Der TuS Wörrstadt (offiziell Turn- und Sportverein Wörrstadt e. V.) ist ein Sportverein aus Wörrstadt im rheinland-pfälzischen Landkreis Alzey-Worms. Der Verein wurde im Jahre 1847 gegründet und bietet die Sportarten Fußball, Handball, Turnen, Gymnastik, Karneval, Badminton und Leichtathletik an. Bekannt wurde der Verein durch seine Frauenfußballmannschaft, die 1974 Deutscher Meister wurde. Drei Jahre spielten die Wörrstädterinnen in der Bundesliga. Derzeit (Stand: Saison 2025/26) spielt die erste Frauenmannschaft in der viertklassigen Verbandsliga Südwest.
Geschichte Frühe Jahre und die Meisterschaft (1969 bis 1974) Im Jahre 1969 wurde trotz des noch bestehenden Verbots durch den Deutschen Fußball-Bund die Frauenfußballabteilung gegründet. Das erste Spiel wurde am 2. August 1969 gegen eine Mannschaft aus Dorn-Dürkheim ausgetragen. Da nach der Aufhebung des Frauenfußballverbots noch keine bundesweite Meisterschaft ausgespielt wurde, organisierte Wörrstadts Manager Philipp „Fips“ Scheidt einen Wettbewerb mit allen Meistern der Landesverbände. Dieser sollte ursprünglich Deutschlandpokal heißen, was der DFB nicht anerkennen wollte. Erst nachdem Scheidt damit drohte, sich an die Presse zu wenden, wurde ein Kompromiss erzielt. Der Wettbewerb wurde als Goldpokal ausgetragen. Der TuS Wörrstadt setzte sich am 29. September 1973 im Finale in Rüsselsheim mit 3:1 gegen den FC Bayern München durch und gewann die vom Heinrich-Bauer-Verlag gestiftete Trophäe.vgl. Galczynski, Seite 121
Ein Jahr später wurde dann auch offiziell eine deutsche Meisterschaft ausgespielt. Durch einen 3:0-Sieg über den Bonner SC zog der TuS Wörrstadt in das Endspiel ein, wo die Mannschaft im Mainzer Bruchwegstadion die DJK Eintracht Erle aus Gelsenkirchen mit 4:0 schlug und sich den ersten Meistertitel sicherte. Die damals erst 15-jährige Regine Israel traf dreimal, während Bärbel Wohllebens Treffer von den Zuschauern der ARD-Sportschau zum Tor des Monats gewählt wurde. Anne Trabant-Haarbach vergab in dem Spiel noch einen Foulelfmeter. Der Meistertitel von 1974 sollte der einzige überregionale Erfolg für die Wörrstädterinnen bleiben.
→ Spieldaten der Meisterschaftsendspiels 1974
Die Vor-Bundesligazeit (1974 bis 1990) Nach der Saison verließen mit Anne Haarbach und Karin Pätzold zwei Leistungsträgerinnen den Verein in Richtung Bonner SC und auch Erfolgstrainer Erwin Hartmann kehrte im Oktober 1974 dem Verein den Rücken.vgl. Galczynski, Seite 135 Dennoch gelang 1975 die erneute Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft. Nach einer 0:4-Halbfinalniederlage gegen den Bonner SC verlor der TuS auch das Spiel um Platz drei mit 2:3 gegen Tennis Borussia Berlin. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre erhielten die Wörrstädterinnen mit dem TuS Niederkirchen einen spielstarken Konkurrenten. In den 1980er Jahren kam mit dem SC Siegelbach ein weiterer Konkurrent hinzu.
Auf Bundesebene konnte der TuS erst 1981 wieder Erfolge vermelden. Über den FC Schalke 04 und den SFD ’75 Düsseldorf erreichte die Mannschaft das Halbfinale der Deutschen Meisterschaft und scheiterte dort an Tennis Borussia Berlin. Im erstmals ausgespielten DFB-Pokal erreichten die Wörrstädterinnen sogar das Finale, wo der TuS im Stuttgarter Neckarstadion gegen die SSG 09 Bergisch Gladbach chancenlos war. Bergisch Gladbach, wo Anne Trabant-Haarbach inzwischen Spielertrainerin war, entschied das Spiel mit 5:0 für sich.
→ Spieldaten der Pokalfinals 1981
In den folgenden Jahren übernahm der TuS Niederkirchen die sportliche Vorherrschaft im Südwesten und qualifizierte sich im Jahre 1990 schließlich auch als Landesmeister direkt für die neu geschaffene Bundesliga. Der TuS Wörrstadt wurde Vizemeister und hatte in einer Aufstiegsrunde die Chance, sich auch noch für die Bundesliga zu qualifizieren. Doch die Zusatzchance wurde nicht genutzt und Wörrstadt wurde nur Gruppendritter, während der Tabellenerste SG Praunheim in die neue Eliteklasse einzog.
Bundesliga und sportliche Talfahrt (1990 bis 2009) In der nunmehr zweitklassigen Verbandsliga Südwest musste der TuS zunächst zweimal dem SC Siegelbach den Vortritt lassen, ehe die Wörrstädterinnen 1993 die Meisterschaft gewinnen konnten. In der anschließenden Aufstiegsrunde machte der TuS am letzten Spieltag durch ein 1:1 gegen den direkten Konkurrenten SC Freiburg den Sprung in die Bundesliga perfekt.Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 2: Bundesliga & Co. 1963 bis heute. 1. Liga, 2. Liga, DDR Oberliga. Zahlen, Bilder, Geschichten. AGON Sportverlag, Kassel 1997, ISBN 3-89609-113-1, S. 232. Im seinerzeit noch zweigleisigen Oberhaus kämpften die Wörrstädterinnen von Anfang an gegen den Abstieg und kassierten gegen die Spitzenmannschaften zum Teil herbe Niederlagen. Gleich in der Aufstiegssaison 1993/94 unterlag der TuS beim TuS Niederkirchen mit 0:9, ein Jahr später verlor die Mannschaft beim FSV Frankfurt gar mit 0:11.
Nach insgesamt drei Jahren war die Bundesligazugehörigkeit der TuS Wörrstadt wieder beendet, als die Mannschaft als Vorletzter in die neu geschaffene Oberliga Südwest abstieg. Dort wurden die Wörrstädterinnen zunächst mit großem Rückstand Vizemeister hinter dem SC 07 Bad Neuenahr, ehe die Mannschaft im Mittelmaß der Liga versank. Im Jahre 2002 erreichte die Vereinsgeschichte ihren Tiefpunkt, als der TuS in die drittklassige Verbandsliga Südwest absteigen musste. Nach nur einem Jahr gelang der direkte Wiederaufstieg.vgl. Töller, Seite 37 Sportlich setzte der Verein zunehmend auf die eigene Jugend. Im Jahre 2008 qualifizierten sich die B-Juniorinnen für die Deutsche Meisterschaft, wo sie in der Vorrunde jedoch als Gruppendritter scheiterten. Ein Jahr später stieg die erste Mannschaft als Meister der Regionalliga Südwest in die 2. Bundesliga auf.
Gegenwart (seit 2009) Mit dem erstmaligen Aufstieg in die 2. Bundesliga wurde der TuS zu einer Fahrstuhlmannschaft. Als Tabellenletzter der Saison 2009/10 stieg die Mannschaft prompt wieder in die Regionalliga ab. Nach zwei Jahren Mittelmaß gelang in der Saison 2012/13 der Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga. Beim zweiten Anlauf in der Saison 2013/14 waren die Wörrstädterinnen allerdings noch chancenloser und mussten ohne Sieg bei einem Torverhältnis von 5:97 erneut gleich wieder absteigen. Gegen den Meister SC Sand verlor der TuS zu Hause gar mit 0:12.
Erfolge Deutscher Meister: 1973; inoffiziell, 1974 DFB-Pokalfinalist: 1981 Meister der Regionalliga Südwest: 2009, 2013 Südwestdeutscher Meister: 1974, 1975, 1978, 1979, 1981, 1986, 1988 Südwestpokalsieger: 1980, 1981, 1987, 1988, 1989, 1990, 1991, 2018, 2019 Südwestdeutscher Meister der B-Juniorinnen: 2008
Persönlichkeiten
Statistik Saison Liga Platz S U N Tore Punkte DFB-Pokal 1993/94 Bundesliga Süd 8. 3 2 13 15:61 8:28 nicht qualifiziert 1994/95 Bundesliga Süd 8. 3 6 9 10:38 12:24 2. Runde 1995/96 Bundesliga Süd 9. 3 2 13 17:61 14 Achtelfinale 1996/97 Oberliga Südwest 2. 11 1 4 36:21 34 2. Runde 1997/98 Oberliga Südwest 6. 8 3 9 25:37 27 nicht qualifiziert 1998/99 Oberliga Südwest 10. 7 6 9 31:42 27 nicht qualifiziert 1999/00 Oberliga Südwest 4. 13 1 10 43:31 40 nicht qualifiziert 2000/01 Oberliga Südwest 7. 8 4 10 28:27 28 nicht qualifiziert 2001/02 Regionalliga Südwest 11. 2 5 15 24:71 11 nicht qualifiziert 2002/03 Verbandsliga Südwest 1. nicht bekannt nicht qualifiziert 2003/04 Regionalliga Südwest 7. 8 3 11 44:64 27 nicht qualifiziert 2004/05 Regionalliga Südwest 5. 8 2 10 34:57 26 nicht qualifiziert 2005/06 Regionalliga Südwest 7. 8 2 12 47:49 26 nicht qualifiziert 2006/07 Regionalliga Südwest 6. 8 3 9 43:46 27 nicht qualifiziert 2007/08 Regionalliga Südwest 5. 11 5 6 46:35 38 nicht qualifiziert 2008/09 Regionalliga Südwest 1. 18 3 1 89:25 57 nicht qualifiziert 2009/10 2. Bundesliga 12. 2 6 14 21:58 12 2. Runde 2010/11 Regionalliga Südwest 6. 10 5 7 47:42 35 1. Runde 2011/12 Regionalliga Südwest 6. 9 4 7 41:36 31 nicht qualifiziert 2012/13 Regionalliga Südwest 1. 15 0 3 47:22 45 nicht qualifiziert 2013/14 2. Bundesliga 12. 0 2 20 5:97 2 1. Runde 2014/15 Regionalliga Südwest 9. 5 3 14 26:49 18 1. Runde 2015/16 Regionalliga Südwest 8. 8 3 11 36:49 27 nicht qualifiziert 2016/17 Regionalliga Südwest 7. 9 4 9 45:38 31 nicht qualifiziert 2017/18 Regionalliga Südwest 3. 13 0 9 40:34 39 nicht qualifiziert 2018/19 Regionalliga Südwest 9. 10 2 14 59:66 32 1. Runde 2019/20 Regionalliga Südwest 8. 5 1 8 26:29 16 2. Runde 2020/21 Regionalliga Südwest 4. 4 1 1 17:12 13 1. Runde 2021/22 Regionalliga Südwest 9. 6 2 4 21:44 21 nicht qualifiziert 2022/23 Regionalliga Südwest 9. 6 5 13 36:77 23 nicht qualifiziert 2023/24 Regionalliga Südwest 11. 3 4 15 24:68 13 nicht qualifiziert 2024/25 Verbandsliga Südwest 2. 20 1 3 102:12 61 nicht qualifiziert 2025/26 Verbandsliga Südwest 1. 21 3 0 96:29 66 nicht qualifiziert 2026/27 Verbandsliga Südwest nicht qualifiziert Anmerkung: Grün unterlegte Platzierungen kennzeichnen einen Aufstieg, rot unterlegte Spielzeiten einen Abstieg.
Weblinks
Offizielle Website des Vereins Offizielle Website Frauen- und Mädchenfußball
Einzelnachweise
Kategorie:Fußballverein aus Rheinland-Pfalz Kategorie:Sportverein (Landkreis Alzey-Worms) Kategorie:Deutscher Frauenfußballverein Kategorie:Deutscher Fußballmeister Kategorie:Verein im Südwestdeutschen Fußballverband Kategorie:Handballverein aus Rheinland-Pfalz
TuS Worrstadt