Sigharting ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Innviertel mit Einwohnern (Stand ). Die Gemeinde gehört politisch zum Bezirk Schärding, der zuständige Gerichtsbezirk ist seit dem 1. Jänner 2003 der Gerichtsbezirk Schärding, bis zu diesem Datum war der Ort Teil des damals aufgelösten Gerichtsbezirks Raab. Sigharting liegt an der alten Poststraße von Linz nach Passau (entspricht großteils der heutigen Eferdinger Bundesstraße B 129), etwa 60 km westlich von Linz und ca. 25 km südöstlich von Passau. Sehenswert sind insbesondere das ehemalige Wasserschloss, das heute im Besitz der Gemeinde ist und kulturellen Zwecken dient, sowie die Pfarrkirche, die aus der früheren Schlosskapelle hervorgegangen ist.
Geografie Sigharting liegt auf im nördlichen Innviertel, an den südlichen Ausläufern des Sauwalds. Das gesamte Gemeindegebiet ist Teil des Pramtals, und somit naturräumlich zum Inn- und Hausruckviertler Hügelland zu zählen, welches selbst wieder ein Teil des oberösterreichischen Alpenvorlandes bildet. Der niedrigste Punkt der Gemeinde liegt mit im Ortsteil Thal in der Nähe der Grubmühle, dort wo der Pfudabach die Gemeinde Richtung Westen verlässt. Der mit höchste Punkt der Gemeinde liegt an der östlichen Gemeindegrenze, nördlich von Loh (Ortsteil Hacking).
Mit einer Fläche von 5,66 km² ist die Gemeinde Sigharting nach Schärding und Mayrhof die drittkleinste Gemeinde des Bezirks. Ihre Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 3 km, von West nach Ost 3,5 km. 12,3 % der Fläche sind bewaldet, 77,2 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Ortsteile der Gemeinde mini|Lage der Ortsteile Sighartings
Bevölkerung der Ortsteile Ortsteil 1891 2001 Sigharting 432 573 Thal 29 14 Unterholzen (Haus Nr. 4) ? 2 Thalmannsbach 68 100 Doblern 28 20 Grub 58 66 Loh (Hacking Nr. 8–10) ? 14 Unterhaigen 27 21 Wurmsdobl 32 18
Die Gemeinde Sigharting setzt sich aus den Katastralgemeinden Sigharting und Thalmannsbach zusammen. Diese wiederum weisen die folgenden Ortsteile auf: KG Sigharting: Sigharting, Thal, Unterholzen (Haus Nr. 4) KG Thalmannsbach: Thalmannsbach, Doblern, Grub, Loh (Hacking Nr. 8–10), Unterhaigen, Wurmsdobl
Der Hauptort Sigharting weist mit über 500 Einwohnern mit Abstand die größte Bevölkerungszahl aller Ortsteile auf. Auch Thalmannsbach und Grub zählen über 50 Bewohner, während von den übrigen Ortsteilen keiner mehr als 25 Einwohner hat. In den letzten 100 Jahren stieg lediglich in Sigharting und Thalmannsbach die Bevölkerungszahl signifikant an.
Eingemeindungen Die Pfarrgrenze von Sigharting (entstanden 1785) weicht auf einigen Strecken von der Gemeindegrenze des Ortes ab. Dies führte mehrmals zu Bestrebungen diese Pfarrteile einzugemeinden.
1938 suchten die Bewohner der Ortschaft Oberhaigen (Gemeinde Enzenkirchen) – sie hatten bereits 1926 vergeblich eine Eingemeindung beantragt – Kindling und Unterholzen (beide Gemeinde Diersbach) um Eingemeindung an. Durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs kam es nicht mehr zu einer Erledigung dieses Antrages. Im Jahre 1950 suchte die Ortschaft Oberhaigen erneut um Eingemeindung an, jedoch wurde diesem Ersuchen nicht stattgegeben.
Nachbargemeinden Die Gemeinde Sigharting teilt zu etwa gleichen Teilen seine Grenzen mit drei anderen politischen Gemeinden. Im Nordwesten und Norden grenzt sie an die Gemeinde Diersbach, im Osten an die Gemeinde Enzenkirchen und im Süden an die Marktgemeinde Andorf.
Gewässer mini|Lage der Gewässer Sighartings Bedeutendstes Gewässer in der Gemeinde Sigharting ist der Pfudabach, ein Zufluss der Pram, der das Ortszentrum in seinem Unterlauf in einer großen Schlinge umfließt. Weitere nennenswerte Gewässer sind der Parzer Bach sowie der Seifriedseder Bach. Ersterer entspringt als Steinbach in der Nähe von Unterhaigen, nimmt in Thalmannsbach den Ritzinger Graben auf, und mündet nach einem Lauf von knapp 3 km Länge auf Höhe des Schlosses Sigharting in den Pfudabach. Letzterer, auch Thaler Bach genannt, entspringt in der Gemeinde Andorf und mündet nach etwa 500 m auf Sighartinger Gemeindegebiet im Ortsteil Thal in den Pfudabach.
Geologie Die Gemeinde Sigharting liegt geologisch betrachtet zur Gänze im Bereich der Molassezone. Das am weitesten verbreitete Gestein ist Schlier (Ottnanger Schlier); sandige Tonmergel (Enzenkirchner Sande), Löss und Lehm sind ebenfalls häufig anzutreffen.
Von lokaler wirtschaftlicher Bedeutung waren dabei in der Vergangenheit die Vorkommen von Schlier und Lehm. So gab es im Gemeindegebiet mehrere sogenannte Mergelgruben, wie etwa die Pfenniggrube in Unterholzen, in denen bis Mitte des 20. Jahrhunderts der kalkhaltige Schlier als landwirtschaftlicher Dünger (Kalkung) abgebaut wurde. Die Lehmvorkommen wiederum wurden von alters her zur Ziegelherstellung genutzt, die ihren Höhepunkt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Errichtung eines Ringofens im Jahre 1901 fand. Dieser wurde im Jahre 1962 stillgelegt und schließlich 1974 abgetragen.
Klima Seit dem 1. Juli 1895 befindet sich in Sigharting eine Wetterbeobachtungsstation des Hydrografischen Dienstes der oberösterreichischen Landesregierung. Mit kurzen Unterbrechungen werden seit dieser Zeit Aufzeichnungen über Temperatur, Niederschlagsmenge und Schneehöhen gemacht. Der langjährige Durchschnitt der jährlichen Niederschlagsmenge beläuft sich auf 940 mm pro m², die mittlere Jahrestemperatur in Sigharting beträgt 7,8 °C.
Geschichte
Der Ort Sigharting liegt an der alten Römerstraße von Lauriacum (Enns) über Lentia (Linz) nach Batavis (Passau). Dieser Weg diente den römischen Soldaten als Verbindungs- und Versorgungsweg. Im Jahre 739 wurde Passau zum Bischofssitz, Das Geschlecht der Siegehartinger hatte bereits im Jahre 788 einen Ahnensitz mit einem dazugehörigen Freigut in Siegeharting. Das Geschlecht der Siegehartinger wird noch 1160 auf den Freigut zu Porz den Traditionsbüchern des Bistums Passau erwähnt.
Der Ort Sigharting wird um das Jahr 1120 als Sigihartingen erstmals in den Traditionsbüchern des Bistums Passau erwähnt und gehörte wie der Großteil des Innviertels zum Herzogtum Bayern.
Im 13. Jahrhundert kamen die Herren von Pürching in den Besitz der Hofmark Sigharting, und im Jahr 1333 erhielt Heinrich I. von Pürching vom bayerischen Herzog Heinrich die niedere Gerichtsbarkeit über die Hofmark. 1632 starben die Pürchinger aus, und die Grafen von Tattenbach auf St. Martin traten ihr Erbe an. Sie verwalteten die Hofmark jedoch von St. Martin aus.
Im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges von 1705 bis 1714, und nach dem Frieden von Teschen kam Sigharting mit dem Innviertel (damals Innbaiern) zu Österreich. Im Jahre 1784 wurde die Pfarre Sigharting gegründet. Im Zuge der Napoleonischen Kriege wurde der Ort von französischen Truppen besetzt (Friede von Schönbrunn) und am 29. September 1810 zusammen mit dem übrigen Innviertel entsprechend dem Pariser Vertrag an Bayern übergeben. Während dieser Konflikte des 18. und 19. Jahrhunderts blieb Sigharting von Kriegshandlungen weitgehend verschont. In den Napoleonischen Kriegen diente das Schloss 1809 als Lazarett für französische Soldaten, wobei es beinahe aus Unachtsamkeit ein Raub der Flammen geworden wäre. Weiters sind aus dieser Zeit einige Berichte über Plünderungen durch Soldaten überliefert. Entsprechend den Vereinbarungen am Wiener Kongress und insbesondere durch den Vertrag von München gehört der Ort seit dem 1. Mai 1816 endgültig wieder zu Österreich ob der Enns.
Die politische Gemeinde Sigharting wurde im Jahre 1850 gegründet. Sie entstand aus den beiden Katastralgemeinden Sigharting und Thalmannsbach, nachdem die Pläne der Bildung einer Großgemeinde, bestehend auch aus den heutigen Gemeinden Diersbach und Enzenkirchen mit Gemeindesitz in Sigharting gescheitert waren. Am 24. Mai 1882 brach ein Brand in Sigharting aus, bei dem 10 Häuser im Ort ein Raub der Flammen werden. Am 11. November 1897 brannte der Ortsteil Wurmsdobl mit 5 Häusern komplett ab.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Die im Gemeindegebiet von Sigharting liegende Panker-Villa () zählt zum Kreis jener Objekte im Bezirk Schärding, die während der Zeit des Nationalsozialismus arisiert wurden. Hier lebte bis 1938 der Händler Lipot Pauli (= Leopold Paul) Panker (* 1886) mit seiner aus Sigharting stammenden Frau Anna, geb. Ritzberger (* 1888), die auch Eigentümerin der Liegenschaft war. Panker war ein getaufter Jude und stammte ursprünglich aus Mindzent in Ungarn.Silvia Rapberger: Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Oberösterreich, Diplomarbeit, Universität Wien 2013 (), S. 216. Als Anna Panker vom Haus vertrieben wurde, sagte sie „Wir werden schon verreisen, aber wir werden in eurem Blute baden!“Österreichische Mediathek: Oral History Interview von Roger Michael Allmannsberger mit der Zeitzeugin mit Mathilde Pöcherstorfer, 8. Teil, 2011 (online) Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.
Bevölkerungsentwicklung
Die Bevölkerungszahl der Gemeinde Sigharting belief sich seit den ersten zuverlässigen Volkszählungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts stets auf etwa 700 Einwohner. Ab den 1960er Jahren setzte ein leichter, doch merklicher Anstieg ein, sodass sich die Bevölkerungszahl heute bei etwa 800 Einwohnern eingependelt hat. Seit 1991 hat Sigharting eine negative Wanderungsbilanz, die aber großteils durch die positive Geburtenbilanz ausgeglichen werden kann.
Religion Laut Volkszählung 2001 ergibt sich für die Gemeinde Sigharting folgende Verteilung der Religionszugehörigkeit: Der mit Abstand größte Anteil der Bewohner, nämlich 92,3 %, sind römisch-katholischen Glaubens. Zweitgrößte Gruppe sind Mitglieder der Islamischen Glaubensgemeinschaft (4,7 %), gefolgt von Personen ohne Glaubensbekenntnis (1,7 %). Die übrigen Glaubensrichtungen kommen insgesamt auf einen Anteil von 1,3 %.
Geschichte der Pfarre Sigharting mini|Karte der Pfarre Sigharting Die Geschichte der Pfarre Sigharting geht zurück ins 18. Jahrhundert. Im Jahre 1784 wurde im Zuge des Josephinismus aus der Altpfarre Taufkirchen die Pfarre Diersbach gelöst, und Sigharting dieser neuerrichteten Pfarre zugeteilt. Bereits ein Jahr später, also im Jahr 1785, wurde Sigharting als eigenständige Pfarre ins Leben gerufen. Ausschlaggebend dafür dürften der Widerstand der Bevölkerung gegen die Umpfarrung nach Diersbach, die Größe Sighartings und die bereits bestehende Infrastruktur (Schlosskapelle, Poststraße) gewesen sein. Die neugegründete Pfarre umfasste mit Ausnahme des Ortsteils Loh (Hacking 8–10) die heutige politische Gemeinde Sigharting sowie die Ortsteile Unterholzen und Kindling der Pfarre Diersbach. 1786 wurde der Pfarre der Enzenkirchner Ortsteil Oberhaigen angeschlossen, sowie im Jahr 1871 der Hof Angsüß Nr. 1/2 (Hofname Aichinger, Gemeinde Diersbach). Seit der Einpfarrung des Ortsteils Loh im Jahre 1952 blieb das Pfarrgebiet unverändert.
Heute gehört die Pfarre zum Dekanat Andorf der Diözese Linz.
im Amt ab Name Sterbejahr, -ort 1785 Johann Georg Witzmann † 1816 in St. Martin/I. 1791 Johann Berger † 1819 in Zell/Pram 1804 Martin Schwendinger † 1814 in Sigharting 1814 Anton Robert Holzinger † 1816 in Willishausen 1816 Benedikt Obermayr † 1853 in Diersbach 1826 Johann Nep. Aichinger † 21. März 1832 in Sigharting 1832 Vinzenz Schwediauer † 14. September 1846 in Sigharting 1847 Carl Kiederle † 1903 in Schärding 1859 Simon Hartinger † 1906 in Aurolzmünster 1873 Franz X. Schaffelner † 1895 in Taufkirchen/P. 1878 Franz X. Lang † 1905 in St. Martin/I. 1891 Konrad Eberhard † 1940 in Kefermarkt 1906 Alois Asamer † 1919 in Hochburg 1910 Oskar Wimmer † 1949 in Haselbach 1915 Karl Kienbauer † 1939 in Pregarten 1925 Franz Auleitner † 1932 in Sigharting 1933 Karl Bruneder † 1968 in Grieskirchen 1953 Karl Gabriel † 1968 in Bad Mühllacken 1963 Johann Voggenberger † 11. Februar 2008 in Sigharting 1999 vakant (Provisor: Tadeusz Kret) 2006 vakant (Provisor: Franz Gierlinger)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Schloss Sigharting von Norden