Collelongo ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz L’Aquila, Region Abruzzen.
Geographie Lage mini|Lage von Collelongo in der Provinz L’Aquila Die Gemeinde liegt im Abruzzischen Apennin auf etwa 54,5 Kilometer südsüdöstlich der Provinzhauptstadt L’Aquila. Sie erstreckt sich zu Füßen des Monte Malpasso () im zentralen Teil des Vallelonga, einem von Nordwesten nach Südosten verlaufenden Tal im Südosten der Marsica. Teile des Gemeindegebietes liegen im 588,8 km² großen Natura 2000 Naturschutzgebiet Parco Nazionale d’Abruzzo.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden von Collelongo sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Trasacco, Ortucchio, Lecce nei Marsi, Villavallelonga, Balsorano, San Vincenzo Valle Roveto und Civita d’Antino.
Geomorphologie Das etwa 57 km² große Gemeindegebiet umfasst mehrere Landschaftsbilder. Im Nordosten liegt das Seitetantal Amplero, das bereits in der Bronzezeit besiedelt war. Im Südwesten wird der Ort von den bewaldeten Flanken der Serralunga-Kette eingegrenzt, zu der auch der Monte Malpasso gehört. Im Nordosten liegen die Berge Annamunna () und die Punta Ara dei Merli (). Der Talboden wird größtenteils agropastoralistisch genutzt und vom Torrente Fossato di Rosa entwässert. Letzterer führt nur nach starken Regenfällen Wasser und liegt den größten Teil des Jahres trocken.
Etymologie Der Ort wurde erstmals in der von Leo Marsicanus im 11. Jahrhundert verfassten Chronicon monasterii Casinensis als Collem Lungum im Zusammenhang mit der etwas außerhalb des Ortes gelegenen Benediktinerkirche Santa Maria delle Grazie erwähnt.Francesco Belmaggio, Antonella Belmaggio: Collelongo sacro. S. 13. Nur ungefähr lässt sich die Ersterwähnung auf den Zeitraum zwischen 949 und 986 datieren.Maria Clara Somma: Siti fortificati e territorio: Castra, castella e turres nella regione marsicana tra X e XII secolo. S. 56.
Der Name stammt aus dem Lateinischen collis lungis (langer Hügel) und ist eine Allusion auf die geographische Lage des Ortes. So entwickelte sich Collelongo auf einem langgezogenen Hügel, der von den Ausläufern des Monte Malpasso sich zum Talboden absenkt.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 35.
Wappen Das Gemeindewappen wurde 1987 nach einem vorausgegangenen Gemeindebeschluss per Dekret des Staatspräsidenten Francesco Cossiga eingeführt.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 51. Die Gemeinde besaß bereits in der Vergangenheit ein Gemeindewappen, dessen Ursprung auf das Siegel der Universitatis Collislongi aus dem 15. Jahrhundert zurückgeht und mehrmals umgestaltet wurde. Das Wappen in der Form eines samnitischen Schildes hat die folgende Blasonierung: Silber, St. Rochus, auf silbernem Feld, zwischen den Buchstaben S und R, flankiert von einem Hund, der ein goldenes Brot in den Zähnen hält.
Die Figur des heiligen Rochus findet sich erstmals auf dem Gemeindesiegel von 1691. Sie wurde nach der überstandenen Pestepidemie von 1656 zum Dank dafür eingeführt, dass die Pest in Collelongo nur wenige Opfer gefordert hatte.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 49–50.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Die Gegend um Collelongo wurde bereits von Neandertalern begangen, wie einige Fundstücke unterstreichen. Eine erste dauerhafte auf Agropastoralismus basierende Siedlung kann der Frühen Bronzezeit zugeordnet werden und lag am Rand des Talbodens nordwestlich des heutigen Ortskerns von Collelongo in der Lokalität La Fonteiò.
In der Späten Bronzezeit entstand eine Siedlung der Proto-Villanovakultur nur wenige Kilometer weiter nördlich in der Senke Amplero. Die bronzezeitlichen Siedlungen wurden spätestens in der Eisenzeit aufgegeben. An deren Stelle traten eine Reihe von Oppida, die in strategisch bedeutenden Positionen, meist auf Hügeln, errichtet wurden. Anhand von Fundstücken lassen sich die Oppida der Mitteladriatischen Kultur zuordnen, aus der sich unter anderem auch der Stamm der Marser entwickelte.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 21–22.
Antike Zwischen dem Ende des 4. und dem Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurden vermutlich im Zuge des Ersten Samnitenkrieges diese Oppida zum Teil zerstört und während des Bundesgenossenkrieges wieder ausgebessert.Cesare Letta: Il complesso archeologico di Amplero. S. 234. Mit zunehmender politischer Stabilität ging ihre militärische Bedeutung verloren und es entstanden Siedlungen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Es entstand eine Art Symbiose zwischen Oppidum und Vicus, wie dies auch am Fundplatz Amplero der Fall war, wo das Oppidum La Giostra in ein Heiligtum umgewandelt wurde. Aus einer im etwa 1 km nordwestlich von Collelongo im Vicus Casalecchie gefundenen lateinischen Inschrift geht hervor, dass die römischen Siedlungen dem Municipium Marruvium unterstanden. Das Vallelonga war neben dem Ufer des Fuciner Sees eine der Gegenden im Gebiet der Marser, das sich für die Besiedlung anbot. Es bot genügend Platz für Anbauflächen und für die Errichtung von Siedlungen. Zeugnis davon geben die zahlreichen Siedlungsspuren aus vorrömischer und römischer Zeit, die meist entlang von Verkehrsverbindungen anzutreffen sind.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 22–28. Ob das Tal auch Schlachtfeld im Krieg der Römer gegen die Marser war, wie an manchen Stellen behauptet,Walter Cianciusi: Collelongo (Abruzzo Ulteriore II). S. 51. ist historisch nicht belegt. Nach dem Fall des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert n. Chr. verlieren sich die Besiedlungsspuren im Tal.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 31.
Mittelalter Zu einer Stabilisierung der Lage nach der Völkerwanderung kam es erst unter den Langobarden und dann insbesondere unter den Franken, die das Marserland in die Gastalde Spoleto eingliederten. Ab dem 10. Jahrhundert fiel das Marserland unter den Einfluss der Berardi, die als Grafen von Celano ihren Stammsitz in Celano einrichteten. In diese Phase fällt auch die erstmalige Erwähnung von Collelongo. Unter den Normannen, die ab 1059 die Abruzzen schrittweise unter ihre Kontrolle brachten, häuften sich die Nachrichten über Collelongo. Laut des normannischen Catalogus baronum war Collelongo ein Lehen des Grafen Roger von Albe, der wiederum in Abhängigkeit zum Grafen von Celano stand.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 31–37.
Im Vallelonga gab es bereits vor der erstmaligen Erwähnung von Collelongo mehrere kleinere Siedlungen. Vermutlich aus einem Schutzbedürfnis heraus, zogen sich die Bewohner des Tales auf den Schwemmkegel zurück, auf dem Collelongo liegt. Auf dem höchsten Punkt des Schwemmkegels errichtete der Feudalherr seinen Sitz, von dem noch der Torre Baronale in Teilen erhalten ist. Neben dem Torre Baronale besaß der Ort noch weitere fünf Türme und vier Tore, was Collelongo einen festungsartigen Charakter verlieh, den der Ort bis zum 19. Jahrhundert beibehielt.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 35.
Im 13. Jahrhundert gerieten die Abruzzen und das Marserland unter den Einfluss der Staufer. In Opposition zu den Zentralisierungsbemühungen Friedrich II. stand der Graf von Celano und Albe, worauf Friedrich II. Celano dem Erdboden gleichmachen ließ. Nach der Schlacht bei Tagliacozzo (23. August 1268) fielen Collelongo und das Marserland an das Haus Anjou. Für ihre Verdienste in der Schlacht auf der Palentinischen Ebene auf Seiten der Anjou wurde das römische Geschlecht der Mattei unter anderem mit Collelongo belehnt. In der Folgezeit wechselten sich verschiedene Feudalherren ab, in deren Besitz Collelongo lag, darunter Odoardo Colonna, Jacopo Caldora und Lionello Accrocciamuro.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 38–42.
Frühe Neuzeit Nach dem Fall der Anjou 1442 erhielt Collelongo 1459 unter den Aragónen mit der Università di Collelongo eine erste gemeindeähnliche Einrichtung, der eigene Rechte und Pflichten zugestanden wurden. Die entsprechende Urkunde ist mit 6. Februar 1459 datiert. Die Zugeständnisse an die Università, einer Vorstufe der späteren Gemeinde, waren Ergebnis des Streits zwischen Aragónen und den Anjou um die Vorherrschaft im Königreich Neapel. Den Gemeinschaften gelang es, diesen Umstand auszunutzen und sich Vorteile zu erkämpfen für ihre Treue zum jeweiligen Herrscherhaus.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 43–45.
Ab 1463 war Collelongo ein Feudalbesitz der Piccolomini, die zugleich Grafen von Celano waren. Die Gräfin Costanza Piccolomini d’Aragona verkaufte 1572 den Feudalbesitz. Die Sannesio als neue Herren bezeichneten sich ab 1592 als Marchesi von Collelongo.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 54–58.
Unter spanischer Herrschaft verarmte die Bevölkerung. Die Spanier regelten nicht nur die Transhumanz der Schafe nach Apulien und in die Terra di Lavoro, sondern erhoben auch Zölle darauf. 1585 wurden die Getreideabgaben erhöht, was eine schwere Hungersnot auslöste. Begleitet wurde die Notlage von einer politisch unsicheren Lage, verursacht durch die andauernden Spannungen zwischen Spanien und Frankreich um das Königreich Neapel. Um 1600 machte sich unter diesen Rahmenbedingungen erstmals das Brigantentum in Collelongo bemerkbar. Die Briganten konnten erst geschlagen werden, nachdem sich die päpstlichen und die neapolitanischen Truppen zum gemeinsamen Kampf verbündet hatten. Die Briganten sollten vor allem im 19. Jahrhundert mehrmals den Ort und seine Umgebung unsicher machen.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 83–85.
Die Pestepidemie von 1656 forderte im Gegensatz zu den Nachbarorten Trasacco und Villavallelonga nur wenige Opfer, was von den Einwohnern als Wunder angesehen wurde. Auch ansonsten wurde Collelongo von kriegerischen Ereignissen nur gestreift. Lediglich im Spanischen Erbfolgekrieg besetzten österreichische Truppen für kurze Zeit den Ort. Streit gab es dagegen immer wieder wegen Weide-, Wasser- und Wegerechten mit den Nachbarorten. Die Streitigkeiten mit Trasacco gingen bis auf das Jahr 1508 zurück und führten sogar zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den Einwohnern der beiden Orte. Sie konnten erst 1927 endgültig beigelegt werden.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 89, 99–104.
Moderne 1754 zählte Collelongo 1442 Einwohner, die auf 162 Haushalte verteilt waren. Aus dem Kataster des gleichen Jahres geht die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung hervor. Ein bedeutender Anteil verdiente sich als Tagelöhner den Lebensunterhalt. Es gab nur wenige Handwerker und Kaufleute. Die Wirtschaft des Ortes basierte vor allem auf Tauschwirtschaft. Getauscht wurden Getreide und Hülsenfrüchte mit Feigen, Olivenöl und Kräutern aus dem Val Roveto sowie Fisch aus dem Fuciner See.Francesco Belmaggio: Collelongo nel tempo (Dalla preistoria agli inizi del XX secolo). S. 92. Um sich den Lebensunterhalt zu sichern, waren viele Einwohner gezwungen, auf den Feldern im Umland von Rom als Landarbeiter zu arbeiten, darunter auch zahlreiche Frauen und Kinder. Diese saisonale Emigration dauerte bis in das 20. Jahrhundert an. Dennoch lösten durch Trockenheit, Frost oder Hagel verursachte Ernteausfälle Hungersnöte mit Hungertoten aus.Walter Cianciusi: Collelongo (Abruzzo Ulteriore II). S. 149–152.