Micheldorf in Oberösterreich (bis 1951 nur Micheldorf) ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Kirchdorf im Traunviertel mit Einwohnern (Stand ). Der zuständige Gerichtsbezirk ist Kirchdorf an der Krems.
Geografie
Micheldorf in Oberösterreich liegt auf einer Höhe von im Traunviertel. Mit 1604 Metern ist die Kremsmauer die höchste Erhebung. In Micheldorf entspringt die Krems. Micheldorf ist im Norden durch die ehemaligen Ortschaften Kremsdorf und Weinzierlerbrücke mit der Bezirkshauptstadt Kirchdorf an der Krems beinahe nahtlos zusammengewachsen. Die beiden Gemeinden bilden mit insgesamt Einwohnern (Stand: ) den Zentralraum des politischen Bezirks, wobei Micheldorf () deutlich mehr Einwohner aufweist, als die (flächenmäßig sehr kleine) Bezirkshauptstadt Kirchdorf ().
Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 9,1 km, von West nach Ost 8,7 km. Die Gesamtfläche beträgt 50,32 Quadratkilometer. 61,4 Prozent der Fläche sind bewaldet, 27,5 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt. Sowohl der Flächenanteil an den Alpen als auch an Gewässern liegt bei unter einem Prozent. 37,8 Prozent sind Dauersiedlungsraum. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 119 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich über dem Bezirksschnitt. Landschaftlich ist Micheldorf den Almtaler und Kirchdorfer Flyschbergen, der Übergangszone von den Nördlichen Kalkalpen zum Oberösterreichischen Alpenvorland zuzuordnen.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasste früher 20 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011):
Heute gliedert sich die Gemeinde nicht in mehrere Ortschaften.
Die Gemeinde besteht aus drei Katastralgemeinden Mittermicheldorf Obermicheldorf Untermicheldorf
Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Kirchdorf an der Krems.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Altpernstein mit Micheldorf (Topographia Provinciarum Austriacarum, 1649) mini|Ansicht von Micheldorf (2. Viertel 19. Jahrhundert) mini|Micheldorf, Zentrum mit Kaisereiche (um 1900) mini|Kornwerk des Pulverwerkes Micheldorf 2003 mini|Badhaus, Krems-Ursprung. Ungelaufene Correspondenz=Karte im Original mini|Nachweis Pulvermacher Georg Holzinger in Micheldorf und Pernstein Jahr 1637 – Heimatforscher Ing. Karl Mittermayr Land Oö.
Frühzeit: Kelten und Römer Durch die günstige Lage am Talschluss des Kremstales war das Gebiet des heutigen Micheldorf bereits im Paläolithikum und Neolithikum dauernd besiedelt. Ein Siedlungskontinuum von mehr als 4000 Jahren scheint nachweisbar. Funde deuten darauf hin, dass der Humsenbauernkogel nahe der Krems bereits um 2000 v. Chr. dauerhaft besiedelt war.
Gegen Ende der Bronzezeit wurde auf dem Georgenberg eine mit einem doppelten Wall geschützte Fliehburg errichtet. Die Einwanderung der Kelten dürfte um 400 v. Chr. erfolgt sein. Die Gegend um Micheldorf wurde Teil des Königreichs Norikum.
Das Vordringen der Römer bis zur Donau (15 v. Chr.) bedeutete für die Region einen wirtschaftlichen Aufschwung. Einem prähistorischen Straßenzug über den Pyhrnpass folgend, bauten die Römer eine Poststraße nach Ovilava (Wels). Eine der Poststationen an dieser Straße war Tutatio auf dem Gebiet des heutigen Micheldorf, benannt nach der auf dem Georgenberg verehrten keltischen Gottheit Teutates.
Mittelalter: Erste Erwähnung
Nach dem Rückzug der Römer ließen sich Alpenslawen und später Baiern nieder. Micheldorf wurde Teil des Herzogtums Bayern, und danach Teil der Steiermark. Die Herrschaft der Herzöge von Steyr endete 1254 im Frieden von Buda. Im 10. Jahrhundert berichtete eine Urkunde erstmals von der Existenz eines größeren Dorfes im oberen Kremstal. Im 12. Jahrhundert wurde Micheldorf erstmals als Michilindorf urkundlich genannt. Das Wort Michel bedeutet im Mittelhochdeutschen so viel wie ‚groß‘. Die Burg Pernstein wurde 1179 erstmals urkundlich erwähnt. Die eigentliche Besiedlung des oberen Kremstales war im 12. Jahrhundert abgeschlossen.
Neuzeit: Sensenerzeugung
Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden zuerst im Markt Kirchdorf, später in Micheldorf zahlreiche Sensenschmieden, wodurch sich der Ort zu einem bedeutenden Industriezentrum wandelte. Um 1594 revolutionierte der Micheldorfer Sensenschmied Konrad Eisvogel die Sensenerzeugung, indem er, statt wie bisher das Sensenblatt händisch mit dem Fausthammer auszuschmieden, einen wasserbetriebenen Breithammer einsetzte. Durch diese Innovation, die sich innerhalb weniger Jahre durchsetzte, konnten statt bisher einiger Stück am Tag nun etwa 70 Sensen in deutlich höherer Qualität erzeugt werden.
Micheldorf entwickelte sich zum Zentrum der europäischen Sensenindustrie, auf wenigen Kilometern am Oberlauf der Krems reihten sich zeitweise 14 Sensenschmieden aneinander. Die Micheldorfer Sensengewerken-Dynastien errichteten in Folge in ganz Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark Sensenschmieden nach dem neuen Muster bzw. heirateten oder kauften sich in bestehende Schmieden ein. Die 1604 gegründete Kirchdorf-Micheldorfer Zunft war über Jahrhunderte führend in der Herstellung des wichtigsten Exportartikels Österreichs.
Für Micheldorfs Sensenschmiede und in weiterer Folge seine gesamte Bevölkerung bedeutete dies einen für die damalige Zeit erstaunlichen Wohlstand. Micheldorf erlebte eine erneute Siedlungstätigkeit. Im 19. Jahrhundert setzte mit dem Niedergang des alten Zunftwesens auch in der Sensenindustrie ein Konzentrationsprozess ein. Caspar Zeitlinger vereinigte Mitte des 19. Jahrhunderts bereits vier Sensenwerke in seinem Besitz, sein Nachfolger Franz Zeitlinger fünf. Ende des 19. Jahrhunderts befanden sich von 13 verbliebenen Sensenschmieden an der Krems 10 im Besitz einer einzigen Familie. Dies konnte ihre Stilllegung nicht verhindern, was für Micheldorf eine Phase des langsamen wirtschaftlichen Niedergangs bedeutete.
Schwarzpulvererzeugung Pulvermühle Bernstein und k.k. autorisiertes Pulverwerk Innerkrems, gegründet vor 1610, Erzeugungsbefugnis zurückgelegt und 1981 liquidiert. Der früheste Nachweis eines hiesigen Pulvermachers (... 1604 wird Georg Holzinger als Pulvermacher erwähnt ... ) erfolgte durch den österreichischen Historiker Kurt Holter in seinem Werk "Altpernstein. Geschichte der Burg und Herrschaft Pernstein im Kremstal" im Jahr 1951. Heute u. a. Sacellum Arbeiter- oder Etzelsdorferkapelle, römisch-katholische Andachtsstätte zur Erinnerung an die Arbeiterschaft des Pulverwerkes Innerkrems.
Die Befugnis umfasste die Erzeugung aller Pulversorten, insbesondere Jagd-, Spreng-, Feuerwerks- und Zündschnurpulver. Bis zu 23 produktionsrelevante Werksobjekte, hiervon 12 hydromotorisch angetrieben, 2 elektrische. Jahresproduktion über 100 Tonnen, auch Überseeexport zur Werksteingewinnung.Website Regional- und Heimatforscher Karl Mittermayr in Micheldorf/OÖ.
Kaltwasser-Heilanstalt
Erste Kaltwasser-Heilanstalt Österreichs ob der Enns (nach Vincenz Prießnitz zu Gräfenberg und Monsignore Sebastian A. Kneipp); eröffnet am 15. Juli 1839 durch den Gastgeber und Gründungsinhaber Justin Strasser. Ärztliche Leitung k.k. Bezirksarzt Ludwig Wokurka Edler von Pflichtenheld (später k.k. Kreisarzt Steyr).
20. Jahrhundert
Nach dem Ersten Weltkrieg musste in Micheldorf 1920 Notgeld ausgegeben werden. Die Geldscheine zeigten die Burg Altpernstein, das Pfusterkreuz und einen Sensenschmied bei der Arbeit, ein in jener Zeit wohl eher seltenes Bild. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau, 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.
1966 stellte das Gradnwerk als letzte der Micheldorfer Sensenschmieden die Produktion ein. In den darauffolgenden Jahrzehnten konnte sich Micheldorf von einer Krisenregion zu einer wirtschaftlich starken Gemeinde entwickeln, die heute zahlreiche Unternehmen beheimatet.
Am 13. Mai 1996 wurde Micheldorf zum Markt erhoben.Land Oberösterreich, Geschichte und Geographie (land-oberoesterreich.gv.at).
Bevölkerungsentwicklung
1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 4870 Einwohner, 2001 dann 5.589 Einwohner um bis 2021 auf 5942 zu steigen.
Klima
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Blick zum Georgenberg mini|Burg Altpernstein
Burg Altpernstein aus dem 11. Jahrhundert, später erweitert, im Wesentlichen erhalten, wie sie gebaut wurde. Teile der Burg sind frei zugänglich: die barocke Burgkapelle, das Burgverlies, der Rittersaal Georgenberg, Bergkegel mit einer Tauf- und Hochzeitskirche. Archäologische Funde seit der Keltenzeit. Pfarrkirche in Heiligenkreuz: Ein kleiner spätgotischer Sakralbau, der 1534 geweiht wurde. Das Langhaus ist einschiffig mit einem Chor mit 5/8-Schluss. Pfarrkirche hl. Josef Sensen Museum Micheldorf: In historischen Gebäuden wird die Unternehmenskultur sowie die Arbeits- und Lebenswelt der Sensenschmiede zur Zeit Caspar Zeitlingers gezeigt. Sengsschmiedroas: Beschilderter Themenweg entlang der teilweise unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Sensenschmieden an der Krems. Pfusterkreuz: Barockes Schmiedeeisen-Großgrabkreuz der Sensenschmiedefamilie Kaltenbrunner aus dem 18. Jahrhundert. Alpenbad mit Gradnteich Gradnalm Kremsmauer und Törl Der Micheldorfer Georgiritt findet alle zwei Jahre statt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Unternehmen MABA Fertigteilindustrie GmbH Cloeren GmbH Burg Trans Burgholzer KG High Tech Extrusion Group ifw Manfred Otte GmbH Kiefel Packaging GmbH: im November 2024 wurde bekannt, dass der Standort mit Ende 2025 geschlossen werden soll. RIKA – Innovative Ofentechnik GmbH TCG Unitech Systemtechnik Möbelix Micheldorf (XXXLutz-Gruppe) Tabaktrafik Hackl (Österreichische-Post-Partner) Tabaktrafik Horny BILLA PLUS Micheldorf mit Klipp Frisör und Fussl Modestraße BILLA Micheldorf Gewerbepark Kollingerfeld mit Hofer KG, TEDi, Bipa, dm-drogerie markt, Deichmann, TakkoFashion und Action Nederland Haarwerk Bairhuber Dorfladen Micheldorf Mazda Wagner Autohaus Spatt Bike-Sport – Jürgen Horny
Verkehr Straße: Micheldorf liegt an der Pyhrn Autobahn A9 und ist über die Abfahrten Inzersdorf-Kirchdorf bzw. Klaus erreichbar. Außerdem führt die Pyhrnpass Straße B138 durch Micheldorf. Bahn: Schienenverkehrsmäßig ist Micheldorf über einen Bahnhof der Pyhrnbahn erreichbar.
Sport In Micheldorf in Oberösterreich gibt es einen Fußball Verein namens SV Grün Weiß Micheldorf. Der Segelflug- und Modellbauclub Kirchdorf-Micheldorf betreibt den Flugplatz Micheldorf.
Politik mini|Das Rathaus
Der Gemeinderat hat 31 Mitglieder. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 19 SPÖ, 9 ÖVP und 3 FPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 SPÖ, 7 ÖVP, 5 FPÖ und 3 GRÜNE. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 SPÖ, 8 FPÖ, 7 ÖVP und 3 GRÜNE. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2021 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 SPÖ, 7 ÖVP, 4 FPÖ und 4 GRÜNE.
Bürgermeister
Bürgermeister seit 1850:
Wappen Blasonierung: Gespalten; rechts in Grün eine silberne, ionische Säule, überhöht von einem goldenen, gleicharmigen Kreuz; links gespalten von Silber und Schwarz mit zwei aufrecht stehenden, mit den Schneiden auswärts gekehrten Pflugmessern (Sech) in gewechselten Farben.
Die Gemeindefarben sind Rot-Weiß-Grün.