Schwanenstadt ist eine Stadtgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Vöcklabruck im Hausruckviertel mit Einwohnern (Stand ). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Vöcklabruck.
mini|Blick auf Schwanenstadt von Nordwesten
Geografie Schwanenstadt liegt auf 389 m Höhe im Hausruckviertel. Die Ausdehnung von Nord nach Süd beträgt 2 km, von West nach Ost 2,1 km. Die Gesamtfläche beträgt 2,6 km². 3,7 % der Fläche sind bewaldet, 44,4 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind: Oberndorf bei Schwanenstadt, Redlham, Rüstorf und Schlatt
Geschichte mini|Ablassurkunde Schwanenstadt mini|Georg Matthäus Vischer Kupferstich aus Topographia Austriae superioris modernae (1674)
Die Geschichte reicht bis in die Zeit der Kelten zurück. Diese gründeten in der Nähe des heutigen Stadtzentrums eine Siedlung namens Tergolape („Kleiner Markt am Wasser“). Während der römischen Kolonialzeit wurde aufgrund der günstigen Lage am Hauptverkehrsweg Ovilava (Wels) – Juvavum (Salzburg) eine Poststation errichtet. Tergolapes endgültige Position ist bis heute Gegenstand einer wissenschaftlichen Diskussion.
Der erste urkundlich überlieferte Name für den aufblühenden Ort war Suanaseo im Jahr 788. Der neu bezeichnete Markt Schwans fand 1361 seine erstmalige urkundliche Erwähnung. Am 26. Juni 1627 wurde der Markt Schwans zur Stadt Schwanenstadt erhoben, nachdem Graf Adam von Herberstorff den Markt um 125.000 Gulden käuflich erworben hatte. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Schwanenstadt immer mehr zu einem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen, sportlichen und schulischen Zentrum.
Der Ort gehörte ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern; seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Seit 1490 wird er dem Fürstentum 'Österreich ob der Enns' zugerechnet. Im Jahr 1627 erfolgte die Verleihung des Stadtrechtes durch Adam Graf von Herberstorff. Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt. Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs. Die Gemeinde war bis Ende 2004 Teil des Gerichtsbezirks Schwanenstadt und wurde per 1. Jänner 2005 Teil des Gerichtsbezirks Vöcklabruck.Statistik Austria: Änderungen von Gerichtsbezirken, 26. März 2008.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Stadttor von Schwanenstadt; in der jetzigen Form 1909 errichtet beziehungsweise umgebaut mini|hochkant|Pfarrkirche Schwanenstadt
Heimatmuseum Schwanenstadt: Das Heimatmuseum befindet sich in der Pausinger-Villa. Der Garten der Pausinger-Villa liegt auf einem bajuwarischen Gräberfeld, das in den 1970er Jahren ergraben und wissenschaftlich erarbeitet wurde. Auch römische Grabungsfunde konnten verzeichnet werden. Das Haus wurde von der Stadtgemeinde angekauft und renoviert und beherbergt seit 26. Mai 2007 das Heimatmuseum Schwanenstadt. Bis in die Zeit, als die Kelten das Land bevölkerten und unweit des heutigen Stadtzentrums eine Siedlung namens Tergolape („Kleiner Markt am Wasser“) gründeten, reicht die Geschichte von Schwanenstadt zurück. Während der römischen Kolonialzeit wurde es aufgrund der günstigen Lage am Hauptverkehrsweg Ovilava (Wels) – Juvavum (Salzburg) eine Poststation. Viele Fundstücke davon sind im Heimathaus zu besichtigen. Mit Unterstützung der Goldhaubengruppe Schwanenstadt und Obfrau Lisa Berger ist es dem Heimathaus-Verein gelungen, eine wertvolle Original-Urkunde aus dem Jahr 1290 zu erwerben. Die Ablassurkunde des Papstes Nikolaus IV mit 13 Siegeln, ausgestellt MCCLXXXX für die Pfarrkirche „sancti Michaelis archangeli in suans“ ist für Schwanenstadt (früher suans) von großer Bedeutung. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung, bei der die Pfarrkirche in Suans Erwähnung findet. Stadtplatz: Nach verheerenden Bränden in den vergangenen Jahrhunderten sind einige Bürgerhäuser mit Barock- und Renaissancefassaden wieder errichtet worden. Stadtturm Schwanenstadt: Das Wahrzeichen von Schwanenstadt ist der Stadtturm am westlichen Stadtplatzende; in welchem sich auch die Stadtturmgalerie befindet. Rathaus mit Arkadenhof Evangelische Christuskirche Katholische Pfarrkirche Schwanenstadt hl. Michael: Die Kirche wurde in den Jahren 1900 bis 1902 im neugotischen Stil errichtet. Der Kirchturm hat eine Höhe von 78 Metern. Der mächtige, 52 m lange Kirchenbau mit seinem Spitzhelmturm ist das Wahrzeichen von Schwanenstadt. Kalvarienbergkirche: Ein Kilometer nördlich von Schwanenstadt liegt auf einer kleinen Anhöhe die Kalvarienkirche der Pfarre. Sie wurde 1488 von Bischof Albert Schönhofer als Apostelkirche geweiht und 1721 zur Kalvarienbergkirche umgestaltet. Von der Stadt führt ein Kreuzweg zur Kirche, deren neue, modern gestaltete Bilder 1983 geweiht wurden. Die Philippsbergkirche beherbergt in einem Anbau, wahrscheinlich seit 1719, eine volkskundliche Rarität, die nur an den Triduum Sacrum (Kartage) von 10–18 Uhr zugänglich ist: Über einem mit bunten Glaskugeln geschmückten Heiligen Grab wird eine bewegliche Fastenkrippe, das Werkl, aufgestellt. Auf einer kleinen Drehbühne ziehen in zwei Ebenen etwa 20 cm große, im Stile des späten Bauernbarock geschnitzte und bemalte Figuren am Beschauer vorbei. Sie zeigen die fünf Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes. Über diesem beweglichen Teil zeigt ein Relief Pilatus, der sich die Hände wäscht. Betrieben wird das „Werkl“ durch ein Uhrwerk, das seine Kraft von einem schweren Gewicht an der Außenwand der Kirche bekommt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr Straße: In Schwanenstadt kreuzen sich die Wiener Straße (B 1) und die Gallspacher Straße (B 135). 2006 begannen die Bauarbeiten für die Umfahrungsstraße, die 2009 eröffnet wurde und südlich des Stadtkerns verläuft. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Laakirchen-West (vormals Steyrermühl) an der A1 in circa 8 km Entfernung. Bus: Öffentliche Buslinien gibt es in Richtung Wels und Vöcklabruck sowie Niedertalheim und Gmunden. Bahn: Im ÖBB-Bahnhof Schwanenstadt halten Regional- und Regionalexpresszüge der Westbahnstrecke Wien–Salzburg.
Bildung 2 Kindergärten Volksschule 2 Mittelschulen (Schwerpunkt Sport und Musik) 1 Polytechnische Schule 1 Musikschule
Sport Der ÖTB Turnverein Schwanenstadt wurde 1870 gegründet. Die Aktivitäten reichen vom Mutter-Kind Turnen über Aerobic bis zu Geräteturnen und Volleyball. Der Schwanenstädter Fußballverein SC Schwanenstadt wurde in der Saison 2004/2005 Meister der Regionalliga Mitte und spielte damit in der zweithöchsten österreichischen Spielstufe, der Ersten Liga. Nach finanziellen Problemen verkaufte der Verein die Lizenz 2008 an den SC Magna Wiener Neustadt. Der Alpenverein Schwanenstadt ist mit knapp 1200 Mitgliedern (Stand: 2020) der mitgliederstärkste Verein der Region Schwanenstadt und bietet sämtliche Alpinsportarten an.
Politik Der Gemeinderat hat 25 Mitglieder. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 9 ÖVP, 9 SPÖ, 4 Partei für Umweltschutz und Menschlichkeit (PUM) und 3 FPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 7 SPÖ, 4 FPÖ und 3 PUM. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 6 FPÖ, 5 SPÖ und 3 PUM. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2021 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 ÖVP, 6 FPÖ, 5 SPÖ und 4 PUM.
Bürgermeister
1959–1995 Rudolf Staudinger (ÖVP) 1995–2021 Karl Staudinger (ÖVP)Matthias Staudinger: Karl Staudinger. 26 Jahre als Bürgermeister von Schwanenstadt. In: meinbezirk.at, 6. Juli 2021. seit 2021 Doris Staudinger (ÖVP)
Wappen Das ursprüngliche, 1565 erstmals nachgewiesene Marktwappen zeigte einen stehenden Schwan. Anlässlich der Stadterhebung 1627 wurde das heute gebräuchliche Wappen eingeführt.Land Oberösterreich: Schwanenstadt. Wappen der Gemeinde, abgerufen am 18. Mai 2012.
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde Franz Wagner (1872–1956), stimmte bei der Volksabstimmung 1938 als einziger Schwanenstädter gegen den Anschluss an Deutschland Berthold Folberth (1910–1978), Pfarrer der Evangelischen Kirche A. B. Rudolf Staudinger (1923–1995), Nationalrat, Kommerzialrat Johannes Puchmair (1930–2007), Pfarrer der römisch-katholischen Kirche, Konsistorialrat, Dechant i. R. Karl Staudinger (* 1949), Bürgermeister a. D., KonsulentMeinBezirk: Ehrenbürgerschaft für Altbürgermeister. meinbezirk.at, 7. April 2022, abgerufen am 8. April 2022.
Söhne und Töchter der Gemeinde Ignaz Parhamer (1715–1786), Jesuit, Pädagoge Franz Xaver Süßmayr (1766–1803), Komponist, Kapellmeister, Schüler Mozarts Thomas Fellner (1852–1904), Archivar, Historiker und Hochschullehrer Heinrich Altwirth (1868–1904), Maler Karl Schachinger (1860–1919), Politiker (CSP) Carl Holböck (1905–1984), Kirchenrechtler Ferdinand Holböck (1913–2002), Priester und Universitätslehrer Rudolf Staudinger (1923–1995), ehemaliger Bürgermeister der Stadt Rudolf Lehr (1929–2023), Journalist und Historiker Gotthard Muhr (1939–2013), Maler und Bildhauer Peter Michaelis (* 1946), Manager Norbert Gugerbauer (* 1950), Politiker (FPÖ) Bernhard Gratzer (* 1956), Politiker (FPÖ Niederösterreich) Herbert Dutzler (* 1958), Lehrer und Kriminalschriftsteller Peter Ablinger (1959–2025), Komponist Gudrun Harrer (* 1959), Journalistin, Irak-Expertin Hanspeter Mössenböck (* 1959), Informatiker und Hochschullehrer Rudolf Habringer (* 1960), Schriftsteller Andrea Lindmayr-Brandl (* 1960), Musikwissenschaftlerin Ewald Roth (* 1960), Karateka und Karate-Bundestrainer Harald Raupenstrauch (* 1961), Ingenieur, Wärmetechniker und Hochschullehrer Alfred Weidinger (* 1961), Kunsthistoriker Birgit Müller-Wieland (* 1962), Schriftstellerin Erich Weidinger (* 1964), Pädagoge, Buchhändler und Autor Manfred Hiptmair (* 1965), Judoka
Ehrenringträger der Gemeinde
August Froschauer (* 1927), Stadtamtsleiter i. R., Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich, ehemaliger Kommandant der Freiwilligen Stadtfeuerwehr, Ehrenkommandant der Freiwilligen Stadtfeuerwehr und Ehren-Abschnittskommandant des Feuerwehr-Abschnittes Schwanenstadt Johannes Puchmair (1930–2007), röm.-kath. Pfarrer, Konsistorialrat, Dechant Helmut Puffer, Wirtschaftstreuhänder, Steuer- und Unternehmensberater, allg. beeid. und gericht. zertifizierter Sachverständiger, Kommerzialrat Franz Hochreiner, Schuldirektor, ehem. Stadtrat und Gemeinderat Rudolf „Rudi“ Deixler – seit 2002 SPÖ Vizebürgermeister a. D. Johann Obermayr – 2010 – Unternehmer Franz Schwarz – 2011 – SPÖ Stadtrat a. D. Johann Kapsamer – 2011 – Inhaber Fa. Joka Werke Michael Dutzler – 2022 – FPÖ Stadtrat a. D. Gerhard Igelsböck – 2023 – SPÖ Vizebürgermeister a. D.
Großes Ehrenzeichen in Gold der Stadt Schwanenstadt
August Froschauer (* 1927), Stadtamtsleiter i. R. Herbert Dutzler (* 1958), Schriftsteller Franz Froschauer (* 1958), Schauspieler Michael Aichmayr (* 1961), Univ.-Prof., Initiator des Internationalen Kinder- und Jugendbuchwettbewerbs der Stadtgemeinde Schwanenstadt „Auf Schmetterlings- und Schwanenflügeln“ Rudolf Anschober (* 1960), Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz a. D. Ingeborg Kirchschlager, Gemeinde- und Stadträtin a. D. Johannes Linner Eduard Kudernatsch, Gemeinderat und Stadtrat a. D. Wilhelm Peter Mayer – Stadtrat a. D. Christoph Köttl – Emmy und Pulitzer-Preisträger 2022
Literatur
Schwanenstadt einst und jetzt. Festschrift zur 300 Jahrfeier. August 1927 ().
Weiterführende Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort an der Ager Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1627 Kategorie:Vöckla-Agertal Kategorie:Ersterwähnung 1361