mini|Die roten Schuhe von Dorothy (Design: Gilbert Adrian) im National Museum of American History
Der Zauberer von Oz (Original The Wizard of Oz), im deutschsprachigen Raum auch bekannt unter dem Alternativtitel Das zauberhafte Land, ist ein Filmmusical mit Fantasy-Elementen aus dem Jahr 1939 mit Judy Garland in der Hauptrolle des Mädchens Dorothy. Er ist als einer der großen amerikanischen Farbfilme in Dreistreifen-Technicolor berühmt und Teil des Weltdokumentenerbes der UNESCO.Paul Nathanson: Over the Rainbow: The Wizard of Oz as a Secular Myth of America. 1991, S. 28 books.google.de Als Vorlage diente das Kinderbuch Der Zauberer von Oz von Lyman Frank Baum.
Handlung Die junge Dorothy lebt in Kansas bei ihrer Tante Emily und ihrem Onkel Henry auf einer Farm. Befreundet ist sie mit den drei erwachsenen Farmarbeitern Hunk, Hickory und Zeke. Eines Tages läuft Dorothy davon, um ihren geliebten Hund Toto davor zu bewahren, ihr von der unfreundlichen Almira Gulch weggenommen zu werden, die den Hund als Bedrohung sieht. Dabei trifft Dorothy auf den freundlichen Schausteller Professor Marvel. Dieser findet heraus, dass Dorothy weggelaufen ist und bei ihrer liebevollen Tante lebt, und überredet sie, wieder heimzugehen, indem er behauptet, mit seinen hellseherischen Fähigkeiten wahrzunehmen, dass Tante Emily aus Sorge um Dorothy krank würde. Als Dorothy sich auf den Heimweg macht, zieht ein Sturm auf. Zuhause auf der Farm bringen sich alle in einem Schutzkeller in Sicherheit. In diesem Moment erreicht Dorothy die Farm und sucht im Haus nach ihrer Familie. Im Haus fällt ihr ein herausgerissenes Fenster auf den Kopf, woraufhin sie bewusstlos wird. Als sie wieder zu sich kommt, sieht sie, dass der Wirbelsturm das Holzhäuschen erfasst hat, es in die Höhe reißt und so Dorothy und Hund Toto mitsamt dem Haus in das magische Land Oz transportiert.
In Oz angekommen, landet Dorothy mit dem Haus genau auf der bösen Hexe des Ostens, die das nicht überlebt. Die gute Hexe Glinda erscheint und warnt Dorothy vor der bösen Hexe des Westens, die versuchen wird, ihre Schwester zu rächen und Dorothy die mächtigen magischen roten Halbschuhe abzunehmen. Diese trug eigentlich die böse Hexe des Ostens an ihren Füßen, doch sobald sie von Dorothy mit dem Haus erschlagen wurde, erschienen die Schuhe auf magische Weise an Dorothys Füßen. Zwar feiert das kleinwüchsige Volk der Munchkins, das von der Hexe unterdrückt wurde, Dorothy für den Tod der Hexe und erklärt sie zur Nationalheldin, doch diese will nur wieder heim nach Kansas. Glinda sagt ihr, Hilfe könne sie vom Zauberer von Oz bekommen. Diesen könne sie einfach finden, indem sie der gelben Steinstraße bis zur Smaragdstadt folge.
So begibt sich Dorothy auf den Weg dorthin und trifft auf ihrer Wanderung auf die Vogelscheuche, die statt nur Stroh im Kopf gerne Verstand hätte, den Zinnmann, der seine hohle Brust gern mit einem Herz füllen möchte, und den ängstlichen Löwen, der sich mehr Mut wünscht. Mit diesen drei Begleitern muss das Mädchen sich einiger Hinterhalte der bösen Hexe erwehren. So treffen sie auf ein Mohnfeld, in dem Dorothy, Toto und der Löwe in einen tiefen Schlaf fallen. Da erscheint kurz Glinda und lässt es schneien, wodurch die in Tiefschlaf Verfallenen wieder erwachen. Das Quartett erreicht die Smaragdstadt, wo sie zwar freundlich empfangen, aber nicht zum herrschenden Zauberer von Oz vorgelassen werden sollen. Nachdem Dorothy in Tränen ausgebrochen ist, weil sie ihre Tante Emily nicht wiedersehen wird und sie annimmt, diese sei im wahrsten Sinne krank vor Sorge, lässt die Wache sie aus Mitleid zum Zauberer in den Thronsaal. Der Zauberer erscheint ihnen als schwebender Kopf in einer Rauchsäule mit bedrohlich lauter Stimme. Er sagt, er werde ihnen ihre Wünsche erfüllen, wenn sie ihm den Besen der bösen Hexe brächten.
So macht sich das Quartett erneut auf den Weg. Als sie im verwunschenen Wald ankommen, schickt die böse Hexe, die die Reisenden mit ihrer Kristallkugel beobachtet hat, ihre Armee geflügelter Affen, die Dorothy entführt. Um sich der roten Halbschuhe zu bemächtigen, will sie Dorothy töten. Doch anstatt entmutigt aufzugeben, rücken Dorothys Begleiter alleine bis zur Burg der Hexe vor, um Dorothy zu retten. Dank einiger Listen, die sich die Vogelscheuche ausgedacht hat, und dem Löwen, der das verbliebene Trio mutig in die Burg führt, gelingt es ihnen, Dorothy aus dem Zimmer, in dem sie gefangen gehalten wird, zu befreien. Beim Versuch, aus der Burg zu fliehen, werden sie von der Hexe und ihren Wachen in die Enge getrieben. Die Hexe möchte Dorothy nun umso mehr leiden lassen, indem sie zuerst ihre Begleiter und erst danach sie tötet. Als sie das Stroh der Vogelscheuche in Brand setzt, greift Dorothy zu einem Eimer Wasser und löscht die Vogelscheuche. Dabei überschüttet sie versehentlich auch die Hexe mit Wasser. Daraufhin schmilzt die Hexe zu einer Pfütze ein. Die Wachen lassen das Quartett schließlich mit dem Besen der Hexe in die Smaragdstadt zurückkehren.
Wieder in der Smaragdstadt angekommen, treten die vier wieder vor den Zauberer, der, überrascht darüber, dass das Quartett seine Aufgabe erfolgreich bewältigt hat, einen Tag lang nachdenken möchte, ob er ihnen hilft. Da entdeckt das Quartett zufällig, dass hinter einem Vorhang jemand versteckt ist. Es zeigt sich, dass der Zauberer eigentlich gar kein echter Zauberer ist, sondern ein Jahrmarktschausteller aus Kansas, der sich Oz nennt und sein Gesicht mittels einer speziellen Apparatur, die auch seine Stimme verstärkt, in eine Rauchsäule projiziert. Vor Jahren hat es Oz mit einem Heißluftballon in das Zauberland verschlagen. Er kann dennoch die Wünsche des Quartetts erfüllen. Er erklärt der Vogelscheuche, dass es, wo er herkomme, viele Menschen gäbe, die als sehr schlau angesehen würden, obwohl sie nicht mehr Verstand hätten als die Vogelscheuche, deren cleveren Einfällen Dorothys Rettung zu verdanken ist. Sie unterschieden sich von der Vogelscheuche nur dahingehend, dass ihnen ihr Verstand von einer Universität bescheinigt wurde. So schenkt der Zauberer der Vogelscheuche ein Diplom als Symbol für ihren Verstand. Dem Löwen erklärt er, dass sich, wo er herkomme, viele Leute für ihren Mut feiern ließen, die nicht mehr Courage hätten als der Löwe. Das einzige, was sie vom Löwen unterschiede, der durch seinen Mut maßgeblich zu Dorothys Rettung beigetragen hat, sei, dass ihnen ihr Mut durch einen Orden bestätigt wurde. So schenkt er dem Löwen einen Orden als Symbol für seinen Mut. Dem Zinnmann erklärt er, dass es, wo er herkomme, viele gute Menschen gäbe, die nicht mehr Herz hätten, als er bei der Rettung Dorothys gezeigt hätte. Um dies zu symbolisieren, schenkt er dem Zinnmann eine schlagende Uhr in Herzform an einem Band zum Umhängen.
Dorothys Wunsch will er erfüllen, indem er sie persönlich mit seinem Ballon zurück nach Kansas bringt. Bevor er losfliegt, benennt er noch die Vogelscheuche, den Löwen und den Zinnmann öffentlich zu seinen Vertretern, bis er womöglich eines Tages wiederkehre. Als Dorothy zum Zauberer in den Ballon-Korb steigen möchte, löst sich der Ballon und fliegt ohne sie davon. Dorothy glaubt nun, nie mehr heimzukommen, was sie sehr traurig macht, denn obwohl sie sich in Oz sehr wohlfühlt, ist es ihr sehnlichster Wunsch, wieder heimzukehren. Da erscheint Glinda und erklärt ihr, dass sie nur die Hacken der roten Halbschuhe drei Mal zusammenschlagen und sich nach Hause wünschen müsse. Sie konnte ihr das nicht vorher sagen, da Dorothy zuerst, wie ihre drei Begleiter, alleine feststellen müsse, was ihr sehnlichster Wunsch sei. Dorothy schlägt die Hacken der magischen roten Halbschuhe zusammen und denkt dabei „Es ist nirgendwo so schön wie daheim“.
Nachdem Dorothy ihren sehnlichsten Wunsch, wieder nach Kansas heimzukehren, formuliert hat, erwacht sie in einem Bett in einem Haus in Kansas, mit ihrer Tante Emily und ihrem Onkel Henry an ihrer Seite. Als sie den beiden von ihren Abenteuern in Oz erzählen möchte, wiegeln diese ab und sagen, das sei nur ein Traum gewesen.
Besetzung und Synchronisation Mehrere Schauspieler verkörpern eine Rolle in Kansas sowie ein Pendant dazu in Oz. Beispielsweise übernahm Frank Morgan sogar fünf Rollen. Die deutsche Synchronfassung von 1951 stammt vom MGM Synchronisations-Atelier Berlin.Thomas Bräutigam: Stars und ihre deutschen Stimme. Lexikon der Synchronsprecher. Marburg 2009. Im Gegensatz zu den deutschen Buchausgaben, in denen der Holzfäller eindeutig aus Blech besteht, übersetzt die deutschsprachige Synchronfassung Tin-Man als „Zinnmann“, was falsch ist, da Zinn nicht rosten kann.
Rolle Darsteller Synchronsprecher Dorothy Gale, ein Mädchen aus Kansas Judy Garland Margot LeonardProfessor Marvel, ein Schausteller in KansasOz, der Zauberer von OzTorwächter der SmaragdstadtKutscher in der SmaragdstadtWachmann vor dem Gebäude des ZauberersFrank MorganGeorg ThomallaHunk, Arbeiter auf der FarmDie VogelscheucheRay BolgerHerbert WeißbachHickory, Arbeiter auf der FarmDer ZinnmannJack HaleyWalter BluhmZeke, Arbeiter auf der FarmDer LöweBert LahrAlfred BalthoffMiss Almira Gulch, eine reiche Frau aus KansasDie böse Hexe des WestensMargaret HamiltonGertrud Spalke oder Ursula DiestelGlinda, die gute Hexe des NordensBillie BurkeAgnes WindeckAunt Em (Emily), Dorothys TanteClara BlandickAnneliese WürtzUncle Henry, Dorothys OnkelCharley GrapewinNikko, Anführer der fliegenden AffenPat WalsheHauptmann der Hofgarde der bösen HexeMitchell LewisPeter PeterszToto, Dorothys HundTerry Das Volk der Munchkins (Auswahl) Bürgermeister der Munchkins Charlie Becker Coroner der Munchkins Meinhardt Raabe Berater des Bürgermeisters Billy Curtis Lollipop-Munchkins Jakob Gerlich, Jerry Maren, Harry Earles Ballett-Munchkins Yvonne Moray, Olga Nardone, Nita Krebs Geiger/Stadtschreier/Soldat Mickey Carroll Trompeter/Soldat/schlafendes Kind Karl Slover Dorfbewohnerin Daisy Earles ein Teil der Munchkins The Singer Midgets (eine Theatergruppe) Produktionshintergrund mini|Cover der Erstausgabe von Baums Zauberer von Oz im Jahr 1900 Der im Jahr 1900 erschienene Kinderbuchklassiker Der Zauberer von Oz von Lyman Frank Baum war das erste erfolgreiche Kinderbuch seiner Art eines US-Amerikaners. Es war bereits während der Stummfilmzeit mehrmals verfilmt worden, zuletzt 1925 von Komiker Larry Semon.
Der Film kostete seinerzeit 2,777 Millionen US-Dollar.Zu den Kosten des Films (englisch); abgerufen am 11. März 2013. Inflationsbereinigt stellt dies heute etwa einen Gegenwert von Mio. US-Dollar ( Mio. Euro; Mio. Schweizer Franken) dar. Damit war das Budget selbst für die Verhältnisse von Metro-Goldwyn-Mayer, die von den Hollywood-Studios in der Regel die teuersten Filme drehten, außergewöhnlich hoch.
Nachdem zunächst Richard Thorpe die Regie übernommen hatte, wurde er nach einigen Wochen durch Victor Fleming ersetzt. Das führte dazu, dass die Kosten für den Film eskalierten und aus Der Zauberer von Oz die teuerste MGM-Produktion seit Ben Hur im Jahr 1925 machten. Victor Fleming führte beim Großteil des Films Regie, nachdem zuvor die Regisseure Norman Taurog und Richard Thorpe kleinere Segmente gedreht hatten. Kurz vor Ende der Dreharbeiten verließ Fleming den Zauberer von Oz, um mit dem von Metro-Goldwyn-Mayer co-produzierten Vom Winde verweht bei einem weiteren Filmklassiker Regie zu führen. Bei Vom Winde verweht war zuvor George Cukor als Regisseur entlassen worden, der selbst zeitweise beratend bei Der Zauberer von Oz in die Produktion involviert war. Die Dreharbeiten beendete schließlich Flemings Freund und Regiekollege King Vidor, der einen großen Teil der in Kansas spielenden Szenen – darunter auch die Szene, in der Judy Garland Over the Rainbow singt – drehte.