Kogl im Burgenland () ist ein Dorf im Burgenland, das seit 1971 zur Großgemeinde Pilgersdorf gehört. Die Ortschaft liegt im äußersten Südwesten des Bezirks Oberpullendorf in der Hügellandschaft Bucklige Welt, einem Ausläufer der Alpen. Das kleine Dorf liegt am Hang eines Kogels, einem kegelförmigen Berg. Das typische Straßendorf hat Einwohner (Stand ), liegt auf einer Seehöhe von 599 m und hat eine Größe von rund 518 ha.
Zum Ortsgebiet von Kogl gehört auch die östlich gelegene Rotte Anger, bis nach dem Zweiten Weltkrieg noch als Weidefläche für die Hausschweine genutzt.
Lage
Entfernungsangaben (Straßenkilometer) Oberpullendorf: 26 km, Bezirkshauptort Oberwart: 23 km, Zentrum des südlichen Burgenlandes, wichtiger Einkaufsort Bad Tatzmannsdorf: 17 km, Therme und Erholungsort Kirchschlag in der Buckligen Welt: 12 km, Passionsspielstadt in Niederösterreich, wichtiger Zentraler Ort (Geschäfte, Postamt, Restaurants, Disco, Schwimmbad) Eisenstadt: 72 km, Landeshauptstadt Wien: 112 km, Bundeshauptstadt Wiener Neustadt: 58,5 km, Zentrum des südlichen Niederösterreich Graz: 110 km, Landeshauptstadt der Steiermark Ungarn: 18 km, Grenzübergang Rattersdorf
Geschichte
mini|hochkant|Die Kirche von Kogl, geweiht dem heiligen Oswald. mini|Sonnenuntergang in Kogl im September 2022. © Andrea Grosinger
Ende des 16. Jahrhunderts hat man im Herrschaftsgebiet von Lockenhaus großflächige Rodungen durchgeführt, wobei der Grundherr Franz II. Nádasdy (1555–1604) vor allem Untertanen aus Pilgersdorf, Bubendorf, Deutsch Gerisdorf und Salmannsdorf bei der Robot (Frondienst für den Grundherrn) zum Einsatz brachte. Allerdings war die Bewirtschaftung der in Kogl gelegenen Flächen mehr als umständlich, weil diese von den genannten Ortschaften vier bis acht Kilometer entfernt waren. Daher beschloss der Grundherr, in diesem sehr entlegenen Rodungsgebiet eine Siedlung anzulegen, die im Urbar der Burg Lockenhaus im Jahr 1597 als „Kukli“ im Komitat Eisenburg erwähnt wird. Folgende vier Höfe werden genannt, zu denen jeweils ein Feld gehörte: Czan Florian mit Pehm Stefell, Knor Stefell, Hodbogner Hansli und Arthofer Bendli. Ähnliche Rodungsinseln entstanden in Lebenbrunn und Steinbach. Dem Urbar ist auch zu entnehmen, dass die Ortschaften Kogl, Lebenbrunn und Steinbach vom Pilgersdorfer Gericht (Gemeindevertretung) mitbetreut wurden.Vgl. dazu ausführlich: 400 Jahre Kogl im Burgenland 1597–1997. Eisenstadt 1997. Die heute übliche Ortsbezeichnung ist erstmals für das Jahr 1596 als „Kogli“ belegt, als es zu einer großen Grenzbegehung der diversen Grundherren dieses Raumes kam (Franz Nadasdy, Christoph von Königsberg, Franz Batthyany, Adolf Puchheim, Christoph Erdödy und Thomas Szechy).Pilgersdorf 1225–1975. Festschrift 750 Jahre. Kirchschlag 1975, S. 62. Um ca. 1660 erfolgte die Loslösung von Pilgersdorf, im Jahr 1789 wurde Kogl zudem zunächst eine Lokalkaplanei und wenig später sogar eine eigene Pfarre, die auch für Lebenbrunn und die katholischen Bewohner der mehrheitlich evangelischen Ortschaft Redlschlag zuständig wurde. Mit der kirchlichen Trennung war auch die schulische Loslösung von Pilgersdorf verbunden.http://www.pilgersdorf.at/die-ortsteile/kogl.html Die alte Schule wurde 1875 gebaut, das neue Schulgebäude im Jahr 1967 errichtet.Pilgersdorf 1225–1975. Festschrift 750 Jahre, S. 63. Dem Theresianischen Urbar aus dem Jahr 1767 ist zu entnehmen, dass die bitterarmen 26 Kogler Höfe trotz der steinigen Böden zu folgenden Diensten und Abgaben an die Grundherrschaft verpflichtet waren: 408 Tage Handrobot oder 204 Tage Zugrobot mit zwei Stück Vieh für die Grundherrschaft, 17 Gulden als Ausgleich für das Neuntl (neunter Teil der Ackerfrüchte), 26 Gulden Hauszins, 25 Pfund a 0,56 kg Garn, 34 Hühner, 162 Eier, 4¼ Klafter (ca. 15 m³) Brennholz.
Kogl wählte als Gemeinde entsprechend seiner Wirtschaftsstruktur durchwegs bäuerliche Symbole für seine Siegel: Sense, Rechen, Pflug, Getreidegarbe und Gans.400 Jahre Kogl im Burgenland 1597–1997. Eisenstadt 1997, S. 50–52 Das Parzellenprotokoll der Gemeinde Kogl (ungarisch Kupfalva), Kronland Ungarn, Komitat Vas (Eisenburg) mit Sitz in Szombathely, Militärdistrikt Ödenburg (= Sopron; existierte nur in den Jahren 1850–1860), Steueramt Güns (= Kőszeg) aus dem Jahr 1857 zählt insgesamt 36 Häuser. Große Teile des Ortes wurden bei einem Großbrand im Jahr 1863 zerstört.400 Jahre Kogl im Burgenland 1597–1997. Eisenstadt 1997, S. 58f.
Das Lebensmittelgeschäft wurde bis in die Nazizeit von der dann deportierten und ermordeten jüdischen Familie Kopfstein betrieben. 1851 hatte Salomon Kopfstein aus Lackenbach, aus einer esterházyschen Schutzjudenfamilie stammend, in Lockenhaus ein Gemischtwarengeschäft eröffnet, seine Brüder Abraham und Isak ließen sich in Unterrabnitz und Pilgersdorf nieder, von wo aus die Idee entstand, einem der Söhne eine Existenzgrundlage in Kogl zu schaffen.http://www.atlas-burgenland.at/index.php?option=com_content&view=article&id=384:lockenhaus&catid=9&Itemid=126 Elektrisches Licht gibt es in Kogl seit dem Jahr 1951, Telefon und Ortswasserleitung seit 1957.Pilgersdorf 1225–1975. Festschrift 750 Jahre, S. 64. Kogl wurde im Zuge von Gemeindezusammenlegungen im Jahr 1971 mit den Ortschaften Pilgersdorf, Lebenbrunn, Deutsch Gerisdorf, Salmannsdorf, Bubendorf und Steinbach Teil der neuen Großgemeinde Pilgersdorf.
Das Lebensmittelgeschäft wurde in den 1980er Jahren aufgegeben, die Volksschule Ende des Schuljahres 1977/78 zugesperrt, weil die Schülerzahl auf 11 gesunken war. Knapp nach der Jahrtausendwende wurde auch das Wirtshaus geschlossen. Die mangelnden wirtschaftlichen Perspektiven in der kleinstrukturierten Landwirtschaft und fehlende Arbeitsplätze in den anderen beiden Wirtschaftssektoren in der näheren Umgebung führten zu einer massiven Abwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Seit dem überraschenden Tod von Pfarrer Werner Gruber im Jahr 2008 steht das Pfarrhaus leer und wurde zunächst vom Pilgersdorfer Pfarrer mitbetreut. Im Jahr 2015 wurde das Pfarrhaus renoviert, trägt den Namen Komit (Kogler Mitte) und dient nun als Standort für Feiern (wie beispielsweise für den Kirchenchor oder auch für die Agapen nach der Messe bei Schlechtwetter). Seit September 2015 bilden die Pfarren Lockenhaus, Pilgersdorf, Kogl, Piringsdorf und Unterrabnitz, mit den Filialen sind es nicht weniger als 16 Gemeinden, einen großen Pfarrverband, dem der Lockenhauser Pfarrer vorsteht.http://pfarrepilgersdorf.wix.com/pfarrepilgersdorf Die Zahl der Gottesdienstbesucher ging in den letzten Jahren ganz massiv zurück, allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen und den Tod regelmäßiger Kirchgänger widerspiegelnd.
Erst in den 1990er Jahren wurden die Straßen im Ort asphaltiert und Gehsteige angelegt. In den 2000er Jahren wurden auch für die Häuser, welche sich im Wald in der Nähe des Sportplatzes befinden, Straßenbeleuchtungen errichtet. Konflikte mit der Leitung der Großgemeinde in Pilgersdorf führten zu eigenständigen Lösungen bei der Kanalisation des Ortes und der Trinkwasserversorgung (Gründung der Wasser- und Abwassergenossenschaft Kogl unter Obmann Alois Weber). Die Ableitung der Dachabwässer wurde hingegen von der Gemeinde vorgenommen. Das leerstehende Schulgebäude wurde im Jahr 2014 verkauft. Der Bürgermeister versprach der Bevölkerung in einem Rundschreiben, den Erlös von 75.000 Euro größtenteils im Ort zu investieren. Trotz des Verkaufs stünde einer eventuellen Erweiterung des Feuerwehrhauses nichts im Weg, das Aufstellen des Festzeltes zum Beispiel am Kirtag werde weiterhin möglich sein.Rundschreiben des Bürgermeisters der Großgemeinde Pilgersdorf an die Kogler Bevölkerung, Juli 2014. Im Jahr 2015 wurde dann die Einfahrt zur ehemaligen Schule neu angelegt, wodurch Parkplätze und ein Bereich für einen geplanten Zubau des Feuerwehrhauses geschaffen wurden.Bei uns dahuam. Zeitschrift der ÖVP Großgemeinde Pilgersdorf Dezember 2015, S. 9.
Politik Im Gegensatz zur Großgemeinde Pilgersdorf, die von der ÖVP dominiert wird, ist in Kogl die SPÖ stärker. Bei den Nationalratswahlen im Jahr 2013 erhielt die SPÖ 50 Prozenthttp://wahl.bgld.gv.at/wahlen/nr20130929.nsf/vwORTNav/7194, bei den Landtagswahlen im Jahr 2015 48,7 Prozent.http://wahl.bgld.gv.at/wahlen/lt20150531.nsf/vwORTNav/7194 Bei den Nationalratswahlen 2017 gewann die SPÖ 52,9 % der Stimmen, erzielte dann im Jahr 2019 bei den vorgezogenen Neuwahlen 46,8 %; 2024 waren es 44,1 %. Bei den Landtagswahlen des Jahres 2020 gewann die SPÖ wie im ganzen Bundesland stark dazu und erhielt 72 %, im Jahr 2025 dann 64,5 %.
Bürgermeister
Michael Heißenberger, Nr. 5, 1920–1927 (Christlichsoziale Partei) Johann Heißenberger, Nr. 2, 1927–1931 (Christlichsoziale Partei) Rudolf Weber, Nr. 29, 1931–1938 (Christlichsoziale Partei, ab 1934 Vaterländische Front) Franz Gschirts, Nr. 6, 1938–1945 (NSDAP) Rudolf Weber, Nr. 29, 1945–1949 (ÖVP) Josef Hummel, Nr. 31, 1949–1955 (ÖVP) Peter Kallinger, Nr. 12, 1955–1959 (ÖVP) Michael Heißenberger, Nr. 21, 1959–1967 (ÖVP) Josef Heißenberger, Nr. 2, 1967–1971 (ÖVP)
Ortsvorsteher ab 1971 Seit der Auflösung der Gemeinde Kogl 1971 hatte Kogl Ortsvorsteher, die von den jeweiligen Pilgersdorfer Bürgermeistern eingesetzt wurden: Josef Heißenberger, Nr. 2 (ÖVP) Franz Weber, Nr. 29 (ÖVP) Karl Weber, Nr. 13 (ÖVP) bis 2005 Josef Heißenberger, Nr. 18 (ÖVP) 2005–2012 Waltraud Weber, Nr. 61 (ÖVP)http://www.pilgersdorf.at/fileadmin/gemeindenachrichten/2007/RS_6_A4.pdf 2012–Juli 2014 Leopoldine Weber, Nr. 67 (ÖVP)http://www.pilgersdorf.at/fileadmin/gemeindenachrichten/2012/RS_5_A4.pdf ab 1. August 2014 interimistisch Bürgermeister Ewald Bürger (ÖVP)BVZ vom 30. Juli 2014/Nr. 31, S. 18. – Oktober 2017 ab Oktober 2017 Alexandra Heißenberger, Nr. 18 (ÖVP)
Bevölkerung und Wirtschaft Im Jahr 1883 zählte man in Kogl 36 Häuser mit 224 Seelen.Pilgersdorf 1225–1975. Festschrift 750 Jahre, S. 63. Im Jahr 1925 gab es im Ort dann 41 Häuser, aber nur mehr 188 Einwohner. Im Jahr 1975 lebten in den nunmehr 56 Häusern 161 Bewohner. Mit Stand vom 6. Dezember 2025 wurden nur mehr 90 Hauptwohnsitze gezählt.https://www.pilgersdorf.at/fileadmin/user_upload/Ausgabe_4_Dezember_2022_neu.pdf Wie in der gesamten Großgemeinde ist die Einwohnerzahl rückläufig, wobei Kogl mit seiner Geburten- und Wanderungsbilanz die mit großem Abstand negativste Dynamik aufweist. In den letzten 140 Jahren hat die Ortschaft rund 60 Prozent ihrer Einwohner eingebüßt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in der Zwischenkriegszeit sind viele Kogler nach Amerika ausgewandert oder haben in Großstädten wie Wien eine neue Heimat gefunden. Zahlreiche Ortsbewohner wurden seit den 1960er-Jahren zu Wochenpendlern, ihr Beruf als Maurer, Kranführer, Zimmerer, Kraftfahrer oder Hilfsarbeiter führte sie zum Teil durch ganz Österreich. Im Ort selbst gibt es keine, in der näheren Umgebung nur wenige Arbeitsplätze, sodass die berufstätige Bevölkerung mehr oder weniger zur Gänze zum täglichen Auspendeln gezwungen ist. Straßen führen über die benachbarte Ortschaft Redlschlag (höchster Punkt des Burgenlands und Standort des nächstgelegenen Wirtshauses) und Bernstein Richtung Oberwart ins südliche Burgenland, in die andere Richtung über Lebenbrunn und Steinbach nach Kirchschlag in der Buckligen Welt in Niederösterreich (14 Kilometer entfernt), das eine wichtige Funktion als Zentraler Ort innehat (z. B. nächstes Postamt). Eine weitere Verbindung, die Kogler Landesstraße L 346, führt ins rund fünf Kilometer entfernte Pilgersdorf, Sitz der Gemeindeverwaltung, Standort des nächstgelegenen Lebensmittelgeschäfts und von Kindergarten und Volksschule für alle sieben Ortschaften der Großgemeinde. Dreimal in der Woche kommen zwei Bäcker mit ihren Lieferautos in den Ort und ermöglichen an bestimmten Stellen den Einkauf.
Der Anteil der Pensionisten ist sehr hoch, zahlreiche Häuser stehen inzwischen leer, andere werden nur in Ferienzeiten oder an Wochenenden als Zweitwohnsitz genutzt. In den letzten 30 Jahren sind zahlreiche junge Kogler weggezogen.