Eins, zwei, drei (Originaltitel: One, Two, Three) ist eine US-amerikanische Filmkomödie von Billy Wilder vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts. Wilder verfasste zusammen mit I. A. L. Diamond auch das Drehbuch, für das sie das Bühnenstück Eins, zwei, drei (Originaltitel: Egy, kettő, három) von Ferenc Molnár aus dem Jahr 1929 adaptierten und die Handlung in das geteilte Berlin verlegten. Die Dreharbeiten fanden von Juni bis September 1961 in Berlin und in München statt; dabei wurde das Team vom Bau der Berliner Mauer überrascht. Produktionsfirmen waren die Mirisch Corporation und United Artists.

Handlung C. R. MacNamara ist Direktor der Coca-Cola-Filiale in West-Berlin. Er hofft, zum Chef des europäischen Marktes in London befördert zu werden. Deshalb plant er, das Brausegetränk auch hinter dem Eisernen Vorhang zu vertreiben. Wendell P. Hazeltine, der Vorstandsvorsitzende in Atlanta, will aber von Geschäften mit „Kommunisten“ nichts wissen. Er bittet MacNamara stattdessen, seine Tochter Scarlett während deren Berlin-Visite zu betreuen und bei sich aufzunehmen. Widerwillig stimmt MacNamara zu. Eigentlich wollte seine Frau mit den Kindern verreisen, und er hätte dann Gelegenheit gehabt, mehr Zeit mit seiner hübschen Sekretärin Ingeborg zu verbringen.

Scarlett Hazeltine verdreht schon beim Flug nach Berlin der Flugzeugbesatzung den Kopf und kündigt sogleich an, sich bei ihrem Aufenthalt ausgiebig amüsieren zu wollen. Erst nach ein paar Wochen fällt auf, dass sie ihre Nächte außerhalb des Hauses der MacNamaras verbringt. Ausgerechnet jetzt kündigen ihre ahnungslosen Eltern für den nächsten Tag ihren Besuch in West-Berlin an. Als Scarlett wieder auftaucht, stellt sich heraus, dass sie inzwischen geheiratet hat, und zwar den linientreuen Jungkommunisten Otto Ludwig Piffl aus Ost-Berlin. MacNamara sieht seine Karriereträume bedroht und fädelt deshalb mit Hilfe seines unterwürfigen Assistenten Schlemmer eine Intrige ein, um Piffl wieder loszuwerden. In Anlehnung an in Ost-Berlin gefertigte Ballons mit der Aufschrift „Yankee go home!“, die dann von Osten nach Westen fliegen sollen, lässt MacNamara diese Beschriftung in „Russki go home!“ ändern und von Schlemmer einen Ballon am Auspuff von Piffls Motorrad befestigen. Als Piffl ahnungslos am Brandenburger Tor mit dem inzwischen aufgeblasenen Ballon die Sektorengrenze überquert, nehmen ihn Volkspolizisten wegen feindlicher Propaganda fest, zumal er eine Kuckucksuhr dabei hat, die den Yankee Doodle von sich gibt und in ein Exemplar des The Wall Street Journals eingewickelt ist. Durch Schlafentzug bis zur Erschöpfung durch Abspielen des Schlagers Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu Strandbikini gequält (auch diese Folter wird als Satire gezeigt), gesteht und unterschreibt er, ein bezahlter amerikanischer Spion der CIA zu sein. Unmittelbar danach erscheinen MacNamaras sowjetische Geschäftspartner, einer davon vom KGB, und übernehmen Piffl, womit die Haft bei der Volkspolizei vorbei ist.

Um die Eheschließung rückgängig zu machen, beauftragt MacNamara seinen Anwalt, im Ost-Berliner Standesamt die entsprechenden Unterlagen zu entfernen und die Ehe zu annullieren. Aber der Schuss geht nach hinten los: Als Scarlett erfährt, was mit Otto geschehen ist, bricht sie zusammen. Der herbeigerufene Arzt stellt fest, dass Scarlett schwanger ist – von Piffl. Ein uneheliches Enkelkind wäre für den erzkonservativen Mr. Hazeltine und Gattin noch schlimmer als ein kommunistischer Schwiegersohn. Und das wäre das Ende von MacNamaras Laufbahn. Deshalb muss die Annullierung der Ehe wieder rückgängig gemacht, Piffl aus den Fängen der Volkspolizei befreit und innerhalb von wenigen Stunden in einen standesgemäßen Schwiegersohn verwandelt werden.

Mr. und Mrs. Hazeltine sollen bereits am Mittag desselben Tages eintreffen, um Scarlett abzuholen. In der knapp bemessenen Zeit bis dahin stattet MacNamara Otto Piffl mit einer umfassenden Herrenkollektion aus und lässt ihn durch einen verarmten Grafen Droste-Schattenburg adoptieren, um ihm einen eindrucksvollen Namen zu geben. Piffls eiserne Gesinnung gerät aber nicht so leicht ins Wanken und er beschließt sofort, die ihm gerade erst verliehene Position als Manager der Cola-Abfüllabteilung dazu auszunutzen, die Arbeiter zum Streik und letztlich zum kommunistischen Aufstand aufzustacheln. Doch aus Liebe zu Scarlett gibt er seine ideologischen Dogmen nach und nach auf und fügt sich schließlich MacNamaras Plänen und den Wünschen seiner schwangeren Frau.

Piffls Verwandlung ist am Ende so perfekt, dass Mr. Hazeltine seinen neuen Schwiegersohn zum Direktor des europäischen Marktes ernennt. Aber auch MacNamara wird befördert und in die Konzernzentrale nach Atlanta versetzt. Damit ist auf dem Flugfeld des alten Berliner Flughafens Tempelhof in letzter Minute auch seine Ehe gerettet, denn seine Frau wollte mit den Kindern schon lange in die USA zurückkehren.

Hintergrund Schauplatz des Kinofilms ist das geteilte Berlin im Sommer 1961, wenige Monate vor Beginn des Mauerbaus am 13. August. Dies wird u. a. aus den Transparenten der staatlich organisierten kommunistischen ‚Friedensdemonstration‘ in Ost-Berlin am Anfang des Films ersichtlich, auf denen US-Präsident John F. Kennedy – der erst unlängst, im Januar 1961 vereidigt worden war – abgelehnt, gleichzeitig Fidel Castro mit Nikita Chruschtschow lobend befürwortet wird. Die damals für den Personenverkehr offene Sektorengrenze war somit als Handlungsort von großer Bedeutung. Jedoch erfolgte der Mauerbau während der Dreharbeiten, die von Juni bis September 1961 dauerten. Folglich waren die in dem Film gezeigten Verhältnisse nun auf einen Schlag nicht mehr aktuell.

Bei einigen Szenen, die in Ost-Berlin spielen, ist erkennbar, dass sie (aus naheliegenden Gründen) in West-Berlin gedreht wurden: beispielsweise ist während der Verhaftung Piffls durch die Volkspolizei im Hintergrund die Matthäuskirche in Berlin-Tiergarten zu sehen und beim nächtlichen Besuch MacNamaras in Ost-Berlin wurde die Ruine des Anhalter Bahnhofs im West-Berliner Kreuzberg aufgenommen, die tatsächlich an die Arkaden des Kaiserhofs erinnert ("Es hieß früher Grand-Hotel Göring. Und davor Grand-Hotel Bismarck."; beide schätzten das Hotel). Dreharbeiten am Brandenburger Tor waren nicht möglich, weil es in Ost-Berlin an der Sektorengrenze lag und der Volkspolizei als Kontrollpunkt diente. Es musste im Juni/Juli 1961 für zwei Drehtage mit einem großen Aufwand als Kulisse auf dem Bavaria-Film-Gelände in Geiselgasteig nachgebaut werden.Bavaria Filmstudios 1961: Aufbau Brandenburger Tor für Billy Wilder Satire. Bericht aus den Bavaria Filmstudios vom 21. Juli 1961 im BR; 4 Min. in s/w.

mini|Ehemalige Coca-Cola-Niederlassung in Berlin-Lichterfelde, Oktober 2013 Die ehemalige, seit 1992 verlassene Coca-Cola-Niederlassung in der Hildburghauser Straße 224 in Berlin-Lichterfelde ist noch zu besichtigen (sie war – ebenfalls als Coca-Cola-Zentrale – 2003 Kulisse im Film Good Bye, Lenin). Bei der rasenden Fahrt von dort aus zum Flughafen Tempelhof (gegen Ende des Films) fährt man im Film zunächst am U-Bahnhof Wittenbergplatz und danach am U-Bahnhof Augsburger Straße vorbei, obwohl Letzterer auf dieser Route eigentlich zuerst passiert werden müsste.

Die Hauptrolle MacNamara ist augenscheinlich auf den damals erst unlängst (im Januar 1961) ins Amt berufenen gleichnamigen Verteidigungsminister gemünzt, der mit seinem mittigen Scheitel James Cagney zudem recht ähnlich sah. Letzterer und Horst Buchholz kamen sich bei den Dreharbeiten mehrmals in die Quere, vor allem da Buchholz sich laut Cagney mit übertriebenem Schauspiel als „Szenenstehler“ versucht habe. In einem Interview bezeichnete Cagney den Deutschen als den einzigen Schauspielkollegen, den er in seiner langen Karriere offen nicht gemocht habe. Nach diesem Film stand Cagney zwanzig Jahre lang nicht vor der Kamera; erst im hohen Alter hatte er ein Comeback mit dem Film Ragtime, weshalb er seinen Rückzug ins Privatleben zumindest einmal – vielleicht scherzhaft – dem Streit mit Buchholz zuschrieb.

Während der Dreharbeiten wurde Wilder von Joan Crawford, die gerade in den Aufsichtsrat von Pepsi berufen worden war, erbost angerufen. Sie hatte den Posten von ihrem verstorbenen Ehemann Alfred Steele übernommen und protestierte gegen die Produktplatzierungen für den Konkurrenten Coca-Cola. Wilder platzierte in seinem Film daraufhin einige Referenzen an Pepsi, so in der Schlussszene, in der Cagney für seine Familie aus einem Coca-Cola-Automaten überraschend auch eine Pepsi-Cola zieht.Bob Thomas: Joan Crawford, A Biography. Simon and Schuster, 1978, S. 212.

Als Otto Ludwig Piffl von der Volkspolizei vernommen wird, sprechen die Beamten in der deutschen Synchronfassung mit sächsischem Dialekt. In der US-Originalfassung sprechen sie Hochdeutsch. Der Darsteller des ersten Vernehmungsbeamten ist der aufgrund seiner umfangreichen Synchrontätigkeit bekannte Schauspieler Gerd Martienzen. Seine Stimme ist in der US-Originalfassung zu hören, nicht jedoch in der deutschen Synchronfassung. Der Volkspolizist, der die Limousine mit MacNamara, Fritz, Schlemmer und Fräulein Ingeborg am Brandenburger Tor bei der Ein- und Ausfahrt kontrolliert, wurde von Lilo Pulvers Ehemann Helmut Schmid gespielt. Er lässt sich mit einer Sechserpackung Coca-Cola gerne bestechen und gibt als anständiger Deutscher das Leergut bei der Rückfahrt zurück.

Schlemmer erkennt gegen Ende in einem Journalisten seinen früheren Vorgesetzten, den SS-Obersturmführer Untermeier, wieder. Gegenüber MacNamara versucht Schlemmer, seine SS-Mitgliedschaft dadurch zu beschönigen, dass er „doch bloß Konditor in der Offiziermesse“ und überdies auch noch „ein sehr schlechter Konditor“ gewesen sei; dies ist eine Satire auf etliche NS-Täter, die nachträglich ihre mutmaßlichen Verbrechen dadurch zu relativieren trachteten, dass sie beispielsweise von sich behaupteten, „ein ganz schlechter Schütze“ gewesen zu sein und deshalb „nie getroffen“ zu haben – eine Praxis, die in diesem Fall („ich war ein sehr schlechter Konditor“) ad absurdum geführt wird.

Filmmusik Filmmusik ist der Säbeltanz aus dem Ballett Gayaneh von Aram Chatschaturjan (1946). Piffl wird von der ostdeutschen Polizei durch pausenloses Anhören des Schlagers Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini zu dem „Geständnis“ gezwungen, dass er ein US-amerikanischer Spion sei, während Friedrich Hollaender bei seinem Gastauftritt im Ost-Berliner „Grand Hotel Potemkin“ (dem Film diente hierzu die nur noch als Ruine existierende Fassade des Anhalter Bahnhofs) den Schlager Ausgerechnet Bananen! singt und dirigiert.

Henning Schlüter, der als Hausarzt der MacNamaras die Schwangerschaft der Hazeltine-Tochter feststellt, wird aus einer Aufführung von Richard Wagners Walküre herausgerissen und stimmt fortwährend die Melodie des Walkürenritts an. Im englischsprachigen Original prägt er sich so die Übersetzung „schwanger is pregnant“ ein, auf Deutsch singt er „schwanger ist prächtig“.

Eine Kuckucksuhr, die statt eines Kuckucks einen Uncle Sam enthält, begleitet die Geschehnisse im Büro mit der Melodie von Yankee Doodle; Otto nimmt sie, ohne dies zu wissen, als Geschenk nach Ost-Berlin mit. Bei einer Kontrolle spielt sie die Melodie und trägt somit zu seiner Verhaftung bei.

Zitate und Anspielungen Eins, zwei, drei enthält Filmzitate und Anspielungen auf andere Filme und Ereignisse: Die zu Beginn auf der Ost-Berliner Kundgebung getragenen Transparente mit der Aufschrift „Nie wieder U2!“ sind auf den Abschuss des amerikanischen Spionageflugzeugs Lockheed U-2 über der Sowjetunion im Mai 1960 gemünzt, dessen Folge der Abbruch der gerade begonnenen Pariser Gipfelkonferenz zur Bewältigung der Berlin-Krise war.