170px|Programmheft der Olympischen Spiele 1908 Olympische Spiele 1908Medaillenspiegel Leichtathletik Platz Land 16px|Goldmedaillen 16px|Silbermedaillen 16px|Bronzemedaillen Gesamt 1 16 10 8 34 2 7 7 3 17 3 2 – 3 5 4 1 1 4 6 5 1 1 – 2 6 – 3 – 3 7 – 1 2 3 8 – 1 1 2 – 1 1 2 – 1 1 2 11 – 1 – 1 12 – – 1 1 – – 1 1 Bei den IV. Olympischen Spielen 1908 in London fanden 26 Wettkämpfe in der Leichtathletik statt. Austragungsort war das White City Stadium, der Marathonlauf wurde am Windsor Castle gestartet.

Besonderheiten bei der Medaillenvergabe Im Stabhochsprung wurden zwei Gold-, keine Silber- und drei Bronzemedaillen vergeben, im 400-Meter-Lauf alleine eine Goldmedaille und kein weiteres Edelmetall. Im Hochsprung gab es drei Silber-, im Standhochsprung zwei Silbermedaillen und jeweils keine Bronzemedaille. Insgesamt wurden 79 Medaillen vergeben, 27-mal Gold, 27-mal Silber und 25-mal Bronze.

Teilnehmer In den meisten Wettkämpfen konnte jede Nation bis zu zwölf Teilnehmer anmelden. In der Staffel und beim 3-Meilen-Mannschaftsrennen wurde pro Land jeweils eine Mannschaft zugelassen, beim Staffellauf waren bis zu vier Ersatzläufer gestattet. Im Teamrennen über die Langstrecke gingen je fünf Athleten pro Nation an den Start, wobei nur die ersten drei gewertet wurden.

Zugelassen waren wie schon bei den drei Spielen zuvor nur Männer. Frauen konnten erst ab 1928 teilnehmen.

Wettbewerbe Im Wettkampfangebot gab es wieder eine Reihe von Änderungen. Aus dem Programm genommen wurden folgende Disziplinen: 60-Meter-Lauf, 200-Meter-Hürdenlauf, Standdreisprung, Gewichtweitwurf, Dreikampf, Zehnkampf. Vorübergehend gab es also keinen Mehrkampf mehr. Dieser wurde jedoch 1912 wieder aufgenommen. Neu ins Programm kamen: 5-Meilen-Lauf (8047 m) – erste Einzellangstrecke auf der Bahn, olympische Staffel (2 × 200 m, 1 × 400 m, 1 × 800 m) – eine erste Staffel überhaupt, 3500-Meter-Gehen, 10-Meilen-Gehen (16.093 m) – die beiden ersten Gehwettbewerbe, Speerwurf – und zwar gleich mit zwei Varianten: Mittelgriff sowie freier Griff. Im Diskuswurf kam einmalig bei Olympischen Spielen ein sogenannter griechischer Stil zur Austragung – Näheres dazu in der Disziplinbeschreibung unten. Der Hindernislauf wurde über eine Streckenlänge von 3200 Metern ausgetragen, der Mannschaftslauf über 3 Meilen (4828 m).

Die Wettkämpfe standen ausschließlich Amateuren offen und wurden gemäß den Bestimmungen der Amateur Athletic Association, dem damaligen britischen Leichtathletikverband, durchgeführt. Zu diesen Bestimmungen gehörte das Verbot, einen anderen Läufer zu behindern – eine Regel, die beim 400-Meter-Lauf eine wichtige Rolle spielen sollte.

Sportliche Erfolge Die Nationenwertung nahm nach dem völlig einseitigen Ausgang bei den Olympischen Spielen 1904 wieder ein schon etwas gewohntes Bild an. Mit sechzehn Goldmedaillen lag die USA sehr deutlich vorn. Aber immerhin konnten die Briten sieben Olympiasiege erringen. Goldmedaillen gab es darüber hinaus nur noch für Schweden (2), Kanada (1) und Südafrika (1).

Erfolgreichster Teilnehmer war der US-Amerikaner Mel Sheppard. Er gewann beide Mittelstrecken und war Schlussläufer der siegreichen olympischen Staffel. Vier zweifache Olympiasieger gab es in London: Martin Sheridan, USA – Gold in beiden Diskuswurfwettbewerben, dazu noch Bronze im Standweitsprung George Larner, Großbritannien – Gold in beiden Wettbewerben im Gehen Ray Ewry, USA – Gold in beiden Wettbewerben im Standspringen Eric Lemming, Schweden – Gold in beiden Wettbewerbe im Speerwurf. Mit Raymond Ewry beendete ein herausragender Sportler seine olympische Karriere als Spezialist für alle Standsprungwettbewerbe. Er gewann hier in London seine insgesamt siebte und achte Goldmedaille, die er bei drei Olympischen Spielen seit 1900 errungen hatte. Er entschied sämtliche Standsprungkonkurrenzen, die bisher jemals bei Olympischen Spielen ausgetragen worden waren, für sich. In seiner Jugend war er von Kinderlähmung betroffen, war auf einen Rollstuhl angewiesen und hatte zur Überwindung dieser Erkrankung seine Beinmuskulatur trainiert, was schließlich mit zu seinen großen Erfolgen beitrug. Der US-Amerikaner John Flanagan errang seine dritte Hammerwurfgoldmedaille hintereinander und hatte damit sämtliche olympische Hammerwurfkonkurrenzen gewonnen, seitdem diese Disziplin im Jahr 1900 ins olympische Programm gekommen war.

Resultate 100 m

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Reggie Walker 10,8 ORe 2 James Rector 10,8 (geschätzt) 3 Robert Kerr 11,0 (geschätzt) 4 Nate Cartmell 11,2 (geschätzt) Datum: 20. bis 22. Juli

Am Start waren sechzig Läufer aus sechzehn Ländern. In siebzehn Vorläufen wurden die Teilnehmer der Zwischenläufe ermittelt. Dabei schied unter anderem der schwedische Weltrekordhalter Knut Lindberg aus. Die jeweiligen Sieger der vier Zwischenläufe qualifizierten sich für das Finale. Dort legte der Südafrikaner Reggie Walker einen Blitzstart hin. Der US-Amerikaner James Rector konnte bei Hälfte der Distanz zu ihm aufschließen und es schien, als könne er Walker überholen. Doch Walker konterte diesen Angriff, zog davon und gewann mit einer Zehntelsekunde Vorsprung – Walkers eigentliche Zeit betrug 10,7 s, wurde nach den damaligen Bestimmungen jedoch offiziell auf 10,8 s aufgerundet. Eine ähnlich knappe Entscheidung gab es beim Kampf um die Bronzemedaille, den der Kanadier Robert Kerr mit wenigen Zentimetern Vorsprung vor dem US-Amerikaner Nate Cartmell für sich entschied.

200 m

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Robert Kerr 22,6 2 Robert Cloughen 22,6 3 Nate Cartmell 22,7 4 George Hawkins 22,8 Datum: 21. bis 23. Juli

An diesem Wettbewerb nahmen 43 Läufer aus fünfzehn Ländern teil. Vorgesehen waren fünfzehn Vorläufe, in zweien davon gab es jeweils nur einen einzigen Läufer, da die anderen ihre Anmeldung zurückgezogen hatten. Die Vorlaufsieger traten in vier Zwischenläufen gegeneinander an, deren Gewinner sich für das Finale qualifizierten. Der Kanadier Robert Kerr konnte nach einem schnellen Kurvenlauf seinen knappen Vorsprung bis ins Ziel retten und gewann überraschend die Goldmedaille. Der US-Amerikaner Cloughen hatte sich mit einem Hechtsprung über die Ziellinie geworfen, verfehlte den Sieg jedoch um wenige Zentimeter.

400 m mini|hochkant=0.9|Olympiasieger im Alleingang: Wyndham Halswelle

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Wyndham Halswelle 50,0 DSQ John Carpenter Behinderung seines Kontrahenten DNS William Robbins John Taylor Datum: 20. bis 23. und 25. Juli

Es traten 36 Läufer aus elf Ländern zu diesem Wettbewerb an. Vorgesehen waren sechzehn Vorläufe; in einem von ihnen war überhaupt kein Läufer erschienen und in einem zweiten war nur ein Athlet am Start. Die Vorlaufsieger traten in vier Zwischenläufen gegeneinander an, bei denen jeweils der Schnellste sich für das Finale qualifizierte.

Das Finale des 400-Meter-Laufs am 23. Juli gehört zu den umstrittensten Ereignissen der olympischen Geschichte. Eingangs der Zielgerade führte der US-Amerikaner William Robbins, wurde aber von seinem Landsmann John Carpenter und vom Briten Wyndham Halswelle überholt. Carpenter drängte Halswelle nun heftig nach außen und kam als Erster ins Ziel. Nach amerikanischen Regeln war dies erlaubt, doch die maßgeblichen britischen Regeln sahen ein striktes Behinderungsverbot vor. Nach heftigen Diskussionen und einer Verhandlung am Abend wurde Carpenter disqualifiziert.

Das Finale wurde zwei Tage später neu angesetzt, diesmal war die Strecke mit vier einzelnen Bahnen markiert. Doch die beiden US-Amerikaner William Robbins und John Taylor solidarisierten sich mit ihrem disqualifizierten Landsmann Carpenter und verzichteten auf den Start, um gegen den Entscheid der Jury zu protestieren. Somit war Halswelle der einzige Teilnehmer, lief in lockeren 50,0 s ins Ziel und erhielt die Goldmedaille. Die Silber- und Bronzemedaille wurde nicht vergeben.

800 m

Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Mel Sheppard 1:52,8 WR 2 Emilio Lunghi 1:54,2 3 Hanns Braun 1:55,2 4 Ödön Bodor 1:55,4 5 Theodore Just 1:56,4 6 John Halstead k. A. Clarke Beard DNF Ivo Fairbairn-Crawford Datum: 20. und 21. Juli

Für diesen Wettbewerb hatten sich 38 oder 39 Läufer aus elf Ländern gemeldet. Es gab acht Vorläufe, deren Sieger sich direkt für das Finale qualifizierten. Die US-amerikanische Delegation hatte erfolgreich dagegen protestiert, dass ihre stärksten Läufer – Mel Sheppard und John Halstead – bereits im Vorlauf aufeinander trafen. Im Finale führte zunächst der Brite Ivo Fairbairn-Crawford; er hatte sich dabei aber so verausgabt, dass er das Rennen am Ende der ersten Runde aufgeben musste. Sheppard ging an die Spitze, schüttelte seine Verfolger ab und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. Er gewann die Goldmedaille und unterbot James Lightbodys olympischen Rekord um 3,2 Sekunden. Gleichzeitig war dies ein neuer Weltrekord. Im Kampf um Platz drei fing Hanns Braun den stark abbauenden Theodore Just ab und wehrte den Schlussangriff durch Ödön Bodor ab.

1500 m mini|hochkant=1.2|Finaleinlauf mit Melvin Sheppard an der Spitze als Olympiasieger

Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Mel Sheppard 4:03,4 ORe 2 Harold Wilson 4:03,6 3 Norman Hallows 4:04,0 4 John Tait 4:06,8 5 Ivo Fairbairn-Crawford 4:07,6 6 Joe Deakin 4:07,9 DNF James Sullivan Ernest Loney Datum: 13. und 14. Juli

44 Läufer aus fünfzehn Ländern nahmen an diesem Wettbewerb teil. In den Vorläufen qualifizierten sich jeweils die Sieger für das Finale. Diese Regelung hatte zur Folge, dass der Italiener Emilio Lunghi mit 4:03,8 min ausschied. Seine Zeit hätte im Finale für eine Medaille gereicht, doch Lunghi war in seinem Halbfinale lediglich Zweiter hinter Norman Hallows gewesen. Für seine Leistung erhielt Lunghi immerhin ein Ehrendiplom und gewann eine Woche später über 800 Meter die Silbermedaille. Auf den ersten fünfhundert Metern des Finallaufs führte Ivo Fairbairn-Crawford, der jedoch zurückfiel. Eine Dreiergruppe, bestehend aus Harold Wilson, Norman Hallows und Mel Sheppard, übernahm die Spitze. Bis wenige Meter vor dem Ziel führte Weltrekordler Wilson, bevor ihn Sheppard mit seinem Schlussspurt noch abfing. Auch Hallows hatte nur geringen Rückstand auf Wilson und setzte sich gegenüber einer zweiten Dreiergruppe, in der außer ihm noch der Kanadier John Tait und Ivo Fairbairn-Crawford liefen, im Kampf um Bronze klar durch. Mel Sheppard egalisierte den von Hallows im Halbfinale aufgestellten olympischen Rekord und gewann seine erste Goldmedaille dieser Spiele.

5 Meilen (8047 m) mini|hochkant=0.9|

Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Emil Voigt 25:11,2 OR 2 Edward Owen 25:24,0 3 John Svanberg 25:37,2 4 Charles Hefferon 25:44,0 5 Archie Robertson 26:13,0 6 Frederick Meadows k. A. 7 John Fitzgerald 8 Frederick Bellars Datum: 15. und 18. Juli

Für diesen Wettbewerb waren 35 Läufer aus vierzehn Ländern gemeldet. Die Qualifikation für das Finale erfolgte in sechs Halbfinalläufen. Deren Sieger sowie die vier schnellsten Zweitplatzierten kamen ins Finale. Während des Finallaufs gab es mehrmals Wechsel an der Spitze. Nach der ersten Meile führte Edward Owen mit einer Zwischenzeit von 4:46,2 min. Danach übernahm der Südafrikaner Charles Hefferon die Führung. Er passierte die 2-Meilen-Marke in 9:54,2 min und die 3-Meilen-Marke nach 15:05,6 min. Nach vier Meilen lag der Schwede John Svanberg mit einer Zeit von 20:19,2 min vorne. Der Brite Emil Voigt hatte sich bis dahin taktisch geschickt im Hintergrund gehalten, sprintete siebenhundert Meter vor dem Ziel jedoch nach vorne, überholte seine Konkurrenten und gewann schließlich mit über zwölf Sekunden Vorsprung.

Marathon

Platz Athlet Land Zeit (h) 1 John Hayes 2:55:18,4 OR 2 Charles Hefferon 2:56:06,0 3 Joseph Forshaw 2:57:10,4 4 Alton Welton 2:59:44,4 5 William Wood 3:01:44,0 6 Frederick Simpson 3:04:28,2 7 Harry Lawson 3:06:47,2 8 John Svanberg 3:07:50,8 Datum: 24. Juli

mini|hochkant=1.4|Der völlig entkräftete Dorando Pietri wurde von Ärzten und Kampfrichtern über die Ziellinie geschoben