Ried im Traunkreis ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Kirchdorf im Traunviertel mit Einwohnern (Stand ).
Geografie Die Gemeinde liegt auf 469 m Höhe im Traunviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 7,2 km und von West nach Ost 7,7 km. Die Gesamtfläche beträgt 31 km². 9 % der Fläche sind bewaldet und 81,3 % der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst elf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Großendorf () Hammersdorf () Maidorf () Penzendorf () Pesendorf () Ried im Traunkreis () Rührndorf () Schachadorf () Voitsdorf () Weigersdorf () Zenndorf ()
Die Gemeinde besteht aus vier Katastralgemeinden: Ried im Traunkreis Rührndorf Voitsdorf Zenndorf
Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Kirchdorf an der Krems.
Nachbargemeinden Ried wird im Norden von der Gemeinde Sattledt und im Nordwesten von Eberstalzell begrenzt. Diese Gemeinden gehören bereits zum politischen Bezirk Wels-Land. Somit bildet Ried eine Grenze zwischen den Bezirken Kirchdorf und Wels-Land. Im Osten grenzt Ried an Kremsmünster, im Süden an Wartberg. Der südwestliche Nachbar ist die Gemeinde Pettenbach.
Geschichte Frühe Besiedlung Jüngere Steinzeit Schon in der Jungsteinzeit gab es in der Nähe der Ortschaft Neudorf eine kleine Siedlungsstelle. Es wurden dort viele Steinbeile aus Serpentin, Klopf- und Reibsteine und auch viele Keramikfragmente gefunden.Johann Lichtenwöhrer: Jungsteinzeitliche Fundstelle Ried / Trk. bei Kremsmünster. In: Berichte des Anselm Desing Vereins. Nr. 43, Juni 2007, S. 3–7.
La-Tène-Zeit Ca. 600 Jahre v. Chr. zogen Kelten aus dem heutigen Frankreich über den Rhein bis an die Donau. Keltische Namen wie Alm, Traun, aber auch ein Fund einer keltischen Goldmünze (Rolltierstater) in Kematen an der KremsHeidelinde Dimt: Fundmünzen vom Georgenberg bei Micheldorf/Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 124a, Linz 1979, S. 27–32 (). lassen annehmen, dass auch die Gegend von Ried schon zur Keltenzeit bewohnt war.
Römerzeit mini|Römisches Grabmedaillon in der Friedhofsmauer der kath. Pfarrkirche hl. Nikolaus Bereits zur Römerzeit lag Ried auf der Hauptverbindung von Wels zum Pyhrnpass. Es handelte sich um eine Via Militaris. Die wahrscheinlichste Streckenführung führte von Wels (Ovilava) über Steinhaus kommend entlang des Aiterbaches nach Pettenbach. Ein in der Außenseite der Friedhofsmauer eingelassener Römerstein, der ein MedaillonMedaillon zwischen Löwen (Stelenaufsatz?), abgerufen am 8. Juli 2021 mit Kopf einer einheimischen Frau mit Modiushaube, flankiert von liegenden Löwen zeigt, sowie eine Münze des Kaisers Probus (282 n. Chr.), die auf einem Acker des Bauers zu Hundessen in Ried im Traunkreis 1850 gefunden wurde, zeugen von dieser Zeit. Der bedeutendste römerzeitliche Fund ist der Rest eines MithrastempelsFelsgeburt des Mithras, abgerufen am 8. Juli 2021 in einer ehemaligen Schottergrube.
Mittelalter Bajuwaren und Slawen Mitte des 6. Jahrhunderts drangen die Bajuwaren (Bayern) in das Gebiet ein. Anfang des 7. Jahrhunderts kamen von Süden slawische Siedler. Vorrangig siedelten die Bajuwaren im Alpenvorland, wogegen sich die Slawen in den Gebirgstälern niederließen. In der Gegend um Ried wurden beide Volksstämme ansässig.
777 gründete Herzog Tassilo III. das Stift Kremsmünster und vom Kloster aus wurde die Gegend urbar gemacht. Gerade die Nähe des Klosters brachte eine frühzeitige Kultivierung, welche durch Slawen, aber auch durch bayrische Kolonisten erfolgte.
Die erste urkundliche Erwähnung Die erste urkundliche Erwähnung von Ried erfolgte im Jahr 993 in einem Vertrag zwischen Graf Arnold von Wels-Lambach und Bischof Christian von Passau, bei dem es über die Rückgabe von Ländereien ging die sich Wels-Lambach nach den Ungarneinfällen vom Stift Kremsmünster einverleibt hatte. Im Original hieß es:
Ursprung des Ortsnamens Der Name Ried leitet sich von älteren Schreibweisen Rivt, Riut, Reuth ab und bedeutet „gerodetes Gebiet“.
roden, nd., reuten od. „Rodung“ (Entfernen der Bäume mitsamt der Wurzel): -rod(e)-, -roden- (Rodenkirchen), mit -ing am Harz zu -ingerode/-igerode (Wernigerode), -rohd/t, rothe (diese aber auch zu Rotte „Weiler“); Roid, -roith; Rott; Röd/t/dt; -rad(e)-, -raht, -rath; -raut(er); -ray; Reit, Reith, -greith, -rheid; -reut(h)- (Reutlingen, Bayreuth), Reute, Reutte; Ried, -rieth (diese aber auch zu Ried „Röhricht“); ruid/t; rüti, rhüti (in der Schweiz)
Neuzeit Bauernaufstände Im Jahre 1596 beteiligten sich auch Rieder am Zweiten Oberösterreichischen Bauernaufstand (1595–1597). Am 16. November 1596 wurde in der Taverne zu Strienzing eine Versammlung abgehalten. Es wurde ein „öffentlicher Verruf“, dass jeder Bauer und Einwohner, der ein Mann und Schwert tragen könne, mit seiner Hauswehr am 18. November 1596 bei der Pfarrkirche zu erscheinen habe, beschlossen. Die Bauern wurden unter Androhung von „Kopfabschlagen und Hausabbrennen“ zum Aufruhr gezwungen.
Am 19. November 1596 zog man unter der Führung des Bauernhauptmannes Georg Tasch, einem abgehausten Gastwirt aus Pettenbach, gegen das Stift Schlierbach. Georg Tasch und andere Anführer wurden 1599 nach der Belagerung von Steyr gefangen genommen und im September 1599 hingerichtet.
Am Bauernaufstand von 1626 (Oberösterreichischer Bauernkrieg) dürften sich kaum Rieder beteiligt haben, denn die Bevölkerung musste vieles durch die Aufständischen ertragen.
Pest Die Pest forderte viele Opfer, es ist überliefert, dass auch in Ried viele an der Seuche verstarben. Große Sterblichkeit verzeichnete man 1677 (65), 1684 (108), 1685 (60), 1694 (97). Im Jahr 1713 starben 290 Personen, davon 270 an der Pest.
Franzoseneinfälle Während der Napoleonischen Kriege – Koalitionskriege, war der Ort 1801, 1805 und 1809 mehrfach besetzt. Auch kam es zu Übergriffen an der Bevölkerung und zahlreichen Plünderungen.
Ried wird eine selbständige Gemeinde 1848 gab es außer den freien Märkten wie z. B. Wels keine politischen Gemeinden. Es existierten aber sogenannte Steuergemeinden (seit Einführung des Katasters unter Maria Theresia, 1752). In Ried gab es zu diesem Zeitpunkt vier Steuergemeinden: Ried, Voitsdorf, Zenndorf und Rührndorf. Auch erfolgte die Aufhebung der Grundherrschaft, die politischen Bezirke und Gemeinden wurden gebildet, und 1850 wurde erstmals ein Bürgermeister gewählt.
Ende der Grundherrschaften Grundherrschaft (1848) Anzahl Stift Kremsmünster 125 Burg Wels 96 Pernstein 21 Steinhaus 20 Scharnstein 8 Schlierbach 6 Leonstein 6 Lauterbach 5 Seisenburg 5 Hartheim 4 Achleiten 3 Spitalam Steyr 3 Bad Hall 3 Almegg 2 Bruckamt Wels 2 Pfarrhof Ried 2 Eggendorf 1 Feyregg 1 Garsten 1 Pfarrhof Lichtenegg 1 Stift Lambach 1Gesamtzahl316 Hans Kudlich (1823–1917), Abgeordneter zum Reichstag, stellte 1848 einen Antrag auf Aufhebung des Untertanenverhältnisses, das einhellige Zustimmung fand und mit kaiserlichem Patent per 7. September 1848 vollzogen wurde. Er wurde von 13 oberösterreichischen Bauern unterstützt, die an der sogenannten „Bauernbefreiung“ teilgenommen haben, darunter von Michael Klausner, dem ersten Bürgermeister von Ried.
Ihnen und Hans Kudlich ist zu verdanken, dass sich in Österreich ein freier Bauernstand entwickeln konnte.
Seit dem 20. Jahrhundert Erster Weltkrieg Wie überall herrschte zu Beginn des Ersten Weltkrieges anfangs große Euphorie und die Meinung, dass Serbien schnell besiegt sei. Trotz des Mangels an Arbeitskräften und Zugtieren konnte aufgrund des Wetters eine verhältnismäßig gute Sommerernte 1914 eingebracht werden. 1916 erregte eine Mehlpreiserhöhung allgemein die Gemüter. Am 4. Jänner 1917 wurden die zwei größten Glocken herabgelassen und später eingeschmolzen. Anfang 1918 mussten die 18-Jährigen noch zu Stellung. Während im März 1918 die ersten Soldaten nach dem Friedensschluss mit Russland und Rumänien aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrten, mussten die Jungen noch einrücken.
Zwischenkriegszeit Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war die Not allgegenwärtig. Bedarfsgüter aller Art fehlten. Der Geldverfall erreichte im Herbst 1922 seinen Höhepunkt. Am 1. April 1925 wurde die Schillingwährung eingeführt. Trotzdem verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation weiterhin, so war auch die Weltwirtschaftskrise für die Bevölkerung spürbar. Insgesamt kamen 65 Männer nicht zurück in die Heimat. Den Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkrieges wurde in der Eingangshalle der Pfarrkirchen ein Denkmal gesetzt.
Die Zeit des Nationalsozialismus Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 13. März 1938 in Österreich wurden die Gemeindetage am 13. März 1938 aufgelöst und die Gemeinde gehörte fortan zum „Gau Oberdonau“. Am 15. März 1938 erfolgte die erste Sitzung des neuen NS-Gemeinderates. Bei der Volksabstimmung zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde unter Druck und Eindruck damaliger Verhältnisse eine Zustimmung von fast 100 % erreicht. Im August des Jahres 1939 wurden Lebensmittelkarten und Bezugsscheine eingeführt.
Zweiter Weltkrieg Am 23. Februar 1944 wurden nach Luftkämpfen acht amerikanische Flieger gefangen genommen und nach Wels überstellt. Bei diesem Kämpfen stürzte ein deutsches Jagdflugzeug in Prachersdorf auf einer Wiese ab. Am 5. November 1944 trafen 176 Flüchtlinge aus dem Banat ein und wurden in der Schule untergebracht. Am 5. Mai 1945 besetzten amerikanische Einheiten kampflos die Gemeinde Ried. Die Amerikaner blieben für 14 Tage im Ort. Die Gemeindevertretung, welche vor dem Kriege fungierte, und Bürgermeister Pimmingsdorfer wurden wieder eingesetzt. Insgesamt 140 Gefallene und Vermisste sind zu beklagen, festgehalten sind deren Namen beim Kriegerdenkmal beim oberen Friedhofseingang.
Gemeinde seit 1946 Ried konnte sich im Laufe der letzten Jahrzehnte von einer primär landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft zu einem Ort mit reger Gewerbe- und Industrietätigkeit entwickeln. Trotz alledem ist der Agrarbereich noch immer stark vertreten.
Bevölkerungsentwicklung
Das Bevölkerungswachstum der letzten drei Jahrzehnte geht auf eine sehr positive Wanderungsbilanz zurück, die Geburtenbilanz ist nahe null.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Katholische Pfarrkirche Ried im Traunkreis hl. Nikolaus Filialkirche Weigersdorf: Um 903 stand an der heutigen Stelle eine einfache Holzkapelle. 1162 weihte Bischof Konrad von Passau die Kirche zu Ehren des Heiligen Jakobus des Älteren. Etwa im Jahr 1437 dürfte unter Abt Ulrich mit dem Bau des Presbyteriums in der heutigen Gestalt begonnen worden sein. Im selben Jahr wurde die Kapelle in Weigersdorf (St. Jakob) einverleibt. Urkundlich bewiesen ist jedoch die Vollendung im Jahre 1476. Denn am 21. August 1476 wurde sie vom Weihbischof Albert von Passau feierlich geweiht. Weigersdorf gehört ebenso wie die Mutterkirche der Spätgotik an. Beide sind zweischiffige Hallenkirchen mit einer vollständigen symmetrischen Anlage. Die Kirche besitzt heute drei Altäre und eine Kanzel, welche aus der Barockzeit stammen.
Schloss Rechberg: In der Ortschaft Rührndorf stand auf einer Anhöhe am linken Ufer des Aiterbaches eine Burg namens Rechberg, wie noch jetzt bestehende Benennungen als Hofmühle, Schloßleiten, Schenk- und Baderhaus, Ober- und Niedermeaier beweisen und Spuren von Burggräben bestätigen. Es war der Stammsitz der Herren von Rechberg, von welchen wir 1170 Dimo, 1176 Konrad, 1189 bis 1206 Heinrich, 1245 bis 1247 die Brüder Herman und Ottokar und die Brüder Wluinch und Friedrich von Rechpoerch finden. In der Folge war Rechberg im Besitz der Polheimer. Die Brüder „Wickhard und Pilgram, die Polheimer von Rechberg“, die auch die am Unterlaufe des Aiterbaches liegende Herrschaft Steinhaus besaßen, verkauften 1357 ihrem Onkel Georg von Volkersdorf ein Gut auf der „Oede“ und „eines“ im Rollenpache bei Weißenberg in der Puckinger Pfarre. Wann das Schloss verödete, ist nicht bekannt.