Jennersdorf (, ) ist eine österreichische Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ). Sie ist gleichzeitig Bezirksvorort des Bezirks Jennersdorf und liegt im Burgenland.
Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt im Raabtal im südlichen Burgenland am Ufer der Raab, ungefähr vier Kilometer Luftlinie von der steirischen und der ungarischen Grenze entfernt. Die nächstgelegenen Städte sind die ungarische Grenzstadt Szentgotthárd (St. Gotthard), sowie Fürstenfeld und Fehring in der Steiermark.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus folgenden Katastralgemeinden, die zugleich Ortschaften sind (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Grieselstein () samt Grieselgraben, Harterberg, Hartwebereck, Schaffergraben, Schaufelberg und Steinberg Henndorf im Burgenland () samt Griab, Mitter-Henndorf, Ober-Henndorf und Unter-Henndorf Jennersdorf () samt Am Tafelberg, Bachergraben, Bergen, Bergsiedlung, Körblereck und Laritzgraben Rax () samt Fiedlereck, Hobischberg, Kandlgraben, Rax-Bergen und Stangeleck
Nachbargemeinden
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung als Janafalu erfolgte 1187 in einer Bulle Papst Urbans III. Der Name leitet sich von dem slowenischen „Ženavci“ ab, das am besten mit „Frauendorf“ übersetzt werden kann. Da es damals im Ungarischen kein „zs“ (das dem slowenischen ž heute entspricht) gab, wurde der Laut durch „gy“ ersetzt und an die Stelle der Endung „-vci“ („-dorf“) trat das ungarische „-falu“ („-dorf“).
Der Ort stand bis 1848 im Eigentum des Klosters Szentgotthárd.Margit Pflagner in Burgenland-80-Farbbilder, Seite 92 Der Ort gehörte, wie das gesamte Burgenland, bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Ab 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Gyanafalva verwendet werden.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges bildete Jennersdorf aufgrund seiner geographischen Lage den Unterabschnitt V/7-Jennersdorf des Südostwalls. Für dessen Bau wurden neben der Ortsbevölkerung auch ungarische Juden herangezogen, die in verschiedenen Objekten im Ort selbst und im Ortsteil Grieselstein untergebracht waren. Nach dem Ausbruch von Krankheiten kam es zu mehreren Massakern, denen eine unbekannte Anzahl von Zwangsarbeitern zum Opfer fiel. Nach dem Krieg erfolgte die Bergung der Opfer durch eine Kommission der Roten Armee und in den 1960er-Jahren durch Simon Wiesenthal.Südostwall-Abschnitt Südburgenland: Die Massaker von Jennersdorf, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 2. April 2018 Nach dem Scheitern der Plattenseeoffensive der deutschen Wehrmacht besetzte die Rote Armee Jennersdorf, wobei es im Umfeld des Ortes zu heftigen Kämpfen kam.Südostwall-Abschnitt Südburgenland: Kampfraum Güssing/Jennersdorf, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 2. April 2018
Jennersdorf ist seit 1921 Bezirksvorort und wurde 1977 zur Stadt erhoben. Das Stadtmotto lautet: „Jennersdorf, die Stadt an der Therme.“
Bevölkerungsentwicklung
Die Abnahme der Einwohnerzahl von 2001 bis 2021 war auf eine stark negative Geburtenbilanz zurückzuführen. War diese Bilanz von 1991 bis 2001 schon negativ (−137), konnte sie noch durch die Wanderungsbilanz von +320 wettgemacht werden. Im folgenden Jahrzehnt von 2001 bis 2011 gab es um 222 Todesfälle mehr als Geburten. Dies konnte durch eine Wanderungsbilanz von +183 nicht mehr ausgeglichen werden.
Religion Jennersdorf, welches Sitz des Dechanten ist, ist eine katholisch geprägte Gemeinde. Mit der Zeit zogen jedoch immer mehr Gläubige aus den umliegenden evangelisch geprägten Gemeinden (Neuhaus, Eltendorf, Deutsch-Kaltenbrunn) zu, sodass deren Anteil inzwischen angestiegen ist. Auch Muslime und orthodoxe Christen sind zugewandert und auch zahlreiche Gläubige inzwischen ausgetreten. mini|zentriert|hochkant=3|Blick vom Tafelberg auf die Stadt Jennersdorf
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
Pfarrkirche Jennersdorf: römisch-katholisch, 1780–1800 erbaut, barock, neugotischer Schnitzaltar von 1904 In der Nähe des Bahnhofs befinden sich einige Villen aus der Zeit nach 1900, die in einem eher ungarisch orientierten Jugendstil gehalten sind und meist vom hier ansässigen Baumeister Karl Neubauer stammen.Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Band II, Residenz Verlag, Salzburg und Wien, 1983, S. 466
Sport Freibad Skatepark Fußball (UFC Jennersdorf) Tennis (UTC Jennersdorf) Volleyball (FIDAS Volleys Jennersdorf) Raabtal-Radwanderwege Kanufahren auf der Raab Judo: im Turnsaal der VS Jennersdorf
Regelmäßige Veranstaltungen In Jennersdorf findet alljährlich ein Faschingsumzug mit unterschiedlich gestalteten Traktoranhängern statt. Weitere regelmäßige Veranstaltungen bilden das ORF-Burgenland-Sommerfest sowie diverse Veranstaltungen von örtlichen Vereinen.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Der Bahnhof Jennersdorf liegt an der Steirischen Ostbahn (Graz Hbf – Sankt Gotthard/Szentgotthárd), die als Ungarische Westbahn via Steinamanger/Szombathely weiter nach Győr/Raab führt. Mit den Zügen der Raaberbahn RÖEE/GySEV sind von Szentgotthárd aus über Szombathely und Ödenburg/Sopron Verbindungen von und nach Wiener Neustadt Hauptbahnhof und Wien Meidling verfügbar.
Ansässige Unternehmen Es existieren Betriebe der Textilindustrie (Vossen Frottierwaren), des Lebensmittelgroßhandels, der Lederverarbeitung (Boxmark), Optoelektronik (TridonicZumtobel schließt Produktion in Jennersdorf auf ORF Burgenland vom 20. November 2018, abgerufen am 22. November 2018Tridonic-Schließung: Land erwägt Stiftung auf ORF Burgenland vom 21. November 2018, abgerufen am 22. November 2018, Lumitech und Lexedis), des Baustoffhandels (hagebau Niederer), der Betonfertigteilerzeugung (Spannbetonwerk Jennersdorf) und das Technologiezentrum Jennersdorf. Auch die Firma Hornmanufaktur, die sich auf Entwicklung und Bau höchstwertiger Lautsprechersysteme spezialisiert hat, ist in Jennersdorf ansässig.
Lumitech wurde 1997 als Spin-off der Technischen Universität Graz in St. Martin an der Raab im Bezirk Jennersdorf gegründet und übersiedelte 2001 ins damals neue Technologiezentrum Jennersdorf. Lumitech forscht an der Entwicklung von LED-Leuchtmitteln, seit 2006 an der Imitierung des Tageslichtspektrums durch LEDs. Rund um Lumitech mit 45 Mitarbeitern haben sich weitere Betriebe des Bereichs LED/Optoelektronik angesiedelt, in Summe werken hier ca. 200 Mitarbeiter in dieser Branche (Stand März 2018). Im März 2018 gelang Lumitech mit dem großen Hersteller Phillips eine Lizenzvereinbarung über die Anwendung der PI-LED-Technologie.Lumitech vergibt Lizenzen an Philips orf.at, 21. März 2018, abgerufen am 21. März 2018.Licht-Forschung: 20 Jahre Lumitech orf.at, 23. September 2017, abgerufen am 21. März 2018. Tridonic, eine Tochter von Zumtobel, wurde 2019 geschlossen. Zwei Produktionslinien und einige Mitarbeiter übernahm Lumitech.
Öffentliche Einrichtungen Bezirkshauptmannschaft Bezirkspolizeikommando Arbeiterkammer Wirtschaftskammer Zollamt Behinderten-Tagesheimstätte Jugendzentrum
Bildung Kindergarten Sonderschule – Sonderpädagogisches Zentrum (SPZ) Volksschulen in Grieselstein, Henndorf und Jennersdorf Hauptschule mit angeschlossener Polytechnischen Schule Bundesoberstufenrealgymnasium und Bundeshandelsschule Jennersdorf
Politik Gemeinderat
mini|Gemeindeamt Jennersdorf (Ausweichquartier während der Renovierung des Rathauses) Der Gemeinderat umfasst entsprechend der Einwohnerzahl 25 Mitglieder und setzt sich nach der Gemeinderatswahl 2022 wie folgt zusammen: JES 14 Mandate ÖVP 5 Mandate, SPÖ 4 Mandate, FPÖ 2 Mandate Bei der Gemeinderatswahl 2017 verlor die ÖVP fünf Mandate und hatte zehn Mandate. Die SPÖ fiel von fünf auf zwei Mandate zurück. Die Grünen mussten ebenfalls drei Mandate abgeben und hielten bei einem, statt davor vier Mandaten. Großer Wahlsieger war die neue Bürgerliste Jennersdorf (JES), die auf Anhieb sieben Mandate für sich verbuchen konnte. Enorm zulegen konnte auch die FPÖ, die nun fünf statt bisher ein Mandat hält.
Bei der Wahl 2022 gewann JES weitere sieben Mandate dazu, auch die SPÖ gewann und hat nun vier statt zwei Mandate. Verlierer waren die ÖVP (minus fünf Mandate), FPÖ (zwei statt fünf Mandate) und GRÜNE, die ihr Mandat verloren. MFG schaffte den Einzug in den Gemeinderat nicht. Gemeinderatswahlen in JennersdorfWahlen im Burgenland: Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2017 (abgerufen am 1. Oktober 2017)Wahlen im Burgenland: Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2012 (abgerufen am 11. Dezember 2014)Wahlen im Burgenland: Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2007 (abgerufen am 11. Dezember 2014)Rechtsinformation des Bundeskanzleramts: Verfassungsgerichtshof gibt Wahlanfechtung statt (abgerufen am 12. Dezember 2014)Wahlen im Burgenland: Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2002 (abgerufen am 11. Dezember 2014) Ergebnis vom2. Oktober 2022 1. Oktober 2017 7. Oktober 2012 7. Oktober 2007 21. Oktober 2002 1997 Stim-men%Man-dateStim-men % Man-date Stim-men % Man-date Stim-men % Man-date Stim-men % Man-date Stim-men % Man-date Wahlberechtigt4081 3883 – – 3909 – – 3808 – – 3655 – – 3530 – – Abgegeben275867,58 2909 74,92 – 2813 71,96 – 2908 76,37 – 2934 80,27 – 2809 79,58 – Ungültig2167,83 207 7,12 – 258 9,17 – 260 8,94 – 276 9,41 – 398 14,17 – Gültig254292,17 2702 92,88 25 2555 90,83 25 2648 91,06 25 2658 90,59 25 2411 85,83 25 Davon entfielen auf JES 124949,1314 751 27,79 7 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert ÖVP47718,765 991 36,63 10 1508 59,02 15 1485 56,08 15 1499 56,40 15 1482 61,47 16 SPÖ42016,524 277 10,25 2 497 19,45 5 598 22,58 6 595 22,39 5 425 17,63 4 FPÖ2479,722 490 18,13 5 171 6,69 1 118 4,46 1 253 9,52 2 404 16,76 4MFG752,950nicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiert Die Grünen742,910 193 7,14 1 379 14,83 4 297 11,22 2 311 11,70 3 100 4,15 1 BLP nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 138 5,21 1 nicht kandidiert nicht kandidiert FBL nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 12 0,45 0 nicht kandidiert nicht kandidiert
Bürgermeister und Stadtvorstand Bürgermeister der Stadtgemeinde ist seit 10. November 2017 Reinhard Deutsch (JES), der sich in der Stichwahl vom 29. November mit 53,23 % gegen Bernhard Hirczy (ÖVP) durchsetzte, der 46,77 % erreichte. Hirczy hatte erst am 13. Jänner 2017 die Nachfolge von Wilhelm Thomas angetreten, der 24 Jahre lang Bürgermeister gewesen war.
Neben Bürgermeister Reinhard Deutsch (JES) und Vizebürgermeister Helmut Kropf (JES) gehören die Stadträte Anneliese Fürstner (ÖVP), Helmut Kropf (JES), Alexander Schweizer (JES), Oliver Stangl (SPÖ) und Gernot Strini (JES) dem Stadtvorstand an.Stadtgemeinde Jennersdorf: Gemeinderat (abgerufen am 20. August 2025)
Die Leitung des Stadtamts hat Roswitha Feitl inne.Stadtgemeinde Jennersdorf: Stadtamt Jennersdorf (abgerufen am 20. August 2025)
Chronologie der Bürgermeister
1900–1909 Johann Dax 1910–1914 Alois Thomas 1914–1923 Franz Dax 1923–1931 Josef Hirtenfelder 1932–1937 Georg Fiedler 1938–1945 Josef Maurer 1945–1954 Georg Fiedler (ÖVP) 1954–1967 Alois Thomas (ÖVP) Zitat: „1954 ging die Wahl 11:4 [Anm.: ÖVP:SPÖ] aus, Bürgermeister wurde Dr. Alois Thomas und blieb es bis 1967.“ 1967–1992 Anton Brückler 1992–2016 Wilhelm Thomas (ÖVP) 13. Jänner 2017 – 10. November 2017: Bernhard Hirczy (ÖVP)meinbezirk.at vom 13. Jänner 2017: Bernhard Hirczy ist neuer Bürgermeister von Jennersdorf (abgerufen am 28. Oktober 2017) seit 10. November 2017 Reinhard Deutsch (JES)orf.at: Die Sieger der Bürgermeister-Stichwahlen. Artikel vom 29. Oktober 2017, abgerufen am 29. Oktober 2017.
Stadtwappen Blasonierung: