Bei den XI. Olympischen Spielen 1936 in Berlin wurden 29 Wettbewerbe in der Leichtathletik ausgetragen. Es fanden 23 Wettbewerbe für Männer und 6 für Frauen statt. Bilanz
Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 14 7 4 25 2 5 4 4 13 3 3 5 2 10 4 2 5 – 7 5 2 2 3 7 6 1 2 2 5 7 1 – – 1 1 – – 1 9 – 2 1 3 10 – 1 3 4 11 – 1 – 1 12 – – 2 2 – – 2 2 14 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1Gesamt29292987
Medaillengewinner Männer Disziplin Gold Silber Bronze100 m Jesse Owens (USA) Ralph Metcalfe (USA) Martinus Osendarp (HOL)200 m Jesse Owens (USA) Mack Robinson (USA) Martinus Osendarp (HOL)400 m Archie Williams (USA) Godfrey Brown (GBR) James LuValle (USA)800 m John Woodruff (USA) Mario Lanzi (ITA) Phil Edwards (CAN)1500 m Jack Lovelock (NZL) Glenn Cunningham (USA) Luigi Beccali (ITA)5000 m Gunnar Höckert (FIN) Lauri Lehtinen (FIN) Henry Jonsson (SWE)10.000 m Ilmari Salminen (FIN) Arvo Askola (FIN) Volmari Iso-Hollo (FIN)Marathon Son Kitei (JPN) Ernie Harper (GBR) Nan Shōryū (JPN)110 m Hürden Forrest Towns (USA) Don Finlay (GBR) Fritz Pollard (USA)400 m Hürden Glenn Hardin (USA) John Loaring (CAN) Miguel White (PHI)3000 m Hindernis Volmari Iso-Hollo (FIN) Kalle Tuominen (FIN) Alfred Dompert (GER)50 km Gehen Harold Whitlock (GBR) Arthur Tell Schwab (SUI) Adalberts Bubenko (LAT)Hochsprung Cornelius Johnson (USA) Dave Albritton (USA) Delos Thurber (USA)Stabhochsprung Earle Meadows (USA) Nishida Shūhei (JPN) Ōe Sueo (JPN)Weitsprung Jesse Owens (USA) Luz Long (GER) Tajima Naoto (JPN)Dreisprung Tajima Naoto (JPN) Harada Masao (JPN) Jack Metcalfe (AUS)Kugelstoßen Hans Woellke (GER) Sulo Bärlund (FIN) Gerhard Stöck (GER)Diskuswurf Ken Carpenter (USA) Gordon Dunn (USA) Giorgio Oberweger (ITA)Hammerwurf Karl Hein (GER) Erwin Blask (GER) Fred Warngård (SWE)Speerwurf Gerhard Stöck (GER) Yrjö Nikkanen (FIN) Kalervo Toivonen (FIN)Zehnkampf Glenn Morris (USA) Bob Clark (USA) Jack Parker (USA)4 × 100 m Staffel4 × 400 m Staffel Frauen Disziplin Gold Silber Bronze100 m Helen Stephens (USA) Stanisława Walasiewicz (POL) Käthe Krauß (GER)80 m Hürden Trebisonda Valla (ITA) Anni Steuer (GER) Elizabeth Taylor (CAN)Hochsprung Ibolya Csák (HUN) Dorothy Odam (GBR) Elfriede Kaun (GER)Diskuswurf Gisela Mauermayer (GER) Jadwiga Wajs (POL) Paula Mollenhauer (GER)Speerwurf Tilly Fleischer (GER) Luise Krüger (GER) Maria Kwaśniewska (POL)4 × 100 m Staffel
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Stadion Das für dieses Ereignis neu erbaute Stadion bot hervorragende Voraussetzungen für gute Leistungen. Es verfügte über eine 400-Meter-Aschenbahn, die inzwischen in dieser standardisierten Form üblich geworden war.
Wettbewerbe Im Wettbewerbsangebot gab es gegenüber 1932 keine Änderungen. Das heißt bei den Männern gab es ein gegenüber heute fast identisches Programm, 1936 fehlte lediglich ein zweiter Gehwettbewerb. Die Frauen dagegen mussten sich weiterhin mit einem dünnen Angebot mit sechs Disziplinen zufriedengeben. Es gab im Laufen die 100 Meter, die 80 Meter Hürden und die 4-mal-100-Meter-Staffel, im Springen den Hochsprung sowie als Wurfdisziplinen den Diskus- und Speerwurf.
Intersexualität bei Frauenwettbewerben Auch 1936 war die Problematik der Intersexualität bei Frauenwettbewerben bereits aktuell. Im Hochsprung der Frauen belegte Heinrich Ratjen, angetreten als Frau unter dem Namen Dora Ratjen, zunächst den vierten Platz. Zwei Jahre darauf wurden offiziell alle ihre/seine Resultate annulliert, nachdem sich herausgestellt hatte, dass Heinrich Ratjen ein Mann war.Das Doppelleben der Dora Ratjen, ndr.de, 18. August 2011, abgerufen am 20. Juli 2021
Auch im Rennen über 100 Meter der Frauen stellte sich die Frage nach der Geschlechterrolle. Betroffen war Stanisława Walasiewicz, 1932 Olympiasiegerin und in Berlin Silbermedaillengewinnerin. Sie wurde 1980 in Cleveland bei einem Raubüberfall, in den sie zufällig hineingeraten war, erschossen. Die nachfolgende Obduktion ergab, dass sie männliche Geschlechtsorgane hatte und intersexuell war. Dies hatte jedoch keine offiziellen Auswirkungen auf ihre sportlichen Resultate.Matt Tullis, Who was Stella Walsh? The story of the intersex Olympian, sbnation.com, 27. Juni 2013, abgerufen am 20. Juli 2021
Sportliche Erfolge Die Leistungen standen auf einem hervorragenden Niveau, wenn auch die Rekordflut der vorangegangenen Spiele in Los Angeles nicht erreicht wurde. In sechs Disziplinen gab es sieben neue oder eingestellte Weltrekorde, in einer Disziplin eine neue Weltbestleistung und in fünfzehn Disziplinen wurden darüber hinaus 26 olympische Rekorde egalisiert oder neu aufgestellt.
Hier eine Übersicht zu den einzelnen Rekorden im Einzelnen. Weltrekorde: 1500-Meter-Lauf, Männer: 3:47,8 min – Jack Lovelock (Neuseeland), Finale 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 14,1 s (egalisiert) – Forrest Towns (USA), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel, Männer: 40,0 s (egalisiert) – USA (Jesse Owens, Ralph Metcalfe, Foy Draper, Frank Wykoff), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel, Männer: 39,8 s – USA (Jesse Owens, Ralph Metcalfe, Foy Draper, Frank Wykoff), Finale Dreisprung, Männer: 16,00 m – Tajima Naoto (Japan), Finale Zehnkampf, Männer: 7900 P (1934er Wertung) / 7254 P (nach heutiger Wertung von 1985) – Glenn Morris (USA) 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 46,4 s – Deutsches Reich (Emmy Albus, Käthe Krauß, Marie Dollinger, Ilse Dörffeldt), Vorlauf Weltbestleistung: 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 9:03,8 min – Volmari Iso-Hollo (Finnland), Finale Olympische Rekorde: 100-Meter-Lauf, Männer: 10,3 s (egalisiert) – Jesse Owens (USA), Vorlauf 200-Meter-Lauf, Männer: 21,1 s – Jesse Owens (USA), Vorlauf 200-Meter-Lauf, Männer: 21,1 s (egalisiert) – Jesse Owens (USA), Viertelfinale 200-Meter-Lauf, Männer: 21,1 s (egalisiert) – Mack Robinson (USA), Halbfinale 200-Meter-Lauf, Männer: 20,7 s – Jesse Owens (USA), Finale 5000-Meter-Lauf, Männer: 14:22,2 min – Gunnar Höckert (Finnland), Finale Marathon, Männer: 2:29:19,2 h – Son Kitei (Japan), tatsächlicher Name des Koreaners: Sohn Kee-chung 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 14,1 s – Forrest Towns (USA), Vorlauf 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 9:03,8 min – Volmari Iso-Hollo (Finnland), Finale 50-km-Gehen, Männer: 4:30:41,4 h – Harold Whitlock (Großbritannien) Hochsprung, Männer: 2,03 m – Cornelius Johnson (USA), Finale Stabhochsprung, Männer: 4,35 m – Earle Meadows (USA), Finale Kugelstoßen, Männer: 16,03 m – Sulo Bärlund (Finnland), Vorkampf Kugelstoßen, Männer: 16,12 m – Sulo Bärlund (Finnland), Finale Kugelstoßen, Männer: 16,20 m – Hans Woellke (Deutsches Reich), Finale Diskuswurf, Männer: 50,48 m – Ken Carpenter (USA), Finale Hammerwurf, Männer: 55,04 m – Erwin Blask (Deutsches Reich), Vorkampf Hammerwurf, Männer: 56,49 m – Karl Hein (Deutsches Reich), Finale 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 10,7 s (egalisiert) – Trebisonda Valla (Italien), Finale 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 10,7 s (egalisiert) – Anni Steuer (Deutsches Reich), Finale 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 10,7 s (egalisiert) – Elizabeth Taylor (Kanada), Finale 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 10,7 s (egalisiert) – Claudia Testoni (Italien), Finale Diskuswurf, Frauen: 44,69 m – Jadwiga Wajs (Polen), Qualifikation Diskuswurf, Frauen: 47,63 m – Gisela Mauermayer (Deutsches Reich), Qualifikation Speerwurf, Frauen: 44,69 m – Tilly Fleischer (Deutsches Reich), Qualifikation Speerwurf, Frauen: 45,18 m – Tilly Fleischer (Deutsches Reich), Finale
Mit 14 Gold-, 7 Silber- und 4 Bronzemedaillen war die US-amerikanische Mannschaft wiederum die erfolgreichste in den Leichtathletikwettbewerben. Nach großen Anstrengungen der Sportförderung auf dem Hintergrund der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland, in der Sport als Mittel zur Außendarstellung eine große Rolle spielte, war Deutschland mit fünf Goldmedaillen das nächst erfolgreichste Team. Dahinter rangierten Finnland, das mit drei Goldmedaillen nicht mehr an die großen Erfolge früherer Jahre anknüpfen konnte, sowie Großbritannien und Japan mit je zwei Olympiasiegen.
Jesse Owens war mit vier Goldmedaillen der erfolgreichste Sportler der Olympischen Spiele in Berlin überhaupt und gleichzeitig der herausragende Leichtathlet. Owens wurde Olympiasieger über 100 Meter, 200 Meter, im Weitsprung und als Startläufer der 4-mal-100-Meter-Staffel. Vier Goldmedaillen bei einer einzigen olympischen Veranstaltung gewannen in der Leichtathletik außer Owens bis heute nur noch sein Landsmann Carl Lewis, der 1984 in exakt denselben Disziplinen erfolgreich war wie Jesse Owens 1936, sowie die Niederländerin Fanny Blankers-Koen, oft als „fliegende Hausfrau“ bezeichnet, die auch hier in Berlin bereits als Hochspringerin (Platz fünf) am Start war. Sie errang 1948 in London Gold über 100 Meter, 200 Meter, 80 Meter Hürden und mit der 4-mal-100-Meter-Staffel. Bei den Olympischen Spielen 1924 war es dem Finnen Paavo Nurmi allerdings gelungen, mit fünf Siegen noch erfolgreicher zu sein. Er hatte vor zwölf Jahren Gold über 1500 Meter, 5000 Meter, im 10.650-Meter-Querfeldeinlauf (Einzel- sowie Mannschaftswertung) und im 3000-Meter-Mannschaftslauf gewonnen.
Helen Stephens errang zwei Goldmedaillen bei diesen Leichtathletikwettkämpfen. Sie siegte über 100 Meter und als Schlussläuferin der 4-mal-100-Meter-Staffel.
Außer Jesse Owens und Helen Stephens gelang es bei diesen Spielen keinem anderen Leichtathleten, mehr als eine Goldmedaille zu erringen.
Außerdem gab es drei Sportler, die bereits bei zuvor ausgetragenen Olympischen Spielen siegreich waren: Frank Wykoff, USA – 4-mal-100-Meter-Staffel: dritter Sieg in Folge seit 1928 Volmari Iso-Hollo, Finnland – 3000-Meter-Hindernislauf: Wiederholung seines Erfolgs von 1932 Annette Rogers, USA – 4-mal-100-Meter-Staffel: Wiederholung ihres Erfolgs von 1932
Resultate Männer mini|hochkant=1.4| 100 m
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Jesse Owens 10,3 2 Ralph Metcalfe 10,4 3 Martinus Osendarp 10,5 4 Frank Wykoff 10,6 5 Erich Borchmeyer 10,7 6 Lennart Strandberg 10,9 12 Vorläufe: 2. August, ab 10:00 Uhr4 Zwischenläufe am 2. August, ab 15:00 Uhr2 Halbfinals, 3. August, ab 15:00 Uhr Finale: 3. August, 17:00 Uhr Teilnehmer: 63 Sportler aus 30 Ländern
Jesse Owens lief im Vorlauf mit 10,3 s einen olympischen Rekord. Im Zwischenlauf konnte er seine Zeit auf 10,2 s verbessern, dieser Rekord wurde jedoch wegen zu starken Rückenwinds nicht anerkannt. Auch im Finale war der Rückenwind zu stark für eine Anerkennung der Siegerzeit als olympischen Rekord.
In diesem Finale lag der Ausnahmesportler Owens nach fünfzig Metern deutlich vor seinem Hauptkonkurrenten Ralph Metcalfe, der 1932 bereits Silber gewonnen hatte. Metcalfe kam noch gefährlich nahe auf, aber Owens wurde Olympiasieger. Auf Platz drei brach der Niederländer Martinus Osendarp als einziger in die Phalanx der US-Läufer ein.
200 m
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Jesse Owens 20,7 OR 2 Mack Robinson 21,1 3 Martinus Osendarp 21,3 4 Paul Hänni 21,6 5 Lee Orr 21,6 6 Wil van Beveren 21,9 8 Vorläufe: 4. August, ab 10:30 Uhr4 Zwischenläufe, 4. August, ab 15:30 Uhr2 Halbfinals, 5. August, ab 15:00 Uhr Finale: 5. August, 18:00 Uhr Teilnehmer: 33 Sportler aus 23 Ländern
Schon im Vor- und Zwischenlauf lief Jesse Owens mit 21,1 s olympischen Rekord, den Mack Robinson in seinem Halbfinale ebenfalls erreichte. Obwohl Mack im Finale genauso schnell war, wurde er wie alle anderen Läufer von Owens zum Statisten degradiert. Mit deutlichem Vorsprung kam der Star dieser Spiele, der bereits Gold über 100 Meter und im Weitsprung gewonnen hatte, aus der Kurve und holte sich seine dritte Goldmedaille. Dabei verbesserte er den olympischen Rekord auf 20,7 s. Dahinter erreichte Mack Platz zwei und der Niederländer Martinus Osendarp gewann wie schon über 100 Meter die Bronzemedaille.
400 m mini|hochkant=1.5|
Platz Athlet Land offizielle Zeit(s) elektronisch(s) 1 Archie Williams 46,5 46,66 2 Godfrey Brown 46,7 46,68 3 James LuValle 46,8 46,84 4 Bill Roberts 46,8 46,87 5 William Fritz 47,8 k. A. 6 John Loaring 48,2