Das Alte Museum am Lustgarten im Berliner Ortsteil Mitte gehört zum Bauensemble der Museumsinsel und damit zum Weltkulturerbe der UNESCO. Im Auftrag des Königs Friedrich Wilhelms III. 1825–1830 nach Entwurf von Karl Friedrich Schinkel erbaut, zählt es zu den Hauptwerken des deutschen Klassizismus. Umgeben wird es vom Berliner Dom im Osten, dem wiederaufgebauten Berliner Schloss im Süden, dem Zeughaus im Westen sowie dem Neuen Museum im Norden. Aktuell beheimatet das Alte Museum die Antikensammlung und einen Teil des Münzkabinetts.Profil des Alten Museums In: Staatliche Museen zu Berlin, abgerufen am 7. Januar 2024

Im Jahr 2023 verzeichnete das Alte Museum rund 215.000 Besucher.

Geschichte mini|Das Alte Museum von der Schloßfreiheit aus, Gemälde von Johann Heinrich Hintze, 1832 mini|Altes Museum mit Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III., um 1900 mini|Altes Museum nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, 1950

Im frühen 19. Jahrhundert wurde das Bürgertum in Deutschland zusehends selbstbewusster. Die Vorstellung begann sich durchzusetzen, die in den Schlössern befindlichen Kunstwerke nicht wie bisher nur nach Anmeldung, sondern in eigens dafür bestimmten Bauten allen Bürgern zugänglich zu machen. Die Allgemeinheit sollte die Möglichkeit einer umfassenden kulturellen Bildung erhalten. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. teilte dieses Humboldtsche Bildungsideal.

Hinzu kamen patriotische Erwägungen. 1815 kehren die von Napoleon geraubten preußischen Kunstgegenstände nach Berlin zurück. Diese wurden, inspiriert vom Musée Napoleon im Pariser Louvre, in einer Ausstellung im Gebäude der Akademie der bildenden Künste gezeigt. Der große Erfolg bewog Friedrich Wilhelm III., die Präsentation zu verstetigen. Schinkel, der eigentlich zu diesem Zweck einen Umbau der Akademie leiten sollte, konzipierte ohne einen Auftrag dafür zu haben, einen Neubau am Lustgarten und konnte mit ihnen den König überzeugen.

1815 erwarb der König Teile der Sammlung Giustiniani und 1821 die Sammlung von Edward Solly und entwickelte erste Überlegungen zum Ausbau des Marstall oder der Kunstakademie Unter den Linden. Zuvor propagierte bereits der Archäologe Aloys Hirt, antike Skulpturen, Münschen und altmeisterlichere Gemälde in einem Museum zu zeigen, um so das Niveau der Berliner Kunstproduktion zu heben. Schließlich beauftragte er Karl Friedrich Schinkel mit der Planung eines Museumsneubaus für die königlichen Kunstsammlungen. Berlin sollte als Hauptstadt des Geistes gleichziehen mit München, Wien, Paris oder London. Die für die Konzeption des Museumsneubaus verantwortliche, vom König eingesetzte und von Wilhelm von Humboldt geleitete Einrichtungskommission entschied, nur hohe Kunst dort auszustellen. Nach damaligem Verständnis schloss das die Ethnografica, Prähistorica und im Nahen Osten ausgegrabene Kunstschätze aus; sie wurden vorerst großteils im Schloss Monbijou untergebracht.

Schnell stellte sich heraus, dass die Ausstellungsfläche des Alten Museum für die wachsende Sammlung nicht ausreichte. Aus diesem Grund entstand bis 1855 das Neue Museum. Ein Übergang verband die beiden Gebäuden.

Planung und Bau Den Planungen des Architekten Schinkel lagen auch Entwürfe des Kronprinzen, des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV., zugrunde, der für die Museumsinsel eine antikisierende, akropolisartige Bebauung wünschte. Der Kronprinz ließ Schinkel eine Bleistiftskizze zukommen, die ein hinter Säulenhallen zurücktretendes Hauptgebäude zeigte. Schinkel bettete in seinen Planungen das Königliche Museum in ein Bauensemble rund um den Lustgarten ein. Das Stadtschloss der Hohenzollern im Süden sollte dabei Symbol der weltlichen Macht sein, das Zeughaus im Westen das Militär repräsentieren und der damalige Berliner Dom im Osten die göttliche Macht verkörpern. Das Museum im Norden, das der Erziehung und Bildung des Volkes dienen sollte, stand somit auch als Sinnbild für die Wissenschaft und Kunst – und nicht zuletzt deren Träger: das selbstbewusste Bürgertum. Schon zuvor war Schinkel für die klassizistische Umgestaltung des ursprünglich barocken Doms verantwortlich gewesen. Auch die parallel zum Bau des Alten Museums erfolgende Neugestaltung des Lustgartens durch Peter Joseph Lenné ging weitgehend auf Schinkels Vorstellungen zurück, der so ein zusammengehöriges Ensemble schuf.

Der Architekt hatte zuvor in London und Paris die Strukturen großer Museen studiert. Die Pläne für das Museum mit dem Standort an der Nordseite des Lustgartens entwickelte er um 1822/1823. Danach wurden komplizierte Gründungsarbeiten nötig, weil hier ein Verbindungskanal zwischen Kupfergraben und Spree verlief. Für das Fundament wurden rund 3000 Kiefernholzpfähle in den Boden getrieben. Erst 1825 konnte mit den Bauarbeiten für das Museum begonnen werden, die bis 1828 dauerten. Am 3. August 1830 (nach einer anderen Quelle am 1. April 1830)G. Flügge: Berliner ABC. Altes Museum; in einer Serie der Berliner Zeitung von 1966/1967 über die Berliner Museen wurde es seiner Bestimmung übergeben. Bei seiner Eröffnung und bis 1845 wurde es „Museum“ bzw. „Königliches Museum“ genannt. Ursprünglich beherbergte es die Kunstwerke der Gemäldegalerie. Es war das erste Gebäude in Berlin, das als Museum errichtet wurde.

Zerstörung, Wiederaufbau und Sanierungen Während der Zeit des Nationalsozialismus bildete das Alte Museum die Kulisse für Propagandaveranstaltungen, sowohl im Museum selbst als auch im als Aufmarschplatz umgestalteten Lustgarten. Im Zweiten Weltkrieg 1941 und 1943 bei alliierten Luftangriffen durch Sprengbomben getroffen, brannte es am 8. Mai 1945 durch die Explosion eines am Haus abgestellten Munitionswagens aus.Dazu und zur Wiederherstellung (unten) siehe Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Eine Dokumentation der Schäden und Totalverluste auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Band 1: Berlin – Hauptstadt der DDR, Bezirke Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Potsdam, Frankfurt/Oder, Cottbus, Magdeburg. Henschel, Berlin 1980, S. 44.

Zur Zeit der DDR rückten der Lustgarten und das Alte Museum erneut ins städtebauliche Zentrum - mit dem für Aufmärsche genutzten Marx-Engels-Platz in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Führung suchte nach einem Ort für die Kunst des sozialistischen Staates. Als Teil des neuen Staatsforum sollte die am preußischen Bildungsideal und der Antike orientierten Geschichte vergessen gemacht werden. Unter Generaldirektor Ludwig Justi stellten Hans Erich Bogatzky und Theodor Voissen von 1951 bis 1966 das Bauwerks als erstes Museum der Museumsinsel wieder her. Die Rekonstruktion des Äußeren erfolgte im Großen und Ganzen originalgetreu. Im Inneren entwarfen die Architekten flexible Ausstellungsflächen und zogen im Nordsaal ein zweites Treppenhaus ein. Dabei wurden die geringen Reste der von Schinkel entworfenen und von Peter Cornelius ausgeführten Fresken an der Rückwand der Säulenhalle und im Treppenhaus sowie der 1844 von Stüler errichtete Übergang zum Neuen Museum beseitigt.

Die Restaurierung der farbigen Ausmalung der Rotunde erfolgte 1982 nach den Entwürfen Schinkels. Auf eine Rekonstruktion des Deckensystems der im Erdgeschoss an die Innenhöfe angrenzenden Schauräume sowie der Säulenpaare unter den Unterzügen wurde verzichtet. Die moderne Glasfassade der Treppenhalle stammt von 1993.

1998 wurde das Architekturbüro Hilmer & Sattler und Albrecht beauftragt, die Pläne für die Generalsanierung zu entwerfen. Die Arbeiten haben nicht begonnen, jedoch wurden 2007 die Freitreppe und 2009 die Kassettendecke der Rotunde vorgezogen restauriert.

Im August 2026 gab die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) bekannt, dass das Gebäude in den 2030er-Jahren grundlegend saniert werden müsse. Ein Grund dafür sei, dass sich der Bau langsam absenke. Darüber hinaus bedürfe es einer Modernisierung der Gebäudetechnik und neuer Räume für den Besucherservice. Schließlich soll das Alte Museum über eine unterirdische Archäologische Promenade mit den anderen Häusern der Museumsinsel verbunden werden.

Äußeres mini|links|hochkant=0.85|Vorhalle mit Wandgemälden von Peter von Cornelius, 1939 mini|hochkant=0.85|Vorhalle ohne die Wandgemälde, 2017 mini|Außenansicht des Museumsbaus, Zeichnung von Karl Friedrich Schinkel

Das Alte Museum folgt mit seiner klaren symmetrischen Gliederung der äußeren Form dem Gestaltungskanon der griechischen Antike und verkörpert damit die in der Aufklärung wurzelnde Idee eines Museums als Bildungseinrichtung für das Bürgertum. Die Rotunde, dem Vorbild des Pantheon in Rom folgend, unterstreicht die sakrale Dimension des Museums als Kunsttempel.

Das auf einem Sockel stehende, zweigeschossige Gebäude hat eine Länge von 87 Metern und eine Breite von 55 Metern. Es besteht aus einem flach gedeckten, kubischen Baukörper, der durch eine Vorhalle mit 18 kannelierten ionischen Säulen in Monumentalordnung nach außen abschließt. Die von zwei Eckpilastern begrenzte Halle öffnet sich zum Lustgarten hin. Auf dem Gebälk der Halle sitzen über den Säulen achtzehn sandsteinerne Adler. Die vier Säulen der Treppenhalle und die achtzehn Säulen an der Lustgartenfront bestehen aus Cottaer und Reinhardtsdorfer Sandstein (Sachsen) aus der Kreidezeit, der Sockel aus Postaer Sandstein (Kreidezeit) und die Stufen aus Lausitzer Granodiorit (Präkambrium) aus Demitz-Thumitz (Sachsen). Die an der Front des Gebäudes angebrachte Weihinschrift lautet:

Durch die Abfolge von Freitreppe, Säulenhalle, Treppenhaus, Vorhalle und Rotunde gelang Schinkel ein fließender Übergang von außen nach innen. Sie sollte die Gäste auf den Besuch der eigentlichen Ausstellung einstimmen.

Figurenschmuck mini|hochkant=0.85|Löwenkämpfer zu Pferde vor dem Museumsbau Schinkels Konzept sah die Aufstellung von großen Reiterstandbildern auf den Wangen der Freitreppe vor. Das 1842 fertiggestellte Standbild Amazone zu Pferde von August Kiß wurde auf die rechte Seite der Freitreppe platziert. Es zeigt in hoher Expressivität eine Amazone, die versucht, mit einer Lanze den Angriff eines Panthers abzuwehren. Das erst 1861 aufgestellte Standbild Löwenkämpfer auf der linken Wange stammt von Albert Wolff nach einem Entwurf von Christian Daniel Rauch. Dargestellt ist ein Reiter auf einem sich aufbäumenden Pferd, der im Begriff ist, einen am Boden liegenden Löwen mit seiner Lanze zu durchbohren. An den Ecken des Rotundenaufbaus befinden sich vorne zwei Rossebändigergruppen von Friedrich Tieck (1828) und hinten zwei Pegasusgruppen von Hugo Hagen und Hermann Schievelbein (1861). Die Pferdefiguren am Alten Museum korrespondierten mit den Rossebändigern am Stadtschloss.

Wandgemälde Das Hauptwerk von Schinkel als Maler stellte ein Freskenzyklus für die Vorhalle des Museums dar, die der Künstler schon 1823 bei den ersten Plänen des Museums mit aufnahm. Für diesen monumentalen Bilderzyklus sind von 1841 bis ungefähr 1870 über die gesamte Länge der Vorhalle und in der oberen Treppenhalle Wandbilder entstanden, von denen heute nur noch die beiden Entwürfe von Schinkels Hand im Berliner Kupferstichkabinett erhalten sind. Die Fresken wurden von Peter von Cornelius ausgeführt. Dieser heute fast vergessene Bilderzyklus zählte nach Anspruch und Ausführung zu den bedeutendsten Werken der Malerei des 19. Jahrhunderts. Für die Architektur und das Museum waren die Bilder von großer Bedeutung, da Schinkel durch die Bilder die Funktion und den Anspruch seines Museums näher erklärte.

Inneres mini|Innenansicht der Treppenhalle, Zeichnung von Schinkel mini|hochkant=0.85|Die Rotunde im Alten Museum, Aquarell von Carl Emanuel Conrad, um 1834 mini|hochkant=0.85|Rotunde, 2011