mini|Stadtpfarrkirche in Immenstadt im Allgäu mini|Luftaufnahme, 1916 Immenstadt im Allgäu (amtlich seit 1949 Immenstadt i.Allgäu) ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Oberallgäu. 1663–1804 war Immenstadt Regierungssitz, Haupt- und Residenzstadt der Grafschaft Königsegg-Rothenfels.
Geographie Geographische Lage mini|256px|Die zwei Wasserscheiden von Immenstadt mini|Darstellung der Höhenstufen in Hundertmeterschritten und der eiszeitlichen Seen in der Gemeinde Immenstadt Immenstadt liegt im Allgäu im südwestlichen Bayern auf halbem Weg zwischen Kempten im Norden und Oberstdorf im Süden. Die Stadt, deren Ortskern sich auf Höhe befindet, breitet sich am Ostufer des Großen Alpsees aus. Der Große Alpsee mit 2,47 km² Wasserfläche mit anliegendem Naturschutzgebiet stellt für die umliegende Bevölkerung wie auch für Touristen ein gern genutztes Naherholungsziel dar.
Durch die Stadt fließt, vom Konstanzer Tal aus kommend, den Großen und Kleinen Alpsee durchquerend, in west-östlicher Richtung die Konstanzer Ach. Sie mündet am sogenannten Illerspitz, kurz nachdem sie den vom Süden zufließenden Hochrainebach aufgenommen hat, in die Iller. Ebenfalls aus südlicher Richtung kommend (Quellgebiet bei Alpe Gund, unterhalb des Stuiben in ) durchfließt der sogenannte Steigbach (teilweise untertunnelt) den Stadtkern in Richtung Norden, um dann, unterhalb des Kalvarienberges, in die Konstanzer Ach zu münden. Südlich vom Dreherberg an der Südwestgrenze von Immenstadt liegt die Quelle der Weißach, die über die Bregenzer Ach in den Bodensee mündet. Zwischen den Quellästen der Weißach und des Steigbachs befindet sich eine Wasserscheide zwischen den Abflüssen über den Rhein zur Nordsee und denen über die Iller zur Donau und weiter zum Schwarzen Meer. Eine weitere Wasserscheide teilt im Bergstättgebiet im Nordwesten die westwärts zur Untere Argen und somit zum Bodensee fließenden Kirchholzbach, Luibach und Stixnerbach und alle anderen Gewässer, wie Hölltobelbach, Mühlbach und Schrattenbach, die zur Iller hinfließen.
Immenstädter Hausberge mini|Blick über Immenstadt Richtung Mittagberg mini|Blick auf Immenstadt vom Steineberg mini|Blick auf Immenstadt mit Großem und Kleinem Alpsee und Grünten Berge, die ganz oder teilweise auf Immenstädter Gemeindegebiet liegen: Mittagberg: Südlich von Immenstadt gelegen, Gipfelhöhe , besteht aus Nagelfluh; östlichster Berg der Hochgratkette. Alpen: Alpe Hochried (Sennalpe, 900 m), Mittag-Alpe (1210 m), Alpe Schwanden (1240 m), Alpe Oberberg (Sennalpe, 1305 m). Immenstädter Horn: Südwestlich von Immenstadt gelegen, Gipfelhöhe 1490 m, besteht aus Nagelfluh; östlichster Berg des Prodelkamms. Alpen: Alpe Wildegund (1315 m), Alpe Alp (1320 m), Alpe Kessel (1243 m). Steineberg: Südwestlich von Immenstadt gelegen, Gipfelhöhe 1660 m, besteht aus Nagelfluh, mittlerer Gipfel der Route „Mittag-Steineberg-Stuiben“. Stuiben: Südwestlich von Immenstadt gelegen, Gipfelhöhe 1749 m, besteht aus Nagelfluh. Alpen: Alpe Mittelberg (Sennalpe, 1369 m), Alpe Gund (1502 m), höchster Immenstädter Hausberg. Gschwender Horn: Westlich von Immenstadt gelegen, Gipfelhöhe 1450 m. Alpen: Starkatsgund Alpe (1210 m), Gschwenderberg Alpe (1078 m). Dreherberg: Südwestlich von Immenstadt gelegen, Gipfelhöhe 1430 m. Alpen: Mittelbergalpe (1369 m). Am roten Kopf: Südwestlich von Immenstadt gelegen, Gipfelhöhe 1481 m. Alpen: Seifenmoosalpe (1355 m). Hauchenberg: Nördlich von Immenstadt bei Diepolz, Gipfelhöhe 1202 m.
Immenstadt ist Mitglied des Projekts Naturpark Nagelfluhkette der Europäischen Union.
Nachbargemeinden mini|Immenstadts Gemeindeteile Im Uhrzeigersinn sind die Nachbargemeinden (Nachbarstädte) im Norden beginnend: Waltenhofen (Kempten) Rettenberg (Füssen) Burgberg Blaichach (seit 1963 Sonthofen) Oberstaufen (Lindenberg) Missen-Wilhams (Isny) Weitnau
Stadtgliederung mini|Immenstadt Gemarkung 7974
Es gibt 39 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Diese sind den sieben Gemeinden folgendermaßen zugeordnet: Alt-Immenstadt (Immenstadt, ehemals auch die Weiler Neumummen, Rothenfels, Schanz und die Einöde Schanz bei Bühl) Akams (Akams, Adelharz, Freibrechts, Göhlenbühl, Luitharz) Bühl a. Alpsee (Bühl, Alpseewies, Gschwend, Hintersee, Hochreute, Hub, Ratholz, Reuter, Rieder, Sange, See, Trieblings, Zaumberg) Knottenried – Diepolz (Diepolz, Freundpolz, Knottenried, Reute) Eckarts (Eckarts, Dietzen, Lachen, Thanners, Werdenstein, Zellers) Rauhenzell (Rauhenzell, Egg, Oberau) Stein im Allgäu (Stein, Bräunlings, Flecken, Gießen, Gnadenberg, Obereinharz, Seifen, Untereinharz)
mini|Niederschlagsdiagramm
Klima Der extrem hohe Jahresniederschlag beträgt 1916 mm. Er gehört damit zu den höchsten von den Messstellen des Deutschen Wetterdienstes erfassten Werten. Über 99 % der anderen Messstellen zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Oktober; am meisten regnet es im Juni. Im niederschlagreichsten Monat fällt etwa 1,7-mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im oberen Zehntel. In über 94 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.
Geschichte Frühgeschichte Unter der Nummer D-7-8427-0083 ist beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eine Siedlung des Neolithikums im Raum Immenstadt als Bodendenkmal registriert. Die am Südufer des Alpsees vermutete steinzeitliche Pfahlbau-Siedlung konnte bis heute nicht nachgewiesen werden.
Antike In Immenstadt wurde im neunzehnten Jahrhundert in etlichen Publikationen fälschlich das römische Vemania vermutet. Von der Anwesenheit antiker Völker, wie Römer oder Kelten, im Immenstädter Gebiet zeugen lediglich Funde, wie der Priap-Ring von Rothenfels, ein Grabhügel und ein römischer goldener Ring bei Freundpolz, eine bronzene Fibel bei Göhlenbühl, antike Fundamente bei Eckarts und Werdenstein und auch die versunkene Holzstraße im nahen Goymoos.
Mittelalter mini|Ruine Rothenfels 1816 Die Geschichtsschreibung der Herrschaft über Immenstadt durch Rothenfels beginnt im Hochmittelalter als Lehen des Klosters St. Gallen an die Udalrichinger. 1088 wurde die Herrschaft von Welf IV. erobert und besetzt. Eine Legende besagt, dass Welf IV. dort die in Augsburg im gleichen Jahr geraubten Dokumente und Urkunden verbarg: „zwo truhen in seinem schloss zuo Rottenfels mit alten brieven von Augspurg, daraus etlich geschlecht hatten ir alt herkomen“, beschrieb Konrad Peutinger im Jahre 1537 in einem Brief an Bartholomäus V. Welser die Rothenfelser Kleinodien. Der Historiker Alfred Schröder zweifelt dies in seinem Buch von 1919 über das Bistum Augsburg an. Der Welfe musste 1091 die Herrschaft an die Grafen von Kirchberg wieder als Lehen des Klosters St. Gallen abgeben. Um 1240 ging das Lehen an Hartmann von Grüningen um dann im Jahre 1243 von Kaiser Friedrich II. erworben zu werden. Der gab Rothenfels als Lehen an die Edlen zu Starckenberg, danach 1280 durch Rudolf von Habsburg an die Ritter von Schellenberg, in deren Besitz das Lehen im Jahre 1316 kam.
Über die Anfänge der Ortschaft ist nichts Erhaltenes bekannt. Der Name Imendorf wurde für die Siedlung 1275 erstmals im Liber decimationis nachgewiesen. Um 1332 erwarben die Grafen von Montfort die Burg Rothenfels samt der zugehörigen Herrschaft Rothenfels. In den folgenden 200 Jahren wurde hier der Herrschaftsschwerpunkt der Montfortischen Seitenlinie Tettnang-Rothenfels begründet und das unweit gelegene Imendorf zur Residenzstadt ausgebaut. Der bislang erste erwähnte Gewerbetreibende im Imendorf des Jahres 1345 ist Hansem der Smid von Ymendorf.
Am 22. Juli 1360, dem Fest der hl. Maria Magdalena, verlieh Kaiser Karl IV. den Grafen von Montfort für Immendorf das Befestigungsrecht und damit das Recht der Stadt Lindau. Mit der Stadterhebung verbunden war das Recht auf einen Wochenmarkt. Die Bewohner Immendorfs waren fortan frei. Die junge Stadt konnte sich 1407 gegen eine Belagerung durch die Appenzeller Bauern erfolgreich bewähren. Um 1404 verpfändete das Haus Montfort Immenstadt an den Memminger Bürger Heinrich Kuntzelmann, löste es aber 1410 wieder aus. 1440 erhielt Graf Heinrich von Montfort das sogenannte Geleitrecht auf der Straße zwischen Oberjoch und Bodensee. Am 8. Januar 1453 verlieh Kaiser Friedrich III. dem Marktflecken Langenargen am Bodensee das Stadtrecht von Immenstadt. Die nächste Aufwertung nach der Stadterhebung erfuhr die Gegend durch Kaiser Friedrich III., der im Jahre 1471 die Montfortsche Herrschaft Rothenfels zur Grafschaft erhob. Dem erhöhten Verkehrsaufkommen am Ende des Hochmittelalters wurde auch hier Rechnung getragen und 1494 eine Straße und die obere Zollbrücke über die Iller nach Sonthofen gebaut.
Frühe Neuzeit mini|hochkant|Immenstadt um 1523 nach Bernhard Strigel Eine erneut erfolglose Belagerung aus dem Westen fand 20 Wochen lang durch den von Lindau kommenden sogenannten „Seehaufen“ zu Beginn des Bauernkrieges im Jahre 1525 statt. Nach einem 1485 geschlossenen Vertrag wurden 1531 die Montforter Rechte in Tannheim, Tannberg, Lechtal und Walsertal an Österreich abgetreten und so der Einflussbereich Immenstadts auf die linke Illerseite verringert. Wirtschaftlichen Wohlstand erlangte Immenstadt durch den Salzstapel und Leinwandhandel. 1536 erfolgte die Verleihung einer „Kaiserlich gefreiten Leinwandschau“. Gelegen an der großen Salzstraße von Hall in Tirol an den Bodensee, war Immenstadt Zoll-, Stapel- und Umschlagplatz des „Weißen Goldes“. 1546 wurde die Gegend in die Auseinandersetzung um die Reformation verwickelt, da Truppen des Schmalkaldischen Bundes die Burg Rothenfels besetzten, als der regierende Graf Hugo von Montfort im Dienst des Kaisers abwesend war. 1550 errichtete Graf Hugo von Montfort innerhalb der Stadtmauern am Immenstädter Marktplatz (heute Marienplatz) ein schlichtes Stadtschloss. 1552 war er als kaiserlicher Gesandter beim Konzil von Trient.
1567 veräußerte Ulrich von Montfort die Grafschaft Rothenfels und die Herrschaft Staufen für 150.000 Gulden trotz eines höheren Gebotes von Erzherzog Ferdinand an seinen Schwager, den Freiherrn Johann Jakob von Königsegg. Nach gravierenden Änderungen in der Besteuerung überreichten die Rothenfelser und Staufer 1597 dem Kaiser Rudolf eine Denkschrift mit 134 verschiedenen Beschwerden gegen Georg von Königsegg-Rothenfels (auch Freiherr Jörg genannt), der seit 1588 alleiniger Besitzer des Gebietes war. 1599 folgte von den Immenstädtern, denen er wegen ihres Verhaltens im Bauernkriege das Bürgerrecht abspenstig machte, eine weitere Denkschrift mit 153 Klagepunkten. Vom Kaiser kam keine Reaktion, der Freiherr meinte nur: „Die Immenstädter sollten das verdampte Sauffen bleiben lassen, dann hätten sie Geld zum Steuerzahlen“. Durch den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) und den Ausbruch der Pest verlor die Stadt fast 70 Prozent ihrer Bevölkerung. Freiherr Georg von Königsegg-Rothenfels fiel 1622 einem Attentat im Schloss Staufen zum Opfer. Der Mörder wurde dafür von vier angeschirrten Ochsen in Stücke gerissen und sein Haus auf Befehl der Obrigkeit niedergebrannt.
1629 erhob Kaiser Ferdinand II die Königsegger in den Grafenstand. Immenstadt wurde 1663 zur Residenzstadt der Grafschaft Königsegg-Rothenfels.
Ende Oktober 1703 überfielen bayerisch-französische Truppen im Spanischen Erbfolgekrieg das kaiserliche Lager in Immenstadt. Seit Beginn der Regentschaft von Franz Fidel von Königsegg 1771 wurde in Immenstadt kein Todesurteil mehr ausgesprochen. Ab 1778 war in Immenstadt und in der Herrschaft Staufen das Jagen und Fangen von Bären, Luchsen und Wölfen verboten. Am 25. Februar 1784 wurde am Marktplatz in Immenstadt einer der ersten in Deutschland gestarteten Ballone in die Lüfte entlassen und flog östlich bis über die Iller.