Woltmershausen (Plattdeutsch ) ist ein Stadtteil von Bremen und gehört zum Bremer Stadtbezirk Süd.
Geografie und Ortsteile Woltmershausen befindet sich an der linken Seite der Weser im Südwesten der Stadt. Der Stadtteil ist benachbart mit den Stadtteilen Neustadt im Osten sowie Seehausen und Strom im Westen und Süden.
Woltmershausen mini|Woltmershauser Straße (rechts: Weserdeich, mit der Ladestraße), 2009 Fläche: 3,25 km², 10.796 Einwohner
Woltmershausens Ursprünge reichen bis in frühgeschichtliche Zeit zurück. Der Name bezieht sich auf die Siedlung eines Grundherrn namens Woltmer (Woldemar). Im 18. Jahrhundert gab es sechs Vollhöfe, drei Kötner sowie einige Brinksitzer und Häuslinge. Die Einwohnerzahl betrug etwa 300.
Woltmershausen gehörte zum Niedervieland und lag hinter dem Weserdeich. 1666 brannten die Bremer das Dorf bei einer Belagerung der Stadt durch die Schweden nieder, weil es im Vorgelände der Festung lag; beim Wiederaufbau wurden einige Hausstellen zur Sicherung gegen Hochwasser weiter aufgehöht, andere durften nicht wieder bebaut werden. Nur der entfernter liegende Kamphof blieb erhalten, von dem noch heute einer alten Lindenreihe auf dem Friedhof Woltmershausen und der Straßennamen Kamphofer Damm zeugt.
Im 19. Jahrhundert änderte sich die Struktur. Zunächst wurde am Weserufer Schiffbau betrieben, sonstige Industrie hielt nur zögernd Einzug. Die Einwohnerzahl nahm ständig zu, an der Woltmershauser Straße entwickelten sich Ladengeschäfte, Gastwirtschaften und Gewerbebetriebe.
Aufgrund der Nähe des Hafens entstanden Säge- und Hobelwerke der Holzhandlungen. Es siedelten sich auch größere Industriewerke in Woltmershausen an, wie das Gaswerk Woltmershausen und die Tabakfabrik Martin Brinkmann. Südlich auf der Straße Auf dem Bohnenkamp entwickelte sich ein ausgedehntes Parzellengebiet. 1902 wurde Woltmershausen eine eigene Kirchgemeinde (zu Rablinghausen gehörig); zugleich wurde das bisherige Dorf als Stadtteil in Bremen aufgenommen.
Woltmershausen hat heute bei einigermaßen gleichbleibender Bevölkerungszahl etwa 11.000 Einwohner. Die meisten Berufstätigen sind Handwerker, Arbeiter und Angestellte. In sieben Industriebetrieben sind mehr als 4.000 Menschen beschäftigt.
Der Eingang von Woltmershausen war jahrzehntelang geprägt durch einen großen Gasometer am Neustädter Güterbahnhof. Es wurde 1954 erbaut, war nach dem Dom damals das zweithöchste Gebäude und konnte mehr als 100.000 Kubikmeter Stadtgas speichern. Der Turm war grün, jedoch war der obere Teil in Anlehnung an die Bremer Speckflagge mit roten und weißen Rechtecken gestrichen. Dreißig Jahre später wurde er wieder abgerissen.
Rablinghausen Fläche: 1,77 km², 3089 Einwohner
Sehenswert ist die als barocker Saalbau bis 1750 errichtete Dorfkirche Rablinghausen, welche nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde. Bemerkenswert ist das alte Bauernhaus Westerdeich.
Geschichte Name Das Vieland wurde um 1280 als in dem vi lande, um 1297 als Vilant und um 1364 als Vylant erwähnt. Woltmershausen kommt wahrscheinlich von dem sächsischen Siedler Woltimar von Liestmunde, der sich laut einer Urkunde von 1083 auf dem Werder links der Weser angesiedelt hat. Der Volksmund sagt auch Pusdorf zu Woltmershausen. Ob der Name von vorherrschendem starken Wind (es „pustet“) oder dem Familiennamen einer bäuerlichen Großfamilie entstammt ist nicht geklärt. Rablinghausen hieß um 1250 Ratteringhusen und ab 1295 Ratbringhusen. So ähnlich könnte wahrscheinlich eine dort siedelnde Familie geheißen haben.
1200 bis 1900 1244 wurde Woltmershausen und 1250 Rablinghausen erstmals urkundlich erwähnt. Die Orte gehörten zum Goh Vieland, nach dessen Teilung 1598 zum Goh Niedervieland. Zur Sicherung des Ochtumübergangs des Weges von Bremen nach Delmenhorst bei dem südwestlich von Woltmershausen gelegenen Dorf Ware wurde 1309 der Wartuem errichtet, 1577 daneben das Zollhaus, wo der Wegezoll für den aufwändig zu unterhaltenden Damm über die Ochtumniederung erhoben wurde. Es war und ist auch als Gasthaus Storchennest bekannt.
Woltmershausen und Rablinghausen wurden auf Anordnung des Bremer Rates 1666 niedergebrannt, um freies Schussfeld gegen die anrückenden Schweden zu bekommen. Nur zwei Höfe in Rablinghausen bleiben erhalten.
Seit dem 13. Jahrhundert gehörten Woltmershausen und Rablinghausen zum Kirchspiel von St. Martini in Bremen. 1746 wurde für dessen im Niedervieland gelegenen Teil mit den Dörfern Rablinghausen, Woltmershausen, Lankenau, Strom und Neuenland ein eigenes Kirchspiel eingerichtet. 1750 wurde der Neubau einer barocken Saalkirche – der Rablinghauser Kirche – fertiggestellt. 1772 schieden Strom und Neuenland aus dem Kirchspiel wieder aus.
Schule: Auch als Schulstandort war die St. Martini-Gemeinde zuständig, die seit 1690 eine Nebenschule bei der Kirche in Rablinghausen unterhielt. 1848 gab es drei Klassen mit 216 Schülern. Durch die Bevölkerungszunahme wurde die Schule ständig erweitert und sie hatte 1891 8 Klassen. Ab 1871 gab es auch eine ständig wachsende Nebenschule des Kirchspiels an der Woltmershauser Straße mit 20 Klassen im Jahr 1902. 1903 entstand ein Neubau an der Woltmershauser Allee der 1944 zerstört wurde.
Woltmershausen, Rablinghausen und Lankenau hatten 1812 zusammen 660 Einwohner.
Der Neustadtgraben wurde 1840 vertieft. Er diente zur Entlastung der Schlachte und als Winterhafen.
Die Bahnstrecke Oldenburg–Bremen – nunmehr Grenzlinie für Woltmershausen – mit dem Bahnhof Bremen-Neustadt entstand bis 1867. Der Sicherheitshafen bekam einen Gleisanschluss. Die Struktur änderte sich, am Weserufer wurde Schiffbau betrieben, sonstige Industrie folgte.
Der neue Woltmershauser Canal stellte ab 1873 mit dem Sicherheitshafen (ab 1900 Hohentorshafen) eine neue Verbindung zur Weser. Es siedelten sich Gewerbebetriebe an, vor allem Holzfirmen. Die Bremer Lagerhaus Gesellschaft (BLG) fand 1877 hier ihren Gründungsstandort. Das Gewerbegebiet weitete sich nunmehr auf dem Woltmershauser Vordeichsland aus. Der Woltmershauser Sandstrand wurde zu Gunsten der Neustädter Hafen später beseitigt.
Am 1. Januar 1889 wurde die Landgemeinde Lankenau durch die bremische Landgemeindeordnung vom 18. Juli 1888 in die Landgemeinde Rablinghausen eingegliedert.Landgemeindeordnung vom 28. Juli 1888, Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bremen 1888, S. 181 Die Tabakfabrik Martin Brinkmann nahm 1911 die Produktion in Woltmershausen auf und war bis zur Umsiedlung (1984) nach Berlin der größte Arbeitgeber im Stadtteil.
Ab 1900 Zur Jahrhundertwende von 1900 war Woltmershausen ein Wohnort für überwiegend Hafen- und Werftarbeiter geworden. In Rablinghausen blieb der dörfliche Charakter länger erhalten. Das linke Weserufer war mit dem Sandstrand ein beliebter Freizeitbereich vieler Bremer.
1902 fand die Eingemeindung von Woltmershausen in die Stadt Bremen statt. 1905 hatten Woltmershausen, Rablinghausen und Lankenau 7.473 Einwohner. 1905 eröffnete die neue Schule an der Rechtenflether Straße (heute Grundschule) in Woltmershausen mit 12 Klassen den Unterricht. Sie sollte auf bis zu 18 Klassen ausgebaut werden und erhielt 1957 einen Erweiterungsbau. Die neogotische Christuskirche an der Woltmershauser Straße wurde 1906 eingeweiht.
Am 1. April 1921 wurde Rablinghausen in die Stadt Bremen eingemeindet. Lankenau bildete nun wieder eine eigene Landgemeinde.Eingemeindungsgesetz vom 19. März 1921, Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bremen 1921, S. 95 ff.
Die Straßenbahnlinie 7 wurde 1933 bis Rablinghausen-Bakeweg verlängert. Die Wohnungsfürsorgeanstalt der Nazis am Warturmer Platz entstand ab 1936. Die Siedlung war für kinderreiche Gemeinschaftsfremde bestimmt, die zwangsweise eingewiesen wurden.
Am 1. Dezember 1945 wurde die Landgemeinde Lankenau in die Stadt Bremen eingegliedert. 1960 hatte Woltmershausen 18.544 Einwohner. Von 1960 bis 1962 wurde der Neustädter Hafen gebaut und bei Baggerarbeiten konnte in der Weser eine Hansekogge aus dem 14. Jahrhundert geborgen werden. Das alte Dorf Lankenau wurde beim Bau des Hafens vollständig abgetragen.
1960 wurde der 1. Bauabschnitt der Schule an der Butjadinger Straße in Woltmershausen fertiggestellt. Die Gasanstalt wurde 1964 stillgelegt. Der Gasometer blieb bis 1984 stehen. 1965 erfolgte die Stilllegung der Straßenbahnlinie 7 und Busse übernahmen den öffentlichen Nahverkehr. Der Weser-Uferpark vom Lankenauer Höft bis Rablinghausen wurde 1972 fertiggestellt. 1981 erfolgte die Stilllegung der Fährverbindung zwischen Woltmershausen und Gröpelingen/Walle. Mit der Eröffnung des Kulturladens Pusdorf 1982 konnte die soziale und kulturelle Arbeit im Stadtteil neue Impulse erfahren.
Der Bau des Güterverkehrszentrums (GVZ) von 1983 und der Ausbau des Gewerbegebietes stärkte den Wirtschaftsstandort Woltmershausen erheblich. Auf dem 500 Hektar großen Areal haben sich bis 2008 auf 200 ha über 130 Firmen mit über 5.500 Beschäftigten angesiedelt. Die dazu gegründete GVZ Entwicklungsgesellschaft und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Bremer Investitionsgesellschaft (BIG) vertreten die Interessen der Gebietsentwicklung.
Im Frühjahr 2013 wurde die Fährverbindung zum rechten Weserufer reaktiviert. Im saisonalen Wochenendverkehr verbindet die Weserfähre nun das Lakenauer Höft mit dem Einkaufszentrum Waterfront in Gröpelingen und der Überseestadt. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurde auch geprüft, diese Fährverbindung auszubauen und in den regulären Nahverkehr zu integrieren.
Einwohnerentwicklung Orts-/Stadtteil 1812 1855 1905 1955 1975 1995 2007 Woltmershausen 311 956 6.629 9.863 10.852 10.697 Rablinghausen 128 183 844 3.889 3.226 3.103 Stadtteil 439 1.148 7.47317.680 13.752 14.078 13.800
Das Dorf Lankenau hatte 1812 ca. 220 und 1855 ca. 270 Einwohner, die in den Summen und in der Einwohneranzahl von Rablinghausen für 1905 enthalten sind. Ab 1975 durchschnittliche Jahresbevölkerung als Angaben vom Statistischen Landesamt Bremen.
Politik und Verwaltung
Beirat Der Beirat Woltmershausen ist auch für die Ortsteile Hohentorshafen und Neustädter Hafen im Stadtteil Häfen zuständig. Er tagt in der Regel am ersten Montag eines Monats öffentlich im Kulturhaus Pusdorf, Woltmershauser Straße 444. Der Beirat setzt sich aus den auf Stadtteilebene gewählten Vertretern der politischen Parteien oder Einzelkandidaten zusammen. Die Beiratswahlen finden alle vier Jahre statt, zeitgleich mit den Wahlen zur Bremischen Bürgerschaft. Der Beirat diskutiert über alle Belange des Stadtteils, die von öffentlichem Interesse sind, und fasst hierzu Beschlüsse, die an die Verwaltung, die Landesregierung und die Stadtbürgerschaft weitergeleitet werden. Für seine Arbeit bildet er Fachausschüsse. Dem Beirat stehen für stadtteilbezogene Maßnahmen eigene Haushaltsmittel zur Verfügung.
Beiratssprecherin ist Edith Wangenheim (SPD). Ihr Stellvertreter ist Ole Lindemann (CDU).
Ortsamt Für die Stadtteile Neustadt und Woltmershausen und die Ortsteile Hohentorshafen und Neustädter Hafen ist ein gemeinsames Ortsamt als örtliche Verwaltungsbehörde eingerichtet. Ortsamtsleiter ist seit 2022 Uwe Martin.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke mini|hochkant=0.5|Kirche und Friedhof Rablinghausen mini|hochkant=0.5|Christuskirche in Woltmershausen mini|hochkant=0.7|Lankenauer Höft Die evangelische Kirche Rablinghausen am Rablinghauser Deich ist ein Barockbau von Grütter von 1748/50. Sie wurde 1964/65 umgebaut (Koordinaten: ). Die historisierende, evangelische Christuskirche in Woltmershausen an der Woltmershauser Straße geplant von Otto Blendermann und von 1904 bis 1906 gebaut (Koordinaten: ). Das Storchennest an der Warturmer Heerstraße war einst das Zollhaus zwischen Bremen und der Grafschaft Oldenburg. Der Renaissance-Bau von 1577 beherbergt heute ein Gasthaus. Der Warturm wurde 1813 zerstört und 1820 abgetragen.