mini|hochkant=0.90|Jenny Jugo 1928 auf einer Fotografie von Alexander Binder mini|hochkant=0.9|Grabstätte von Jenny Jugo Jenny Jugo, gebürtig Eugenie Anna Walter (* 14. Juni 1904 in Mürzzuschlag, Österreich-UngarnLandesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Nr. 2/1929; kostenpflichtig abrufbar auf Ancestry.com; † 30. September 2001 in Schwaighofen (Bayern)),Guido Altendorf: S. 26 Ausführliche Biographie beim Filmmuseum Potsdam (PDF; 214 kB) war eine österreichische Schauspielerin.
Leben Jenny Walters Eltern siedelten nach Graz über, als sie fünf Jahre alt war, hier besuchte sie die Volksschule, später die Klosterschule.Filmmuseum Potsdam (siehe Weblinks), S. 1 Im Alter von 16 Jahren heiratete sie den Schauspieler Emo Jugo und folgte ihm zwei Jahre später 1922 nach Berlin,Filmmuseum Potsdam (siehe Weblinks), S. 2 die Ehe hielt jedoch nur ein Jahr. Als 20-Jährige wurde sie 1924 von Ben Blumenthal von der ParamountFilmmuseum Potsdam (siehe Weblinks), S. 2 entdeckt und erhielt einen Vertrag bei der UFA. Bis 1929 spielte sie als Autodidaktin Hauptrollen in 22 Stummfilmen, so 1927 in der Carl-Sternheim-Verfilmung Die Hose sowie in der deutsch-französischen Co-Produktion Casanova von Alexander Wolkow. Als der Tonfilm einsetzte, nahm sie Schauspielunterricht. 1928 spielte Friedrich Benfer (1907–1996) erstmals in dem Film Die Carmen von St. Pauli an ihrer Seite, der ein Jahr später ihr Mann wurde.
Die Komödiantin Jugo spielte in den 1930er Jahren vor allem in den Filmen des BrechtFilmmuseum Potsdam (siehe Weblinks) S. 10 –Freunds und Mitarbeiters Erich Engel die weiblichen Hauptrollen, aber auch unter Willi Forst und neben Heinz Rühmann in Allotria. Das Erik-Charell-Haus im Potsdamer Stadtteil SacrowTagesspiegel.de: Sacrow das verschlafene Idyll bei Potsdam (Am Hemphorn Nr. 5, Architekt: Moritz Ernst Lesser), das er Jugo überließ, ist in Pechmarie (1934) und weiteren Filmen zu sehen. Jugos Mann spielte seine wichtigsten Rollen an ihrer Seite, so in Mädchenjahre einer Königin (1936) als Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.
Mit Joseph Goebbels, der sich als Reichspropagandaminister intensiv um die Filmwirtschaft kümmerte, und mit dessen Familie war sie in dieser Zeit eng befreundet, wie Goebbels’ Tagebüchern zu entnehmen ist.Joseph Goebbels: Die Tagebücher. Teil 1: Aufzeichnungen 1923–1941. Band 3, 1: 1. April 1934 – Februar 1936. Herausgegeben von Elke Fröhlich im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte und mit Unterstützung des Staatlichen Archivdienstes Rußlands. Saur, München 2005, ISBN 3-598-23730-8.
Aufgrund ihrer Beziehung zu dem Filmproduzenten Eberhard Klagemann trennte sich das Paar 1941. Die Scheidung erfolgte jedoch erst 1957, als Benfer eine neue Lebensgefährtin fand. Jugo stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.Jugo, Jenny. In: Theodor Kellenter: Die Gottbegnadeten : Hitlers Liste unersetzbarer Künstler. Kiel: Arndt, 2020, ISBN 978-3-88741-290-6, S. 386
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wirkte sie in zahlreichen Filmen mit, zog sich dann allerdings auf Benfers Gutshof in SchwaighofenHeute eine Alpaka-Farm, zurück. Nach 1945 drehte sie nur noch drei Filme, darunter den Trümmerfilm Königskinder von Helmut Käutner. Im Mai 1950 trat sie zum letzten Mal öffentlich auf.Filmmuseum Potsdam (siehe Weblinks), S. 25
Jenny Jugo heiratete im hohen Alter ihren drei Jahre jüngeren Exmann Benfer erneut, die zweite Trennung erfolgte 1992.
Im Jahr 1971 erhielt sie das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film.
Nach einem Behandlungsfehler im Manfred-Köhnlechner-Institut für Erfahrungsmedizin des Heilpraktikers Manfred Köhnlechner im Jahr 1975 war sie für den Rest ihres Lebens auf einen Rollstuhl angewiesen. Trotz des dadurch wieder entfachten Medieninteresses lehnte sie es ab, für Interviews zur Verfügung zu stehen oder sich fotografieren zu lassen. Sie verließ den Jagerhof mit Alpenblick nie wieder. 1990 verstarb ihr Lebenspartner Klagemann.
Jenny Jugo wurde 97 Jahre alt. Die Beerdigung fand auf dem Stadtfriedhof St. Peter in Graz statt.
Sie hinterließ Antiquitäten und eine Sammlung von Gemälden des französischen Malers Maurice Utrillo. Die Erben übersehen jedoch die seit Jahrzehnten ungeöffneten Koffer und Kartons auf dem Dachboden. Die neuen Eigentümer erkennen den Wert der Fotos, Dokumente, Drehbücher, Kleider (bei fast 40 Einzelstücken handelt es sich um Filmkostüme und Kostümteile), Mäntel, Hüte, Schuhe und Accessoires. Sie übergeben den Nachlass im Februar 2006 dem Archiv des Filmmuseums Potsdam.Filmmuseum Potsdam (siehe Weblinks), S. 1
Filmografie (Auswahl) 1924: Der Turm des Schweigens 1925: Wenn die Liebe nicht wär’! 1925: Die gefundene Braut 1925: Blitzzug der Liebe 1925: Die Puppe vom Lunapark 1925: Die Feuertänzerin 1925: Friesenblut 1925: Schiff in Not 1925: Liebe macht blind 1925: Der Kampf gegen Berlin 1926: Ledige Töchter 1927: Prinz Louis Ferdinand 1927: Casanova (Casanova) 1927: Die Hose 1927: Pique Dame 1927: Die indiskrete Frau 1928: Sechs Mädchen suchen Nachtquartier 1928: Looping the Loop 1928: Die Carmen von St. Pauli 1928: Die blaue Maus 1929: Die Flucht vor der Liebe 1929: Der Bund der Drei 1929: Die Schmugglerbraut von Mallorca 1930: Heute nacht – eventuell 1931: Kopfüber ins Glück 1931: Wer nimmt die Liebe ernst...? 1931: Mary’s Start in die Ehe 1931: Die nackte Wahrheit 1932: Fünf von der Jazzband 1932: Zigeuner der Nacht 1933: Eine Stadt steht Kopf 1933: Ein Lied für Dich 1933: Es gibt nur eine Liebe 1934: Fräulein Frau 1934: ...heute Abend bei mir 1934: Pechmarie 1934: Herz ist Trumpf 1935: Pygmalion (Rolle der Eliza Doolittle) 1936: Mädchenjahre einer Königin 1936: Allotria 1936: Die Nacht mit dem Kaiser 1937: Gefährliches Spiel 1938: Es leuchten die Sterne 1938: Die kleine und die große Liebe 1939: Ein hoffnungsloser Fall 1939: Nanette 1940: Unser Fräulein Doktor 1941: Der Trichter Nr. 12 (Kurzfilm) 1942: Viel Lärm um Nixi 1942: Non mi sposo più (italienische Version von Viel Lärm um Nixi) 1943: Die Gattin 1945: Sag’ endlich ja (unvollendet) 1949: Träum’ nicht, Annette (Neuverfilmung Sag’ endlich ja) 1950: Königskinder 1950: Land der Sehnsucht (unvollendet)
Literatur Guido Altendorf: Jugo. Filmgeschichte in Kleidern. Potsdam 2008 – ISBN 978-3-98 12104-0-8 Jörg Schöning, Angela Leifeld: Jenny Jugo – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 1, 1984. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 4: H – L. Botho Höfer – Richard Lester. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 261 f.
Weblinks
Jenny Jugo bei steffi-line.de Jenny Jugo bei biografia.at Guido Altendorf: Ausführliche Biographie beim Filmmuseum Potsdam (PDF; 214 kB)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Darstellende Kunst (Nationalsozialismus) Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Pseudonym Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreichischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1904 Kategorie:Gestorben 2001 Kategorie:Frau