St. Marienkirchen bei Schärding (vlg. Samaskira genannt) ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Schärding im Innviertel mit Einwohnern (Stand ). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Schärding.
Geografie St. Marienkirchen bei Schärding liegt auf 338 m Höhe im Innviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 7,1 km, von West nach Ost 6,4 km. Die Gesamtfläche beträgt 24,9 km². 9,2 % der Fläche sind bewaldet, 74,3 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt. Das Gemeindegebiet wird im Nordwesten durch den Inn, im Südwesten durch die Antiesen begrenzt.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende 22 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Dietrichshofen, Hackenbuch, Fucking und St. Marienkirchen.
Nachbargemeinden
Geschichte hochkant|mini|1961 im Gemeindegebiet geborgener römischer Ziegel mit dem Stempel NVM(erus) B(oiodurensium) Die Hügelgräber im Lindetwald zeugen von der vorgeschichtlichen Besiedlung des Gebietes um St. Marienkirchen. Seit Gründung des Herzogtums Bayern war der Ort bayrisch. Im Jahre 1140 wird er in einer Urkunde aus Kloster Passau-St. Nikola erstmals als sanctimarienchirchen erwähnt, 1160 in einer Urkunde aus Kloster Reichersberg auch als ecclesia sancte marie.Christopher R. Seddon, Der Ortsname – Quellenlage und Forschungsproblem, Pfarre St. Marienkirchen 2001 (Kopie im Pfarrarchiv). Der Beleg von 1140 stellt die einzige schriftliche Niederlegung eines auf St. Marienkirchen hinweisenden Namens aus der Frühzeit der urkundlichen Erwähnungen dar, welcher sich vordergründig auf den Ort als geographische Einheit und nicht als Herkunftsbezeichnung eines dort ansässigen oder ansässig gewesenen Urkundenzeugen bezieht.
Bis 1779 war St. Marienkirchen unter bayerischer Landeshoheit, ehe es in jenem Jahr nach dem Frieden von Teschen zusammen mit den östlich des Inn gelegenen Gebieten des kurfürstlichen Rentamtes Burghausen, die bis dahin „Innbaiern“ geheißen hatten, als „Innviertel“ zu Österreich kam. Der Untere Inn, der bis dahin in erster Linie ein Handelsweg innerhalb Bayerns gewesen war, wurde damit zum Grenzfluss zwischen dem Kurfürstentum Bayern und Österreich ob der Enns. Während der Napoleonischen Kriege wieder kurz bayrisch, gehört St. Marienkirchen seit 1816 (Vertrag von München) endgültig zu Oberösterreich.
mini|Diese Karte der Pfarre St. Marienkirchen aus dem Jahr 1845 zeigt den von zahlreichen Inseln und Nebenarmen geprägten Lauf des Inn zwischen Antiesenhofen und Suben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man, den bis dahin von zahlreichen Inseln und Nebenarmen geprägten Lauf des Unteren Inn durch Eindämmungen und andere wasserbauliche Maßnahmen zu einem einzigen großen Flussbett zusammenzuführen. Diese Maßnahmen erfolgten von 1862 bis 1930. Zudem spielte der Fluss als Transportweg eine immer geringere Rolle, da die Schifffahrt durch die damals errichteten Eisenbahnstrecken der Rottal- und Kronprinz Rudolf-Bahn sowie den zunehmenden Ausbau des Straßennetzes verdrängt wurde.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.
Einwohnerentwicklung
1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 1.820 Einwohner, 2001 dann 1.836 Einwohner. Da die negative Wanderungsbilanz auch in der folgenden Dekade durch die positive Geburtenbilanz ausgeglichen werden konnte, stieg die Bevölkerungszahl auf 1.841 Personen im Jahr 2011.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturelles Leben Seit 1906 hat St. Marienkirchen eine eigene Blasmusikkapelle. Die Musikkapelle St. Marienkirchen bei Schärding umrahmt festliche, oftmals kirchliche, Anlässe, führt Frühjahrs-, Herbst- und Adventkonzerte auf, und nimmt an Marsch- und Konzertwertungen teil. Ihr Repertoire umfasst traditionelle und moderne Blasmusik. Weitere Fixpunkte bilden das jährliche Maibaumfest, die Teilnahme am Christkindlmarkt und das traditionelle Neujahrsanblasen zwischen Stefanitag und Silvester. Die Musikkapelle betreibt intensive Kinder- und Jugendförderung und umfasst Mitglieder aller Altersklassen. Die Probenarbeit findet im Musikheim, welches sich im Gemeindezentrum befindet, statt.
Der Männergesangsverein „Sängerrunde St. Marienkirchen“ besteht seit 1947 und ist Mitglied im Chorverband Oberösterreich. Sein Repertoire umfasst in- und ausländische Volkslieder, Werke der klassischen Musik, Werke für geistliche Chöre und Messen. Die Sängerrunde tritt bei Konzerten und Adventsingen auf, umrahmt diverse Feiern innerhalb der Gemeinde, darunter Hochzeiten, Beerdigungen und Gottesdienste, und wirkt bei Vereinssingen und Sängerfesten im Innviertel und Bayern mit. Zum Abschluss der Faschingszeit lädt die Sängerrunde traditionell zu einem Maskenball.
Sternsinger gibt es in St. Marienkirchen seit 1956. Beim ersten Sternsingen 1956 sammelten die Ministranten Geld für die Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft.Pfarrchronik von St. Marienkirchen, Band III (1945–1956 und 1980–1999): Eintragung 1956. Ebenfalls 1956 begann die Tradition, Maiandachten nicht nur in der Pfarrkirche, sondern auch in Dorfkapellen der einzelnen Ortschaften der Pfarre zu halten.Pfarrchronik von St. Marienkirchen, Band III (1945–1956 und 1980–1999): Eintragung 1956.
Der Kinder- und Jugendchor Creaktiv InternationalCreaktiv International wurde 1994 durch den Berufssoldaten (OStv) und Kommunalpolitiker (SPÖ) Konsulent Ernst Ranftl mitgegründet und unterstützt Kinder in Not durch Benefizkonzerte. Musikalisch wurde der Chor ursprünglich von Klaus Zajonskowski geleitet. Über die Jahre formierten sich neue Gruppen und Ideen, vom Kinderchor, zur Gründungsgruppe Herzbluat, Nathi's Group, CreaGirls und den Zamm´Gwürfelten bis zur Next Generation unter der Leitung von Sabrina Furthner.
In St. Marienkirchen gibt es einen Turn- sowie mehrere Sportvereine, die aus Sektionen des ehemaligen „Turn- und Sportvereins St. Marienkirchen“ (TSV) hervorgegangen sind. Dazu zählen der Turnverein, TSV Fußball St. Marienkirchen/Sdg., sowie weitere Vereine für Plattenwerfen, Tennis, und Volleyball. Darüber hinaus gibt es einen Pferdesportverein, einen Reit- und Fahrverein, und einen Skiclub im ÖSV.
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Pfarrkirche St. Marienkirchen bei Schärding Hügelgräber im Lindetwald Ehemaliges Schloss Hackenbuch Rotes Kreuz auf halber Höhe des Oberraderbergs Katholische Pfarrkirche St. Marienkirchen bei Schärding Mariä Himmelfahrt Richard-Billinger-Geburtshaus, Eggerdinger Straße 1 Richard-Billinger-Gedenkraum in der Volksschule St. Marienkirchen Weg der Ortschaften mit eigenen Symbolbäumen entlang des Promenadenwegs
Wirtschaft und Infrastruktur Landwirtschaft Das Gebiet der Gemeinde St. Marienkirchen bei Schärding ist traditionell landwirtschaftlich ausgerichtet. Beim Ackerbau spielt heute der Anbau von Mais eine besondere Rolle, in der Viehzucht besonders die Schweinemast.
Ansässige Unternehmen Im Gemeindegebiet ihren Sitz oder eine Niederlassung haben z. B. die Firmen Frauscher Sensortechnik und Frauscher Thermal Motors, die Metallverarbeitungsbetriebe Milltech und Primatech, der Sonnenschutz-Hersteller Tritscheler, der Industriekomponentenhersteller Hennlich, der Tourenski-Hersteller Hagan, und das Logistikunternehmen Dachser. Daneben gibt es mehrere Tischlereien.
Verkehr Durch das Gemeindegebiet führt die Innkreis Autobahn, bei Bodenhofen und Gstötten befinden sich Autobahnrastplätze. Durch die „Anschlussstelle Suben“, welche sich zur Gänze im Gemeindegebiet von St. Marienkirchen befindet, schließt die Innkreis Autobahn unmittelbar an die B 149 an. Ebenfalls durch das Gemeindegebiet führen die L 512 (Reichersberger Straße) und die Salzkammergutbahn, wobei deren nächste Haltestellen Suben und Dietrichshofen sind. Nächstgelegener Sportflugplatz ist der Flugplatz Schärding-Suben.
Bildung Im Gebäudekomplex des Schulzentrums St. Marienkirchen bei Schärding sind untergebracht: Richard-Billinger-Volksschule (seit 1977 im Schulzentrum) TN²MS St. Marienkirchen als Neue Mittelschule mit Polytechnischer Schule (seit 1973 im Schulzentrum; wurde bis Ende des Schuljahres 2011/2012 als Hauptschule geführt, seit Beginn des Schuljahres 2012/2013 als NMS) Gemeinde- und Pfarrbibliothek (seit 1996 im Schulzentrum, untergebracht im Gebäude der Volksschule) Kindergarten (seit 2022 im Schulzentrum)
Die heutige Gemeinde- und Pfarrbibliothek ist aus der seit 1896 bestehenden Pfarrbibliothek hervorgegangen. Bischof Franz Maria Doppelbauer hatte im Diözesanblatt Nr. 12 des Jahres 1894 angeordnet, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre in jeder Pfarre der Diözese Linz eine „Volksbücherei“ einzurichten sei. In St. Marienkirchen kam Pfarrer Anton Zauner dieser Aufforderung 1896 nach, die Anzahl der für die Ausleihe verfügbaren Bücher betrug zunächst 170 Bände.Pfarrarchiv St. Marienkirchen, Pfarrchronik I (1885–1912, Zusätze bis 1916): Eintragung 1896.
Das 1972 bis 1977 nach Plänen von Gustav Aduatz gebaute Schulzentrum wurde in den Jahren 2009 bis 2014 einer Generalsanierung unterzogen, deren Kosten sich auf 4,5 Millionen Euro beliefen.Kathrin Schwendinger: Neu eröffnet: Schule für 4,5 Millionen Euro saniert, in: meinbezirk.at (4. Juli 2014, online), Zugriff am 6. November 2022 Die mehrjährige Bauzeit kam zustande, weil für die Baumaßnahmen immer nur die Zeit der Sommerferien zur Verfügung stand.
Feuerwehr mini|Das 2011 in Dietrichshofen erbaute Zeughaus der Freiwilligen Feuerwehr Hub ist die jüngste Feuerwache der Gemeinde. Im Gemeindegebiet existieren drei Freiwillige Feuerwehren: Freiwillige Feuerwehr St. Marienkirchen: Gegründet 1886. Heutiges Zeughaus erbaut 1955–1956. Eine eigene Fahne besitzt die FF St. Marienkirchen seit 1906. Freiwillige Feuerwehr Hackenbuch: Gegründet 1906 als Löschzug Hackenbuch der FF St. Marienkirchen, eigenständige Feuerwehr seit 1936. Heutiges Zeughaus erbaut 2003–2005, altes Zeughaus eingeweiht 1956. Eine eigene Fahne besitzt die FF Hackenbuch seit 1952. Freiwillige Feuerwehr Hub: Gegründet 1902. Heutiges Zeughaus in der Ortschaft Dietrichshofen wurde erbaut 2011, davor befand sich das Zeughaus (seit 1961 ein gemauerter Bau) in der Ortschaft Hub. Eine eigene Fahne besitzt die FF Hub seit 1953.
Politik mini|Gemeindeamt Gemeinderat Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 ÖVP, 4 FPÖ und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 5 FPÖ und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 ÖVP, 6 FPÖ und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2021 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 ÖVP, 5 FPÖ, 3 Bürger-Initiative St. Marienkirchen und 1 SPÖ.
Bürgermeister
1850–1858: Jakob Anetzberger (1821–1879), Landwirt, vulgo Braunsberger in Andiesen 1858–1861: Michael Pflanzl (1820–1909), Landwirt, vulgo Hochegger in St. Marienkirchen 1861–1864: Johann Edtbauer (1817–1896), Landwirt, vulgo Weber in Holzleithen 1864–1867: Josef Gruber 1867–1870: Ferdinand Lippl (1833–1915), Landwirt, vulgo Jaglbauer in Holzleithen 1870–1873: Josef Gruber 1873–1882: Matthias Renoltner (1835–1914), Landwirt, vulgo Renoltner in Dietraching 1882–1885: Matthias Gerhofer (1836–1895), Landwirt, vulgo Maier z'Oberham 1885–1888: Josef Schneebauer, Landwirt, vulgo Rader in Holzleithen 1888–1891: Johann Hobetzeder, Landwirt, vulgo Gruber in Grub 1891–1894: Josef Hobetseder, Landwirt, vulgo Bernauer in Unterfucking 1894–1897: Johann Schachinger sen. (1862–1937), Landwirt, vulgo Huber in Großwiesenhart 1897–1900: Johann Wieshammer (1851–1926), Landwirt, vulgo Maier in der Edt 1900–1903: Johann Schachinger sen. (1862–1937), Landwirt, vulgo Huber in Großwiesenhart