Schlatt ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Vöcklabruck im Hausruckviertel mit Einwohnern (Stand ). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Vöcklabruck.
Geografie Schlatt liegt auf Höhe im Hausruckviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 4,4 km, von West nach Ost 5,9 km. Die Gesamtfläche beträgt 11,1 km². 17,1 % der Fläche sind bewaldet, 67,6 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Nachbargemeinden
Geschichte Ortsgeschichte Die ersten urkundlichen Erwähnungen stammen aus dem Jahr 1160 für Scucingen (Herrenschützing) und Hardaren (Oberharrern). Slat (Schlatt) wird erstmals 1399 genannt.
Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Seit 1490 wird er dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet.
Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt.
Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.
Die Gemeinde war bis Ende 2004 Teil des Gerichtsbezirks Schwanenstadt und wurde per 1. Jänner 2005 Teil des Gerichtsbezirks Vöcklabruck.
Tergolape
Auf dem Gemeindegebiet von Schlatt befindet sich die Ausgrabungsstätte einer ehemaligen römischen Poststation. Ab 1953 fanden archäologische Arbeiten statt, deren Ergebnisse von Anton Bamberger dokumentiert wurden.Bamberger, Tergolape Der römerzeitliche Topf im Gemeindewappen ist ein Hinweis auf die weit zurückreichende Geschichte der Gemeinde. Durch das Gemeindegebiet führt auch der Römerradweg.
Ausgrabungen: Eine Anlage ähnlicher Art wie in der Gemeinde Schlatt konnte in Österreich noch nicht festgestellt werden.Bamberger, Tergolape, S. 3. Die Ausgrabungen erstreckten sich von 1953 bis 1963. Der Welser Archäologe Gilbert Trathnigg konnte 1954 den Kern der mansio feststellen. Damals standen ihm 20 Mann zur Verfügung, die über einen Zeitraum von 14 Tagen rund 1000 m an Suchgräben zogen. Die vorhandenen Baureste kamen klar zum Ausdruck.Bamberger, Tergolape, S. 21. Insgesamt wurden 38 Gebäudereste von unterschiedlicher Größe sowie eine ehemalige Schmiedewerkstätte und eine Gießerei freigelegt. Außerhalb der Grenzmauern konnten weitere zahlreiche Hausfundamente angeschnitten werden.Bamberger, Tergolape, S. 23–24. Die Bebauung weist mehrere Bauphasen auf. In: AIS-OOE Archäologisches Informationssystem für Oberösterreich Sehr erschwert wurden die Grabungsarbeiten durch räumliche und tiefenmäßige Beschränkungen.
Diskussion zur Lage: Römische Ruinen in Breitenschützing wurden der Station Tergolape zugeordnet, aber auch Schwanenstadt reklamiert die Tergolape für sich. Durch das Gemeindegebiet Schlatts führte die Reichsstraße von Iuvavum (Salzburg) nach Ovilava (Wels), die etwa den Verlauf der heutigen Bundesstraße 1 hatte. In antiken Quellen wird für Tergolape eine Entfernung von 14 Meilen (20,75 km) von Ovilava genannt. Als einer der ersten vertrat Altstraßenforscher Herbert Jandaurek die Meinung, dass die Station im Raum Schwanenstadt-Breitenschützing anzusetzen sei.Bamberger, Tergolape, S. 10. Autor Anton Bamberger stimmt mit dieser Annahme vollständig überein. Die optimale strategische Positionierung für Lichtsignale auf der Hochebene ohne landschaftliche Barrieren spricht für die Lage in Breitenschützing/Schlatt. Anton Bamberger, als Initiator der Ausgrabungen, hatte Pläne, Tergolape in ein Freilichtmuseum zu verwandeln.Aichmayr, Gemeinde Schlatt, S. 136.
Einwohnerentwicklung
1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 1223 Einwohner, 2001 dann 1329 Einwohner.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Ehemaliger Bahnhof in Breitenschützing mini|Kalvarienbergkirche in Philippsberg
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftssektoren Von den 36 landwirtschaftlichen Betrieben des Jahres 2010 wurden 17 im Haupt-, 15 im Nebenerwerb und vier von Personengemeinschaften geführt. Im Produktionssektor arbeiteten 63 Erwerbstätige im Bereich Herstellung von Waren, 28 in der Energieversorgung, elf im Baugewerbe und acht in der Wasserver- und Abfallentsorgung. Die wichtigsten Arbeitgeber im Dienstleistungssektor waren die Bereiche Handel (149), soziale und öffentliche Dienste (13) und Verkehr (11 Mitarbeiter). Wirtschaftssektor Anzahl Betriebe Erwerbstätige2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)36433136Produktion1814110114Dienstleistung4934198176 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999
Verkehr Eisenbahn: Durch das Gemeindegebiet verläuft die Westbahn. Ab dem Bahnhof Breitenschützing gibt es halbstündliche Schnellbahnverbindungen nach Wels. Straße: Die wichtigste Straßenverbindung ist die Wiener Straße B1.
Politik
Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 7 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 ÖVP, 5 SPÖ und 2 FPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 ÖVP, 4 FPÖ und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2021 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 5 SPÖ und 3 FPÖ.
Bürgermeister
Bürgermeister seit 1850 waren:
Wappen Blasonierung: In Grün über einem schwarzen, von einer goldenen Leiste gesäumten Hügel, darin ein goldener, römerzeitlicher Topf, ein silbernes, geradarmiges Patriarchenhochtatzenkreuz. Die Gemeindefarben sind Schwarz-Gelb-Rot.
Das Tongefäß im 1985 verliehenen Wappen verweist auf die römerzeitlichen Funde bei Breitenschützing, der schwarze Hügel steht für die Lehmvorkommen und die damit verbundene Ziegelindustrie. Das Kreuz bezieht sich auf die Philippsbergkirche mit ihrem Patrozinium zum Heiligen Kreuz.Herbert Erich Baumert: Die Wappen der Städte, Märkte und Gemeinden Oberösterreichs, 7. Nachtrag (1984–1987). In: Oberösterreichische Heimatblätter. Heft 4, 1988, S. 241 f. ().
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Johann Staudinger (1889–1963), Politiker (ÖVP) und Landwirt Karl Pülzl (1912–1986), Politiker (SPÖ) Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
Richard Obermayr (* 1970), Schriftsteller
Literatur Michael Aichmayr (Hrsg.): Gemeinde Schlatt – Vielfalt und Kleinod in Oberösterreich. 2009, ISBN 978-3-902684-06-6.
Eduard Beninger: Bemerkungen zu frühmittelalterlichen Funden von Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Jahrgang 108, Linz 1963, Breitenschützing S. 159–161 (; 1962 konnten vier baierische Gräber erforscht werden). Naturraumkartierung Oberösterreich. Landschaftserhebung Gemeinde Schlatt . Endbericht. Gutachten Naturschutzabteilung Oberösterreich. 2004, S. 1–35 ().
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort an der Ager Kategorie:Ort im Einzugsgebiet Ager Kategorie:Vöckla-Agertal