Rohrbach in Oberösterreich war eine Stadtgemeinde im Oberen Mühlviertel und Verwaltungssitz des Bezirks Rohrbach. Am 1. Mai 2015 wurde Rohrbach mit der Nachbargemeinde Berg bei Rohrbach zur Stadtgemeinde Rohrbach-Berg zusammengelegt, nachdem eine am 19. Oktober 2014 in beiden Gemeinden abgehaltene Volksbefragung ein positives Ergebnis erbracht hatte.

Alle Angaben beziehen sich auf die Stadtgemeinde, wie sie bis 30. April 2015 bestand!

Mit einer Fläche von 6,42 km² und mit 2552 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2015) war Rohrbach bis zur Fusion mit Berg bei Rohrbach flächenmäßig die kleinste und bezogen auf die Einwohneranzahl die fünftgrößte Gemeinde des Bezirks.

Rohrbach wurde um 1200 an der Kreuzung mittelalterlicher Handelswege gegründet und diente als Raststätte vor der Überquerung des Böhmerwalds. Dies brachte den Bürgern Wohlstand und die Verleihung von Marktrechten, die 1320 erstmals urkundlich erwähnt wurden. Bedeutung als Verwaltungszentrum erlangte Rohrbach ab 1749 als Sitz des Kreisamtes und ab 1849 als Standort von Bezirkshauptmannschaft und Bezirksgericht.

Ab den 1960er Jahren erfolgte der auf den ganzen Bezirk Rohrbach ausgerichtete Ausbau der Infrastruktur und 1986 wurde der Markt von der Oberösterreichischen Landesregierung zur einzigen Stadt des Bezirks erhoben.

Geografie Lage Die Stadt Rohrbach liegt 45 Kilometer nordwestlich der Landeshauptstadt Linz, 10 km südlich der Staatsgrenze zu Tschechien und 21 km östlich der Staatsgrenze zu Deutschland im Oberen Mühlviertel. Die leicht zugängliche Lage an alten Verkehrswegen auf einem flachen Ausläufer des Zwischenmühlrückens begünstigte die Entwicklung zum zentralen Verwaltungsort der Region.

Das Gemeindegebiet bedeckte eine Fläche von 6,42 km². Die größte Ausdehnung betrug in Ost-West-Richtung 2,8 km und in Nord-Süd-Richtung 4,8 km.DORIS: Rohrbach in Oberösterreich, abgerufen am 12. März 2017.

Die höchste Erhebung befindet sich südlich der Ortschaft Autengrub nahe der Gemeindegrenze zu Sarleinsbach mit rund und der tiefste Punkt in der Nähe des Froschbachs an der Gemeindegrenze zu Berg auf

Geologie und Gewässer mini|Der Pöschlteich Das Gemeindegebiet von Rohrbach gehört zum Granit- und Gneisplateau, dem österreichischen Anteil der Böhmischen Masse und aus geologischer und geomorphologischer Sicht sowie unter Aspekten der Raumnutzung zur oberösterreichischen Raumeinheit Zentralmühlviertler Hochland. Die Gegend um Rohrbach ist eine plateauartige Rumpflandschaft, die westlich der Stadt in ein Waldkuppen-Hügelland übergeht. Der Untergrund besteht vor allem aus Schlierengranit und Perlgneis. Ein größeres Dioriteinsprengsel findet sich bei Götzendorf nahe der Gemeindegrenze zu Sarleinsbach und Oepping.

Der Pöschlteich an der ehemaligen Gemeindegrenze zu Berg ist das größte stehende Gewässer in Rohrbach und einer der ältesten Fischteiche der Region. Das Gebiet wird von mehreren Bächen durchflossen, beispielsweise vom Lanzerstorferbach und vom Froschbach.

Ehemalige Stadtgliederung und Flächennutzung mini|Ehemalige Stadtgliederung mit Nachbargemeinden Der ehemalige Markt Rohrbach ist jeweils mit denselben Grenzen seit 1784 Katastralgemeinde und seit 1986 Stadtgemeinde mit den Ortsteilen Autengrub (24), Harrau (37), Lanzerstorf (152), Rohrbach (2108) und Schönberg (29), (Einwohnerzahlen von 2001 in Klammern).Statistik Austria: Einwohner nach Ortschaften (PDF; 8 kB).

Der größte Anteil der Fläche wird von landwirtschaftlichen Nutzflächen eingenommen, die mehr als 70,8 % umfassen (Oberösterreich 49,3 %), 13,8 % der Fläche sind bewaldet.

Nachbargemeinden bis 30. April 2015 Die Stadtgemeinde Rohrbach war von den Gemeinden Arnreit, Berg, Oepping und Sarleinsbach umgeben, die alle zum Bezirk Rohrbach gehören.

Eine Gemeindefusion mit Berg zu „Rohrbach-Berg“ war fix, nachdem am 19. Oktober 2014 eine Volksbefragung in beiden Gemeinden ein positives Ergebnis erbracht hat. In Rohrbach stimmten (bei einer Wahlbeteiligung von ca. 60 %) 89,9 % für den Zusammenschluss. In Berg stimmten (bei einer Wahlbeteiligung von ca. 77 %) 58 % für den Zusammenschluss.

Klima Die nächstgelegenen staatlichen Klimastationen befinden sich in Kollerschlag (), Reichenau () und Aschach ().ZAMG: Klimadaten von Österreich 1971–2000, abgerufen am 28. April 2009.

Die Temperatur schwankt in Rohrbach während eines Jahres zwischen einem Minimum von −27,7 °C und einem Maximum von 36,3 °C. Bereits im September ist leichter Morgenfrost möglich. Rohrbach weist keine Inversionswetterlagen auf und hat durchschnittlich 121,4 Frosttage, 40 Eistage, 29,3 Sommertage und 2,9 Tage über 30 °C = heißer Tag. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge liegt bei rund 760 mm. Die durchschnittliche Schneehöhe beträgt 48 cm bei einem Maximum von 70 cm. Die Dauer der Schneedecke bewegt sich zwischen 4 und 107 Tagen.

Rohrbach ist seit 1999 Klimabündnis-Partnergemeinde und verweist auf eigene Aktivitäten zur kontinuierlichen Verminderung der Treibhausgas-Emissionen, beispielsweise in den Bereichen Energie, Verkehr und Landwirtschaft.Klimabündnis: Rohrbach, abgerufen am 28. April 2009.

Geschichte Namensentwicklung Der Name Rohrbach deutet etymologisch auf eine ehemals sumpfige Umgebung hin, die zur Errichtung der Siedlung trockengelegt wurde. Der Rohrbach führte vom heutigen Pöschlteich durch mit Rohrkolben bewachsenes Sumpfgelände zum Fischbach. Diese Rohrkolben finden sich auch im Wappen der Stadt. Der Ortsname war um 1200 Rorebach, im 13. Jahrhundert Rohrebach, Rorpach oder Rarbach, 1413 wurde der Ort als Rorbach und 1562 als Rorwach bezeichnet. Erst viel später wurden die Rohre im Boden verlegt, durch die der Bach heute fließt.Grundlage des Abschnitts Geschichte sind: Stadtgemeinde Rohrbach (Hrsg.): Rohrbach – vom Markt zur Stadt. Festschrift zur Stadterhebung am 5.7.1987. Rohrbach 1987; sowie die in der Ausstellung im Stadtgeschichteraum des Rathauses gebotenen Informationen.

In der Mühlviertler Mundart lautet der Ortsname Reowá. Die erste Silbe des Namens Reo fußt auf dem bairischen Wort Reo oder Rea, das es im Allgemeinen in dieser Form heute nicht mehr gibt. Die zweite Silbe wurde von -bach zu -wa abgeschwächt.

Mittelalter mini|Bayern unter Karl dem Großen mini|Herzogtum Baiern im 10. Jahrhundert mini|Ein Steintisch, damit wurde im Mittelalter die Echtheit der Münzen geprüft. Das westlich der Großen Mühl liegende heutige Gemeindegebiet von Rohrbach gehörte zu Beginn des Mittelalters zum Herzogtum Baiern, das ab 788 zur Provinz des Fränkischen Reiches unter Karl dem Großen wurde. Das heutige Stadtgebiet wurde im 11. Jahrhundert besiedelt, da sich hier die Salzstraßen Goldener Steig und Via Regia kreuzten, auf denen Salz aus Hallein über Passau beziehungsweise aus dem Salzkammergut über Linz nach Böhmen transportiert wurde. Weitere Handelswege führten von den damaligen Donauhäfen Obermühl in der heutigen Gemeinde Kirchberg ob der Donau, Landshaag in der Gemeinde Feldkirchen an der Donau und Niederranna in der Gemeinde Hofkirchen im Mühlkreis über Rohrbach ebenfalls nach Böhmen. So entstanden erste Rast- und Verpflegungsstätten für die Säumer und Fuhrleute. Der Weg von Obermühl über Rohrbach war damals die kürzeste Verbindung zwischen Donau und Moldau in dieser Gegend.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts erfolgte eine planmäßige Anlage des Ortes durch 44 Urbürger, womit sich der Rastplatz zu einem Marktort entwickeln konnte. Diese Gründung des Ortes dürfte ein Werk der Falkensteiner von der Burg Falkenstein gewesen sein, die einen Stützpunkt südlich des Böhmerwaldes benötigten. Genauere Angaben zur Ortsentstehung sind verloren gegangen.

Rohrbach befand sich im Einflussbereich des Bistums Passau, wobei der religiöse Mittelpunkt des Seelsorgsraums in Pfarrkirchen im Mühlkreis lag.Karl Rehberger: Die kirchliche Entwicklung des Mühlviertels. In: Das Mühlviertel, Natur, Kultur, Leben, Beiträge zur Oberösterreichischen Landesausstellung 1988 in Schloss Weinberg bei Kefermarkt. Linz 1988, S. 283. 1303 wurde Rohrbach eine eigene Passauer Pfarre, die jedoch wenige Jahre später, 1319, dem als Rodungskloster 1207 und 1218 gestifteten Prämonstratenser Chorherren Stift Schlägl zugeschlagen wurde. Während des Entstehungszeitraums Österreichs ab dem 10. Jahrhundert zählte das Gebiet westlich der Großen Mühl noch nicht zum Bereich der Babenberger.

Erst ab dem 14. Jahrhundert gelang den österreichischen Landesherren die Ausdehnung ihres Herrschaftsgebietes auf diese Region.Siegfried Haider: Geschichte Oberösterreichs. München 1987, ISBN 3-486-54081-5. Zwar war das Gebiet österreichisches Hoheitsgebiet, jedoch gleichzeitig passauisches Reichslehen und Teil des Reichsfürstentums Bistum Passau. Dies hatte zur Folge, dass die Gerichtsbarkeit im Landgericht Velden in diesem Bereich von einem passauischer Landrichter ausgeübt wurde. Die Situation wurde erst 1765 durch einen Vertrag zwischen Maria Theresia und dem Fürstbistum bereinigt und die Ausdehnung des heutigen Oberen Mühlviertels festgelegt.Karl Rehberger: Historische Entwicklung des Mühlviertels von 1500 bis 1790. In: Das Mühlviertel, Natur, Kultur, Leben, Beiträge zur Oberösterreichischen Landesausstellung 1988 in Schloss Weinberg bei Kefermarkt. Linz 1988, S. 289ff.

1320 wurde Rohrbach erstmals als Markt bezeichnet und 1373 ein Schulmeister beurkundet. Die Urkunde über die ursprüngliche Verleihung von Marktprivilegien ist in den Hussitenkriegen 1427 verbrannt. Die Hussiten zerstörten damals den ganzen Ort samt Pfarrkirche. Erst 1459 erneuerte Herzog Albrecht die Marktrechte, die zwei Jahrmärkte und einen wöchentlichen Markt umfassten. Der Wochenmarkt entwickelte sich im Laufe der Zeit zum wichtigsten Viehmarkt des oberen Mühlviertels, da der Viehverkauf für die bäuerliche Bevölkerung, die rund 80 % der Gesamtbevölkerung im Umkreis ausmachte, eine der Haupteinnahmequellen darstellte. In der Blütezeit wurden jeden Montag rund 1300 Stück Vieh zum Kauf angeboten.

Die Bürger des Ortes lebten vom Handel und Handwerk, da die landwirtschaftlichen Nutzflächen mit durchschnittlich 2,3 Hektar Land auch für damalige Verhältnisse zu klein waren und nicht erweitert werden konnten. Auf Grund der Tradition als Rast- und Nächtigungsort waren bis ins 19. Jahrhundert überdurchschnittlich viele Wirte und Handwerker unter den Bürgern, auch eine bürgerliche Bierbrauerei wird bereits 1320 erwähnt.Christian Michael Springer: Österreichische historische Brauereitopographie. Brauereidatenbank, abgerufen am 26. April 2016. Die Handelstätigkeit sicherte den Wohlstand der Bürger. Eine wichtige Einnahmequelle wurde im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit der Handel mit Salz aus Salzburg und Bayern, bis die Freistädter das Recht zur gewinnbringenden Ausfuhr des Salzes nach Böhmen als Monopol beanspruchten. Ab 1547 wurde Böhmen ausschließlich mit Salz aus dem Salzkammergut versorgt. Der Salzhandel über Rohrbach kam ab 1570 gänzlich zum Erliegen, als Freistadt beim Landeshauptmann eine Sperre aller Obermühlviertler Straßen für den Salzhandel erwirkte und nur noch der Weg über Freistadt für den Salztransport verwendet werden durfte.

Neuzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mini|Das Pöschl-Haus, früher ein langgestrecktes Fabrikgebäude für rund 400 Beschäftigte. mini|Nachtwächter um 1870 (Stadtgeschichteraum) Neben dem Wochenmarkt war der Handel mit Ochsen aus Ungarn nach Bayern eine wichtige Einnahmequelle. Rohrbach lag an einer im 15. und 16. Jahrhundert stark frequentierten, überregionalen Handelsstraße und stellte die dafür erforderlichen Kapazitäten an Raststationen, Nächtigungs- und Einstellmöglichkeiten sowie Futterversorgung zur Verfügung. Nördlich und südlich der Donau wurden damals jedes Jahr bis zu 100.000 Stück Vieh nach Nürnberg und Frankfurt getrieben. Im Laufe des 17. Jahrhunderts versiegte diese Einnahmequelle.