Olympische Spiele 1924Medaillenspiegel Leichtathletik Platz Mannschaft 16px|Goldmedaillen 16px|Silbermedaillen 16px|Bronzemedaillen Total 1 12 10 10 32 2 10 5 2 17 3 3 3 5 11 4 1 1 – 2 5 1 – – 1 6 – 3 2 5 7 – 1 2 3 8 – 1 1 2 9 – 1 – 1 – 1 – 1 11 – – 3 3 12 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1
Bei den VIII. Olympischen Spielen 1924 in Paris fanden 27 Wettkämpfe in der Leichtathletik statt.
Stadion mini|hochkant=1.7| Das Stade Olympique de Colombes lag im Pariser Vorort Colombes, ca. zehn Kilometer nordwestlich von Paris. Es wurde vier Jahre später zu Ehren des Rugbyspielers Yves du Manoir umbenannt und trug von da an seinen Namen. Die Aschenbahn in Colombes war eine Rundbahn mit einer Rundenlänge von 500 Metern.
Teilnehmer Deutschland blieb die Teilnahme nach den Kriegsereignissen des Ersten Weltkriegs ein zweites und letztes Mal verwehrt, während die anderen vier Nationen, die 1920 noch ausgeschlossen waren, wieder zugelassen wurden.
In der Leichtathletik waren ein letztes Mal nur Männer teilnahmeberechtigt. Erste Wettbewerbe für Frauen kamen vier Jahre später in Amsterdam endlich ins olympische Programm.
Wettbewerbe mini|hochkant=1.6| Wie bei allen Olympischen Spielen zuvor kam es auch in Paris wieder zu ein paar Änderungen im Wettkampfangebot. Die beiden Disziplinen 3000-Meter-Gehen und Gewichtweitwurf wurden gestrichen.
Damit hatte das Angebot für die Männer inzwischen fast schon die Formen angenommen, wie wir sie heute kennen. Unterschiede gab es noch beim Gehen, bei dem damals nur der Wettbewerb über 10.000 Meter ausgetragen wurde. Heute gibt es die beiden Wettbewerbe über 20 und 50 Kilometer. Zusätzlich im Vergleich zu heute waren in Paris jeweils letztmals noch der 3000-Meter-Mannschaftslauf, der Querfeldeinlauf mit Einzel- und Mannschaftswertung sowie der Fünfkampf olympische Disziplinen.
Sportliche Erfolge Erfolgreichste Nation war mit zwölf Goldmedaillen wieder die USA. Aber wie schon 1920 war das kleine Finnland sehr erfolgreich und gewann zehnmal Gold. Mit großem Abstand folgte Großbritannien, das drei Olympiasieger stellte.
Das Niveau der Wettkämpfe war wieder deutlich angestiegen. Es gab zahlreiche neue oder egalisierte Rekorde. 10 neue oder egalisierte Weltrekorde: 400-Meter-Lauf: 47,6 s – Eric Liddell (Großbritannien), Finale 10.000-Meter-Lauf: 30:23,2 min – Ville Ritola (Finnland), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel: 42,0 s – Großbritannien (Harold Abrahams, William Nichol, Walter Rangeley, Lancelot Royle), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel: 42,0 s (egalisiert) – Niederlande (Jaap Boot, Harry Broos, Jan de Vries, Rinus van den Berge), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel: 41,2 s – USA (Louis Clarke, Frank Hussey, Al LeConey, Loren Murchison), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel: 41,0 s – USA (Louis Clarke, Frank Hussey, Al LeConey, Loren Murchison), Halbfinale 4-mal-100-Meter-Staffel: 41,0 s (egalisiert) – USA (Louis Clarke, Frank Hussey, Al LeConey, Loren Murchison), Finale 4-mal-400-Meter-Staffel: 3:16,0 min – USA (Commodore Cochran, William Stephenson, Oliver MacDonald, Alan Helffrich), Finale Dreisprung: 15,525 m – Nick Winter (Australien), Finale Zehnkampf: 7710,775 P nach offizieller Wertung (6478 P nach heutiger Wertung von 1985) – Harold Osborn (USA) 1 neue Weltbestleistung: 3000-Meter-Hindernislauf: 9:33,6 min – Ville Ritola (Finnland), Finale 15 weitere neue oder egalisierte olympische Rekorde: 100-Meter-Lauf: 10,6 s (egalisiert) – Harold Abrahams (Großbritannien), Viertelfinale 100-Meter-Lauf: 10,6 s (egalisiert) – Harold Abrahams (Großbritannien), Halbfinale 100-Meter-Lauf: 10,6 s (egalisiert) – Harold Abrahams (Großbritannien), Finale 200-Meter-Lauf: 21,6 s (egalisiert) – Charles Paddock (USA), Finale 400-Meter-Lauf: 48,0 s – Josef Imbach (Schweiz), Viertelfinale 400-Meter-Lauf: 47,8 s – Horatio Fitch (USA), Halbfinale 1500-Meter-Lauf: 3:53,6 min – Paavo Nurmi (Finnland), Finale 5000-Meter-Lauf: 14:31,2 min – Paavo Nurmi (Finnland), Finale 3000-Meter-Lauf (im Rahmen des Teamwettbewerbs): 9:32,0 min – Paavo Nurmi (Finnland), Finale 400-Meter-Hürdenlauf: 53,8 s – Erik Wilén (Finnland), Finale (als Zweitplatzierter, weil der Sieger 2 Hürden gerissen hatte) 3000-Meter-Hindernislauf: 9:33,6 min – Ville Ritola (Finnland), Finale Hochsprung: 1,98 m – Harold Osborn (USA), Finale Dreisprung: 15,425 m – Luis Brunetto (Argentinien), Qualifikation Diskuswurf: 46,155 m – Bud Houser (USA), Finale Zehnkampf: 7710,775 P – Harold Osborn (USA)
Herausragender Teilnehmer war der Finne Paavo Nurmi, der hier seinen sportlichen Höhepunkt erlebte. Er gewann fünf Goldmedaillen in folgenden Wettbewerben: 1500 Meter, 5000 Meter, 10.650-Meter-Querfeldeinlauf Einzel-/Mannschaftswertung, 3000-Meter-Mannschaftslauf. Das ist einmalig in der olympischen Leichtathletik bis heute. Besonders bemerkenswert war sein Olympiasieg über 5000 Meter. Das Rennen fand nur 26 Minuten nach dem Zieleinlauf des 1500-Meter-Finales statt. In beiden Rennen stellte Nurmi olympische Rekorde auf.
Weitere erfolgreiche Sportler waren: Ville Ritola, Finnland – 4-mal Gold: 10.000 Meter, 3000 Meter Hindernis, 10.650-Meter-Querfeldein Mannschaftswertung, 3000-Meter-Mannschaftslauf; 2-mal Silber: 5000 Meter, 10.650-Meter-Querfeldein Einzelwertung Harold Osborn, USA – 2-mal Gold: Hochsprung, Zehnkampf Bud Houser, USA – 2-mal Gold: Kugelstoßen, Diskuswurf.
Außerdem gab es Sportler, die bereits bei zuvor ausgetragenen Olympischen Spielen siegreich waren: Paavo Nurmi, Finnland – Querfeldeinlauf, Einzel- und Mannschaftswertung: Wiederholung seiner Erfolge von 1920, 1920 außerdem siegreich über 10.000 Meter, hier in Antwerpen darüber hinaus siegreich über 1500, 5000 Meter und im 3000-Meter-Mannschaftslauf, damit jetzt achtfacher Olympiasieger Ugo Frigerio, Italien – 10.000 Meter Gehen: Wiederholung seines Erfolgs von 1920, 1920 außerdem siegreich über 3000 Meter Gehen, damit jetzt dreifacher Olympiasieger Jonni Myyrä, Finnland – Speerwurf: Wiederholung seines Erfolgs von 1920, damit jetzt dreifacher Olympiasieger Eero Lehtonen, Finnland – Fünfkampf: Wiederholung seines Erfolgs von 1920, damit jetzt dreifacher Olympiasieger Jackson Scholz, USA – 200 Meter: 1920 Olympiasieger mit der 4-mal-100-Meter-Staffel, damit jetzt zweifacher Olympiasieger Loren Murchison, USA – 4-mal-100-Meter-Staffel: Wiederholung seines Erfolgs von 1920 Heikki Liimatainen, Finnland – Querfeldeinlauf, Mannschaftswertung: Wiederholung seines Erfolgs von 1920
Resultate 100 m
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Harold Abrahams 10,6 ORe 2 Jackson Scholz 10,7 3 Arthur Porritt 10,8 4 Chester Bowman 10,9 5 Charles Paddock 10,9 6 Loren Murchison 11,0
Finale: 7. Juli
Harold Abrahams war der erste Europäer, der Olympiasieger über die 100 Meter werden konnte. Später wurde er ein bekannter Sportjournalist und engagierte sich im britischen Leichtathletikverband. Jackson Scholz, Olympiavierter von 1920 und zwei Tage später Olympiasieger über 200 Meter, gewann Silber. Die Bronzemedaille ging an den Neuseeländer Arthur Porritt, der später über viele Jahre Mitglied des IOC war.
200 m mini|hochkant=1.6|
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Jackson Scholz 21,6 ORe 2 Charles Paddock 21,7 3 Eric Liddell 21,9 4 George Hill 22,0 5 Bayes Norton 22,0 6 Harold Abrahams 22,3
Finale: 9. Juli
Im 200-Meter-Finale lagen zu Beginn der Zielgeraden außer Harold Abrahams, der bereits Boden verloren hatte, ziemlich alle Läufer gleichauf. Nun konnte sich Jackson Scholz absetzen. Charles Paddock kam zwar noch einmal näher, konnte aber Scholz trotz seines Zielsprungs nicht mehr einholen. Scholz stellte Archie Hahns olympischen Rekord von 1904 ein, aber Hahn war damals auf einer geraden Bahn gelaufen. Abrahams Landsmann Eric Liddell gewann hier die Bronzemedaille, bevor er zwei Tage später Olympiasieger über 400 Meter wurde.
400 m mini|hochkant=1.6|
Platz Athlet Land Zeit 1 Eric Liddell 47,6 s WR 2 Horatio Fitch 48,4 s 3 Guy Butler 48,6 s 4 David Johnson 48,8 s 5 John Coard Taylor 1:07,0 min 6 Josef Imbach DNF
Finale: 11. Juli
Eigentlich war Eric Liddells Stärke der 100-Meter-Lauf. Doch da das Finale dieses Sprints an einem Sonntag stattfand und Liddell als schottischer Pfarrer sonntags nicht starten wollte, meldete er sich neben den 200 Metern auch für die 400 Meter an. Schon in den Vorläufen fiel der olympische Rekord mehrfach und obwohl das Finale bereits zwei Stunden nach den Halbfinalrennen stattfand, steigerte Liddell den Weltrekord auf 47,6 s. Mit deutlichem Rückstand gewann Horatio Fitch nach hartem Kampf mit Guy Butler die Silbermedaille. Zwei Läufer hatten arge Probleme, das Rennen zu beenden. Der schon mit einer Bandage angetretene John Coard Taylor verletzte sich 30 Meter vor dem Ende und schleppte sich ins Ziel. Josef Imbach trat auf die Bahninnenkannte, stürzte und wurde im Krankenhaus behandelt. Die Jury setzte ihn offiziell auf den sechsten Platz, obwohl er das Rennen nicht beendet hatte.
800 m mini|hochkant=1.7|
Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Douglas Lowe 1:52,4 2 Paul Martin 1:52,5 3 Schuyler Enck 1:52,9 4 Henry Stallard 1:53,0 5 William Richardson 1:53,7 6 Ray Dodge 1:54,2 7 John Watters 1:54,8 8 Charles Hoff 1:56,7
Finale: 8. Juli
Als Favorit war Henry Stallard angereist, der britischer Meister geworden war und dabei auch Douglas Lowe besiegt hatte. Doch in seinem Zwischenlauf verletzte sich Stallard und war dadurch gehandicapt. Er suchte sein Heil in der Flucht, führte nach einer 400-Meter-Durchgangszeit von 54,0 s bis zur 600-Meter-Marke. Dann erlahmten seine Kräfte. Douglas Lowe, Paul Martin und zuletzt auch Schuyler Enck zogen an ihm vorbei. Ganz vorne gab es einen harten Zweikampf um Gold, den Lowe gegen den Außenseiter Martin knapp für sich entscheiden konnte. Die Zeiten waren hochklassig, Ted Merediths Weltrekord von 1912 wurde nur um eine halbe Sekunde verfehlt. Erstaunlich war hier der achte Platz, den Charles Hoff errang. Er war eigentlich ein Stabhochspringer der absoluten Weltklasse und wäre bei diesen Spielen als Mitfavorit gestartet. Doch er zog sich eine Verletzung zu, die es ihm unmöglich machte, diese Sportart weiter auszuüben. So sattelte er mit imposantem Erfolg ganz kurzfristig auf die Mittelstrecke um.
1500 m
Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Paavo Nurmi 3:53,6 OR 2 Willy Schärer 3:55,0 3 Henry Stallard 3:55,6 4 Douglas Lowe 3:57,0 5 Ray Buker 3:58,6 6 Lloyd Hahn 3:59,0 7 Ray Watson 3:59,9 8 Frej Liewendahl 4:00,3
Finale: 10. Juli
Die Terminierung der Endläufe über 1500 und 5000 Meter war so vorgenommen, dass ein Doppelstart über diese beiden Distanzen ausgeschlossen schien. 26 Minuten nach der Zielankunft des 1500-Meter-Laufs fand bereits der Start über 5000 Meter statt. Aber für Paavo Nurmi war offensichtlich nichts unmöglich. Am 19. Juni 1924 testete der Finne, ob er es riskieren konnte, diese beiden Strecken bei den Olympischen Spielen in Angriff zu nehmen. Das Ergebnis seines Versuchs endete mit Weltrekorden auf beiden Distanzen. Hier in Paris gewann Nurmi zunächst die 1500 Meter, die er mit der Stoppuhr in der Hand mit olympischem Rekord problemlos für sich entschied. Willy Schärer wurde Zweiter und Henry Stallard errang hier mit Bronze trotz seiner Verletzung doch noch eine olympische Medaille.
5000 m
Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Paavo Nurmi 14:31,2 OR 2 Ville Ritola 14:31,4 3 Edvin Wide 15:01,8 4 John Romig 15:12,3 5 Eino Seppälä 15:18,3 6 Charles Clibbon 15:28,9 7 Lucien Dolquès 15:33,0 8 Axel Eriksson 15:38,0
Finale: 10. Juli