Die Samtgemeinde Papenteich ist eine Samtgemeinde im niedersächsischen Landkreis Gifhorn unmittelbar nördlich der Stadt Braunschweig.
Geographie Geographische Lage
Die Samtgemeinde Papenteich liegt zentral auf der Papenteicher Hochfläche am Übergang vom norddeutschen Tiefland zum nördlichen Harzvorland. Genauer gehört die Samtgemeinde zum Ostbraunschweigischen FlachlandBundesamt für Naturschutz: Steckbrief des Ostbraunschweigischen Flachlandes: des Weser-Aller-Flachlandes und befindet sich damit im Übergangsbereich von Lössbörden zu Geestplatten. An die Samtgemeinde schließen sich mehrere Naturräume an: im Norden das Allertal, im Süden das Ostbraunschweigische Hügelland und im Westen die Burgdorf-Peiner Geest.
Südlich an die Samtgemeinde grenzt die Stadt Braunschweig, südöstlich der Landkreis Helmstedt und westlich der Landkreis Peine. Im Norden und Osten erstreckt sich der Landkreis Gifhorn mit der Samtgemeinde Meinersen und der Samtgemeinde Isenbüttel. Die Samtgemeinde Papenteich wird zentral in Nord-Süd-Richtung von der Bundesstraße 4 durchzogen. Südlich in Richtung Braunschweig streift die Bundesautobahn 2 mit der Auffahrt Braunschweig-Watenbüttel sowie dem knapp südlich der Gemeindegrenze gelegenen Autobahnkreuz Braunschweig-Nord (A2 / A391) die Samtgemeinde. Größere Städte in der näheren Umgebung sind: Gifhorn, Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter, Wolfenbüttel, Peine und Celle. Die heutige Samtgemeinde erstreckt sich über eine Fläche von 11083 ha, wovon 14,3 % Siedlungs- und Verkehrsfläche sind. (PDF)
Gewässer Am südwestlichen Ende der Samtgemeinde bei Walle mündet die Schunter in die Oker. Diese beiden Flüsse stellen gleichzeitig die beiden größten Flüsse in der Samtgemeinde dar. Daneben gibt es noch mehrere kleinere Bäche die ihre Quelle in der Samtgemeinde haben oder die diese auf ihrem Weg durchqueren. Dies sind der Bickgraben, die Rötgesbütteler Riede, die Vollbütteler Riede, die Rischmühlenriede (auch Gravenhorster Riede genannt), die Horenriede und Teile der Hehlenriede. Innerhalb der Samtgemeinde befindet sich die Wasserscheide zwischen den Flüssen Aller und Oker/Schunter. Diese Wasserscheide verläuft etwa von Flechtorf über Meinholz, Vordorf, Rethen in Richtung Hillerse. Nur der südlich dieser Scheide gelegene Bickgraben mündet in die Schunter, all anderen Bäche münden in die Aller, bzw. in den Allerkanal.
Samtgemeindegliederung Die Samtgemeinde Papenteich wurde zunächst von 18 Mitgliedsgemeinden am 2. Oktober 1970 gebildet. Im Zuge der Gebietsreform im Jahre 1974 kam es zu einer geänderten inneren Gliederung und zu einer modifizierten äußeren Abgrenzung. Teil der Gemeindereform war die Zusammenlegung verschiedener Gemeinden, in deren Verlauf die heutigen sechs Gemeinden entstanden. Im Mai 1981 wurde als letzte Veränderung die Rückgliederung der 1974 abgetrennten Gemeinde Didderse durchgeführt. Die Samtgemeinde umfasst heute die Mitgliedsgemeinden Adenbüttel, Didderse, Meine, Rötgesbüttel, Schwülper und Vordorf. Sitz der Verwaltung ist Meine. + Die 6 Mitgliedsgemeinden mit ihren zugehörigen Ortsteilen und Siedlungen Gemeinde Einwohner(Hauptwohnsitz)() Fläche(in km²) Dichte(in Einw./km²) Ortsteile/Siedlungen Gemeinde Adenbüttel Adenbüttel, Rolfsbüttel, Gut Warxbüttel Gemeinde Didderse Didderse Gemeinde Meine Abbesbüttel, Bechtsbüttel, Grassel, Gravenhorst, Meine, Meinholz, Martinsbüttel, Ohnhorst, Wedelheine, Wedesbüttel Gemeinde Rötgesbüttel Rötgesbüttel Gemeinde Schwülper Groß Schwülper, Hülperode, Klein Schwülper, Lagesbüttel, Rothemühle, Walle Gemeinde Vordorf Eickhorst, Rethen, Vordorf
Demografische Daten Jahr Einwohner Wohnungen Jahr Einwohner Wohnungen 1989 16509 6817 2002 22852 9053 1996 19945 unbekannt 2003 23069 9221 1999 21357 8345 2004 23166 9418 2000 22022 8665 2005 23448 9550 2001 22361 8907 2013 23748 unbekannt
Nach dem Landesamt für Statistik Niedersachsen wohnten 2005 in der Samtgemeinde Papenteich 23.448 Menschen in 6742 Gebäuden mit insgesamt 9550 Wohnungen bei einer durchschnittlichen Wohnfläche von 46,3 m je Person. Seit Gründung der Samtgemeinde wuchs die Einwohnerzahl beständig, sowohl durch eine positive natürliche Bevölkerungsentwicklung als auch durch ein positives Wanderungssaldo. 22,60 % der Bevölkerung waren 2005 unter 18 Jahre alt, 6,30 % zwischen 18 und 25, 30,50 % zwischen 25 und 45, 27,00 % zwischen 45 und 64, und 13,60 % waren 65 Jahre alt oder älter. Die Arbeitslosenquote lag bei durchschnittlich 7,7 % (Männer: 6,2 %, Frauen: 9,7 %). 7698 Menschen pendeln regelmäßig aus der Samtgemeinde heraus, 1547 herein.
Durch Ausweisung neuer Baugebiete und eine Ortskernverdichtung kam es zu einer Suburbanisierung während der 1990er. Begünstigt wurde dies durch die geografische Lage unmittelbar nördlich der Stadt Braunschweig, der Nähe zur Industriestadt Wolfsburg und dem nahen Anschluss zur Bundesautobahn 2. Laut Modellrechnungen wird die Einwohnerzahl der gesamten Samtgemeinde Papenteich auch in den nächsten Jahrzehnten durch diese Faktoren weiter wachsen.Beitrag zum Forschungsvorhaben Stadt 2030 (PDF; 4,9 MB)
Die scheinbar nur geringe Zunahme 2005–2013 ist auf den „Einwohnerschwund“ bei der statistischen Bereinigung im Rahmen der Volkszählung zurückzuführen, tatsächlich hat sich die Zunahme im Trend der Jahre 1999–2005 fortgesetzt, vor allem durch Zuzüge (Errichtung neuer Baugebiete).
Geschichte mini|Papenteich im Amt Gifhorn um 1600 von Johann Mellinger
Die Samtgemeinde Papenteich gibt es in ihrer heutigen Form erst seit 1970. In diesem Jahr schlossen sich 15 Gemeinden zusammen und formten die neue Samtgemeinde Papenteich. Der Name Papenteich lässt sich bis in mittelalterliche Urkunden zurückverfolgen. Die ältesten Namensformen lauten dabei poppendic oder poppendyk. Der erste Teil bezieht sich vermutlich auf einen 1165 verstorbenen Grafen Poppo.
Die bisher älteste Spur menschlichen Lebens im Bereich des heutigen Papenteich ist das 1995 gefundene Megalithgrab bei Rethen. Nach Untersuchungen des kreisarchäologischen Amtes in Gifhorn wird das Grab auf etwa 3000 v. Chr. datiert. Dies kann aber nicht als reguläre Besiedlung des Papenteich gewertet werden.
Nachgewiesen ist auch, dass sich zu frühgeschichtlichen Zeiten auf dem Gebiet des heutigen Papenteich ein zusammenhängendes umfangreiches Waldgebiet, der königliche Wildbannforst Nordwald, befand. Durchzogen und umgeben war der Papenteich von mehreren wichtigen mittelalterlichen Fernstraßen. Außerhalb verlief zum einen eine Straße vom Braunschweiger Okerübergang bis in den Hamburger Raum, die westlich dem Okerverlauf folgte, zum anderen entlang der Schunter in den altmärkischen Raum. Durchquert wurde der Papenteich von der nach Uelzen und Lüneburg verlaufenden Salzstraße, aus welcher sich zum Teil die heutige B4 bildete.
Die heute bekannte Besiedlung des Samtgemeindegebietes erfolgte in drei Phasen. Die älteste Siedlungsgruppe besteht aus den Orten Meine, Rethen, Stapel (wüst) und Vordorf, die vermutlich auf einer Rodungsinsel im Nordwald vor dem Jahr 800 n. Chr. gegründet wurden. Eine weitere Gruppe von Ortsnamenendungen sind „–rode“ und „-loh“ im und um den Papenteich. Die Endung weist auf eine Neugründung aufgrund der Verschiebung von Siedlungsgrenzen und dem damit verbundenen Verschieben der Rodungsgrenze hin. Die Gründung dieser Dörfer wird etwa in den Zeitraum des 9. Jahrhunderts gelegt. Die größte Siedlungsgruppe sind die sogenannten „-büttel Orte“. Man pflegt die Gegend bisweilen auch die „Büttelei“ zu nennen. Die Sprachforschung leitet büttel vom altsächsisch bodal ab. Als jüngste Siedlungsgruppe werden die Dörfer mit Ortsnamenendung „-horst“ gesehen, die sich auf eine leicht erhöhte Stelle in einem Sumpf, Moor oder einer feuchten Niederung beziehen.
Die politischen Vorgänger im Papenteich waren die 1318 entstandene Grafschaft Papenteich. Diese wurde zunächst durch Ottos von Braunschweig an die Grafen von Woldenberg als Lehen vergeben, bevor 1337 Fürsten zu Lüneburg die Grafschaft Papenteich erwarben. 1349/50 kam es im auch Raum Braunschweig zur Großen Pest, die im Papenteich schlimm wütete.
Als die älteste Verwaltungsstruktur im Papenteich gelten die Gogräfschaften Papenteich, die bis 1852 bestanden hat. Die als Papenteich bezeichneten historischen Siedlungsgebiete waren dabei flächenmäßig annähernd doppelt so groß wie die heutige Samtgemeinde.
Letzter Vorgänger der Samtgemeinde Papenteich war das 1852 gebildete Amt Papenteich. Gebildet wurde dieses aus den Orten der Untergogräfschaft Papenteich.Geschichte des Amtsgerichts Gifhorn
Kultur und Sehenswürdigkeiten Regionales Hochdeutsch Obwohl der Papenteich zuletzt stark durch Zuwanderungen geprägt wurde (beispielsweise hat sich die Bevölkerung von Meine seit 1939 etwa vervierfacht), spricht etwa die Hälfte der Bevölkerung ein mehr oder weniger stark lokal eingefärbtes Hochdeutsch mit Braunschweiger und Papenteicher Elementen, wie zum Beispiel einem sog. klaren A und einem weichen G am Wortende: Aantracht Braunschwaach steht beispielsweise für den Fußballclub Eintracht Braunschweig. Etwa 200 niederdeutsche Wörter werden in der ansonsten hochdeutschen Umgangssprache verwendet, allerdings nicht alle gleich häufig.
Papenteicher Platt Im 19. Jahrhundert war die tägliche Umgangssprache das Papenteicher Platt. Dieses wurde gegen Ende des Jahrhunderts im Deutschen Sprachatlas teilweise dokumentiert. Der Papenteich galt als eigene Kleindialektlandschaft innerhalb des ostfälischen Niederdeutsch. Charakteristisches Kennzeichen dieses Dialekts ist unter anderem das lange ü anstelle des sonst im Niederdeutschen langen u: Üse Püdel is in einem Tüge üt de Lüke rütesüset (Unser Pudel ist in einem Zuge aus der Luke herausgesaust). Ein weiteres Dialektmerkmal ist zum Beispiel, dass fremde ältere Personen ungefähr gleichen gesellschaftlichen Standes nicht Herr oder Frau, sondern Unkel und Tante angesprochen werden. Kirchensprache, Schrift- und Amtssprache war Hochdeutsch. Der Papenteicher Dialekt um 1900 ist unter anderem in den Zeitungsbeiträgen von Karl Ahrens aus Meine (1868–1937) erhalten. Dieser schrieb über viele Jahre Texte für die Wochenendbeilage der Gifhorner Aller-Zeitung.
Das Papenteicher Platt ist als Teil des Niederdeutschen als anerkannter Regionalsprache im Rahmen europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen besonders geschützt.
Heinrich Wesche, ein aus Hillerse stammender Göttinger Wissenschaftler, hat versucht, aus dem Papenteicher Platt die Besiedlungsgeschichte des Papenteichs abzuleiten. Der Umlaut ü nach Papenteicher Art finde sich sonst in ähnlicher Form nur in Jütland, Nordschleswig und Friesland. Einige wenige Wörter gebe es außer im Papenteich nur in Nordschleswig. Wahrscheinlich habe im Papenteich im 5. oder 6. Jahrhundert ein Stamm aus dem Norden gesiedelt, der mit seinen Ortsgründungen für die einzigartige Ballung von -büttel Ortsnamen verantwortlich sei. (Der Siedlungsgeograph Wolfgang Meibeyer nimmt dagegen ein deutlich späteres Datum für die Siedlungszeit an.)
Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist der örtliche Dialekt dramatisch zurückgegangen. Um 2000 hört man in Alltagssituationen kaum noch Papenteicher Platt, oft nur ein- oder zweimal jährlich und somit weitaus seltener als beispielsweise Italienisch, Türkisch oder Russisch. Die Sprache wird vermutlich noch von einigen hundert Menschen vollständig beherrscht, allerdings sprechen auch viele von diesen im Alltag Hochdeutsch. Die Zahl derer, die den Dialekt verstehen oder gelegentlich einzelne Wörter und Sätze verwenden, ist deutlich höher. Im kulturellen Leben wird der Dialekt weiterhin gepflegt, zum Beispiel durch den örtlichen Autor Karl-Otto Dohrendorf, durch Plattdeutsch-Arbeitsgemeinschaften der Grundschule Meine und durch Veranstaltungen der Samtgemeindebücherei. Da derzeit nur sehr eingeschränkt eine Weitergabe des Dialekts an Kinder erfolgt, besteht die Möglichkeit, dass er im 21. Jahrhundert ausstirbt.
Sehenswürdigkeiten