mini|Der Podcast Serial, abgespielt auf einem iPhone Als Podcast wird ein Medienformat bezeichnet, bei dem es sich meist um eine Serie abonnierbarer Audiodateien, seltener Videodateien, im Internet handelt. Podcasts werden überwiegend mit Podcatcher-Apps abgerufen. Der Ausdruck Podcast ist ein Kofferwort, zusammengestellt aus pod von iPod und cast von broadcast (Ausstrahlung).

Durch die Verbreitung von Smartphones und den Erfolg einzelner Formate sind Podcasts von Jahr zu Jahr populärer geworden. Ein einzelner Podcast besteht aus einer Serie (mit mehreren Episoden oder Folgen) von Medienbeiträgen (beispielsweise Interviews, News, Mitschnitte von Hörfunksendungen, Musiksendungen), die als Einzelsendung über eine Podcast-App (podcatcher) durch einen RSS-Feed automatisch bezogen und abgespielt werden können. Typischerweise merkt sich der Podcatcher, an welcher Stelle die Wiedergabe beendet oder abgebrochen wurde, so dass man beim Neustart der Folge unmittelbar weiterhören kann.

Entstehung des Namens Prägung des Worts „iPod“ Das Wort „pod“ (englisch für Schote, Gondel) bezog sich bei der Markenentwicklung des iPod im Jahr 2001 auf Stanley Kubricks Film 2001: Odyssee im Weltraum (1968): Darin können als bezeichnete Kleinraumschiffe vom Mutterschiff Discovery aus eigenständige Expeditionen unternehmen. Die Entwickler des iPods bezogen sich dabei einerseits auf Steve Jobs’ Vorstellung von Mac-Computern als zentralen Systemen („hub“) und weiteren mobilen Geräten als Ableger, andererseits auf Kubricks minimalistisches Setdesign.

Prägung des Worts „Podcast“ Als Erfinder des Podcastings gelten Tristan Louis, der das Konzept im Jahr 2000 erstmals vorschlug, und Dave Winer, der es leicht modifiziert als Erster umsetzte. Der ehemalige MTV-Moderator Adam Curry gilt auf Produzentenseite als Pionier des zunächst „Audioblogging“ genannten Verfahrens. Den Begriff „podcasting“ im Sinne der Aktivität des Audiobloggens prägte der britische Digitaljournalist Ben Hammersley in einem Artikel für den Guardian im Jahr 2004. Der Begriff „podcaster“ im Sinne eines Menschen, der Podcasts produziert, wurde im selben Jahr in einer Yahoo-Mailingliste verwendet. Die Bezeichnung „podcast“ im Sinne einer Serie von Sendungen wurde im September 2004 vom US-amerikanischen Blogger Doc Searls geprägt. Der Begriff bürgerte sich daraufhin schnell ein, auch die Technik fand immer breitere Verwendung – mit dem Blogger Adam Curry als ihrem größten Unterstützer. 2005 verwendete das Unternehmen Apple, dessen tragbarer Digital-Audio-Player iPod für die Namensgebung Pate gestanden hatte, die Bezeichnung bei der Integration des Formats in das bereits weit verbreitete Programm iTunes und verschaffte ihm damit Zugang zu einem Massenpublikum. (englisch)

Geschichte des Mediums

Zunächst beschäftigte sich die kleine Gemeinschaft in den Sendungen vor allem mit sich selbst, erst langsam bildeten sich themenorientierte Sendungen heraus. Schnell vertreten waren Musiksendungen. Zeitungen und Zeitschriften bieten zunehmend im Rahmen ihres Onlineangebots Podcasting an, mit aufgenommenen Sendungen und mit über Sprachsynthese vorgelesenen Artikeln.

Ab Sommer 2005 tauchten einige Podcasts mit erotischen Inhalten auf, sogenannte Porncasts. Daraufhin integrierte Apple in die Software iTunes ab Version 5 eine Kindersicherung, basierend auf einer freiwilligen Angabe des Podcasters, ob seine Inhalte für Kinder und Jugendliche geeignet sind. Im Juni 2005 tauchte der erste deutschsprachige Video-Podcast (isightseeing) auf und im Herbst 2005 wurden bei Portalen wie Apples iTunes bereits mehrere Video-Podcasts unter der Rubrik Podcast gelistet. Sie werden in der Regel in Video-Formaten wie MPEG-4 und H.264 geliefert. Auch sie werden über einen Newsfeed angeboten. Im Februar 2006 zählte die deutsche Szene rund 1300 Podcasts. Freie Radios können mit StreamOnTheFly aus ihrem Archivnetzwerk Podcasts anbieten. Die Fernsehsendung Hart aber fair, produziert vom Westdeutschen Rundfunk, gehörte neben SWR2 Wissen 2006 zu den ersten öffentlich-rechtlichen Podcasts.

Bis 2008 etablierte sich bei allen großen Hörfunksendern und einigen Fernsehsendern wie Arte die Bereitstellung ausgewählter Hörfunk- und Fernsehsendungen über die Podcast-Funktion. Die Sendungen werden auf der eigenen Website oder zusätzlich auf Podcast-Portalen entweder als Live-Stream ohne die Möglichkeit des Herunterladens (von Filmen) bzw. zum Soforthören oder zum Herunterladen (von Audiodateien) bereitgestellt. Die Inhalte sind neben Informations- und Bildungssendungen häufig Interviews und ab 2008 auch einzelne Spielfilme, die über eine Mediathek (zum Beispiel ZDFmediathek) bereitgestellt werden. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung und die Financial Times Deutschland waren die ersten Online-Medien, die personalisiertes Podcasting ermöglichten. Als Pionier der deutschen Podcastszene gilt Tim Pritlove, der neben selbst produzierten Podcasts auch an der Entwicklung von Tools zur Produktion von Podcasts mitwirkt. Um Podcasts zu finden, ist ein Index hilfreich, wie er von Apple über iTunes oder unabhängigen Indizes wie podcastindex.org oder fyyd.de bereitgestellt wird.podcastindex.org podcastindex.org, abgerufen am 15. Oktober 2021.fyyd.depodnews.net podnews.net -abgerufen am 15. Oktober 2021gnulinux.ch gnulinux.ch, abgerufen am 15. Oktober 2021.

Inhalte Zunächst waren Podcasts überwiegend privat produzierte Sendungen, ähnlich wie Hörfunkshows, mit einem bestimmten Thema. Zunehmend werden aber professionell produzierte Podcasts, etwa für Special-Interest-Nachrichten und -Themen angeboten. Diese werden in der Regel von einer für Audioproduktion spezialisierten Produktionsfirma für Auftraggeber bzw. Kunden produziert. In Deutschland gibt es über 20 solcher Produktionsfirmen. Die Moderatoren von Podcasts bezeichnet man als Hosts (dem englischen Begriff für Gastgeber) und Co-Hosts. Durch die Demokratisierung des für das Podcasting benötigten Wissens erstellen zunehmend mehr Privatpersonen ihren eigenen Podcast, ohne dabei auf die Hilfe von Produktionsfirmen zurückzugreifen.

Das mit Abstand beliebteste Podcast-Genre ist Stand 2023 True Crime.taz.de, abgerufen am 27. November 2023. Besonders beliebt sind ebenfalls „Laber-Podcasts“, News-Formate etwa im Sport-, Ernährungs- und Gaming-Bereich. In einer Podcast-Umfrage, die von der OMR-Tochterfirma Podstars Anfang 2022 durchgeführt wurde, gaben 91,4 % der Teilnehmer an, Podcasts zur Unterhaltung zu hören, 63,5 % hören regelmäßig Podcasts, um News zu konsumieren. Podcasts bestimmter Inhalte werden oft mit einem englischen Kürzel für den Inhalt und dem Zusatz „cast“ bezeichnet, so Astronomycast, Howcast, Porncast, Sportcast oder Educast. Educast, ein Kofferwort aus „“, bezeichnet Podcasts zur Wissensvermittlung.

Bei der Verwendung von Musik in eigenen Podcasts ist das Urheberrecht zu beachten. Ein zunehmender Trend ist das Benutzen von Podsafe-Music, also lizenzfreier oder Creative-Commons-lizenzierter Musik. Auch zur Unterscheidung der technischen Hauptquellen des Materials eines Podcasts werden gerne spezielle Begriffe verwendet: Während das Voipcasting oder Phonecasting das Aufzeichnen einzelner Beiträge per Telefon bezeichnet, beschreibt Screencasting das Aufzeichnen der Aktivitäten auf einem grafischen Display, das meistens mit einer Sprecherstimme begleitet wird.

In speziellen Musikszenen wird eine Podcast-ähnliche Funktion eingesetzt, damit die Szenemitglieder über neue Musik verschiedener Labels immer auf dem aktuellen Stand sind und diese digital vorhören können. Es sind Podcasts im weiteren Sinne, da sie musikbezogen sind und es keine Moderation gibt. Es wird lediglich dieselbe technische Grundlage verwendet. Häufig werden Podcasts zusammen mit ergänzenden Sendungsnotizen zur aktuellen Episode veröffentlicht. Diese Shownotes enthalten neben einem beschreibenden Text meist auch Bilder und Links zu den besprochenen Themen.

Veranstaltungen wie die jährliche Verleihung eines Podcast-Awards, etwa der Deutsche Podcastpreis, zeugen von der steigenden Verbreitung in alle Themenbereiche des Internets.

Technisches Podcasts bedienen sich bereits existierender Techniken. Es erleichtert die Bereitstellung und den Empfang von Audio- und Videoinhalten erheblich. So wird eine breitere Basis von Produzenten und Konsumenten geschaffen (ausgedrückt in der Wortneuschöpfung „Prosument“). Die einzelnen Beiträge eines Podcasts heißen gewöhnlich „Episoden“, obwohl teilweise der Begriff „Podcast“ auch auf eine einzelne dieser so verbreiteten Dateien angewendet wird. Fälschlich nennt man manchmal auch nur die im News-Feed verlinkten Medieninhalte Podcast.

Podcaster müssen jedoch genauso wie Betreiber von Rundfunksendern (z. B. auch Web-Radios) die Rechte Dritter an den Medieninhalten beachten und eventuell Gebühren an sie oder deren Lizenzgeber abführen (Urheberrecht).

Audio-Formate Podcasts stehen im Gegensatz zum Webcast oder Streaming, bei denen keine lokal gespeicherte und damit auch offline verfügbare Mediendatei verwendet wird. Selten finden die deutschen Wörter Hörstück oder Hördatei Anwendung. Podcasts sind vergleichbar mit Hörfunksendungen, die auch unabhängig von den Sendezeiten angehört werden können. Bücher, die exklusiv nur als Podcast, das heißt als Hörbuch im Podcast-Format, erscheinen, werden auch Podiobook genannt.

Video-Formate Werden Fernsehbeiträge oder anderes Videomaterial auf diesem Weg verbreitet, spricht man von Vodcast, Vidcast oder inzwischen meistens von einem Video-Podcast. Podcasting wäre so als Teilbereich von Video- und Audio-on-Demand zu betrachten. Jedoch stehen letztere Begriffe eher für kostenpflichtige und durchsuchbare Dienste, während „Sender“ Podcasts in aller Regel kostenlos und in einer vom Konsumenten ausgewählten Menge nach und nach in neuen Folgen anbieten.

Empfang Der Podcasting-Client () bietet dem Hörer die Möglichkeit, Listen von Web-Feeds von Podcasts zusammenzustellen (aggregieren). Diese Art von Software wird daher auch als Feed-Aggregator bezeichnet. Dieser Begriff ist jedoch weniger genau als Podcasting-Client, da jener lediglich Ticker-Nachrichten ohne Zugriff auf Audio-Dateien abruft (Web-Feeds). Viele Podcasting-Clients erlauben die regelmäßige Aktualisierung und den automatischen Download der abonnierten Podcast-Feeds. Im Jahr 2022 waren die hauptsächlich genutzten Podcatcher Amarok, AntennaPod, Apple Podcasts, Audacy, Audible, Castbox, Clementine, CPod, Deezer, doubleTwist, Escapepod, foobar2000, Gnome Podcasts, Google Podcasts, gPodder, Liferea, MediaMonkey, MusicBee, NetNewsWire, Overcast, Player FM, Pocket Casts, Podcast Addict, Podcast Guru, Poddr, Podfriend, PodLP, Podurama, Rhythmbox, Spotify, Stitcher, TuneIn, VLC, Vocal und Winamp. mini|hochkant=3.5|Schema eines Audio-Podcasts, der die Episoden im MP3-Format bereitstellt

Auch auf Streaming Media spezialisierte Portale (wie podcast.de oder podster.de) bieten Medieninhalte zu den unterschiedlichsten Themen über einen Abspielknopf an, der in Webseiten und Weblogs zum Abspielen als Streaming Media eingebettet werden kann, weswegen ein nicht unbedeutender Anteil des Konsums von Podcast-Episoden aus Podcast-Portalen in Form von Streaming Audio stattfindet. Waren zunächst oft Desktop-Computer das primäre Zugangsgerät, sind Smartphones das Standard-Abspielgerät geworden. Viele Podcast-Player erlauben das Anpassen der Abspielgeschwindigkeit.

Mittlerweile werden serielle Audioinhalte oftmals auch dann als Podcast bezeichnet, wenn sie nicht frei via RSS-Feed zu erhalten sind oder nur als Stream erhältlich sind. Zu dieser Verwässerung des Begriffs haben insbesondere Spotify und Clubhouse beigetragen.

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