miniatur|Blick in die Lobby des Pola Museum of Art Das Pola Museum of ArtDie englischsprachige Bezeichnung findet auch in der deutschen Literatur Verwendung. Siehe hierzu Martin Schwander (Hrsg.): Venedig, von Canaletto und Turner bis Monet, S. 204 oder Beate Marks-Hanßen, Nora Bierich, Sabine Mangold: Japans Liebe zum Impressionismus, S. 207. (jap. , Pōra bijutsukan) ist ein Kunstmuseum im Ortsteil Sengokuhara der japanischen Stadt Hakone in der Präfektur Kanagawa. Es befindet sich inmitten eines Waldgebietes im Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark an der Präfekturstraße 733 von Gōra nach Sengokuhara. Das Museum geht auf die Initiative des Kosmetik-Unternehmers Suzuki Tsuneshi zurück, dessen Sammlung seinen persönlichen Geschmack widerspiegelt.Arayashiki Toru: Masterpieces of the Pola Museum of Art, S. 23. So gibt es einen umfangreichen Bestand an europäischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts und Werke japanischer Künstler, die von westlicher Kunst beeinflusst wurden. Darüber hinaus zeigt das Museum Arbeiten aus Glas und Keramik sowie eine kunsthandwerkliche Abteilung mit Kosmetikzubehör.
Geschichte Die Geschichte des Museums ist eng mit dem Kosmetikkonzern K.K. Pola Orbis Holdings, Inc. () verbunden. Das 1929 von Suzuki Shinobu gegründete Unternehmen widmet sich nach eigenem Selbstverständnis seit seinem Bestehen der Schönheitsforschung und der Schönheitspflege. zitiert in Arayashiki Toru: Masterpieces of the Pola Museum of Art, Seite 7. Der Sohn des Gründers, Suzuki Tsuneshi (1930–2000), entwickelte daraus einen Firmenleitsatz, bei dem das Ziel eine gemeinnützige und friedliche Gesellschaft ist und durch die Förderung von Kultur, Gesundheit und Schönheit anzustreben sei. zitiert in Arayashiki Toru: Masterpieces of the Pola Museum of Art, Seite 7. Vor diesem Hintergrund kam es 1976 zur Gründung des firmeneigenen Instituts zur Erforschung der Kosmetikgeschichte (, Pōra bunka kenkyūjo, engl. Pola Research Institute of Beauty&Culture), 1979 gefolgt von einer Stiftung für die Förderung der traditionellen japanischen Kultur (, Pōra dentō bunka shinkō zaidan, engl. Pola Foundation for the Promotion of Traditional Japanese Culture). Seit 1996 widmet sich zudem die Pola Art Foundation (engl. für , Pōra bijutsu shinkō zaidan) der Förderung von jungen Künstlern und dem internationalen kulturellen Austausch. Diese Stiftung ist auch Trägerin des Pola Museum of Art, dem Suzuki Tsuneshi seine in mehr als 40 Jahren zusammengetragene Sammlung von mehr als 9.500 Kunstwerken übergeben hat. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort für ein Museum kam Suzuki Tsuneshi auf Hakone, wo nach eigenen Angaben die „Schönheit der Natur mit den Kunstwerken eine Symbiose“ eingehen sollte. zitiert von der , abgerufen am 5. Januar 2011 Suzuki Tsuneshi orientierte sich bei der Lage des Museums an das Sterling and Francine Clark Art Institute, das er 1953 während seines Studiums in Williamstown (Massachusetts) kennengelernt hatte. Auch dieses Museum befindet sich außerhalb einer Großstadt und ist eingebettet in die Natur. Die Bauarbeiten unter der Leitung des Architekten Yasuda Koichi und des Büros Nikken Sekkei dauerten von April 2000 bis Mai 2002. Die Architektur des Gebäudes wurde 2003 mit dem DuPont Benedictus Award ausgezeichnet. Die Eröffnung fand im September 2002 statt. Seit dem Tod des Museumsgründers im November 2000 leitet sein Neffe Suzuki Satoshi die Pola Art Foundation.
Gebäude miniatur|Eingang des Pola Museum of Art Das Museum befindet sich in einem durch 300 Jahre alte Buchen und Scheinkamelien geprägten Waldgebiet im Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark. Das Grundstück in Hakone liegt an der Straße zwischen den Ortsteilen Gōra nach Sengokuhara. Der für das Museum vorgesehene Baugrund lag unterhalb des Straßenniveaus und die Planungen sahen ein sich in die Landschaft einpassendes Gebäude vor. Um einen möglichst großen Schutz vor Erdbeben zu gewährleisten, ist im Erdreich ein Trichter aus mehreren Betonringen erbaut worden, deren oberer Durchmesser 74 Meter beträgt. In diese runde Betonkonstruktion ist das eigentliche Gebäude an 16 tragenden Punkten auf Gummi gestützt eingehängt, wobei die zweieinhalb unteren Stockwerke des Museums innerhalb dieser Betonschale liegen und nur die oberen zweieinhalb Stockwerke aus dieser Konstruktion herausragen. Oberhalb des Bodenniveaus erreicht das insgesamt fünfstöckige Gebäude so nur eine Höhe von acht Metern, wodurch das Ziel eines sich in die Landschaft einpassenden Baus erreicht wurde.
Von der Straße aus ist das Museum über einer Brückenkonstruktion zu erreichen, von der die Besucher in das oberste Stockwerk gelangen, das lediglich aus einem kleinen Eingangsbereich besteht. Von hier geht der Weg über Rolltreppen herunter in die vierte Etage, in der sich der Kassenbereich, eine Buchhandlung und das Museumsrestaurant befinden. Eine Etage tiefer sind ein Vortragssaal, ein Ausstellungsraum, das Museumscafé, ein Souvenir- und ein Informationsstand untergebracht. Diese Etage ist wie das darunter befindliche Stockwerk kreuzförmig um das Atrium mit seinen Rolltreppen angeordnet. Im bereits vollständig unterirdischen zweiten Stockwerk liegen vier weitere Galerieräume. Das unterste Stockwerk enthält die Versorgungseinrichtungen und ist für Besucher nicht zugänglich.
Sammlung Die Sammlung ist geprägt vom Geschmack und den Interessen des Museumsgründers. So „vereint“ es rund 400 Gemälde europäischer Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts mit westlich-orientierter Malerei aus Japan. Daneben zeigt das Museum Skulpturen, alte asiatische und moderne japanische Keramiken, Arbeiten aus Glas sowie historisches und modernes Kosmetikzubehör.
Europäische Malerei miniatur|Édouard Manet:Die Schüler von Salamanca miniatur|Claude Monet:Bahngleise am Bahnhof Saint-Lazare miniatur|Vincent van Gogh:Pont de Gleize bei Arles miniatur|Paul Gauguin:Exotische Eva miniatur|Henri Rousseau:Löwe im Urwald Zu den frühesten europäischen Gemälden im Museum gehört das um 1827 entstandene Bild Kopf eines Mannes, eine Studie zu Die Apotheose des Homer, von Jean-Auguste-Dominique Ingres. Hieran schließt sich zeitlich und thematisch das Gemälde Hippokrates weist die Geschenke des persischen Königs zurück. Von Jean-Baptiste Camille Corot sind in der Sammlung die beiden Landschaftsbilder Mädchen in einem Wald und Rückkehr einer kleinen Kuhherde zu finden. Hinzu kommen zwei Werke von Honoré Daumier: Trinkende Jäger und Drei Bürger. Gustave Courbet, der Hauptvertreter des Realismus in Frankreich, ist mit den Landschaftsbildern Schneeeffekt mit Rehen, Landschaft mit Felsen und Die Wellen vertreten.
Bereits am Übergang zum Impressionismus stehen die zwei Meeresansichten von Eugène Boudin Blick auf die Île Tristan, Morgen und Ufer und Schiffe bei Daoulas. Von Édouard Manet besitzt das Museum zwei Arbeiten: Die Schüler von Salamanca aus dem Frühwerk des Künstlers und das impressionistische Pastell Frau auf einer Bank aus der letzten Schaffensphase. Von Manets Malerfreund Edgar Degas gibt es neben den Gruppenporträts M. und Mme Louis Rouart (Studie) und Die Familie Mante eine Frau bei der Toilette. Hinzu kommen mehrere Bilder mit Ballettszenen: Im Balletsaal, Tänzerinnen, Zwei Tänzerinnen, Zwei Tänzerinnen mit ausgestreckten Armen und Zwei sich ausruhende Tänzerinnen. Ebenfalls eine größere Werkgruppe besitzt das Museum von Pierre-Auguste Renoir. Zu sehen sind Araber auf Eseln, Mädchen beim Muschel fischen, La Coiffure, Mädchen mit Schleifenhut, Landschaft bei Cagnes, Landschaft bei Essoye, früher Morgen, das Stillleben Anemonen sowie die Aktbildnisse Badende junge Frau, Ruhende Nackte mit Dienerin beim Tee servieren, Nach dem Bad und Badende.
Über einen Zeitraum von fast 40 Jahren erstrecken sich die zahlreichen Werke von Claude Monet im Museum. Zwar fehlen Porträts dieses Künstlers in der Sammlung, dafür verdeutlichen vor allem die Landschaftsbilder der Sammlung besonders gut die künstlerische Entwicklung des Malers. Noch ohne die leuchtenden Farben des Impressionismus zeigt das Bild Der Zug von 1872 eine nordfranzösische Landschaft mit Industrieanlagen. Im Gegensatz hierzu gibt das drei Jahre später entstandene Gemälde La Promenade die Natur der Flusslandschaft bei Argenteuil wieder. Ähnliches Motive sind das 1877 entsandte Werk Blumen am Ufer, Argenteuil und das ein Jahr spätere Die Insel La Grande Jatte. Aus einer Reihe von in Paris entstandenen Eisenbahnmotiven stammt Bahngleise am Bahnhof Saint-Lazare. Zudem besitzt das Museum Sonnenuntergang an der Seine im Winter, Sonnenuntergang bei Etretat und Landschaft, Varengeville. An Monets letztem Wohnort sind die Bilder Getreideschober bei Giverny, Winter in Giverny, Japanische Brücke mit Seerosenteich, Das rosa Skiff und Seerosenteich entstanden. Von Monets Reisen zeugen die Stadtansichten Kathedrale von Rouen, das Londonbild House of Parliament, Symphonie in Rosa und die Venedigansicht Der Rio della Salute. Zudem besitzt das Museum zwei Stillleben Gladiolen von Monet.
Von zwei weiteren Malern des Impressionismus sind charakteristische Landschaftsbilder in der Sammlung. Das Museum zeigt von Alfred Sisley Brücke über die Sèvre, Tränke bei Marly, Der Fluss Loing bei Saint-Mammes und Ufer des Loing, Morgen. Von Camille Pissarro sind Straße nach Eragny, Blühender Birnbaum bei Eragny, Morgen und Weg bei Ennery zu sehen. Hieran schließen sich thematisch die Werke Pontcharraud bei Schnee und Promenade bei Robinson von Armand Guillaumin und Schaf unter Bäumen von Gustave de Smet an. Bereits zum Spätimpressionismus zählen die Werke von Gustave Loiseau Der Fluss Oise bei Pontoise, Pontoise, Der Flus Sausseron, Nesles-la Vallée, Bedeckter Wetter, Nesles-la-Vallée und von Henri Martin Marie-Louises Haus, Labastiede-du-Vert, Paris bei Schnee, Brücke bei Labastiede-du-Vert, Landschaft bei Luzech und Dorfstraße sowie von Henri Le Sidaner das Stillleben Die drei Rosen.
Zu den Werken des Pointillismus gehören Ebbe bei Grandcamp von Georges Seurat, Hafenbecken und Brücke von Auxerre von Paul Signac, Waldszene von Henri Edmond Cross sowie Nackte, das Haar kämmend und Liegender Akt im Gras von Hippolyte Petitjean. Aus sehr unterschiedlichen Werkphasen sind Arbeiten von Paul Cézanne zu sehen. Neben einer auf Anfang der 1860er Jahre datierten Religiösen Szene gibt es aus den 1870ern Häuser in Auvers-sur-Oise, Portrait de Antony Valabregue, Vier Badende und Landschaft in der Provence. Hinzu kommen ein Ende der 1880er entstandenes Stillleben und ein Harlequin sowie aus den 1890ern Stillleben mit Flasche und Stillleben mit Zuckerdose und Birnen.
Von Vincent van Gogh sind in der Sammlung das Stillleben Vase mit Disteln, das Landschaftsbild Pont de Gleize bei Arles und die Ölstudie Grasbüschel zu sehen. Hinzu kommen von Paul Gauguin die in Frankreich entstandenen Bilder Das weiße Tischtuch, Pension Gloaner und Waldweg sowie die Südseemotive Exotische Eva und Landschaft mit drei Hütten und Hund. Von Gauguins Freund Henry Moret besitzt das Museum die bretonischen Landschaftsbilder Blick auf Loqueltas und Die Bucht von Saint Thamec, Finistère. Aus dem Pariser Nachtleben stammen die Motive zu den Gemälden von Henri de Toulouse-Lautrec Porträt einer Prostituierten, Im Moulin de la Galette und Tänzerin in ihrer Garderobe.