Panthera gombaszoegensis ist eine ausgestorbene Großkatzenart, die während des Pleistozäns vor rund 2,5 Millionen bis vor 300.000 Jahren Eurasien bewohnte. Der größte Teil der Funde stammt aus Europa, sie streuen aber über Westasien und Zentralasien bis nach Ostasien. In der Regel beschränkt sich das Fossilmaterial auf Teile des Schädels und Gebisses, wesentlich seltener werden Reste des Körperskelettes gefunden. Anhand der Funde lässt sich eine mittelgroße Großkatze rekonstruieren, vergleichbar in den Ausmaßen heutiger kleinerer Löwen und Tiger. Der Körperbau war allgemein robust. Vermutlich handelt es sich um einen generalistischen Beutegreifer, der sowohl geschlossene wie auch offene Landschaften als Jagdgründe nutzte. Die Art wurde im Jahr 1938 wissenschaftlich eingeführt. Eine Zeitlang galt sie als Nahverwandter des Jaguars und wurde entweder als eigenständige eurasische Vorform oder als Unterart der südamerikanischen Großkatze geführt. Im Deutschen bürgerte sich daher auch die Bezeichnung „Europäischer Jaguar“ als Trivialname ein. Phylogenetische Untersuchungen aus dem Jahr 2022 legen jedoch eine engere Beziehung mit dem Tiger nahe.
Merkmale Panthera gombaszoegensis war ein mittelgroßer und robust gebauter Vertreter der Eigentlichen Großkatzen. Anhand der Schädel verschiedener Fundstellen wurde dieser zwischen 27 und 32 cm lang, was deutlich geringer ist als beim Höhlenlöwen (Panthera spelaea) mit knapp 41 cm, aber größer als bei heutigen mittelgroßen pantherinen Katzen wie dem Leoparden (Panthera pardus), Schneeleoparden (Panthera uncia) und Jaguar (Panthera onca) mit 18 bis 27 cm. In Seitenansicht war der Schädel am Stirnprofil abweichend vom Leoparden und Jaguar weniger deutlich gerundet, sondern auffallend gewinkelt wie es etwa beim Tiger (Panthera tigris) und Löwen (Panthera leo), aber auch beim Schneeleoparden der Fall ist. In Aufsicht zeigte sich der Hirnschädel weniger gewölbt, vergleichbar zu dem des Tigers. Das Rostrum war ebenfalls in Aufsicht kurz und breit, jedoch nicht so deutlich wie beim Tiger. Es vermittelte eher zu den kleineren pantherinen Formen, bei denen die Schnauze verhältnismäßig länger und schmaler ist. Seine Seitenkanten verliefen bei Panthera gombaszoegensis weitgehend parallel und nicht nach hinten eingeschnürt wie beim Tiger. Einige Besonderheiten finden sich an den Suturen der Schädelknochen. So überragte das hintere Ende der Nasenbein-Stirnbein-Verbindung jenes der Stirnbein-Oberkiefer-Verbindung, lediglich beim Schneeleoparden ist das Verhältnis umgekehrt. Die hintere Kontaktstelle zwischen dem Stirnbein und dem Scheitelbein wiederum lag jenseits der Schädeleinschnürung hinter den Orbita. Gleiches ist vom Tiger, jedoch nicht vom Löwen bekannt. Wiederum in Ansicht von oben trat der Warzenfortsatz seitlich markant hervor. Ähnliches ist vom Tiger und Löwen bekannt, weniger aber von den kleineren Großkatzen. Der Stirnbein-Fortsatz hinter der Orbita ragte bei Panthera gombaszoegensis weniger stark seitlich aus, vergleichbar zu anderen Panthera-Arten mit Ausnahme des Schneeleoparden. Ebenso standen die Jochbögen weit auseinander, ihre Spanne betrug bis zu 20 cm. Das Hinterhauptsbein war in Aufsicht auffallend gerundet und wies hier Übereinstimmungen mit dem des Löwen auf. In Seitenansicht zog der Knochenkamm des Hinterhauptsbeines nach hinten aus, was den Verhältnissen beim Tiger, weniger beim Jaguar entspricht. Außerdem nahm er eine recht hohe Position ein, was von den kleineren pantherinen Katzen abweicht. Die Gelenke zur Verbindung mit der Halswirbelsäule waren außerordentlich groß und übertrafen verhältnismäßig jene anderer Großkatzen einschließlich des Amerikanischen Löwen (Panthera atrox).
mini|Unterkiefer von Panthera gombaszoegensis Der Unterkiefer war robust gebaut. Der horizontale Knochenkörper variierte kaum an Höhe, im Verhältnis zu den Zähnen war er massiver als etwa beim Tiger. Die Unterkante verlief leicht konvex ähnlich wie beim Löwen und abweichend vom Tiger mit einer konkaven Kante. Der Gelenkfortsatz saß wie üblich bei Katzen sehr tief. Der Winkelfortsatz am hinteren Ende setzte sich nur wenig merklich ab und war nicht so markant nach unten ausgezogen, wie es beim Tiger der Fall ist. In der Gebissstruktur ähnelte Panthera gombaszoegensis weitgehend den anderen Arten der Gattung Panthera. Das Gebiss umfasste 30 Zähne mit drei Schneidezähnen, einem Eckzahn, drei Prämolaren und einem Molaren in der oberen Zahnreihe, die untere wies einen Prämolaren weniger auf. Auffallend waren vor allem am Eckzahn senkrechte Rillen an der Außenkante, die unter anderem vom heutigen Jaguar nicht bekannt sind. Zwischen dem Eckzahn und dem hinteren Gebiss spannte sich ein ausgedehntes Diastema. Generell waren die vorderen Prämolaren niederkronig, was die pantherinen Katzen von den felinen unterscheidet. Spezielle Merkmale an den hinteren Zähnen liegen nur wenige vor, die die einzelnen Panthera-Arten voneinander unterscheiden. Am hinteren unteren Prämolaren kamen bei Panthera gombaszoegensis vergrößerte zusätzliche Höckerchen vor ähnlich zum Löwen und zum Jaguar. Ebenso analog zum Jaguar und zum Leoparden, aber im Unterschied zum Tiger und Schneeleoparden, entsprach oder übertraf der letzte untere Prämolar den Molaren an Länge. Im Vergleich zum Jaguar war das gesamte Gebiss bei Panthera gombaszoegensis relativ schlank gebaut.
Das postcraniale Skelett ist zumeist nur fragmentarisch überliefert. Es war aber deutlich robust gestaltet, was an den überlieferten Langknochen erkennbar ist. Gleiches gilt für die Hand- und Fußknochen, vor allem die Metapodien, die einen kurzen und massiven Bau besaßen, deutlicher als bei den meisten anderen pantherinen Katzen.
Fossilfunde Fossilfunde von Panthera gombaszoegensis sind weit über Eurasien gestreut, die meisten Lokalitäten finden sich im westlichen Teil. Allein hier liegen mehr als 90 Fundstellen vor. Die Art gehört zu den frühesten Vertretern der Großkatzen, die in Eurasien nachweisbar sind, weitaus früher noch als deutlich bekanntere Angehörige wie der Mosbacher Löwe (Panthera mosbachensis) oder der Höhlenlöwe. Auf eine mögliche afrikanische Herkunft weisen einzelne Kieferfragmente aus Ahl al Oughlam bei Casablanca in Marokko, die in den Übergang vom Pliozän zum Pleistozän vor rund 2,5 Millionen Jahren datieren, deren genaue Zuweisung aber nicht eindeutig ist. Einer der ältesten Belege in Eurasien findet sich mit einem Unterkiefer aus der bedeutenden paläoanthropologischen Lokalität von Dmanisi in Georgien, dessen Alter gut 1,8 Millionen Jahren beträgt. Nahezu ähnlich alt können Funde aus Tegelen und Langenboom, beide in den Niederlanden, eingestuft werden. Während letztere Fundstelle nur einen einzelnen Zahn hervorbrachte, sind von ersterer unter anderem mehrere Unterkiefer belegt. Mit rund 1,6 Millionen Jahren nur wenig jünger sind Funde aus Olivola in Italien. Weitere bedeutende Fossilien datieren in das späte Altpleistozän und das frühe Mittelpleistozän. Genannt werden kann hier Untermaßfeld in Thüringen, von wo rund zwei Dutzend Schädel-, Gebiss- und Gliedmaßenreste von Panthera gombaszoegensis herstammen. Sie gehören dem Epivillafranchium an mit absoluten Alterswerten zwischen 1,2 und 0,9 Millionen Jahren. Mit einem Unterkiefer aus Achalkalaki blieb die Art zu dieser Zeit auch weiterhin in der Kaukasusregion präsent. Darüber hinaus liegen weitere Funde aus Mitteleuropa (Mosbacher Sande, Deutschland), Westeuropa (La Belle-Roche, Belgien, Maasvlakte, Niederlande oder Westbury-Sub Mendip, Großbritannien), Südwesteuropa (Atapuerca, Spanien) sowie Südosteuropa (Petralona, Griechenland) vor. Von besonderer Bedeutung ist hier die Kalkbrekzie von Château Breccia im Burgund, aus der mehr als 400 Fossilreste von einem halben Dutzend Individuen geborgen wurden. Sie decken einen längeren Zeitraum des frühen Mittelpleistozäns ab und sind in den jüngeren Ablagerungen mit Funden des Höhlenlöwen vergesellschaftet. Die Spätphase des Auftretens von Panthera gombaszoegensis wird unter anderem durch einen Zahn aus der Biśnik-Höhle im südlichen Polen oder durch Einzelzähne und Gliedmaßenteile aus der Kudaro-Höhle in Georgien angezeigt. Vermutlich starb die Großkatze vor 350.000 bis 300.000 Jahren aus.
Außerhalb des europäischen Raumes sind Nachweise von Panthera gombaszoegensis vergleichsweise rar. Einzelne Hinweise liegen mit postcranialen Skelettelementen aus ʻUbeidiya in Israel und aus Ti's al Gadah in Saudi-Arabien vor, deren Altersdaten vom Altpleistozän bis zur zweiten Hälfte des Mittelpleistozäns reichen. Hervorzuheben ist der Unterkiefer von Lachuti in Tadschikistan in Zentralasien, der in das ausgehende Altpleistozän gehört. Des Weiteren sind noch Schädelreste vom Fluss Haro im nördlichen Pakistan zu nennen, die mit rund 1,4 Millionen Jahren aber deutlich älter datieren. Ein Unterkiefer aus der Jinyuan-Höhle bei Dalian im nordöstlichen China ist dem gegenüber wieder früh-mittelpleistozänen Alters. Aus der etwa gleichalten „Kedung-Brubus-Fauna“ von Java wurde ein Unterkieferfragment berichtet, was wiederum den ersten Beleg der Art aus Südostasien wäre.
Paläobiologie mini|Lebendrekonstruktion von Panthera gombaszoegensis Panthera gombaszoegensis erreichte nicht die Ausmaße einiger anderer pleistozäner Großkatzen wie der Höhlenlöwe. Anhand der altpleistozänen Funde aus Untermaßfeld ließ sich in Bezug auf verschiedene Skelettelemente ein Körpergewicht von 90 bis 180 kg (Zähne) beziehungsweise 160 bis 170 kg (Langknochen) ermitteln. Die Werte, die an den Langknochen gewonnen wurden, liegen durchschnittlich 20 kg höher als die an den Zähnen errechneten. Unter Hinzuziehung weitere Fundstellen, wie den individuenreichen Komplex der Château Breccia im Burgund aus dem Mittelpleistozän mit vergleichbaren Werten, kann so ein Gewicht von 90 und 210 kg bei einem Mittelwert von 130 bis 140 kg angenommen werden. Exemplare aus zeitlich älteren Fundstellen scheinen hierbei allerdings durchschnittlich etwas leichter gewesen zu sein und kamen auf etwa 70 bis 100 kg Körpergewicht. Die Gewichtsannahmen übertreffen die Werte des heutigen Jaguars und des Leoparden. Sie sind in etwa vergleichbar mit einigen Unterarten des Tigers, etwa der Indochinesische Tiger oder des Löwen, hier der Asiatische Löwe. Für die Kopf-Rumpf-Länge können 120 bis 170 cm als wahrscheinlich angesehen werden. An den Funden aus Tegelen ließen sich auffallende Variationen in den Maßen einzelner Zähne und Knochen feststellen. Möglicherweise bestand daher bei Panthera gombaszoegensis ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus. Ein solches Phänomen ist vor allem beim heutigen Löwen bekannt, der in größeren sozialen Verbänden lebt und bei dem die männlichen Individuen teils erbittert um die weiblichen kämpfen. Da aber auch der weitgehend einzelgängerisch lebende Leopard gewisse Größenvariationen zwischen den Geschlechtern aufweist, erlaubt ein allgemeiner Dimorphismus keine Rückschlüsse auf die spezielle soziale Lebensweise bei Panthera gombaszoegensis.