mini|Günter Grünwald (Juli 2024) Günter Grünwald (* 27. November 1956 in Ingolstadt) ist ein deutscher Komiker und Kabarettist.
Werdegang mini|hochkant|Günter Grünwald (2006) Günter Grünwald wuchs in Ingolstadt auf, besuchte dort die Grundschule und die Hauptschule. Nach vielfältigen Tätigkeiten auf dem Bau, als Lagerist in einem Kaufhaus, als Inhaber eines Naturkost- und eines Schallplattenladens startete er Mitte der 1980er Jahre eine Laufbahn als Kabarettist. Er schreibt bis heute alles selbst. Um sich angesichts der zahlreichen Wiederholungen auf Tourneen mit dem Programmtext nicht zu langweilen, improvisierte er von Beginn an ausgiebig. Seit er 1988 das Passauer Scharfrichterbeil verliehen bekam und sein Bekanntheitsgrad anstieg, können er und seine Familie von seiner Bühnen- und Fernsehtätigkeit leben.Deutschlandfunk: Querköpfe: „Günter Grünwald – Gestern war heute morgen“ vom 21. Januar 2009.
1996 trat Grünwald für Bündnis 90/Die Grünen bei der Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Ingolstadt an und erreichte 4,81 Prozent.
Medial trat Grünwald zunächst zusammen mit Andreas Giebel und anderen Komödianten und Kabarettisten im Bayerischen Fernsehen auf, unter anderem in den Sendungen Kanal fatal und Die Komiker. Ab dem 7. März 2003 hatte er mit Grünwald Freitagscomedy eine eigene Late-Night-Show, die monatlich ausgestrahlt wurde. Am 11. Oktober 2024 wurde die 200. und letzte Folge der Sendung ausgestrahlt.
Im Oktober 2024 kündigte Grünwald das Ende seiner Bühnenkarriere aus gesundheitlichen Gründen an. Am 17. Dezember des Jahres trat er dann im Festsaal des Ingolstädter Stadttheaters zum letzten Mal mit seinem Programm Das kann doch wohl nicht mein Ernst sein auf.
Privates Grünwald ist verheiratet. Er hat vier Töchter und einen Sohn.
Er spielt seit den 1970er Jahren E-Gitarre in diversen Bands. Aufgrund seiner Kabarett-Karriere musste er seine Tätigkeit als Musiker stark reduzieren. Erst 2020 änderte sich dies durch die Zusammenarbeit mit der Zydeco-Blues-Gruppe Rad Gumbo.
Stil Grünwald selbst bezeichnet sich ironisch als „Botschafter des guten Geschmacks“ und verwendet bei Auftritten seinen Heimatdialekt. Grünwalds Humor und Wortwahl sind oft sehr deftig und derb, gerne und ausgiebig macht er von bayerischen Schimpfwörtern Gebrauch.
Seine Parodien verbeugen sich vor „den beiden Klassikern der Kabarett-Kunst Karl Valentin und Gerhard Polt“.
Ab 2019 lief sein Programm Definitiv vielleicht (der Titel ist eine wortwörtliche Übersetzung des Oasis-Debütalbums Definitely Maybe).
Fiktive Personen und Gegenstände Im Rahmen seiner Werke schuf Günter Grünwald nicht nur diverse fiktive Persönlichkeiten, sondern auch einige fiktive Orte und Gegenstände, die er auch gerne in humoristischen Werbespots einsetzt.
Hausmeister Vinzenz Bamberger, ein absoluter Brachialprolet, chauvinistisch und selten nüchtern, hatte seine ersten Auftritte in frühen, sehr derben Sketchen (Drecksaunummer), später in leicht gemäßigter Form bei Kanal fatal und Hallo Schröder Jacques Sacques, der größte Modeschöpfer von Mindelstetten, eine Parodie auf den Modeschöpfer Rudolph Moshammer Bonzo, sein „Bodyguard“ aus dem bosnischen Popovic, tritt häufiger als Händler von „vom Lastwagen gefallenen“ Flachbildschirmen, „Photovoltanlagen“ und Gewürzmischungen auf Joe Waschl, ein lässig kochender und dem Alkohol nicht unbedingt abgeneigter Fernsehkoch, mit Assistentin Rosinerl (Rosetta Pedone) (eine Parodie auf den aktuellen Kochshow-Boom in Deutschland und insbesondere auf Alfons Schuhbeck) Wettersepp (früher: Jodelsepp), der extrem unverständlich nuschelt Der Depp, ein archetypisches, in vielen seiner Geschichten auftretendes Individuum, welches sich durch notorisch kontraproduktives und stupides Verhalten auszeichnet; der Depp bleibt dabei stets anonym und es ist daher möglich, dass es sich bei ihm nicht immer um dieselbe Person handelt Gaggi Stangerl, ein Fitness-Trainer, der auf einen runden, durch regelmäßige Weißbierzufuhr in Form gehaltenen Bauch steht (Gaggi=geläufiger bayerischer Kosename u. a. für Jakob, Stangerl=dünne Stange) Die Schoaßboandls, ein Ehepaar, das versucht, sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen (Schoaß=Furz, Boandl=Knöchlein) der Huberbauer, ein einfach gestrickter Landwirt
Frühere Charaktere: Dr. Ulrich Kotmann, ein völlig unfähiger bayerischer Landtagsabgeordneter Sigi und Chocko, zwei dumpfe Sprücheklopfer aus seinen frühen Programmen; in der Willy-Astor-Show kongenial von Günter Grünwald und Willy Astor dargestellt, später auch in Grünwalds Programmen übernommen, dort aber unter dem Namen Strapsi und Chocko Toto & Lotto, zwei durchgeknallte Polizisten analog der Fernsehserie Toto & Harry Schaumberger Wigg Ernst Mosch und seine Original Kinderschänder, eine Parodie auf Ernst Mosch und seine Original Egerländer Musikanten Heinz am Kiosk, der mit Elli (Monika Gruber) plaudert und, falls die mal im Urlaub ist, mit Lilli (Eva Mähl) Disco Heinz, ein Zuhälter, der auf der Straße lebt
Grünwaldsches Lebkuchengesetz Grünwald ist erklärter Gegner des Verkaufs von Weihnachtsgebäck vor dem 9. November eines jeden Jahres. Er nennt es das „Grünwaldsche Lebkuchengesetz“:
Trivia In seiner Sendung Grünwald Freitagscomedy und in Die Komiker kamen immer wieder Ortschaften (z. B. Tauberfeld) aus seinem Heimatlandkreis Eichstätt sowie die Stadt Ingolstadt vor. Grünwald hat eine gewisse Abneigung gegen Anglizismen. Als besonders unschön empfindet er das in vielen Geschäften im Zuge von Schlussverkäufen verwendete Wort „sale“ (was auf Französisch übrigens „dreckig“ heißt), welches er in der Sendung öfters anprangert und offiziell durch das von ihm erfundene Wort „Mumpf“ ersetzt sehen möchte. Grünwald trug zwischenzeitlich in den Ausgaben seiner Late-Night-Show Grünwald Freitagscomedy einen Anti-Hitler-Button an seinem Anzug, was auf den Einzug der NPD in einige Landtage zurückging.
Filmografie (Auswahl) 3satfestival Günter Grünwald – Der Botschafter des guten Geschmacks Quer ... durch die Woche Ottis Schlachthof Unter vier Augen Neues aus der Anstalt Kanal fatal Anwalt Abel Muttertag Café Meineid Herbert und Schnipsi 1994: Schartl (Film von Sigi Zimmerschied) 1996: und keiner weint mir nach (als Elektromeister Bertele in einem Film von Joseph Vilsmaier) 1998–2003: Die Komiker 1999: Hallo Schröder 2003–2024: Grünwald Freitagscomedy 2005: Die Rosenheim-Cops – Nur der Mond schaut zu 2006: Die Rosenheim-Cops – Schöner Hannes, toter Hannes 2006: Die Rosenheim-Cops – Erpresser leben gefährlich 2007: Gipfeltreffen 2009: Normal is des ned
Kabarett-Soloprogramme mini|hochkant|Günter Grünwald live (2006) 1988: Hart an der Scherzgrenze 1992: Mit beiden Beinen in der Scheiße 1994: Einlauf 1998: Arschgeigenparade 2002: Der Botschafter des guten Geschmacks 2005: Glauben Sie ja nicht, wen Sie da vor sich haben 2008: Gestern war heute morgen 2012: Da sagt der Grünwald Stop! 2015: Deppenmagnet 2019: Definitiv vielleicht 2024: Das kann doch wohl nicht mein Ernst sein
Diskografie 1984: United Cervelat; als Gitarrist der Ingolstädter Funk-Rock-Band 1988: Hart an der Scherzgrenze 1990: Tausend Geräusche in Stereo; mit Ali Schlamp 1992: Mit beiden Beinen in der Scheiße 1997: Einlauf 1998: Arschgeigenparade 1999: Hausmeister Bamberger 2000: Der Komiker 2001: Live im Lustspielhaus 2002: Der Botschafter des guten Geschmacks 2004: Der Botschafter des guten Geschmacks – DVD 2005: Glauben Sie ja nicht, wen Sie da vor sich haben 2009: Glauben Sie ja nicht, wen Sie da vor sich haben – DVD 2009: Gestern war heute morgen 2014: Da sagt der Grünwald Stop – DVD
Auszeichnungen (Auswahl) 1988: Passauer Scharfrichterbeil 1989: Obernburger Mühlstein – (Publikumspreis) 1989: Barocke Sau vom Bodensee 2005: Bayerischer Kabarettpreis – (Hauptpreis) 2008: Aufnahme in die „Signs of Fame“ des völkerverbindenden Friedensprojekts „Fernwehpark“ 2017: Sigi-Sommer-Taler
Sonstiges Grünwald drehte 2008 mit Monika Gruber die Reihe Normal is des ned im Auftrag des Bayerischen Fernsehens.
Weblinks
guenter-gruenwald.de: Eigene Website
youtube.com: Kulturportal – Musik: Günter Grünwald über die Liederbühne Robinson
Einzelnachweise
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