mini|Joe Louis Plaza in Manhattan Joseph Louis Barrow (* 13. Mai 1914 in La Fayette, Alabama; † 12. April 1981 in Las Vegas, Nevada), genannt Der braune Bomber, war ein US-amerikanischer Boxer und unumstrittener Schwergewichts-Boxweltmeister. Louis wurde zu einem Idol und Symbol der Emanzipation für die ausgegrenzte und diskriminierte afro-amerikanische Bevölkerung in den USA. Die Fachwelt würdigt ihn als einen der besten Boxer der Geschichte.

Leben Joe Louis wurde als siebtes Kind von acht Geschwistern einer Farmerfamilie in den Südstaaten geboren. Nach seinen ersten Erfolgen im Boxen nahmen ihn die schwarzen Geschäftsleute John Roxborough und Julian Black unter Vertrag. Sie versuchten ihn als positives Gegenbeispiel zum vormaligen schwarzen Boxweltmeister Jack Johnson aufzubauen und ihn in den Medien als einen „guten Schwarzen“ darzustellen. Das bedeutete vor allem, höflich und möglichst nichtssagend Reportern zu antworten sowie keine Affären mit weißen Frauen zu haben.

1935 wurde Louis mit der Sportler-des-Jahres-Auszeichnung von Associated Press geehrt. Bereits 1936 galt er nach K.-o.-Siegen über fast alle starken Gegner der 1930er Jahre, darunter mehrere Ex-Weltmeister wie Primo Carnera und Max Baer, als unbesiegbar. In diesem Jahr unterlag er dann jedoch dem deutschen Ex-Champion Max Schmeling durch K. o. in der 12. Runde. Schmeling hatte zuvor durch das intensive Studium von Filmaufnahmen eine Schwäche bei Louis entdeckt: Nach einer linken Geraden nahm er seinen Unterarm nicht zurück vor seinen Kopf, sondern ließ den Arm unten hängen. Bei Interviews vor dem Kampf bestätigte er mehrmals, eine Schwäche bei Louis’ Boxstil gefunden zu haben. Tatsächlich konnte er bereits zu Beginn der 2. Runde nach einer linken Geraden und Abwärtsbewegung von Louis mit einem rechten Haken und voller Wucht Louis am Kinn treffen.

1937 wurde Louis durch einen K.-o.-Sieg in der achten Runde über Jim Braddock Schwergewichtsweltmeister, obwohl dieser seinen Titel zunächst gegen Schmeling hätte verteidigen müssen. Erst nach mehreren Angeboten zwecks Erhöhung seiner Einnahmen konnte Louis’ Promoter Braddock doch noch zu einem Kampf gegen Louis bewegen.

Von 1937 bis 1949 dominierte er mit 26 erfolgreichen Titelverteidigungen.Joe Louis, der „Braune Bomber“, hatte nach zwölf Jahren Herrschaft im Schwergewicht und 26 Titelverteidigungen den wichtigsten Gürtel im Boxsport zurückgegeben.NYSAC World Heavyweight Champion Er ist damit der Boxer, der am längsten ununterbrochen Weltmeister war. Max Schmeling knockte er im Rückkampf 1938 sensationell in der ersten Runde nach zwei Minuten und vier Sekunden aus. Die Presse schrieb von „2 Minuten Mord und Totschlag“. Dokumentation, USA, 2004, 87 Min., Regie: Barak Goodman Die afro-amerikanische Bevölkerung feierte diesen Sieg mit einer überschäumenden Begeisterung auf den Straßen der USA. Danach finden sich noch viele andere große Namen in seinem Kampfrekord, wie zum Beispiel Buddy Baer, ein Weltklassemann mit extremer Schlagkraft. Gegen den boxte Louis sogar zweimal, im ersten Kampf schlug Baer Louis in der ersten Runde mit einem einzigen Schlag sogar aus dem Ring, Louis kam rechtzeitig wieder rein, dominierte ihn und schlug ihn in der siebten Runde durch Disqualifikation. Im zweiten Kampf war Baer chancenlos, Louis schlug ihn in der ersten Runde insgesamt dreimal zu Boden und knockte ihn klassisch aus. Am Ende seiner Siegesserie hatte er aber gegen Billy Conn und Jersey Joe Walcott große Mühe.

Anfang März 1949 gab er seinen Rücktritt aus dem Boxgeschäft bekannt; Cab Calloway setzte ihm daraufhin mit dem Titel Ol’ Joe Louis ein musikalisches Denkmal.Cab Calloway in Chronology, Ol' Joe Louis (08-18-49). Wegen Steuerschulden sah er sich 1950 gezwungen, wieder in den Boxring zu steigen. Einen Titelkampf gegen Ezzard Charles verlor er nur nach Punkten, einen Nichttitelkampf gegen Rocky Marciano durch K. o.; Marciano soll danach in seiner Umkleidekabine geweint haben. In 72 Profikämpfen erlitt Louis nur drei Niederlagen.

Zuletzt arbeitete er als Türsteher in einem Nachtclub in Las Vegas und hatte Drogenprobleme. Er starb verarmt, teilweise noch finanziell unterstützt von Freunden wie Sonny Liston oder auch von Max Schmeling. Er erhielt auf Wunsch Ronald Reagans ein Heldenbegräbnis auf dem Nationalfriedhof Arlington, das teilweise von Max Schmeling finanziert wurde.

1977 hatte Louis einen kurzen Gastauftritt in der Serie Quincy (Episode „Ring frei für den Tod“), in der er sich selbst spielt.

Nach ihm wurde die 1979 fertiggestellte Joe Louis Arena in Detroit benannt. 1990 wurde er in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen. Der Platz vor dem Bahnhof Penn Station in New York wurde nach ihm benannt.

Liste der Profikämpfe 66 Siege (52 K.-o.-Siege), 3 Niederlagen, 0 Unentschieden Jahr Tag Ort Gegner Ergebnis für Louis 1934 4. Juli Bacon's Arena, Chicago, USA Jack Kracken Sieg / TKO 1. Runde 12. Juli Bacon's Arena, Chicago, USA Willie Davies Sieg / TKO 3. Runde 30. Juli Marigold Gardens Outdoor Arena, Chicago, USA Larry Udell Sieg / TKO 2. Runde 13. August Marigold Gardens Outdoor Arena, Chicago, USA Jack Kranz Punktsieg (einstimmig) / 8 Runden 27. August Marigold Gardens Outdoor Arena, Chicago, USA Buck Everett Sieg / KO 2. Runde 11. September Naval Armory, Detroit, USA Al Delaney Sieg / TKO 4. Runde 26. September Arcadia Gardens, Chicago, USA Adolph Wiater Punktsieg / 10 Runden 24. Oktober Arcadia Gardens, Chicago, USA Art Sykes Sieg / KO 8. Runde 31. Oktober Arena Gardens, Detroit, USA Jack O’Dowd Sieg / KO 2. Runde 14. November Arcadia Gardens, Chicago, USA Stanley Poreda Sieg / KO 1. Runde 30. November Coliseum, Chicago, USA Charley Massera Sieg / KO 3. Runde 14. Dezember Chicago Stadium, Chicago, USA Lee Ramage Sieg / TKO 8. Runde 1935 4. Januar , Detroit, USA Patsy Perroni Punktsieg / 10 Runden 11. Januar Duquesne Gardens, Pittsburgh, USA Hans Birkie Sieg / TKO 10. Runde 21. Februar Wrigley Field, Los Angeles, USA Lee Ramage Sieg / TKO 2. Runde 8. März Dreamland Auditorium, San Francisco, USA Don Barry Sieg / TKO 3. Runde 29. März , Detroit, USA Natie Brown Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 12. April Chicago Stadium, Chicago, USA Roy Lazer Sieg / TKO 3. Runde 22. April Memorial Hall, Dayton, USA Biff Bennett Sieg / KO 1. Runde 25. Juni , Bronx, USA Sieg / TKO 6. Runde 7. August , Chicago, USA Sieg / TKO 1. Runde 24. September , Bronx, USA Sieg / KO 4. Runde 13. Dezember , New York, USA Sieg / TKO 4. Runde 1936 17. Januar Chicago Stadium, Chicago, USA Charley Retzlaff Sieg / KO 1. Runde 19. Juni , Bronx, USA Niederlage / KO 12. Runde 18. August , Bronx, USA Sieg / KO 3. Runde 22. September Municipal Stadium, Philadelphia, USA Al Ettore Sieg / KO 5. Runde 9. Oktober Hippodrome, New York, USA Jorge Brescia Sieg / KO 3. Runde 14. Dezember Public Hall, Cleveland, USA Eddie Simms Sieg / TKO 1. Runde 1937 11. Januar Broadway Auditorium, Buffalo, USA Steve Ketchel Sieg / KO 2. Runde 29. Januar , New York, USA Bob Pastor Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 17. Februar Municipal Auditorium, Kansas City, USA Natie Brown Sieg / KO 4. Runde 22. Juni , Chicago, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Sieg / KO 8. Runde 30. August , Bronx, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Punktsieg (einstimmig) / 15 Runden 1938 23. Februar , New York, USA Nathan MannNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 3. Runde 1. April Chicago Stadium, Chicago, USA Harry ThomasNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 5. Runde 22. Juni , Bronx, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 1. Runde 1939 25. Januar , New York, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 1. Runde 17. April Wrigley Field, Los Angeles, USA Jack RoperNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 1. Runde 28. Juni , Bronx, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 4. Runde 20. September , Detroit, USA Bob PastorNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 11. Runde 1940 9. Februar , New York, USA Arturo GodoyNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Punktsieg (geteilte Entscheidung) / 15 Runden 29. März , New York, USA Johnny PaychekNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 2. Runde 20. Juni , Bronx, USA Arturo GodoyNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 8. Runde 16. Dezember , Boston, USA Al McCoyNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / Aufgabe 5. Runde 1941 31. Januar , New York, USA Red BurmanNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 5. Runde 17. Februar Convention Hall, Philadelphia, USA Gus DorazioNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 2. Runde 21. März , Detroit, USA Abe SimonNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 13. Runde 8. April , Saint Louis, USA Tony MustoNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 9. Runde 23. Mai Griffith Stadium, Washington, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / Disqualifikation 7. Runde 18. Juni , New York, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 13. Runde 29. September , New York, USA Lou NovaNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 6. Runde 1942 9. Januar , New York, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 1. Runde 27. März , New York, USA Abe SimonNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 6. Runde 1944 14. November , Buffalo, USA Johnny Davis Sieg / KO 1. Runde 1946 19. Juni , Bronx, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 8. Runde 18. September , Bronx, USA Tami MaurielloNBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 1. Runde 1947 5. Dezember , New York, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Punktsieg (geteilte Entscheidung) / 15 Runden 1948 25. Juni , Bronx, USA NBA/NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 11. Runde 1950 27. September , Bronx, USA NBA-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Punktniederlage (einstimmig) / 15 Runden 29. November Chicago Stadium, Chicago, USA Cesar Brion Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 1951 3. Januar , Detroit, USA Freddie Beshore Sieg / TKO 4. Runde 7. Februar Miami Stadium, Miami, USA Omelio Agramonte Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 23. Februar , Daly City, USA Andy Walker Sieg / TKO 10. Runde 2. Mai , Detroit, USA Omelio Agramonte Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 15. Juni , New York, USA Lee Savold Sieg / KO 6. Runde 1. August , Daly City, USA Cesar Brion Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 15. August , Baltimore, USA Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 26. Oktober , New York, USA Niederlage / TKO 8. RundeQuelle:

Literatur Randy Roberts: Joe Louis : hard times man, New Haven [u. a.] : Yale Univ. Press, 2010, ISBN 978-0-300-12222-0 David Margolick: Beyond Glory. Joe Louis Vs. Max Schmeling, and a World on the Brink. Alfred Knopf, New York 2005, ISBN 978-0-375-41192-2Besprechung: Beyond Glory von Joyce Carol Oates, New York Times, 2. Oktober 2005; deutsche Ausgabe: Max Schmeling und Joe Louis. Kampf der Giganten – Kampf der Systeme. Blessing, München 2005, ISBN 978-3-89667-169-1. Chris Mead: Champion – Joe Louis : black hero in white America, New York [u. a.] : Penguin Books, 1986, ISBN 0-14-009285-4

Filmographie Der braune Bomber (The Joe-Louis-Story) Spielfilm, USA, 1953, 88 Min., Regie: Robert Gordon Joe & Max. Fernsehfilm, USA, Deutschland, 2002, 109 Min., Regie: Steve James, u. a. mit Til Schweiger als Max Schmeling Der Kampf des Jahrhunderts. Max Schmeling gegen Joe Louis. Dokumentation, USA, 2004, 87 Min., Regie: Barak Goodman, von Phoenix Max Schmeling - Eine deutsche Legende. Kinofilm, Bundesrepublik Deutschland, 2010, 123 min., Regie: Uwe Boll, mit Henry Maske als Max Schmeling, Susanne Wuest als Anny Ondra, Vladimir Weigl als Joe Jacobs, u. v. a.

Musical Der Kampf des Jahrhunderts – Max Schmeling gegen Joe Louis. Ein Box-Musical von Paul Graham Brown (Musik) und James Edward Lyons (Buch), Website

Siehe auch Liste der Boxweltmeister im Schwergewicht

Weblinks