Schardenberg ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Schärding im Innviertel mit Einwohnern (Stand ). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Schärding. 2009 wurde Schardenberg von der Oberösterreichischen Landesregierung zur Marktgemeinde erhoben.
Geografie Der Hauptort Schardenberg der Gemeinde Schardenberg liegt auf 543 m Höhe im Innviertel. Das Gemeindegebiet ist der Raumeinheit Sauwald zugeordnet, seine Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 8,4 km, von West nach Ost 9,2 km. Die Gesamtfläche beträgt 31,6 km². 28,8 % der Fläche sind bewaldet, 61,1 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Die Geographie des Gemeindegebietes ist von großer Abwechslung gekennzeichnet: Die Ortschaften Achleiten, Ingling und Unedt liegen im Tal des Unteren Inn, während sich die höher gelegenen Ortschaften der Gemeinde auf dem Plateaurücken des Sauwaldes befinden. Bei Ingling liegt das Inn-Kraftwerk Passau-Ingling der ÖBK, auf dem Fronberg befindet sich der Sender Schardenberg, der vom ORF erbaut wurde.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende 14 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Asing, Fraunhof, Gattern, Lindenberg, Luck und Schardenberg.
Nachbargemeinden
Geschichte Zu den interessantesten historischen Zeugnissen der Gegend gehört ein römischer Altar für Jupiter aus dem Jahr 230 n. Chr., der auf die einstige Existenz eines Straßenpostens der Legio II Italica hinweist und der sich heute in der Pfarrkirche Wernstein am Inn befindet.
Seit Gründung des Herzogtums Bayern war das Gebiet um Schardenberg Teil des Herzogtums. 1084 erfolgt die erste Erwähnung von Schardenberg in den sogenannten Schardenberger Stiftungsbriefen.
Zur Zeit der frühen Kirchenorganisation im Mittelalter gehörte Schardenberg als Filiale zur Urpfarre St. Severin. 1182 wurde St. Severin mit dem für die Verwaltung der Innbrücke zuständigen „Innbruckamt“ dem St. Ägidien-Spital in der Innstadt inkorporiert.Franz Mader: Pfarrgeschichte der Pfarrei St. Severin. pfarrei-innstadt.de; abgerufen am 26. September 2018. Das „Innbruckamt“ verwaltete seither auch die dem Spital inkorporierten Pfarren, die vom jeweiligen „Bruckpfarrer“ zu vergeben waren. Zu diesen zählten neben St. Severin mit Schardenberg und Wernstein auch St. Weihflorian, Kellberg, Hauzenberg, Kopfing, Münzkirchen und Tettenweis.Hugo Lerch: Der Streit des Passauer Domherrn und Innbruckmeisters Johann von Malenthein mit dem Passauer Domkapitel 1544–1549. In: Ostbairische Grenzmarken, 1962/1963, 6, S. 249–261, hier S. 250–251. Theodor Ebner: Die Antiesenmündung. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Jahrgang 148, Linz 2003, S. 257–284 (), hier S. 279. Johann Ev. Lamprecht: Beschreibung der k.k. landesfürstl. Gränzstadt Schärding am Inn und ihrer Umgebungen. Wels 1860, S. 275–276 (online). Johann Ev. Lamprecht: Historisch-topographische Matrikel oder geschichtliches Ortsverzeichniß des Landes ob der Enns, als Erläuterung zur Charte des Landes ob der Ens in seiner Gestalt und Eintheilung vom VIII. bis XIV. Jahrhunderte. Wien 1863, S. 133, 212; digitale-sammlungen.de Bald nach der Inkorporation von St. Severin wurde der Sitz dieser Pfarre in die Spitalskirche St. Ägidien/St. Gilgen verlegt,Johann Ev. Lamprecht: Beschreibung der k.k. landesfürstl. Gränzstadt Schärding am Inn und ihrer Umgebungen. Wels 1860, S. 276 (online). wo er bis 1653 verblieb. Seit 1785 ist Schardenberg eine eigenständige Pfarre.
Bis 1779 war Schardenberg unter bayerischer Landeshoheit, ehe es in jenem Jahr nach dem Frieden von Teschen zusammen mit den östlich des Inn gelegenen Gebieten des kurfürstlichen Rentamtes Burghausen, die bis dahin „Innbaiern“ geheißen hatten, als „Innviertel“ zu Österreich kam. Der Untere Inn, der bis dahin in erster Linie ein Handelsweg innerhalb Bayerns gewesen war, wurde damit zum Grenzfluss zwischen dem Kurfürstentum Bayern und Österreich ob der Enns. Während der Napoleonischen Kriege wieder kurz bei Bayern, gehört Schardenberg seit 1816 (Vertrag von München) wieder zu Oberösterreich. Im Jahr 1900 gründete der Salvatorianer-Pater Elseus Gabelseder das Kloster Hamberg als Studienkolleg für Spätberufene. 1910 wird die neue Pfarrkirche eingeweiht.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Während der NS-Zeit befand sich im „Waldschloss“ in Schardenberg ein „Fremdvölkisches Kinderheim“, in diesem kam es auch zu Todesfällen.Matthias Huber: Das „Fremdvölkische Kinderheim“ Waldschloss in Schardenberg. In: Markus Rachbauer, Florian Schwanninger, Susanne Lammer, Martin Kranzl-Greinecker (Hrsg.): „Fremdvölkische Kinderheime“ in „Oberdonau“, Innsbruck 2026, S. 73–83, ISBN 978-3-7065-6077-1. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.
Einwohnerentwicklung
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 1981 und 1991 erfolgte, da sowohl Geburtenbilanz (+133) als auch Wanderungsbilanz (+200) positiv waren. Im nächsten Jahrzehnt wurde die Wanderungsbilanz negativ (−339) und konnte durch die Geburtenbilanz (+110) nicht ausgeglichen werden, sodass die Bevölkerungszahl auf 2.384 Personen im Jahr 2001 sank.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Fatimakapelle mini|Ehemaliges Kloster Hamberg
Aussichtsturm: Bereits 1886 wurde am Fronberg ein 30 Meter hoher Aussichtsturm aus Holz errichtet; dieser wurde 1931 durch einen steinernen Bau ersetzt. Seit Anfang 2016 war der Turm geschlossen; 2024 stürzte er samt Mobilfunksendeantennen ein. Pfarrkirche Schardenberg: Die heutige Kirche, auch Innviertler Dom genannt, wurde 1908–1910 nach Plänen von Dombaumeister Matthäus Schlager anstelle eines abgerissenen Vorgängerbaus errichtet, von dem aber noch der barocke Turm von 1741 erhalten ist. Fatimakapelle: Im Fronwald – fünf Minuten von der Pfarrkirche entfernt – stand eine alte Kapelle, in der der hl. Petrus und die Büßerin Magdalena auf einer alten Kultstätte verehrt wurden. Der so genannte Heidenstein weist noch darauf hin. 1945 erfolgte eine Erneuerung und das Bild der Mutter Gottes rückte in den Mittelpunkt. Die Zahl der Pilger wuchs, 1949 erfolgte die Grundsteinlegung der heutigen Kapelle nach Plänen von Hans Foschum und 1951 die Einweihung des Heiligtums. Die Muttergottes-Statue stammt von derselben Künstlerhand wie das Original in Fatima, Portugal. An den 13. der Monate Mai bis Oktober werden die Fatimatage gefeiert und tausende Pilger kommen zum Heiligtum im Fronwald. In der Ortschaft Ingling, nahe der Grenze zu Bayern, steht das ehemalige Salvatorkloster Hamberg, heute eine Studentenwohnanlage für Studenten der Universität Passau.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr Schardenberg wird im Ortsteil Gattern durch die Buslinie K1 der Verkehrsbetriebsgesellschaft Passau erreicht, welche dort an der Haltestelle „Mayrhof“ endet. Daneben wird Schardenberg von Regionalbussen des OÖVV angefahren.Schardenberg wird von den Linien 817 und 818 angefahren, vgl. Die Bahnstrecke Wels–Passau führt durch das Gemeindegebiet; die Haltestelle Pyret wurde allerdings 2002 aufgelassen und 2012 rückgebaut.Schardenberg im Wandel der Zeit, S. 479 mini|Gemeindeamt
Politik
Bürgermeister seit 1900
Wappen Blasonierung: Über grünem, von einer goldenen Leiste gesäumtem Dreiberg von Blau und Rot durch einen silbernen, mit einem schwarzen Pilgerstab mit goldenem Knauf und goldenem Ring belegten Balken schräg geteilt; oben eine goldene, heraldische Lilie, daraus wachsend ein goldenes Patriarchenhochkreuz mit Kleeblattenden, unten eine goldene, gestürzte Pflugschar. Die Gemeindefarben sind Blau-Weiß-Rot.
Partnerschaften Gemeindepartnerschaft mit St. Georgen bei Obernberg am Inn seit 1987Schardenberg im Wandel der Zeit, S. 426 Gemeindepartnerschaft mit Wien-Mariahilf seit 1996Schardenberg im Wandel der Zeit, S. 426 f. Feuerwehrpartnerschaft mit dem Löschzug Innstadt der FFW PassauSchardenberg im Wandel der Zeit, S. 535 f.
Persönlichkeiten
Ehrenbürger Karl Bachmair (* 1941), Mundartdichter und ehemaliger Vizebürgermeister Johann Knonbauer, Altbürgermeister Johann Scharnböck, ehemaliger Amtsleiter Gottfried Wenny Josef Schachner (* 1955), Altbürgermeister 1993–2019
Söhne und Töchter der Stadt
Sebastian Öhlinger (1785–1818), k.k. Hof-Organist Alois Beham (1916–1991), Arzt, Homöopath, Schriftsteller, Dichter, Bildhauer und Maler
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten Norbert Zeilberger (1969–2012), Organist, Cembalist, Pianist; hier bestattet.
Literatur Naturraumkartierung Oberösterreich. Landschaftserhebung Gemeinde Schardenberg. Endbericht. Gutachten Naturschutzabteilung Oberösterreich. 2009, S. 1–146 ().
Weblinks
Gemeinde Schardenberg Schardenberg. land-oberoesterreich.gv.at
Einzelnachweise
Kategorie:Sauwald Kategorie:Inntal (Oberösterreich) Kategorie:Ersterwähnung 1084