen Teilen des Hochlandes fallen die jährlichen Regenmengen etwas höher aus.
Bevölkerung Demografie Nach der indischen Volkszählung 2011 beträgt die Einwohnerzahl Karnatakas 61.130.704. Damit ist Karnataka gemessen an der Einwohnerzahl Indiens achtgrößter Bundesstaat. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 319 Einwohnern pro Quadratkilometer unter dem gesamtindischen Durchschnitt (382 Einwohner pro Quadratkilometer). 38,6 Prozent der Einwohner leben in Städten.Census of India 2011: Provisional Population Totals – India – Rural-Urban Distribution. (PDF; 8,1 MB) Der Urbanisierungsgrad ist damit höher als im Mittelwert Indiens (31,2 Prozent). Die Bevölkerung Karnatakas wächst etwas weniger schnell als in anderen Landesteilen Indiens. Von 2001 bis 2011 verzeichnete Karnataka ein Bevölkerungswachstum von 15,7 Prozent, während der Landesdurchschnitt 17,6 Prozent beträgt. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 68,8 Jahre (der indische Durchschnitt betrug 67,9 Jahre). Die Fertilitätsrate betrug 1,84 Kinder pro Frau (Stand: 2016) während der indische Durchschnitt im selben Jahr bei 2,23 Kindern lag.
Bevölkerungsentwicklung
Zensusbevölkerung von Karnataka (in den heutigen Grenzen) seit der ersten indischen Volkszählung im Jahr 1951. ZensusjahrEinwohnerzahl195119.402.500196123.587.910197129.299.015198137.135.710199144.977.200200152.734.986201161.130.704
Sprachen mini|Mehrsprachiges Schild in Bengaluru (Kannada, Tamil, Englisch) Hauptsprache Karnatakas ist das zu den dravidischen Sprachen gehörende Kannada, nach dessen Sprachgrenzen die Grenzen des Bundesstaates gezogen wurden. Kannada dient in Karnataka als alleinige Amtssprache. Es wird von zwei Dritteln der Bevölkerung als Muttersprache verwendet, viele Sprecher anderer Sprachen beherrschen es als Zweitsprache.
Außer den Kannadigas (Sprechern des Kannada) leben in Karnataka zahlreiche sprachliche Minderheiten: Zweitgrößte Sprache ist das von den meisten Muslimen gesprochene Urdu, eine indoarische Sprache. Seine Sprecher machen ein Zehntel der Bevölkerung aus. Außerdem gibt es beträchtliche Zahl von Sprechern der Sprachen der Nachbarbundesstaaten: Entlang der Grenze zu Andhra Pradesh gibt es eine Telugu sprechende Minderheit, in Teilen Nordkarnatakas um die Stadt Belagavi wird mehrheitlich das indoarische Marathi, die Hauptsprache des nördlichen Bundesstaates Maharashtra, gesprochen. An der Küste lebt eine christliche, ursprünglich aus Goa eingewanderte Minderheit, die das eng mit dem Marathi verwandte Konkani spricht. Im Großraum Bengaluru leben zahlreiche Sprecher des Tamil, an der Grenze zu Kerala wird auch Malayalam gesprochen. Unter Immigranten aus Nordindien ist ferner das Hindi verbreitet.
Im Südwesten Karnatakas werden zwei kleinere Regionalsprachen gesprochen: In der Küstengegend um Mangaluru leben 1,5 Millionen Sprecher des Tulu, in den Bergen im Distrikt Kodagu (Coorg) sprechen rund 110.000 Menschen Kodava (Coorgi). Beide Sprachen gehören der dravidischen Sprachfamilie an. Ferner sprechen die über weite Teile Karnatakas verstreut lebenden Angehörigen des nomadischen Volks der Banjara Lamani bzw. Banjari, einen Dialekt des Rajasthani. In den offiziellen Statistiken werden die rund eine Million Lamani/Banjari-Sprecher unter der Zahl der Hindi-Sprecher subsumiert.
In Karnatakas Hauptstadt Bengaluru herrscht ein buntes Sprachengewirr. Kannada wird dort nur von einem knappen Drittel der Einwohner verwendet. Daneben gibt es große Zahlen von Sprechern von Tamil, Telugu und Urdu. Als Bildungs- und Verkehrssprache ist Englisch praktisch überall gegenwärtig.
+ Sprachen in Karnataka (2011)Census of India 2011: C-16 Population By Mother Tongue. Karnataka. Sprache Sprecher Anteil Kannada 40.651.090 66,5 % Urdu 6.618.324 10,8 % Telugu 3.569.400 5,8 % Tamil 2.110.128 3,5 % Marathi 2.064.906 3,4 % Hindi 2.013.364 3,3 % Tulu 1.595.038 2,6 % Konkani 788.294 1,3 % Malayalam 774.057 1,3 % Sonstige 910.696 1,5 % Summe 61.095.297 100 %
Religionen Hindus stellen mit 84 Prozent die deutliche Bevölkerungsmehrheit, ein Anteil, der in etwa dem gesamtindischen Durchschnitt entspricht. Auch die Anteile an Muslimen und Christen liegen mit 13 bzw. 2 Prozent nah am Landesdurchschnitt. Ihre Verteilung über die Fläche Karnatakas ist jedoch ungleichmäßig. Während sich die muslimische Bevölkerung vorwiegend im Norden des Staates und in Bengaluru konzentriert, leben fast sämtliche Christen in der Küstenregion.
Von großer Bedeutung ist die Minderheit der Jainas, die zwar nur 0,7 Prozent der Einwohner ausmacht, aber dennoch wichtige Beiträge zur Kulturgeschichte Karnatakas geleistet hat. Auch im Wirtschaftsleben ist ihr Einfluss unübersehbar. Eine weitere Minderheit bilden die Buddhisten (0,2 Prozent). Zu ihnen gehören sowohl Anhänger des von B. R. Ambedkar begründeten Dalit-Buddhismus, die sich im Norden Karnatakas wie im benachbarten Maharashtra finden, als auch die Nachfahren tibetischer Flüchtlinge, die in den 1960er Jahren an Orten wie Bylakuppe angesiedelt wurden.
+ Religionen in Karnataka (2011)Census of India 2011: C-1 Population By Religious Community. Karnataka. Religion Angehörige Anteil Hinduismus 51.317.472 84,0 % Islam 7.893.065 12,9 % Christentum 1.142.647 1,9 % Sonstige 742.113 1,2 % Summe 61.095.297 100 %
Bildung mini|Distrikte in Karnataka nach Alphabetisierungsrate (2011) Die Alphabetisierungsrate Karnatakas liegt mit 75,6 Prozent (Männer: 82,3 Prozent, Frauen: 68,1 Prozent) nur wenig über dem indischen Durchschnitt (74,0 Prozent, Stand jeweils Volkszählung 2011).
Karnataka verfügt über 16 Universitäten bzw. höhere Bildungseinrichtungen mit dem Status einer Universität, davon allein drei in der Hauptstadt Bengaluru: die Bangalore University, die University of Agricultural Sciences sowie das Indian Institute of Science. Karnatakas älteste Universität ist jedoch die 1916 gegründete University of Mysore.
Städte mini|Bengaluru: Mit Abstand größte Stadt Karnatakas Die mit Abstand größte Stadt Karnatakas ist die im Südosten des Bundesstaates gelegene Hauptstadt Bengaluru. Durch ihren wirtschaftlichen Aufschwung hat die IT-Metropole ein erhebliches Bevölkerungswachstum erlebt und ist mittlerweile die drittgrößte Stadt Indiens. Mit 13,96 Millionen Einwohnern beherbergt Bengaluru ein Siebtel der Bevölkerung Karnatakas und ist neunmal so groß wie die nächstgrößte Stadt des Bundesstaates, die im Nordwesten Karnatakas gelegene Doppelstadt Hubballi-Dharwad. Drittgrößte Stadt ist das im Süden gelegene Mysuru, das als ehemalige Hauptstadt des Königreichs Mysore historisch bedeutsam ist. Weitere wichtige Städte sind Kalaburagi im Nordosten, Belagavi im Nordwesten und Mangaluru an der Küste im Südwesten.
Anlässlich des fünfzigsten Jahrestags der Gründung des Bundesstaats im Jahr 2006 beschloss die Regierung von Karnataka nach einem Vorschlag des Schriftstellers U. R. Ananthamurthy, die englischen Namen von 12 Städten in Karnataka in ihre Kannada-Namensformen umzubenennen. So wurde Bangalore zu Bengaluru und Mysore zu Mysuru. Mit der Zustimmung der indischen Zentralregierung im Oktober 2014 trat die Namensänderung in Kraft.12 Cities in Karnataka get a name change, 31. Oktober 2014, abgerufen am 24. August 2020 Die alten Namensformen werden in Klammern aufgeführt. Die Einwohnerzahlen repräsentieren den Stand der Volkszählung 2011.
Stadt Einwohner Stadt Einwohner 1 Bengaluru (Bangalore) 13.960.000 8 Ballari (Bellary) 409.644 2 Hubballi-Dharwad (Hubli-Dharwad) 943.857 9 Vijayapura (Bijapur) 326.360 3 Mysuru (Mysore) 887.446 10 Shivamogga (Shimoga) 322.428 4 Kalaburagi (Gulbarga) 532.031 11 Tumakuru (Tumkur) 305.821 5 Belagavi (Belgaum) 488.292 12 Raichur 232.456 6 Mangaluru (Mangalore) 484.785 13 Bidar 211.944 7 Davanagere 435.128 14 Hosapete (Hospet) 206.159 Quelle: Census of India 2011. (PDF; 154 kB)
Geschichte Frühe Geschichte (bis ca. 3. Jahrhundert n. Chr.)