mini|Bild des Meisters Behzād (). Miniatur eines unbekannten Malers um 1525David J. Roxburgh: The Persian Album 1400–1600: from dispersal to collection. Yale University Press, New Haven 2005, S. 204. Kamāl od-Din Behzād-e Herawi (), kurz Behzād genannt (geboren zwischen 1460 und 1466 in Herat;Diese Zeitspanne wurde errechnet. Dazu dienten zwei Daten: Behzāds Sterbejahr 1535/36 und das Jahr, in dem Behzād die „Kämpfenden Kamele“ gemalt hat. Auf der Inschrift der „Kämpfenden Kamele“ bezeichnet sich Behzād selbst als Siebzigjährigen. Ebadollah Bahari datiert das Kamel-Bild auf etwa 1530 und kommt zu etwa 1460 für das Geburtsjahr. Michael Barry nimmt an, das Kamel-Bild sei im Todesjahr Behzāds entstanden, und führt Budaq-i Qazwini an, der feststellt, Behzād sei bei seinem Tod 1535 etwa siebzig Jahre alt gewesen, und kommt daher zum Geburtsjahr 1465. Siehe Ebadollah Bahari: Bihzad. Master of Persian Painting. Tauris London 1996. S. XII. Michael Barry: Figurative Art in Medieval Islam and the Riddle of Bihzâd of Herât (1465–1535). Flammarion, Paris 2004, S. 134–135 und 155–159. gestorben 1535/1536 in TäbrisDust Muhammad: Vorwort zum Bahram-Mirza-Album (TSK H. 2154). Englische Übersetzung in: Wheeler McIntosh Thackston (Hrsg.): A Century of Princes: Sources on Timurid History and Art. Aga Khan Program for Islamic Architecture, Cambridge, Mass. 1989, S. 347. , abgerufen am 20. November 2016.), war ein persischer Maler. Er galt schon zu Lebzeiten als der bedeutendste Vertreter der persischen Miniaturmalerei.Bihzad. In: Jonathan M. Bloom, Sheila S. Blair (Hrsg.): The Grove Encyclopedia of Islamic Art and Architecture. Oxford University Press, Oxford 2009. Daher wurde ihm der Titel eines Meisters () verliehen. Sein gebräuchlicher Kurzname Behzād () bedeutet „Bessergeborener“.Wheeler MacIntosh Thackston: Album prefaces and other documents on the history of calligraphers and painters. Brill, Leiden 2001, S. 42, Fußnote.

Leben Behzāds Lebensdaten sind ungewiss. Die persischen, mogulischen und osmanischen Zeugnisse dazu, die schon zu seinen Lebzeiten und auch in den Jahrzehnten danach aufgeschrieben worden sind, sind kritisch zu bewerten. Sie sind oft nicht frei von einer Mystifizierung und Lobpreisung Behzāds als dem erfahrensten Maler seiner Zeit, der sogar mit dem in persischen Quellen als Inbegriff eines Malers bezeichneten Māni zu vergleichen sei, und haben nicht das Ziel, genaue Daten zu vermitteln.David J. Roxburgh: Kamal al-Din Bihzad and Authorship in Persianate Painting. In: Muqarnas. Band 17, 2000, S. 121. Vgl. Khwandamirs Habib al-siyar. Band 3 seiner Universalgeschichte von 1523/24. Englische Übersetzung in: Wheeler McIntosh Thackston (Hrsg.): A Century of Princes: Sources on Timurid History and Art. Aga Khan Program for Islamic Architecture, Cambridge, Mass. 1989, S. 226. In keinem dieser Zeugnisse wird eine zusammenhängende Biographie überliefert.Priscilla Soucek: Behzād, Kamāl-al-Dīn. In: Encyclopædia Iranica. Band 4.

Wahrscheinlich stammte Behzād aus Herat. Sein Geburtsjahr ist unbekannt. Früh verwaist soll er von dem timuridischen Hofmaler und Kalligraphen Amir Ruḥollāh Mirak Chorāsāni (Mirak Naghghāsch) in Herat adoptiert und ausgebildet worden sein.

Als früheste Arbeitgeber in Herat werden der timuridische Herrscher Sultān Ḥoseyn Mirzā Bāygharā und dessen Minister Mir ʿAli Schir Nawāʾi genannt, bei denen Behzād als Miraks untergeordneter Mitarbeiter wirkte. Am Hof dieses kunstsinnigen Sultans kam er nicht nur mit bedeutenden Malern wie Mawlānā Walī Allah in Kontakt,Ebadollah Bahari: Bihzad. Master of Persian Painting.Tauris, London 1996. S. 43. sondern auch mit dem Dichter Dschāmi, der dem Sufi-Orden der Naqschbandi angehörte. Dschāmi führte Behzād in diesen Orden ein und beeinflusste damit Behzāds Denken, aber auch seine Malerei.Ebadollah Bahari: Bihzad. Master of Persian Painting. Tauris, London 1996. S. IX u. 48.Dementsprechend nennt ihn Qadi Ahmad 1606 Maulānā Behzād. Siehe Calligraphers and Painters. A treatise by Qāḍī Aḥmad, son of Mīr-Munshī (circa A.H. 1015/A.D. 1606). In: Freer Gallery of Art Occasional Papers. Bd. 3, Nr. 2, Washington 1959, u. a S. 147. Download PDF 3,47 MB, abgerufen am 20. November 2016. mini|Behzāds Grabstätte in Täbris Nach dem Tod des Sultans soll Behzād zwischenzeitlich in Buchara für Mohammed Scheibani Khan gearbeitet haben.

Herat blieb auch nach der Machtübernahme durch den safawidischen Schah Ismail I. im Jahr 1510 Behzāds Wirkungsstätte. Hier wurde er zum Oberhaupt der königlichen Bibliothek (Kitābkhāneh-yi Humāyūn) und aller an der Herstellung der Manuskripte beteiligten Künstler und Handwerker des gesamten safawidischen Reiches ernannt.Ebadollah Bahari: Bihzad. Master of Persian Painting. Tauris, London 1996. S. 184–187.

Dass Behzād zwei Geschwister hatte, lässt sich vermuten, da er Nachkommen von ihnen – den Kalligraphen Rostam-ʿAlī sowie die Maler Moḥebb-ʿAlī und Moẓaffer-ʿAlī – in Täbris unterrichtet haben soll. Dorthin ist er möglicherweise 1522 von Ismail I. angeworben worden. Es ist jedoch eher anzunehmen, dass Behzād erst 1529 nach Täbris kam.Ebadollah Bahari: Bihzad. Master of Persian Painting. Tauris, London 1996, S. 179. Sicher ist, dass er dort am Hof Tahmasps I. wirkte und auch – wie schon in Herat – Oberhaupt der königlichen Bibliothek und Bilderwerkstatt war. Nach Angaben Dust Mohammads starb er in Täbris. Ein Chronogramm gibt 942 d. H. (1535/36) als Todesjahr an. Als seine Ruhestätte gilt ein Doppelgrab in Täbris, in dem Behzād neben dem persischen Dichter und Sufi Kamāl Chodschandi beerdigt worden ist.Dass Behzād – wie Qazi Ahamd Qummi 1596 berichtete – in seiner Geburtsstadt Herat zu Füßen des Berges Koh-i Mukhtar beerdigt sei, ist als Legende zu bewerten. Siehe Michael Barry: Figurative Art in Medieval Islam and the Riddle of Bihzâd of Herât (1465–1535). Flammarion, Paris 2004, S. 159.

Werke Die meisten Werke Behzāds entstanden in Herat, nur wenige in Täbris. Sie können vier Kategorien zugeordnet werden:Ebadollah Bahari: Bihzad. Master of Persian Painting. Tauris, London 1996, S. 47. Illustrationen in Büchern mit einfacher Erzählstruktur und in Büchern mit mystischem Inhalt, die vom Maler eine tiefergehende Interpretation verlangen Illustrationen – oft doppelseitig, die unabhängig von jedwedem Text imaginäre Szenen und Szenerien darstellen Abbildungen historischer Ereignisse nach zeitgenössischen Berichten Porträts und Ereignisse nach dem Leben

Die frühesten Bilder Behzāds entstanden während seiner Lehrzeit bei Mirak. Die übliche Ausbildung bestand im Kopieren und Nachahmen der Werke seines Lehrers und älterer Meister wie Mir Khalil und Mawlānā Walī Allah.Ebadollah Bahari: Bihzad. Master of Persian Painting. Tauris, London 1996, S. 42 f. Dem folgte eine gelegentliche Zusammenarbeit mit Mirak oder mit anderen Malern bei der Illustrierung von Büchern innerhalb der Herater Werkstatt, bevor gänzlich eigene Bilder Verwendung fanden. Einige frühe Bilder ab 1480 tragen Behzāds Signatur oder Schriftbänder, die Behzād als Maler oder Kopisten nennen.Ebadollah Bahari: Bihzad. Master of Persian Painting. Tauris, London 1996, S. 52–59. Illustrationen in einem 1481 verfassten Diwan von Amir Chosrau und ein Albumblatt aus dem Jahr 1482 gelten bereits als typisch für Behzāds Stil.Ebadollah Bahari: Bihzad. Master of Persian Painting. Tauris, London 1996, S. 59 f. mini|Vorbild und Nachahmung: links eine Miniatur aus Herat von etwa 1426, rechts Behzāds Miniatur von etwa 1495 Als eigenständige und eigenhändige Werke werden von den heutigen Kunstgeschichtlern vier Illustrationen zu einer in Kairo aufbewahrten Abschrift von Saadis Bustān von 1488/89 uneingeschränkt anerkannt. In diese Miniaturen sind Behzāds für authentisch gehaltene Signaturen eingearbeitet.Ebadollah Bahari: Bihzad. Master of Persian Painting. Tauris, London 1996, S. 100–112.

Die Zuschreibung weiterer, möglicherweise von fremder Hand signierter und nicht signierter Miniaturen in persischen Alben und Kopien berühmter Dichtungen beruht zum einen auf zeitgenössischen Quellen, zum anderen auf Stil- und Materialvergleichen der modernen Kunstgeschichte. Es sind dies die Illustrationen zu einer Kopie von Scharaf al-Din Ali Yazdis Zafarnama von 1436,Heute: Baltimore, MD, Johns Hopkins U. Garrett Lib. einer Kopie von Fariduddin Attars Mantiq al-taye von 1483,Heute: New York, Met. 63.210. einer Kopie von ʿAlī Schīr Nawā'īs Khamsa von 1485,Heute: teils Oxford, Boleian Lib. Elliott 287, 317, 339, 408, und teils Manchester, John Rylands U. Lib. Turk 3. einer Kopie von Saadis Gulistan von 1486Heute: Houston, TX, A. & Hist. Trust col. ex-Paris, Rothschild priv. col. und einer Kopie von Nezāmis Khamsa von 1495/96.Heute: London, BL. Add. MS. 6810. Einer weiteren Kopie von Nezāmis Khamsa von 1442 wurden etwa 1490 einige Behzād zugeschriebene Illustrationen beigefügt.Heute: London BL. Add. MS. 25900. Manche dieser Miniaturen folgen im Aufbau und in Details Herater Vorbildern aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.Michael Barry: Figurative Art in Medieval Islam and the Riddle of Bihzâd of Herât (1465–1535). Flammarion, Paris 2004, S. 110–112.

Auch viele Einzelblätter hält man für Werke Behzāds. Dass deren Zuschreibung schwierig ist, zeigt beispielhaft eine Tuschezeichnung, auf der der letzte bedeutende timuridische Herrscher, Sultān Ḥoseyn Mirzā Bāygharā, reitend dargestellt ist. Auf dessen Kleidung stehen Signaturen, die nicht eindeutig Behzād selbst zugeordnet werden können.Bihzad: Sultan Husain Mirza on Horseback. Bild und Erläuterung online beim Museum of fine Arts, Boston. Abgerufen am 3. Mai 2021.David J. Roxburgh: Kamal al-Din Bihzad and Authorship in Persianate Painting. In: Muqarnas. Band 17, 2000, S. 139–140.

Bilder (Auswahl) Illustrationen

Porträts auf Einzelblättern

Porträts innerhalb von Miniaturen

Spätwerke

Stilistische Merkmale mini|hochkant|Typisch für Behzāds Personalstil: eine der vier signierten Illustrationen zu Saadis Bustān (1488) Behzāds Personalstil zeigt sich in den vier signierten Miniaturen des Kairoer Bustān-Manuskripts,General Egyptian Book Organisation, Kairo, Adab Farsi 908. die ihm mit großer Sicherheit zugeschrieben werden können. Sie dienen dem stilkritischen Vergleich mit anderen Bildern aus Herat, auch mit den unsignierten Bildern seiner Zeitgenossen, mit denen er allerdings manche zeittypischen Merkmale teilt. Die lineare Genauigkeit und die ausgewogene Komposition erscheinen wichtiger als die räumliche Darstellung. Gebäude werden als ebene Flächen wiedergegeben und tragen Kalligraphien und akribisch gezeichnete dekorative Muster. Behzād wird dennoch ein spürbarer Raumsinn zugesprochen. Seine Figuren scheinen sich mit Leichtigkeit zu bewegen. Sie werden nach Alter und körperlicher Erscheinung differenziert und wirken oft wie porträtiert. Behzāds Bilder sind sehr sorgsam gezeichnet und gemalt. Gerühmt werden ihre kompliziert ausgeführten Kompositionen, in denen jede Linie und jede Farbnuance dazu dienen sollen, ein Gefühl von Harmonie und Ausgeglichenheit zu erzeugen. Seine Ikonographie umfasst nicht nur höfische Szenen, sondern auch Alltägliches – oft von symbolischer Bedeutung – wie Beerdigungen, das Sammeln von Feuerholz und das Errichten von Gebäuden.

Behzāds Porträts dagegen besitzen einen wesentlich anderen Stil und folgen mit ihrem individuellen Ausdruck, ihrer Gestik und ihrer Körperlichkeit italienischen Vorbildern.Michael Barry: Figurative Art in Medieval Islam and the Riddle of Bihzâd of Herât (1465–1535). Flammarion, Paris 2004, S. 152.

Schüler und enge Mitarbeiter mini|links|Werkstattarbeit: links ein Original von Behzād, rechts eine unvollendete Kopie aus der Herater Werkstatt (um 1490)