mini|Karl IV., Fragment eines Wandgemäldes aus dem Hansasaal des Kölner Rathauses um 1360 mini|Karl IV., Büste gefertigt von Peter Parler im Prager Veitsdom mit dem Wappen Böhmens auf der linken Seite und rechts dem Adlerwappen des Heiligen Römischen Reichs Karl IV. (; * 14. Mai 1316 in Prag; † 29. November 1378 ebenda), geboren als Wenzel (tschechisch Václav), war Römisch-deutscher König (ab 1346), König von Böhmen (ab 1347), König von Italien (seit 1355), König von Burgund (seit 1365) und Römisch-deutscher Kaiser (ab 1355). Er entstammte dem Geschlecht der Luxemburger. Er zählt zu den bedeutendsten Kaisern des Spätmittelalters und war einer der einflussreichsten europäischen Herrscher seiner Zeit.
Leben Jugend und Weg zum Königtum mini|Karl IV. auf dem Votivbild des Prager Erzbischofs Johann Očko von Wlaschim, um 1370. Parlers Büsten und die Porträts der Prager Malerschule gelten als die wohl ältesten lebensechten Porträts der europäischen Kunstgeschichte seit der Römischen Kunst.Ernst Gombrich: Die Geschichte der Kunst. Phaidon, Köln 1952, Neuauflage: Phaidon, Berlin 2009, S. 215
Karl IV., getauft auf den Namen „Wenceslas“ (lateinisch für alttschechisch: Venceslav – Wenzeslaw, deutsch: Wenzel, modern tschechisch: Václav) war ein Sohn Johanns von Luxemburg (auch bekannt als Johann der Blinde), des Königs von Böhmen (1311–1346), und dessen sowohl den Přemysliden als auch den Habsburgern entstammender Gattin Elisabeth, der zweitältesten Tochter des Königs Wenzel II. Přemysl.
Sowohl in der väterlichen Linie seines Vaters (Haus Limburg-Arlon), als auch in dessen mütterlicher Linie (Haus Namur) und unter den Přemysliden trug er als erster den Namen Karl. Die Luxemburger unterhielten seit langer Zeit gute Kontakte zum französischen Hof. Der französische König Karl IV. gab ihm seinen Firmnamen Karl mit Karl dem Großen als Namenspatron. Karl erhielt von 1323 bis 1330 in Paris eine umfassende Bildung, in damaliger Zeit keineswegs selbstverständlich. Zu seinen Erziehern zählte Pierre Roger, der spätere Papst Clemens VI. In Frankreich wurde bereits die Ehe mit Blanca Margarete von Valois gestiftet.
1331 reiste er nach Italien, wo sein Vater Johann weitreichende Pläne verfolgte. Hier nahm Karl zum ersten Mal selbstständige Amtshandlungen vor, auch wenn das Vorhaben seines Vaters, in Reichsitalien einen luxemburgischen Herrschaftskomplex zu errichten, 1333 vor allem an der Opposition einiger mächtiger italienischer Stadtstaaten und des Königreichs Neapel scheiterte. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war ambivalent. Es gab Spannungen, die teilweise wohl auf Auseinandersetzung zwischen Karls Eltern zurückzuführen waren, aber auch auf die unterschiedlichen Charaktere. Johann galt als ein ritterlicher und verwegener Charakter; Karl dagegen war eher nachdenklich und – außer in seiner Jugend – dem Turnier abgeneigt.
In seiner Autobiografie, die allerdings nur seine Kindheit und Jugend umfasste, schrieb Karl, dass er fünf Sprachen beherrschte (Latein, Deutsch, Böhmisch, Französisch und Italienisch). Karl kehrte 1333 nach Böhmen zurück und wurde 1334 mit der Markgrafschaft Mähren belehnt. Im Konflikt mit den einflussreichen Baronen und seinem Vater konnte er sich weitgehend behaupten. 1335 war er am Abschluss des Vertrags von Trentschin beteiligt, der die politische Trennung Schlesiens vom Königreich Polen festgelegte und den Verzicht Johanns und Karls auf den polnischen Königstitel besiegelte. Anfang 1336 übernahm Karl IV für seinen vierzehnjährigen Bruder Johann Heinrich und dessen Gemahlin Margarete (Maultasch) die Regierung der Grafschaft Tirol, die er gegen die Angriffe der verbündeten Wittelsbacher und Habsburger behauptete.Historisches Lexikon Bayerns. Beziehungen zu Tirol (Spätmittelalter) – Rückgewinnungsversuche der Wittelsbacher im 14. Jahrhundert. (zu Tirol (Spätmittelalter)#Rückckgewinnungsversuche der Wittelsbacher im 14. Jahrhundert Online)
1336/37 und 1344/45 begleitete er seinen Vater auf Preußenfahrten.Werner Paravicini: Die Preußenreisen des europäischen Adels. Teil 1 (= Beihefte der Francia. Band 17/1). Thorbecke, Sigmaringen 1989, ISBN 3-7995-7317-8, S. 147 (Digitalisat). Am 8. Juni 1341 übertrug Johann wegen seiner zunehmenden Erblindung Karl die Administration des Königreichs und zog sich danach weitgehend aus der Regierung zurück.
Im selben Zeitraum spitzte sich der Konflikt zwischen Ludwig dem Bayern und seinen Gegnern im Reich immer mehr zu. Papst Klemens VI., Karls ehemaliger Erzieher am französischen Hof, förderte die Opposition; er verhängte am 13. April 1346 den Bannfluch über Ludwig und forderte die Kurfürsten zur Neuwahl auf. Karl trat, unterstützt von seinem Großonkel Balduin von Trier, einem der bedeutendsten Reichspolitiker des 14. Jahrhunderts, als Gegenkönig zur Wahl an. Da die rechtmäßigen Wahl- und Krönungsorte Frankfurt am Main und Aachen fest zu Ludwig hielten, wurde er am 11. Juli 1346 in Rhens von den drei Erzbischöfen von Mainz, Köln und Trier sowie mit der sächsischen und böhmischen Stimme gewählt und am 26. November „am falschen Ort“ – in der Bonner Münsterbasilika – zum König gekrönt.
Zum offenen Konflikt mit Ludwigs Anhängern kam es jedoch nicht. Im August 1346 fiel Karls Vater Johann in der Schlacht von Crécy. Karl nahm an dieser Schlacht teil und wurde verwundet.Regesta Imperii RI VIII Karl IV. (1346-1378). n. 238b "1346 aug. 26, iuxta Cressiacum" (Regesta Imperii Online) Am 2. September 1347 wurde Karl zum König von Böhmen gekrönt. Im selben Jahr unternahm er eine Huldigungsreise von Prag nach Bautzen, dem Hauptort des böhmischen Nebenlandes Oberlausitz, um dort die Huldigung der Oberlausitzer Stände entgegenzunehmen.
Ludwig der Bayer starb bald darauf im Oktober 1347. Die Partei der Wittelsbacher versuchte, Karls Anerkennung als König zu verhindern und den englischen König Eduard III. und danach Markgraf Friedrich II. von Meißen zur Kandidatur zu bewegen. Schließlich wählten vier der sieben Kurfürsten am 30. Januar 1349 im Dominikanerkloster Frankfurt am Main Günther von Schwarzburg zum Gegenkönig. Dieser begründete seine Legitimität ausdrücklich mit der Wahl „am rechten Ort“, nämlich „zu Frankenfort in dem Velde, da Romische kunge zu rechte...gewelt sind“.Wolfgang Klötzer: Günther von Schwarzburg, in: Inzwischen hatte Karl jedoch genügend Anhänger gewonnen. Diplomatisch isoliert, sterbenskrank und von seiner Armee verlassen, verzichtete Günther am 26. Mai 1349 im Vertrag von Eltville gegen eine Entschädigung und eine Amnestie für seine Anhänger auf alle Ansprüche auf den Königsthron. Am 14. Juni 1349 starb Günther im Frankfurter Johanniterkloster aus unbekanntem Grund, mit Sicherheit aber nicht an der Pest, von der nicht gewiss ist, ob sie Frankfurt 1349 überhaupt erreicht hat.
Damit war Karl IV. als römischer König unbestritten. Zur Sicherstellung seiner Legitimität ließ er sich am 17. Juni 1349 in Frankfurt am Main noch einmal wählen und am 25. Juli 1349 in Aachen erneut krönen. Vor der Krönung musste er einige Tage vor der Stadt warten, weil Aachen voller Wallfahrer und Geißler war. Diese waren wegen der Pest zu einer außerplanmäßigen Heiligtumsfahrt nach Aachen gekommen.
Reichspolitik Karls bis zu seinem Tod Erste Regierungsjahre: Sicherung der Herrschaft, Pest und Judenpogrome mini|Kaiser Karl IV. beim Krönungsmahl mit den anwesenden Kurfürsten, die ihre Erzämter ausüben. Karl konnte seine Herrschaft rasch festigen. Nachdem er seine Gegner durch ein Heiratsbündnis mit dem Pfalzgrafen bei Rhein und die Belehnung des Falschen Woldemar mit der Mark Brandenburg an Stelle der Wittelsbacher empfindlich geschwächt hatte, kam es 1348 zu einer Verständigung mit den Habsburgern und 1350 mit den Wittelsbachern (Vertrag von Bautzen).
Gleichzeitig erreichte die Pestwelle ihren Höhepunkt. Die auch Schwarzer Tod genannte Epidemie entvölkerte ganze Landstriche, deren Einwohnerschaft teilweise um mehr als ein Drittel zurückging. Da die verzweifelten Menschen nach der Ursache suchten, wurde der Behauptung, die Juden hätten Brunnen vergiftet, oft Glauben geschenkt und diese nun instrumentalisiert. Während der Judenpogrome in Deutschland 1349, der so genannten Pestpogrome, machte sich Karl mindestens der Mitwisserschaft schuldig.Zu Karls Politik gegenüber den Juden vgl. zusammenfassend Jörg R. Müller, Andreas Weber: Karl IV. und die Juden. In: Jiri Fajt, Markus Hörsch (Hrsg.): Kaiser Karl IV. (1316–2016). Erste Bayerisch-Tschechische Landesausstellung. Prag 2016, S. 218–225. Um seine Schulden zu tilgen, verpfändete Karl das königliche Judenregal, unter anderem an Frankfurt am Main. Es wurde darin geregelt, was mit dem Besitz von Juden zu geschehen habe, und Straffreiheit zugesichert, falls „die Juden daselbst nächstens erschlagen“ würden (Frankfurter Urkunden vom 23., 25., 27. und 28. Juni 1349, bezogen auf Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber und Frankfurt am Main). Bereits einen Monat später kam es in Frankfurt zu einem solchen Pogrom. Obwohl er in seinem Herrschaftsbereich Böhmen die Juden effektiv schützen konnte und auch andernorts, z. B. in Ulm 1348/1349, zumindest den (erfolglosen) Versuch unternahm, wirft dieses Ereignis viele Fragen in Bezug auf Karls Charakter auf, besonders da Karl sonst immer bestrebt war, das Bild eines gerechten christlichen Herrschers zu vermitteln. Dabei verstieß nämlich die Duldung der Morde auch gegen das damalige Rechtsverständnis, da die Juden unter dem direkten Schutz des Königs standen und dafür auch Zahlungen leisteten. Es zeigte sich, dass Karl oft mehr nach Zweckmäßigkeiten handelte, wobei er sich mit seinem Verhalten die Loyalität vieler Städte sicherte, die in die Judenpogrome verwickelt waren und von der Plünderung jüdischen Vermögens profitierten.
Italien- und Frankreichpolitik mini|Karl V. von Frankreich empfängt Karl IV. 1354 zog Karl mit einem nur kleinen Heer nach Italien. Cola di Rienzo, der einige Zeit in Prag geweilt hatte, hatte das Kommen des Königs immer wieder angemahnt. Er ließ sich am 6. Januar 1355 in Mailand mit der eisernen Krone der Lombardei krönen. Seine Kaiserkrönung wurde in Rom am 5. April 1355 von dem von Papst Innozenz VI., der wie alle Päpste seit Clemens V. in Avignon residierte, beauftragten Kardinal Peter von OstiaRI VIII n. 2014a, Regesta Imperii Online. vorgenommen. Mit ihm wurde auch seine Gemahlin Anna zur Kaiserin gekrönt. Bereits wenig später verließ er Italien wieder, ohne sich um die Ordnung der dortigen Verhältnisse bemüht zu haben, wenn er auch durch die Zahlungen zahlreicher Kommunen finanziellen Gewinn aus dem Romzug ziehen konnte und die Kaiserkrönung ohne Blutvergießen erreicht hatte. Dennoch trug sein Verhalten gegenüber dem Papsttum dazu bei, dass er als „Pfaffenkönig“ (rex clericorum) bezeichnet wurde, was so sicherlich falsch ist, aber doch bezeichnend für Karls kuriale Politik war, die auf Einvernehmen mit dem Papst setzte.
Karls erster Italienzug hatte ebenso wie der zweite Italienzug 1368–69 (bei dem er mit Papst Urban V. kooperierte, von dem er sich eine Rückkehr des Papsttums von Avignon nach Rom erhoffte) wenig Bedeutung. Seine Italienpolitik war im Großen und Ganzen ineffektiv, denn Karl gab sich mit der Kaiserkrone zufrieden. Er zog Gelder der Kommunen ein und vergab dafür Privilegien, mischte sich sonst jedoch nicht weiter in die italienischen Angelegenheiten; dafür wurde sein Verhalten als das eines Kaufmanns bezeichnet (siehe Matteo Villani und Petrarca). Karl gab damit die universale Politik seines Großvaters Heinrich VII. zu Gunsten einer auf die Hausmacht gestützten Reichspolitik auf. Allerdings erreichte er die Anerkennung seiner Stellung als Kaiser durch Florenz und Mailand und gab in Italien auch keine Reichsrechte auf.