Hinterstoder ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Kirchdorf im Traunviertel mit Einwohnern (Stand ).
Geografie Hinterstoder liegt auf Höhe im Traunviertel, im Süden Oberösterreichs an der Grenze zur Steiermark. Die Gemeinde liegt im Stodertal und ist hufeisenförmig von den Bergen des Toten Gebirges umgeben. Die höchste Erhebung ist der Große Priel (). Im südlichen Talschluss entspringt die Steyr, die das Gemeindegebiet von Süden nach Norden durchfließt. Der Ort ist über die Stodertal-Landesstraße L552 erreichbar.
Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 15,3 und von West nach Ost 16,8 Kilometer. Die Gesamtfläche umfasst Quadratkilometer. 62 Prozent der Fläche sind bewaldet und fünf Prozent werden landwirtschaftlich genutzt, drei Prozent sind Almen.
Hinterstoder liegt in der Zone des feuchten Kontinentalklimas. Im Jahresverlauf fallen in Hinterstoder 1691 mm Niederschlag. Im niederschlagsreichsten Monat Juni (200 mm) fällt im Schnitt um 105 mm mehr Niederschlag als im trockensten Monat Februar (95 mm). Die durchschnittlichen Temperaturen schwanken im Jahresverlauf um 19,6 °C zwischen dem wärmsten Monat Juli (Durchschnittstemperatur 14,2 °C) und dem kältesten Januar (Durchschnittstemperatur −5,5°).Klima in Hinterstoder, de.climate-data.org
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende, jeweils als Dorf kategorisierte Orte.4. Teil: Gemeinden – Oberösterreich – 123. Hinterstoder. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline (Verlag Österreich), Wien 2002–, . Die Einwohnerzahl (in Klammern, Stand ) bezieht sich jeweils auf die Ortschaft: Dietlgut Farnau Hinterberg () Hinterstoder () Hutterer Böden () Loigistal Mitterstoder () Polsterlucke Salmeranger Sonnleiten Tambergau () Weißenbach Die Gemeinde besteht aus der einzigen Katastralgemeinde Hinterstoder.
Nachbargemeinden Hinterstoder hat neun Nachbargemeinden, fünf davon liegen im steirischen Bezirk Liezen (LI).
Geschichte Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Seit 1490 wird er dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet.
Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt. Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau, 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.
Hinterstoder gehörte bis 2012 zum Gerichtsbezirk Windischgarsten und ist seit dem 1. Jänner 2013 Teil des Gerichtsbezirks Kirchdorf an der Krems.
Urkundlich scheint die Benennung „Stoder“ erstmals in einem Kremsmünsterer Brief um 1240 auf und wird aus dem slawischen mit „kalt“ oder „steiniger Boden“ übersetzt. Als Tassilo III. 777 das Münster an der Krems entstehen ließ, war das Tal von den Slawen bewohnt. An der Traun endete das deutschsprachige Gebiet, jenseits begann Slowenien. Das Münster an der Krems sollte bekanntlich vor allem die Bekehrung der Alpenslawen in die Wege leiten.
Das Talbecken von Windischgarsten samt den bewaldeten Abhängen und die umgebenden Berge befanden sich schon im 11. Jahrhundert im Besitz des von König Heinrich II. im Jahre 1007 gestifteten Bistums Bamberg. In der Folge entstand auf dem Boden dieses großräumigen Schenkungsgebietes auf Veranlassung dieses Bistums das Stift und die Herrschaft Spital am Pyhrn. Es sollte in erster Linie – ursprünglich Hospital – der Beherbergung von Pilgern dienen, die nach der Ewigen Stadt, nach Rom, oder Aquileja zogen, von wo aus sie – vor allem die Kreuzfahrer – die beschwerliche Reise in das Heilige Land antraten.
Zu diesem Herrschaftsbereich gehörte – zuletzt als Kollegialstift weltlicher Chorherren unter einem Propst – das Stodertal bis zur Auflösung 1807.
Der Teil des heutigen Gemeindegebietes links des Steyr-Flusses gehörte zur landesfürstlichen Herrschaft Klaus, erstmals ausgewiesen 1192, die zwischenzeitlich wiederum der Herrschaft Spital einverleibt war.
In die Zeit Josephs II. fallen die Anfänge einer Entwicklung zu einem Gemeinwesen. Vom Stift Spital 1774 eingesetzt, wirkte Adam Langeder als erster Lehrer in Hinterstoder. Er war vorher Stiftsschneider in Spital. 1778 wurde die Notschule zur Pfarrschule erhoben.
Pfarre: Im Jahre 1783, als Georg Hammer Pfarrer und Matthäus Lichtenauer Kooperator von Vorderstoder waren, fasste das Collegialstift Spital, dessen Propst damals Josef Grundtner war, den Entschluss, im „inner Stoder“ eine selbständige Pfarre zu errichten. Dieser Entschluss wurde – wie die noch vorhandene Kopie der Errichtungsurkunde ausdrücklich angibt – nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Antrieb Kaiser Josephs II. gefasst. Hierzu dienten diverse Stiftungen, insbesondere wurden vom Stift Spital das „Gütl am Kleinbruderhof“ (jetzt Pfarrhof) für den zukünftigen Pfarrer angekauft und dessen Erträgnisse ihm zugewiesen.
Kirche: 1783 wurde mit dem Bau der Kirche, einer spätbarocken Saalkirche mit Turmhaube, begonnen und in zwei Jahren fertiggestellt. Es arbeiteten 18 Maurer, 1 Malterrührer und 17 Zimmerleute. Die Benediktion erfolgte am „16. Herbstmonde des Jahres 1787“ Sonntag nach Kreuzerhöhung, deshalb auch „Heilige Kreuzkirche“ genannt. Über Delegation des Bischofs von Linz erfolgte die feierliche Segnung durch Propst Josef Grundtner von Spital. Die kirchlichen Einrichtungsgegenstände sind hauptsächlich vom Stift Spital beigestellt worden. Mit Dekret vom 20. Oktober 1787 ernannte der Bischof von Linz, Graf Herberstein, den Kooperator von Vorderstoder, Matthäus Lichtenauer, zum Pfarrer von Inner- (Hinter-)stoder, welcher später der letzte Propst von Spital wurde. Von diesem Tag an hatte Hinterstoder seinen eigenen Pfarrer und war seelsorgerisch ganz unabhängig und selbständig. 1787 entstand auch das neue Schulgebäude (neben der Kirche).
19. Jahrhundert Aus der Zeit der napoleonischen Kriege wird berichtet, dass Pfarrer Franz Xaver Gesser (1807–1810) bei der Anwesenheit feindlicher Truppen durch kluges Benehmen und gute Bewirtung der Offiziere viel Übles von der Gemeinde abgewendet und die Bewohner über die ihnen „abgerungenen beschwerlichen Opfer“ aufgemuntert und dadurch gute Ordnung bewirkt habe. Pfarrer Gesser, der aus Biberach im Schwabenland stammte, sprach französisch und war sehr gebildet, da er in Wien und Graz Kirchenrecht, Kirchengeschichte und Altertumskunde studiert hatte. Ebenso wird von „Sachsen“, die in Hinterstoder im Quartier lagen, berichtet, die von der Bevölkerung große Opfer abverlangten, plünderten und damit die herrschende Not noch vermehrten.
Am 6. November 1817 erhielten die Gemeinden Hinterstoder und Vorderstoder das Recht zur alljährlichen Abhaltung eines Hornviehmarktes am 10. Oktober in Hinterstoder. Es ist dies die älteste noch erhaltene Pergamenturkunde, die von Kaiser Franz I. persönlich unterzeichnet wurde. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Grundherrschaft zu Ende ging und die freie Ortsgemeinde „Innerstoder“ in den Grenzen der Josephinischen Katastralgemeinde entstand, entwickelte sich ein Eigenleben, das die Aufwärtsentwicklung einleitete.
Dominierend in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Waldwirtschaft und die Jagd, sowie Großgrundbesitz – Religionsfonds, Herzöge von Württemberg u. a.
Am 20. April 1874 erhielt Hinterstoder, das postalisch am 1. August 1842 (dem zu St. Pankraz gehörenden Dorf) Dirnbach zugeordnet worden war, ein (mit Windischgarsten per Fußboten verbundenes) Postamt, 1894 eine Telegrafenverbindung mit Windischgarsten und 1909 eine Telefonverbindung.
1879 erfolgte die Gründung des Musikvereins, welcher noch heute als Trachtenmusikkapelle Hinterstoder aktiv ist.
1890 nahm der Fremdenverkehr seinen Anfang (erste Aufzeichnung über Fremdennächtigungen). 1897 erhielt die Gemeinde einen Gendarmerieposten.
Zu Ostern 1893 wurde die 53. Volksfreibücherei des am 23. September 1872 (in Linz) per Konstituierung geschaffenen Oberösterreichischen Volksbildungsvereins;Karl Timmel: Der oberösterreichische Volksbildungsverein in den Jahren 1872 bis 1912. Verlag des Vereins, Linz 1912 (). eröffnet (anfangs 325 Bände).
Ab 1893 begannen die Planungen für den etappenweisen Ausbau der Stodertal-Straße Pyhrnpass-Straße von der Steyr-Bruck aus.
Der erste Arzt, der in der Gemeinde seine Praxis ausübte, war Adolf Hauser 1897. Vorher hatten die ärztlichen Betreuer in Vorderstoder ihren Sitz.
20. Jahrhundert mini|Die 2009 fertiggestellte neue Einsatzzentrale der Freiwilligen Feuerwehr Hinterstoder 1905 gründete man die Freiwillige Feuerwehr. 1906 wurde der letzte Teilabschnitt der Pyhrnbahn fertiggestellt und der Bahnverkehr eröffnet. Die außerhalb des Gemeindegebietes gelegene Bahnstation hieß ursprünglich Dirnbach-Stoder und wurde erst später auf Ansuchen in Hinterstoder umbenannt.
1906 gründete man einen Verein zur Verschönerung des Ortes. 1910 begann der Schilauf. Abgesehen von nur wenigen Sportlern war dieser bis dahin für die einheimischen Jäger und Förster zweckdienlich. Am 10. Dezember 1912 fand das erste Preis-Schifahren von der Schränkenzieher-Alm bis zum Gemeindehaus statt.
Mit der grundlegenden Neugestaltung der Stodertal-Straße ist das Tal erst richtig erschlossen worden. Die Errichtung der Postkraftwagenlinie Hinterstoder Ort – Hinterstoder Bahnhof fällt in das Jahr 1924.
Die Elektrifizierung begann mit dem Bau eines kleinen E-Werkes am Plaisbach auf genossenschaftlicher Basis in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Erst mit dem Bau einer 25-kV-Anschlussleitung an das Überlandnetz der Firma Hofmann war die Stromversorgung sichergestellt.
Der Zweite Weltkrieg brachte für Hinterstoder eine Flut von Umquartierten und Ausgebombten. Die Einwohnerzahl erhöhte sich auf mehr als das Doppelte. Es herrschte große Not.
Der US-Hochkommissar für Österreich, General Mark W. Clark, erwählte Hinterstoder zu seinem Feriendomizil (Jochems-Villa, Hinterberg, Haistrieglweg 1).Krawarik: Von der Bergbauernregion zur Tourismuslandschaft, 72 (online) und S. 80 (online). Auch der alliierte Oberbefehlshaber und spätere US-Präsident General Dwight D. Eisenhower war hier mehrmals zu Gast. General Clark vollzog 1950 den ersten Spatenstich beim Bau der vierklassigen Volksschule und hatte eine Spende des Kardinals Francis Spellman vermittelt, die die Anschaffung neuer Kirchenglocken ermöglichte.
1957 erfolgte der Bau der Ortswasserleitung, 1964 der Wasserleitungs- und Abwasseranlagenbau auf den Hutterer Böden. Die Errichtung einer Seilbahn 1959 (Doppelsessellift) in zwei Teilstrecken zum Hößgebiet trug wesentlich zur Schaffung einer zweiten Fremdenverkehrssaison im Winter bei.OON am 13. Jänner 2020 „Vor 60 Jahren wurde der Sessellift eröffnet“.
Im Jahr 1967 erhielt die Gemeinde das Recht zur Führung eines Gemeindewappens. Mit gleichem Beschluss wurden die Gemeindefarben „Gelb-Blau“ genehmigt.
1969 wurde auch das Schigebiet Bärenalm erschlossen. Im Jahr 1986 fand in Hinterstoder das erste Schiweltcuprennen, ein Herren-Slalom, statt. Damit nahm der Fremdenverkehr einen weiteren Aufschwung.
mini|Außenansicht der Kavernenkläranlage 1993 wurde im Poppenberg die erste Kavernenkläranlage Mitteleuropas in Betrieb genommen. An das Kanalnetz wurden zuerst die Häuser im Ortszentrum sowie in Ortsnähe und auch das Schigebiet Höß angeschlossen. An der Erschließung der Randgebiete wurde in den darauffolgenden Jahren weiter gearbeitet.