Tantow ist eine Gemeinde im Landkreis Uckermark im äußersten Nordosten Brandenburgs (Deutschland). Sie gehört zum Amt Gartz (Oder) mit Sitz in der gleichnamigen Stadt.
Geografie Tantow liegt im langgezogenen Tal des Landgrabens, das parallel zwischen den Urstromtälern von Oder und Randow verläuft. Der Salveybach entwässert den Landgraben ab Tantow in südöstlicher Richtung zur Westoder bei Gartz (Oder). Das landwirtschaftlich intensiv genutzte Gelände im Gemeindegebiet ist von niedrigen Endmoränenzügen entlang des Landgrabens geprägt (bis 50 m über NHN). Von kleinen Seen und Tümpeln in den Senken abgesehen, ist der ca. 35 ha große Schloßsee mit der unter Naturschutz stehenden Insel im Ortsteil Damitzow nennenswert. Die nächsten größeren Städte sind Gryfino/Greifenhagen, Stettin, Schwedt/Oder und Prenzlau in 10 km, 25 km, 30 km und 35 km Entfernung. Im Westen wird das Gemeindegebiet vom vorpommerschen Landkreis Vorpommern-Greifswald begrenzt.
Gemeindegliederung Ortsteile:Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Tantow
Schönfeld Tantow
Bewohnte Gemeindeteile: Damitzow Keesow Neuschönfeld Tantow Vorwerk
Wohnplätze: Tantow Ausbau Vorwerk Radekow
Geschichte Tantow mini|hochkant=1.2|Schloss Tantow um 1857/58, Sammlung Alexander Duncker
Die älteste erhaltene Erwähnung von Tantow stammt von 1255. Damals verlieh der Bischof von Cammin, Hermann von Gleichen, dem Stettiner Zisterzienserinnenkloster den Zehnten des Ortes.
1373 wurde das Dorf der Gartzer Stephanskirche zugeordnet. In der Karte von Daniel Friedrich Sotzmann ist der Ort als uckermärkische Enklave Pommerns östlich des Salway Fließes (heute Landgraben) eingezeichnet. Die Grenze ist noch auf dem Messtischblatt von 1880 enthalten. Das im Grenzbereich zwischen Pommern und Brandenburg gelegene Tantow wurde 1479 brandenburgisch und bildete bis 1815 eine brandenburgische Exklave in Pommern.
Das Gut war seit dem Mittelalter im Besitz der Familie von Eickstedt aus dem Hause Rothenklempenow, dessen Stifter der Erbkämmerer Jürgen von Eickstedt (1492–1566) war. Ihm folgte Alexander von Eickstedt (1678–1719), auf Tantow und Radekow, Kammerherr und Stallmeister des Markgrafen Philipp von Brandenburg-Schwedt. Anfang des 17. Jahrhunderts war der Landrat Caspar von Eickstedt auf Koblentz auch der Grundbesitzer auf Tantow. Die Eickstedter besaßen oft mehrere Güter, Tantow oft als Nebensitz, dienten als Offiziere, auch für Schweden, oder als höhere Beamte und verheirateten sich zumeist mit dem pommerschen Adel. Nur kurzzeitige Besitzerwechsel unterbrachen den andauernden Besitz der Eickstedts. Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts gab es ein von Eickstedt-Tantow-Majorat, Nießnutzer Vivigenz Freiherr von Eickstedt. Der Major a. D. der Vorstand des Familienrates des Adelsgeschlechts mit Hauptwohnsitz in Stettin. Der Landesgerichtsdirektor Balduin von Eickstedt (1851–1919) auf Tantow nannte sich Fideikommissherr, seine Erbe wurde der Sohn Major Balduin Dubslaff Richard von Eickstedt (1880–1937) und war Ehrenritter des Johanniterordens. Um 1939 galt nach der letzten Ausgabe des Güteradressbuch Pommern die Witwe Erna von Eickstedt-Tantow, geborene Diederichsen (1888–1949), Tochter des Vize-Admirals Otto Diederichsen, als Besitzerin des Rittergutes mit 703 ha Land. Nach den Angaben des Genealogischen Handbuch des Adels war dies aber seit 1937 der spätere Major d. R. Dr. Klaus von Eickstedt, Sohn des Admirals Rudolf von Eickstedt. Beide literarischen Standardquellen greifen auch auf Selbstangaben zu. Das schlichte neugotische Gutshaus von 1856 war der Sitz des Verwalters oder Pächters; es brannte 1945 ab.Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft 1993, ISBN 3-88042-636-8, S. 192. Die Enteignungen der Bodenreform folgten 1945/1946.
Am 15. August 1843 erhielt der Ort mit dem Bahnhof Tantow an der Berlin-Stettiner Eisenbahn Bahnanschluss. Am 31. Januar 1943 ereignete sich hier ein schwerer Eisenbahnunfall, als nach Fahrdienstleiter- und Rangierfehlern der Schnellzug für Fronturlauber, SF 62, auf zwei Lokomotiven aufprallte. 38 Menschen starben, 16 wurden verletzt.Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Band 1. Landsberg-Pürgen 1979, S. 137.
Die neugotische Backsteinkapelle entstand 1858. Eine der ursprünglich fünf Wassermühlen am Salveybach wurde im ehemaligen Gutspark in Tantow betrieben. Von dieser zum Teil 800 Jahre alten Mühlenkette ist nur die Salveymühle III erhalten (Museum im Nachbarort Geesow, heute ein Ortsteil der Stadt Gartz). Nach der politischen Wende entstand ein Natur- und Freizeitpfad in Tantow (1992). Die Damitzower Kirche wurde 1994 ausgebaut, die Tantower Kirche nach der Restaurierung 2000 neu eingeweiht.
Verwaltungsgeschichte
1817 wurden Tantow und Schönfeld Teil der preußischen Provinz Pommern und dort dem Kreis Randow zugeordnet. Bei der Auflösung des Kreises Randow kamen die Orte 1939 an den Kreis Greifenhagen.
Der Landkreis Randow wurde nach 1945 neu gegründet und dem Land Mecklenburg zugeordnet. Nach der DDR-Kreisreform von 1950 gehörten Tantow und Schönfeld zum Landkreis Angermünde im Land Brandenburg (ab 1952 im Bezirk Frankfurt (Oder)). Seit 1993 liegen sie im brandenburgischen Landkreis Uckermark.
1925 wurde Radekow (heute Ortsteil von Mescherin) in Tantow ein-, 1945 jedoch wieder ausgegliedert.Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Uckermark (PDF) S. 41
Am 31. Dezember 2002 wurde Schönfeld eingemeindet.Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002. StBA.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 314 1890 369 1910 356 1925 1 177 1933 1 018 1939 994 Jahr Einwohner 1946 877 1950 990 1964 904 1971 1 098 1981 854 1985 775 Jahr Einwohner 1990 719 1995 665 2000 630 2005 754 2010 776 2015 763 Jahr Einwohner 2020 772 2021 766 2022 797 2023 783 2024 791 2025 736
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Uckermark (PDF) S. 26–29Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Nach den Ergebnissen des Zensus hatte die Gemeinde 2011 einen Ausländeranteil von 9,6 %. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um polnische Staatsbürger.
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Tantow besteht aus zehn Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Tantower Wählergruppe 45,6 % 5 59,0 % 6 Wählergruppe Freiwillige Feuerwehr Schönfeld 17,1 % 2 24,7 % 2 CDU 14,6 % 1 9,9 % 1 Alle für Tantow 10,7 % 1 6,4 % 1 Wählergemeinschaft Tantow Ortsteil Schönfeld 9,3 % 1 – – Piratenpartei 2,6 % – – – Insgesamt 100 % 10 100 % 10
Bürgermeister 2003–2014: Axel BeckerKommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen (PDF) S. 34 2014–2019: Andreas Meincke (Bürger für Tantow) seit 2019: Silke Natter (Tantower Wählergruppe)
Natter wurde in der Wahl am 26. Mai 2019 mit 61,1 % der gültigen Stimmen zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin gewählt. Sie wurde am 9. Juni 2024 mit 66,1 % der gültigen Stimmen in ihrem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Ihre Amtszeit beträgt fünf Jahre.§ 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
Gemeindepartnerschaft Partnergemeinde in Polen ist die Gmina Bielice im Kreis Pyrzyce in der Woiwodschaft Westpommern.
Sehenswürdigkeiten mini|Tantow, Kirche Siehe: Liste der Baudenkmale in Tantow
Gutskapelle Tantow, 1857 bis 1859 nach einem Entwurf von Friedrich August Stüler erbaut Wasserturm Tantow Bahnhof Tantow Getreidespeicher Tantow
Bei Damitzow steht eine 400–500 Jahre alte Zwillings-Stieleiche, siehe die Liste markanter und alter Baumexemplare in Brandenburg.
Wirtschaft und Infrastruktur Windpark Schönfeld Der Windpark Schönfeld bei Tantow-Schönfeld besteht aus zwölf Windkraftanlagen vom Typ Enercon E-82 mit 138 Metern Nabenhöhe. Die Nennleistung der Generatoren beträgt jeweils 2 MW. Da diese Anlagen einen Rotordurchmesser von 82 Metern haben, verfügen sie über eine Gesamthöhe von 179 Metern. Der Windpark Schönfeld ist somit der Windpark in Brandenburg mit den höchsten Windkraftanlagen mit Türmen geschlossener Bauweise. Der Windpark Spremberg hat zwar höhere Türme, die aber in offener Stahlfachwerkbauweise ausgeführt sind.
Verkehr mini|Bahnhof Tantow, 2013 Tantow liegt an der Bundesstraße 113 zwischen Penkun und dem Grenzübergang Mescherin–Gryfino nach Polen. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle in acht Kilometer Entfernung ist Penkun an der A 11 (Berlin–Szczecin).
Der Bahnhof Tantow an der Bahnstrecke Berlin–Szczecin (Stettin) ist der letzte deutsche Bahnhof vor der Grenze nach Polen. Er wird von der Regionalexpresslinie RE 66 Berlin-Lichtenberg–Szczecin Główny und der Regionalbahnlinie RB 66 Angermünde–Szczecin Główny bedient. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2010 hielt der morgendliche Intercity auf der Relation Stettin–Schiphol in Tantow.
Zwischen 1913 und 1945 zweigte eine Nebenbahn ins sieben Kilometer entfernte Gartz ab.
Söhne und Töchter der Gemeinde Otto Holtz (1845–1925), Politiker, Reichstagsabgeordneter, in Damitzow geboren
Literatur Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern. Band 2. W. Dietze, Anklam 1865, S. 1719–1723 (books.google.de). Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil 8: Uckermark. Böhlau, Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2 (Veröffentlichungen des Staatsarchivs Potsdam 21). Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Flechsig-Buchvertrieb, Würzburg 2002, ISBN 3-88189-439-X, S. 379. Joachim Jacobs, Torsten Volkmann: Damitzow. Gegenwind für einen Gutspark in der Uckermark. In: Brandenburgische Denkmalpflege. Neue Folge, Jahrgang 6, Heft II, S. 42–50 Damitzow; Tantow; In: Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2000, S. 217 und 1040.
Weblinks
Website der Gemeinde Tantow
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Uckermark Kategorie:Ort in Pommern
Kategorie:Ersterwähnung 1255