Richtenberg ist eine Stadt im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Landstadt wird vom Amt Franzburg-Richtenberg mit Sitz in der Stadt Franzburg verwaltet. Richtenberg und Franzburg bilden für ihre Umgebung ein Grundzentrum. - zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015
Geografie Geografische Lage Richtenberg, die kleinste Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, liegt mittig zwischen Barth, Stralsund, Grimmen und Tribsees in unmittelbarer Nachbarschaft zur Landstadt Franzburg. Das flachwellige, waldreiche Gebiet der vorpommerschen Ebene weist nur wenige Höhenunterschiede auf (bis 38 m ü. NHN). Richtenberg liegt zwischen dem Feuchtgebiet des Richtenberger Sees und den beiden Waldgebieten Schuenhagener und dem Abtshagener Forst. Die Stadt ist etwa 22 km vom Strelasund entfernt.
Stadtgliederung Die Stadt Richtenberg besteht aus den Orten Richtenberg und Zandershagen.Hauptsatzung der Stadt Richtenberg, § 1
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden von Richtenberg (im Uhrzeigersinn) sind: Stadt Franzburg, Wittenhagen, Gremersdorf-Buchholz und Millienhagen-Oebelitz.
Geschichte Ältere Geschichte Richtenberg wurde erstmals in der Gründungsurkunde des Klosters Neuenkamp (heute Franzburg) vom 8. November 1231 erwähnt. Es ist der älteste urkundlich bekannte Ort der Region. In der Stiftungsurkunde des rügischen Fürsten Wizlaw I. wurde dem Kloster neben dem Patronat über die Richtenberger Kirche auch eine örtliche Salzquelle zugesprochen.Joachim Wächter: Entwicklung der deutschen Besiedlung und der Christianisierung des vorpommerschen Raums bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Geschichte Vorpommerns; Die Demminer Kolloquien 1985-1994, S. 119., Thomas Helms Verlag, Schwerin 1997, ISBN 3-931185-11-7
1231 hieß der Ort noch Richeberg, dann Rikenberg (1242), Rychenbergk (1352) und um 1508 Richtenberghe. Das niederdeutsche riko für reich könnte dem Namen zugrunde gelegen haben, aber auch das altpolabische Rikenbrega für Seeufer. 1297 wurde Richtenberg erstmals als oppidum, also als städtische Siedlung genannt. Die Einwohner der kleinen, sehr langgestreckten Siedlung bauten in der Mitte des 13. Jahrhunderts aus Feld- und Backsteinen eine frühgotische Pfarrkirche an der höchsten Stelle des Ortes. Richtenberg war bis zur Säkularisation von 1535 dem Kloster Neuenkamp zugeordnet und blieb anschließend lange Zeit herzoglich pommersche Amtsstadt.
mini|Richtenberg in der Stralsunder Bilderhandschrift, 1615 mini|Richtenberg in schwedischen Militärkarten, 1760
Neuere Geschichte Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt von kaiserlichen und danach schwedischen Truppen besetzt und geplündert. 1648 fiel die Stadt im Westfälischen Frieden an Schweden. Während des Großen Nordischen Krieges wurde Richtenberg 1711, vor allem die Kirche, von den russischen „Moskowitern“ geplündert und teilweise zerstört. Ab 1721 gehörte Richtenberg zum Distrikt Franzburg-Barth in Schwedisch-Pommern. 1763 ließ sich die Brennerei Andreas Daniel Saß im Ort nieder, die hier bis 1948 produzierte.
Ab 1815 wurde die pommersche Stadt preußisch. 1818 gehörte sie zum neu gebildeten Landkreis Franzburg. 1820 hatte sie 1195 Einwohner. Um 1826 entstand die Wallstraße, die heutige Wasserstraße. Bald darauf starben durch eine Choleraepidemie 94 Menschen.
1875 zählte man 1903 Einwohner.Meyers Kleines Konversations-Lexikon, Ausgabe 1878, S. 636. 1895 wurde das Rathaus gebaut, in diesem Jahr zählte Richtenberg 1852 Einwohner.Meyers Kleines Konversations-Lexikon, 1899, S. 182. Ab 1900 hatte Richtenberg einen Bahnhof an der 1945 demontierten Bahnstrecke Stralsund–Tribsees. Ab 1928 gehörte der Ort zum neu geordneten Landkreis Franzburg-Barth.
Um 1950 entstand das Mahnmal für 16 gefallene Soldaten der Sowjetunion.
Nach der Wende wurde der historische Ortskern im Rahmen der Städtebauförderung ab 1991 saniert. Der 1936 trockengelegte Richtenberger See (zwischen Richtenberg und Franzburg), der damals zu verlanden drohte, wurde im Rahmen von ökologischen Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der A 20 auf einer Fläche von 128 Hektar wieder zu einem Gewässer. Die Flutung ist seit 2012 weitgehend abgeschlossen.
Von 1952 bis 1994 gehörte Richtenberg zum Kreis Stralsund-Land (bis 1990 im DDR-Bezirk Rostock, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern). 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Nordvorpommern eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt sie im Landkreis Vorpommern-Rügen.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 1884 1995 1716 2000 1594 2005 1427 2010 1350 2015 1362 Jahr Einwohner 2020 1331 2021 1319 2022 1290 2023 1305 2024 1301
Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Richtenberg besteht aus 10 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,9 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019. S. 96/97 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Richtenberger Bürgerbündnis (RBB) 79,6 % 8 71,1 % 7 SPD 13,4 % 1 13,4 % 2 CDU 7,0 % 1 13,4 % 1 Einzelbewerberin Cornelia Dobbert – – 2,1 % – Insgesamt 100 % 10 100 % 10
Bürgermeister 2000–2021: Karldiether Wegner (Richtenberger Bürgerbündnis) seit 2021: Frank Grape (Richtenberger Bürgerbündnis)
Der langjährige Bürgermeister Karldiether Wegner wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 75,5 % der gültigen Stimmen wiedergewählt. Er trat zum 31. Dezember 2020 von seinem Amt zurück.
Bei der Bürgermeisterwahl am 17. Januar 2021 wurde Frank Grape mit 83,5 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt. Am 9. Juni 2024 wurde er mit 72,4 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Seine Amtsdauer beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)
Wappen Das Wappen wurde unter der Nr. 46 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.
Blasonierung: „In Blau ein schwebender, betagleuchteter silberner Turm mit schindelgedecktem roten Spitzdach, goldenem Knauf, offenem Tor und zwei Fenstern.“
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|hochkant=1.2|Stadtpfarrkirche St. Nikolai
Bauwerke Stadtpfarrkirche St. Nikolai auf dem Clusenberg von um 1220. Die aus Feld- und Backsteinen bestehende dreischiffige Kirche mit drei Jochen vereint romanische und gotische Stilelemente mit einem gotischen Rippengewölbe Rathaus Richtenberg, gründerzeitlicher Bau von 1895 Marktplatz, langgestreckte, dreieckige Fläche mit sowjetischem Ehrenmal Pfarrhaus Lange Straße 2 von um 1800 Kriegerdenkmal (1866, 1870/71 und Erster Weltkrieg) auf dem Kirchhof
Landschaftsschutzgebiet Hellberge
Kultur Programmkino des Landesverbandes Filmkommunikation Mecklenburg-Vorpommern.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Richtenberg wurde während des Bestehens der DDR durch die VEB Mühlenwerke, Sonne (Spirituosenherstellung) und Metallverarbeitung sowie einige Handwerksbetriebe geprägt. Letztere waren weitgehend auf der Volkswerft Stralsund tätig. Heute gibt es ein Gewerbegebiet mit Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben.
Verkehr Richtenberg liegt an den Landesstraßen L 192 zwischen Steinhagen und Tribsees und L 212 nach Velgast. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Tribsees an der A 20 (Rostock–Dreieck Uckermark) in etwa 20 Kilometer Entfernung.
Die nächsten Bahnhöfe sind Wittenhagen an der Bahnstrecke Berlin–Stralsund und Velgast an der Bahnstrecke Stralsund–Rostock.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Johannes Holtfreter (1901–1992), Embryologe Gert Prokop (1932–1994), Schriftsteller Rudi Wegner (1923–1995), Konteradmiral der Volksmarine der DDR
Mit Richtenberg verbundene Persönlichkeiten Heinrich Bandlow (1855–1933), Schriftsteller, Lehrer in Richtenberg Hellmuth Heyden (1893–1972), Pastor in Richtenberg
Fußnoten
Literatur Wolfgang Fiedler: Das Wirken August Oetkens in Sankt Nikolai Richtenberg. Ein Beispiel zur Bedeutung von Archivalien für den Denkmalschutz in: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. 45 (2007), S. 33–38. Klaus-Peter Zoellner: Eine Chronik der Stadt Richtenberg. In: Greifswald-Stralsunder Jahrbuch, Band 6, VEB Hinstorff-Verlag, Rostock 1966. Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern: Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 325–326. (Volltext)
Weblinks
Offizielle Website des Amts
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