miniatur|Der Garten der Gerechten unter den Völkern Die Liste der Gerechten unter den Völkern aus Tschechien führt in alphabetischer Reihenfolge jene Tschechen auf, die von der Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Titel Gerechter unter den Völkern geehrt wurden.
Hintergrund Die seit 1918 bestehende Tschechoslowakei wurde durch das nationalsozialistische Deutschland seit 1938 systematisch destabilisiert und schließlich dem deutschen Machtbereich einverleibt. Nach der Zerschlagung und Besetzung der Tschechoslowakei durch die deutsche Wehrmacht am 15. März 1939 verkündete Adolf Hitler tags darauf die Errichtung des „Reichsprotektorats Böhmen und Mähren“. In Prag wurde die Zentralstelle für jüdische Auswanderung geschaffen und fast die gesamte jüdische Bevölkerung des Protektorats im KZ Theresienstadt interniert und von dort zumeist weiter in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Von etwa 82.000 aus dem Protektorat deportierten Juden überlebten nur rund 11.200.
Israel hat nach der Staatsgründung 1948 den Ehrentitel Gerechter unter den Völkern () eingeführt, um nichtjüdische Einzelpersonen zu ehren, die unter nationalsozialistischer Herrschaft während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten.
129 Tschechen und Tschechinnen erhielten bisher für die Rettung jüdischer Mitbürger den Titel Gerechter unter den Völkern.
Liste
Die Liste richtet sich grundsätzlich nach den Angaben der Liste der Gerechten unter den Völkern aus Tschechien von Yad Vashem, wobei jedoch die Schreibweise der für die tschechische Sprache charakteristischen Buchstaben (wie etwa das „š“, das in der Liste von Yad Vashem als „s“ auftaucht) angepasst wurde. In einigen Fällen ist die nationale Zugehörigkeit der jeweiligen Gerechten nicht eindeutig. Dies betrifft besonders häufig Menschen, die Yad Vashem in der Liste der Gerechten aus der Slowakei führt, andere Quellen aber als „Tschechen“ bezeichnen. Beide Nationalitäten waren zum Zeitpunkt der Rettungstaten noch nicht getrennt, sondern Staatsangehörige der – deutsch besetzten – Tschechoslowakei, die sich 1992 in die Staaten Tschechien und Slowakei auflöste.
Die Liste ist alphabetisch nach Nachnamen geordnet. Hinter dem Namen ist – soweit bekannt – das Geburts- und das Sterbedatum angegeben sowie der Ort der Rettung, der Grund und das Jahr der Ehrung. Quelle der Informationen ist die Righteous Among the Nations Database der Gedenkstätte Yad Vashem.
NameGeborenGestorben Ort der RettungGrund der Ehrung JahrPragKarla Andelová, die Besitzerin einer Schneiderei aus Prag, beschäftigte nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Tschecho-Slowakische Republik am 15. März 1939 ihren jüdischen Freund Ferdinand Weiss in ihrer Schneiderei. Beide waren im Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv, versteckten zahlreiche Juden zeitweise im Keller und bewahrten zudem in ihrer Wohnung das Eigentum deportierter Juden auf. Beide wurden von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und Karla Andelová wurde danach fünfeinhalb Jahre lang in Gefängnissen in Prag und Dresden, im KZ Theresienstadt und im KZ Ravensbrück festgehalten und mehrfach gefoltert. Im Konzentrationslager kümmerte sie sich um einen kleinen jüdischen Jungen ohne Eltern und nahm in nach der Befreiung mit nach Prag. Auch ihr jüdischer Freund Ferdinand Weiss wurde in verschiedene Konzentrationslager deportiert, überlebte und kehrte nach Prag zurück. Beide heirateten und wanderten nach Israel aus.1978VrtboFrantišek Babor und seine Frau Maria Baborová aus Vrtbo im Bezirk Pilsen versteckten 1945 den Juden Shraga Nitzberg in ihrem Haus und organisierten für vier jüdische Kameraden Nitzbergs weitere Verstecke in Vrtbo. Nitzberg hatte das KZ Auschwitz überlebt und war nach dem Todesmarsch ins KZ Buchenwald und danach an die tschechische Grenze mit seinen Kameraden geflohen. František Babor hatte die Fliehenden entdeckt und seine Hilfe angeboten.1991Vrtbo1991MartinovceLeopold und Antonia Bačovský, ein Ehepaar mit elf Kindern aus Martinovce, nahm von Ende 1942 für drei Jahre das einjährige jüdische Kleinkind Josef Danziger bei sich auf. Die Mutter des Jungen, Nechama Danziger, war Anfang 1942 ermordet worden und sein Vater, Yehoshua Danziger, hatte den Sohn zu den Bačovskýs gebracht und sich einer Partisaneneinheit angeschlossen.1995Martinovce1995KZ AuschwitzDr. Anna Binder-Urbanová, eine ehemalige Mitarbeiterin des tschechischen Außenministeriums in Prag, die 1941 von der Gestapo verhaftet wurde und zunächst ins KZ Ravensbrück und dann in KZ Auschwitz deportiert worden war, konnte als Sekretärin des Versuchszentrums für Kautschukpflanzen von Dr. Joachim Caesar sechs jüdischen Biologen und einer Chemikerin, Claudette Bloch-Kennedy, zu günstigen Haftbedingungen verhelfen. Außerdem organisierte sie Vorträge, Gruppendiskussionen, unterrichtete Sprachen und wurde durch ihre humane Haltung zu einer Quelle der Hoffnung und Inspiration.1967BrnoDer Rechtsanwalt Karel Bisom und seine Frau Milada aus Brünn nahmen 1939 nach der deutschen Besetzung das Kleinkind Milada Ondráčková, die Tochter des minderjährigen tschechischen Mädchens Jiřina Ondráčková und des 25-jährigen jüdischen Jurastudenten Simon Daenemark bei sich auf.2001Brno2001Ghetto TheresienstadtJosef Bleha, der Besitzer eines Zigarettenladens in der Stadt Theresienstadt, betätigte sich als Mittelsmann zwischen den Juden, die sich bereits im Ghetto Theresienstadt befanden, und ihren Familienangehörigen außerhalb. Er überbrachte Geld und Essen und tauschte Nachrichten aus. Bleha bezog auch seine in Prag lebende Verlobte in den Kurierdienst ein, deren Zuhause zu einer Sammelstelle für Nachrichten an die Ghettoinsassen wurde. Unter den Häftlingen im Ghetto half Bleha insbesondere der vierköpfigen jüdischen Familie von Siegfried Katz.1994LibanovkaAnna und Vincenc Bohatý aus dem Dorf Libanovka im Bezirk Dubno versteckten von 1941 bis Kriegsende Mindla Emilia Schwarz, ein jüdisches Mädchen aus ihrer Nachbarschaft.2013Libanovka2013ŘevniceRůžena Šmídová und ihr Adoptivsohn Bohdan Bohun aus dem Dorf Řevnice bei Prag, versteckten ab April 1943 in ihrem Haus die vier Juden Dora Batz und Honza Neumann, die aus dem Ghetto Izbica in Lublin geflohen waren, sowie Max Neumann und Thea Kimlová. Nach vier Monaten wurden die Flüchtigen und ihre Retter von der Gestapo verhaftet, zunächst ins Gefängnis in Kladno und später in die Kleine Festung in Theresienstadt überstellt. Alle überlebten den Krieg.1997ZahradkyAdolf Brchaň, ein Polizist aus dem Dorf Zahrádky, seine Frau Anna Brchaň, ihre Tochter Milada Kolman und ihr Schwiegersohn Josef Kolman versteckten in ihrem Haus von 1943 bis Kriegsende den jüdischen Doktor der Rechtswissenschaften Josef Krautman. Dr. Krautman war Mitglied der tschechischen Untergrundgruppe von Dr. Klouda, die 1942 nach der Ermordung von Reinhard Heydrich, dem Gouverneur des Protektorats Böhmen und Mähren, enttarnt worden war und deren Mitglieder größtenteils verhaftet und hingerichtet worden waren. Dr. Krautman entkam jedoch und es gelang ihm – obwohl er mit Haftbefehl gesucht wurde und eine hohe Belohnung auf ihn ausgesetzt war – nach längerem Umherirren das Haus der Familie Brchaň/Kolman in Zahrádky zu erreichen, das ihm als Unterschlupf von Adolf Brchaňs Bruder, Josef Brchaň, genannt worden war.2003Zahradky2003KnieniczeAlexander Tomíček, ein Bauer aus Knienicze, und seine Tochter Anna Butová kümmerten sich von 1941 bis zur Befreiung von Knienicze durch die Rote Armee um Zvi Goldgamer, einen Juden aus Suwalki. Goldgamer, der 1939 über die tschechische Grenze nach Luck geflohen war, 1941 im Ghetto von Luck konzentriert und einer Gruppe von Straßenarbeitern außerhalb des Ghettos zugeteilt worden war, lernte in Knienicze Alexander Tomíček kennen, konnte auf dessen Bauernhof arbeiten und wurde von diesem nach der Auflösung des Ghettos bis 1944 in seinem Haus und später in einem nahegelegenen polnischen Dorf versteckt.1997KZ RavensbrückVĕra Brůžková, eine zwanzigjährige tschechische politische Gefangene im KZ Ravensbrück, rettete im Winter 1944/1945 Arnošt Rosenzweig, einen siebenjährigen jüdischen Jungen, der mit Typhus im Krankenbau des Lagers lag. Sie brachte ihn in eine Abteilung für nichtjüdische weibliche Häftlinge, wo sie ihn bis Kriegsende versorgte und versteckte.2003OzeryanyOlga und Bohuslav Čepek sowie ihre Tochter Evzenie Vroblová versteckten in Ozeryany fünf jüdische Mitbürger.2021Ozeryany2021SedliceJaroslav Chlup, ein tschechischer Partisan aus Sedlice, und seine Frau Anna Chlupová versteckten und pflegten 1945 in ihrem Haus den verletzten polnischen Juden Herman Feder, der seit Ende 1939 verschiedene Konzentrationslager überlebt hatte und am 20. April 1945 von seinem Transport mit dem Zug nach Bergen-Belsen fliehen konnte.1984Sedlice1984PragVáclav Diviš und seine Frau Karla Divišová aus Prag versteckten in ihrem Haus Anfang 1945 die jüdischen Frauen Erna Fries, Vĕra Kaufmanová und Anka Lenkavičová, denen die Flucht von einem Todesmarsch gelungen war.1999Prag1999MaraticeAlois Dvořák, ein Gastwirt aus Maratice, seine Frau und seine Tochter Marie Dvořáková versteckten 1945 in ihrem Haus Ludmila Haeutler und Božena Haeutler, zwei von vier Kindern der jüdischen Familie Haeutler. Die vier Schwestern hatten zuvor das Ghetto Theresienstadt, das Konzentrationslager Auschwitz und das Konzentrationslager Groß-Rosen in Niederschlesien überlebt und es war ihnen gelungen vom Todesmarsch aus Groß-Rosen im März 1945 zu fliehen.2001Maratice2001PragAntonín Dvořák, Jiří Seydler und Stanislav Zvoniček, Mitglieder einer Prager Untergrundorganisation, versteckten von April bis Mai 1944 den jüdischen Studenten Karel Koerper, der 1942 mit seiner Familie ins Ghetto Theresienstadt deportiert worden war und von dort fliehen konnte.2001PragOlga Fierz, eine gebürtige Schweizerin, die in Prag lebte, unterstützte Přemysl Pitter während der gesamten deutschen Besatzung bei der Betreuung jüdischer und nichtjüdischer Waisenkinder im Milíč-Waisenhaus im Stadtteil Žižkov von Prag. Sie kümmerte sich ebenfalls um jüdische Waisenkinder, die im Genesungsheim in Mýto u Rokycan versteckt waren. Außerdem besuchte sie andere bedürftige jüdische Familien und versorgte sie mit Grundnahrungsmitteln.1966Vence und CreuseJoseph Fišera, ein tschechischer Student in Paris, arbeitete nach der Niederlage Frankreichs für die die tschechoslowakische diplomatische Mission. Es gelang ihm in dieser Funktion, zahlreiche Kinder tschechoslowakischer Nationalität in einer großen Unterkunft in Vence, dem MACE (La Maison d’Acceuil Chrétienne pour Enfants, christliche Aufnahmeheim für Kinder) unterzubringen. Er arbeitete mit den Mitarbeitern der jüdischen Organisation OSE in den Internierungslagern zusammen und rettete mehrere Dutzend jüdische Kinder. In Vence wurden sie als Protestanten registriert.1968Terezin,