Klingenmünster ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Südliche Weinstraße in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern an, innerhalb derer sie gemessen an der Einwohnerzahl die zweitgrößte Ortsgemeinde und die am weitesten nördlich gelegene darstellt. Klingenmünster ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Überregionale Bekanntheit erlangte die Gemeinde als Standort des Pfalzklinikums für Psychiatrie und Neurologie.
Geographie Lage mini|links|Klingenmünster, 2025 Klingenmünster ist ein Weinort in der Region Weinstraße am Haardtrand etwa fünf Kilometer nördlich von Bad Bergzabern und bildet den nördlichen Abschluss der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern. Der Westen der Gemarkung ragt in den Wasgau hinein, wie der Südteil des Pfälzerwalds auch genannt wird. Zu Klingenmünster gehören zusätzlich die Wohnplätze Frauenlob (Wagmühle), Kaiserbacher Mühle (Talmühle), Klingbachhof, Magdalenenhof und Sägemühle. Nördlich vom Hauptort liegt das Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Waldhambach, Eschbach, Göcklingen, Heuchelheim-Klingen, Gleiszellen-Gleishorbach, Silz und Münchweiler am Klingbach.
Erhebungen Nordwestlich des Siedlungsgebiets erhebt sich der hohe Treutelsberg. An der Gemarkungsgrenze zu Silz und Gleiszellen-Gleishorbach befindet sich der Abtskopf (). Weiter östlich erstreckt sich der hohe Hatzelberg. Südlich des Siedlungsgebiets steht der hohe Kreuzberg und östlich von diesem der hohe Kühnberg.
Gewässer Durch die Gemeinde fließt in West-Ost-Richtung der Klingbach. Im Nordwesten der Gemarkung mitten im Pfälzerwald liegt die Marthaquelle. Im Norden verläuft für eine kurze Strecke der Kaiserbach über die Gemarkung von Klingenmünster.
Geschichte mini|Klingenmünster um 1900 mini|Ortsbild mit Kirche, 2016
Der Ort Klingenmünster entstand als Siedlung von Bauern und Handwerkern um das Reichskloster Klingenmünster herum.Erich Hehr: Agrargeographische Studien in der Gemarkung Klingenmünster/Südpfalz 1964 Die Geschichte der Gemeinde ist dadurch eng mit dem Kloster in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht verknüpft. Die Bauern und Handwerker von Klingenmünster waren Leibeigene des Klosters und gehörten zum Fronhofbestand.
Als im 12. Jahrhundert Adalbert I. Erzbischof von Mainz wurde, kamen seine Verwandten, die Grafen von Saarbrücken, in die Gegend von Klingenmünster. Sie zogen die politische Macht an sich und übernahmen die Lehensherrschaft, die vorher das Kloster ausgeübt hatte. Dies bedeutete eine deutliche Schwächung des Klosters. In einer Urkunde von 1411 wurden die „armen Leibeigene und Hintersassen“ von Klingenmünster zum ersten Mal erwähnt. Hierbei ist die Gesamtheit der Einwohner des Dorfes gemeint. Die Zeit von 1618 bis 1714 war von kriegerischen Ereignissen wie dem Dreißigjährigen Krieg, den Erbfolgekriegen, Bauernkriegen und den Eroberungskriegen von Ludwig XIV. gekennzeichnet. 1743 besaß das 55e régiment d’infanterie in Klingenmünster vorübergehend eine Garnison.
Im Herbst 1792 erfasste die Französische Revolution den Ort, und Klingenmünster schloss sich als eine der ersten Gemeinden dieser Bewegung an. Hier waren keine nationalistischen Strömungen am Werk, sondern nur soziale Beweggründe. Es folgte eine Umwälzung der Besitzverhältnisse und der gesellschaftlichen Ordnung. Adel, Geistliche und Beamten verloren ihre bevorzugte Stellung, Bürger und Bauern kamen zu stärkerer Geltung. Ab Ende des 18. Jahrhunderts war die Gemeinde somit Teil der Französischen Republik, anschließend bis 1815 Teil des Napoleonischen Kaiserreichs, und in den Kanton Bergzabern im Departement des Niederrheins eingegliedert. 1815 wurde sie Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später, am 1. Mai 1816, wechselte sie wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte Klingen-Münster – so die damalige Schreibweise – dem Landkommissariat Bergzabern an; aus diesem ging das Bezirksamt Bergzabern hervor.
1939 wurde die Gemeinde in den Landkreis Bergzabern eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neugebildeten Landes Rheinland-Pfalz und des Regierungsbezirks Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort am 7. Juni 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Landau-Bad Bergzabern, der 1978 in Landkreis Südliche Weinstraße umbenannt wurde. 1972 wurde die Gemeinde der ebenfalls neugebildeten Verbandsgemeinde Bad Bergzabern zugeordnet. Die ursprünglich zu Waldhambach gehörenden Weiler Frauenlob und Kaiserbacher Mühle wurden außerdem nach Klingenmünster umgemeindet.
Bevölkerung Religion Christentum mini|hochkant|Katholische Kirche St. Michael und Klostergarten
Im Mittelalter war die Gemeinde Wirkungsstätte der Iroschottischen Kirche. Das Kloster und spätere Chorherrenstift Klingenmünster wurde 1565 aufgelöst. Die Pfalz wurde danach protestantisch und die Stiftskirche entsprechend als evangelische Kirche genutzt. Ab 1566 sind reformierte Pfarrer in Klingenmünster belegt. Infolge der Gegenreformation kamen ab 1684 auch wieder Katholiken in den Ort. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Simultaneen der Kirchen aufgelöst.
1762 entstand eine reformierte Kirche, deren Gebäude mittlerweile als evangelischer Kindergarten genutzt wird, und 1782 eine lutherische Kirche, in der das evangelische Pfarramt seine Räume hat. 1818 fand in der Pfalz eine evangelische Kirchenreform statt, im Zuge derer eine protestantische Union von Lutheranern und Reformierten entstand. 1829 wurden daher die lutherische Kirche abgerissen und nur noch die größere reformierte Kirche genutzt. Diese hatte keinen Kirchturm, sondern lediglich einen Dachreiter. 1848 wurde vor der Kirche ein 30 Meter hoher Turm errichtet und der Dachreiter entfernt. Das königlich bayerische Bauamt in München hatte allerdings davor gewarnt, weil der Untergrund nicht tragfähig war. Im Jahr 1937 wurden der Glockenstuhl erneuert und eine dritte Glocke eingebaut. In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges wurden eine Panzersperre nahe der Kirche errichtet und dabei das Fundament der Kirche und des Turms geöffnet. Die Kirche wurde dadurch baufällig und musste 1956 abgerissen werden. 1958 wurde die neue evangelische Kirche eingeweiht, erbaut im Stil der Nachkriegsmoderne mit einem separaten, freistehenden Betonkirchturm. 2024 wurde der inzwischen baufällig gewordene Betonkirchturm aus Sicherheitsgründen wieder abgerissen.Christel Flory: Klingenmünster – Kirchturm verschwindet aus dem Ortsbild. In: Die Rheinpfalz. 22. Juli 2024, abgerufen am 29. Juli 2024.Christel Flory: Klingenmünster – Turm der protestantischen Kirche ist abgerissen. In: Die Rheinpfalz. 21. August 2024, abgerufen am 22. August 2024.
Judentum Klingenmünster hatte eine Synagoge. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde gehörten einst zum Bezirksrabbinat Landau (Pfalz); beerdigt wurden sie in Annweiler. Entlang der Weinstraße erinnern zwei Stolpersteine an Juden, die während des Dritten Reichs deportiert wurden.
Konfessionsstatistik Am 31. Oktober 2014 waren 38,5 % der Einwohner evangelisch und 38,6 % katholisch. Die übrige 22,9 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos. Die Anteile der Katholiken und vor allem die der Protestanten sind seitdem gesunken. Mit Stand Oktober 2024 waren von den Einwohnern 32,2 % katholisch, 30,4 % evangelisch, und 37,4 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Klingenmünster, abgerufen am 2. Dezember 2024
Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Klingenmünster, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 1.349 1835 1.541 1871 1.717 1905 2.149 1939 2.677 1950 2.760 1961 3.267 Jahr Einwohner 1970 2.979 1987 2.087 1997 2.366 2005 2.393 2011 2.199 2017 2.281
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Klingenmünster besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG WGK Gesamt 2024 7 4 4 1 16 Sitze 2019 8 4 4 – 16 Sitze 2014 6 4 6 – 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2009 6 5 5 – 16 Sitze 2004 7 5 4 – 16 Sitze
Ortsbürgermeister Kathrin Flory (SPD) wurde 2019 Ortsbürgermeisterin von Klingenmünster. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte sie sich mit einem Stimmenanteil von 54,9 % gegen zwei Mitbewerber durch und wurde damit für weitere fünf Jahre in ihrem Amt bestätigt.
Ortsbürgermeister: 1979–1986: Peter Paul 1986–2009: Wilfried Türck (SPD) 2009–2019: Erwin Grimm (FWG) seit 2019: Kathrin Flory (SPD)
Wappen
Kultur Bauwerke Kulturdenkmäler mini|Die als Denkmalzone ausgewiesene Burg Landeck links im Bild, rechts die Bebauung von Klingenmünster
Das Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie, der Bereich des früheren Stiftsbezirks Klingenmünster sowie die Fliehburg Heidenschuh, die Salierburg Waldschlössel und die Stauferburg Landeck, die alle auf der Gemarkung von Klingenmünster liegen, sind als Denkmalzonen ausgewiesen.
Hinzu kommen zahlreiche Einzeldenkmäler, darunter der auf dem Treutelsberg befindliche Martinsturm, die zwischen 1928 und 1929 gebaute, vom Architekten Richard Riemerschmid entworfene Villa Dr. Schaffer sowie die Stiftsschaffnei, die verbaute romanische Reste enthält.
Natur Mit einer Kiefer westlich des Siedlungsgebiets und einem Sperberbaum bei der Kaiserbacher Mühle existieren zwei Naturdenkmale. Das Naturschutzgebiet Haardtrand – Am Klingbach befindet sich teilweise auf Gemarkung von Klingenmünster.
Veranstaltungen Am 28. August 2016 war Klingenmünster Eröffnungsort des Erlebnistags Deutsche Weinstraße; das Motto lautete „Himmlische Pfalz“.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft mini|Weinberge auf Gemarkung von Klingenmünster
Die Gemeinde war von alters her sehr bäuerlich und konservativ geprägt. Man fürchtete durch die Industrialisierung einen Einbruch der überlieferten Ordnung, Verlust der Herrschaft im Dorfe und die Aufgabe von wertvollen Nutzflächen. Im Jahre 1857 eröffnete unter staatlicher Leitung eine Klinik für „Geisteskranke“, welche die bäuerlich geprägte Kulturlandschaft aus therapeutischen Gründen schätzte. Auswärtige Unternehmen hatten es schwer und auf Dauer keinen Erfolg. 1857 existierten eine Zigarrenfabrik, eine Papiermühle, einige Mahlmühlen und eine Sägemühle; 1870 kam eine Dampfwäscherei hinzu. Ende des 19. Jahrhunderts wurden eine Bierbrauerei, eine Möbelfabrik und verschiedene Buntsandsteinbrüche eröffnet. Diese Unternehmen bestanden jedoch nicht lange, lediglich eine Ziegelei konnte sich bis in die 1960er Jahre halten. In der Gemeinde befand sich zeitweise ein Standort von Akkord-Radio.
Inzwischen leben die Einwohner der Gemeinde von der Tätigkeit im Pfalzklinikum, vom Weinbau und vom Tourismus. Das Klinikum betreibt seit 2015 mit dem Peilsender einen Radiosender für Jugendliche. Eng mit dem Pfalzklinikum verbunden ist die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Klingenmünster ist ein Winzerort und als solcher Teil des Weinanbaugebiets Pfalz. Die Weinlage Maria Magdalena hat eine Fläche von 186,26 ha.Klingenmünsterer Maria Magdalena - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 6. Februar 2024 Sie gehört zur Großlage Kloster Liebfrauenberg. (PDF, 0,7 MB)
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