mini|Uwe Boll (2016) Uwe Boll (* 22. Juni 1965 in Wermelskirchen) ist ein deutscher Regisseur, Produzent und Drehbuchautor von Independent-Filmen. Bekanntheit erlangte er mit einer Vielzahl von Trashfilmen, die beim Publikum durchfielen und meist auch nicht finanziell erfolgreich waren. Diese brachten ihm den Ruf als „schlechtester Regisseur der Welt“.Deutschlandfunk Kultur: Der schlechteste Regisseur der Welt?The Guardian: The 'World's Worst Director'Spiegel.de: Uwe Boll plant Filmprojekt über HanauGeorg Seesslen: Uwe Bolls „Max Schmeling“ – Trash wäre schöner, taz, 6. Oktober 2010 Finanziert hatte Boll viele seine Filme über einen selbst aufgelegten Medienfonds, der durch die Ausnutzung eines Steuerschlupflochs für Anleger attraktiv war. Im November 2005 wurde dieses Steuerschlupfloch geschlossen, damit brach sein Finanzierungsmodell zusammen.

Leben und Karriere Jugend und Ausbildung Boll begann als Jugendlicher, erste Kurzfilme auf Super 8 und Video zu drehen. Nach dem Abitur bewarb er sich erfolglos an mehreren FilmhochschulenYouTube: Filmemacher Kurs mit Uwe Boll - so fing alles an und konnte nur als Gasthörer einzelne Vorlesungen besuchen, die er allerdings als „zu theoretisch“ ablehnte.Welt.de: Direkt vom Erzeuger Er studierte Betriebswirtschaftslehre (ohne Abschluss) und Literaturwissenschaft in Köln und Siegen.https://web.archive.org/web/20230527094913/https://www.faz.net/aktuell/finanzen/steuersparmodelle-spiel-mir-das-lied-vom-tod-der-medienfonds-1410601.htmlFilmportal.de (eingesehen am 19. November 2018) In Siegen wurde er 1994 im Fach Literaturwissenschaft mit der Arbeit Die Gattung Serie und ihre Genres bei Helmut Schanze promoviert.https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=idn%3D94129529X Nach eigenen Angaben wechselte er während der Promotion dreimal den Doktorvater.Boll, Ihr könnt mich mal.

Tätigkeit im Filmgeschäft 1991 gründete er die Filmproduktionsfirma BOLU, deren alleiniger Inhaber und Geschäftsführer er seit 1998 ist. Von 1994 bis 2000 war er Produzent bei der Taunusfilm und Geschäftsführer von TaunusFilm International.

Seit 1991 ist Boll als Regisseur tätig. Seine ersten Spielfilme entstanden als deutsche Low-Budget-Produktionen und stießen auf wenig Beachtung.Münzinger: Uwe Boll Sein dritter Spielfilm Amoklauf feierte 1994 beim Filmfestival Max Ophüls Preis Premiere.https://www.filmportal.de/film/amoklauf_692b8f04c3c1452793b368b1d567b425

Ab dem Jahr 2000 begann Boll, seine Filme mit selbst aufgelegten Medienfonds sowie der Ausnutzung eines Steuerschlupflochs zu finanzieren (s. u.). Damit gelang es ihm, größere Produktionen in den USA zu stemmen und Filmlizenzen für bekannte Videospiele zu erwerben. Zunächst erschienen der Horrorfilm Blackwoods und das Amoklauf-Drama Heart of America, bei denen Boll sowohl Regie führte als auch das Drehbuch schrieb. 2003 erschien House of the Dead, Bolls erste Videospielverfilmung, 2005 folgte Alone in the Dark. Dank des hohen Bekanntheitsgrads der Vorlagen erhielten die Filme große Aufmerksamkeit, wurden jedoch sowohl von der Kritik als auch von den Fans der Videospiele scharf verrissen. Beide Filme tauchen mehrfach in Ranglisten der schlechtesten Filme aller Zeiten auf.Rotten Tomatoes: Worst Movies of All TimeTime.com: Worst Video Game Movies Es folgte eine Reihe weiterer derart produzierter und ähnlich schlecht bewerteter Videospieladaptionen, darunter Postal (2007), Schwerter des Königs – Dungeon Siege (2007) und Far Cry (2008).

2005 gründete Boll den Filmvertrieb Boll AG, der 2006 an die Börse ging. Boll vermarktet damit auch durch Dritte produzierte Filme, etwa den Thriller One Way (2006) und den russischen Fantasyfilm Fürst der Dämonen (2014). 2009 zog sich Boll aus Deutschland zurück und produziert seit 2011 seine Filme durch sein kanadisches Unternehmen; die Boll AG wurde im selben Jahr aufgelöst. mini|Boll am Drehort von Schwerter des Königs – Dungeon Siege, Vancouver 2005

2010 kam Bolls Filmbiografie Max Schmeling – Eine deutsche Legende in die Kinos. Die Titelrolle spielte der frühere deutsche Halbschwergewichtsweltmeister Henry Maske. Der von der Kritik einhellig verrissene Film war auch kommerziell ein Misserfolg. Im Jahr 2011 veröffentlichte Boll die Videospielverfilmung Bloodrayne: The Third Reich und die Parodie Blubberella, die er parallel mit derselben Crew und – mit Ausnahme der Hauptdarsteller – denselben Schauspielern gedreht hatte. Boll erklärte, dass er Blubberella als Kritik am Marvel Cinematic Universe verstehe. Beide Filme fielen bei Kritik und Publikum durch.Rotten Tomatoes: Bloodrayne: The Third ReichRotten Tomatoes: Blubberella

2016 erklärte Boll, dass Rampage 3 sein letzter selbst produzierter Film sein soll. Durch den Rückgang des Verkaufs von DVDs und Blu-ray sähe er keine Möglichkeit mehr, für seine Filmprojekte eine tragfähige Finanzierung zu erreichen. Er gab an, sich in Zukunft mehr auf den Bereich Filmvertrieb konzentrieren zu wollen, und kündigte im selben Jahr einen eigenen Streamingdienst namens Bollflix an.Moviepilot: Uwe Bolls Bollflix 2018 erklärte er erneut, vorerst keine Filme mehr drehen und produzieren zu wollen, kündigte aber bereits 2020 wieder seine Rückkehr ins Filmgeschäft an.Uwe Boll tritt zurück – Zeit für eine Würdigung?

2021 sorgte Boll für Aufsehen, nachdem publik geworden war, dass er den rassistisch motivierten Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 verfilmen wolle. Die Stadt Hanau und Familienangehörige der Opfer forderten Boll in einem offenen Brief auf, von dem Vorhaben abzusehen, u. a. da „die Persönlichkeitsrechte der Angehörigen, deren Pietätsempfinden und die fortwirkende Menschenwürde der Verstorbenen zu beachten“ seien. So hatte Boll im Vorfeld offenbar kein Einverständnis der Betroffenen eingeholt. Boll veröffentlichte seinen Film trotz der Appelle. Er erklärte seine Entscheidung damit, dass er das Thema Rechtsextremismus für wichtig halte. Der Film wurde von Rezensenten verrissen, so hieß es etwa im Deutschlandfunk Kultur: „Selbst wenn man Boll glaubt, dass er über den Rechtsextremismus aufklären“ wolle, sei „unter dem Strich wegen mangelndem Handwerk und fehlender Kenntnis nur Bockmist“ herausgekommen.Jenni Zylka: „Hanau“ von Uwe Boll – „In sämtlichen Gewerken versagt“, Deutschlandfunk Kultur, 16. Februar 2022

2024 erschien Bolls Krimidrama First Shift mit Kristen Renton. Der Produktionsfirma des Films wurde vorgeworfen, Crewmitglieder beim Dreh eingeschüchtert zu haben, weil sie eine gewerkschaftliche Organisation anstrebten. In einer Beschwerde wird von unlauteren Arbeitsbedingungen gesprochen.

2026 erschien Bolls Actionfilm Citizen Vigilante auf VOD. Der Film erhielt laut Boll in Deutschland von der FSK keine Freigabe mit dem Argument, dass er Selbstjustiz propagiere; Boll vermutete hinter der Entscheidung allerdings politische Absichten. Boll bat Elon Musk in einer Videobotschaft persönlich um Unterstützung. Boll stellte den Film im Juni 2026 auf dem X-Account des Films für zwei Tage kostenlos zur Verfügung, Musk teilte den Beitrag.

Sonstiges Boll ist in seinen Filmen gelegentlich in Cameoauftritten oder kleinen Nebenrollen zu sehen, etwa in Seed und The Final Storm. In Postal tritt Boll als lederhosentragender Filmproduzent auf, der verkündet, seine Filme mit Nazigold zu finanzieren. In seinem Holocaust-Film Auschwitz ist er als SS-Mann zu sehen, in Blubberella als Adolf Hitler.

1993 veröffentlichte Boll zu seinen ersten beiden Filmen German Fried Movie von 1992 und Barschel – Mord in Genf? von 1993, bei denen er gemeinsam mit Frank Lustig Co-Regie führte, das Buch German fried movie & Barschel-Mord [sic] in Genf. Oder wie man in Deutschland Filme drehen muß.Stefan Höltgen: "So, Freunde, hier ist alles egal!" 2017 erschien Bolls Autobiographie Ihr könnt mich mal! Vom Kurzfilmer in Burscheid zum meistgehassten Regisseur Amerikas im Kick Verlag. In den nächsten Jahren schrieb er mit Tabula Rasa (2023) und Raw: A Memoir (2024) zwei weitere Memoiren.BearManorMedia: Uwe Boll - Raw

Als Regisseur hält Boll den Rekord für die meisten Videospielverfilmungen. Auf seiner Website bietet Boll Kurse über das Filmemachen an.Uwe Boll: Videokurs für Filmemacher

Finanzierung Boll finanzierte seine Filme von 2000 bis 2008 durch insgesamt elf selbst aufgelegte Medienfonds, über die er insgesamt 267 Millionen Euro von Anlegern sammelte. Durch steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten boten die Fonds den Anlegern selbst bei starken Verlusten hohe Nachsteuerrenditen.

Boll kam so ohne etablierte Filmstudios oder staatliche Filmförderung an große Budgets für seine oftmals unrentablen Projekte,Cinemablend – Uwe Boll: Money For Nothing während seine Anleger von der Steuerersparnis profitierten.Welt.de: Direkt vom Erzeuger Mit der Schließung des Steuerschlupflochs im November 2005 brach dieser Milliardenmarkt jedoch abrupt zusammen. Wegen dieses Finanzierungsmodells wurde Boll und anderen derart operierenden Filmproduzenten vorgeworfen, die deutschen Steuerzahler zu belasten. Zudem sei ein Großteil des Filmbudgets nicht in Deutschland eingesetzt worden, sondern ins Ausland geflossen.https://web.archive.org/web/20230527094913/https://www.faz.net/aktuell/finanzen/steuersparmodelle-spiel-mir-das-lied-vom-tod-der-medienfonds-1410601.htmlManager-Magazin: Medienfonds – Schlussverkauf für Steuersparer

Boll versuchte mehrmals erfolglos, mit Crowdfunding seine Filme zu finanzieren: 2013 versuchte er über Kickstarter 500.000 US-Dollar für den Film Postal 2 zu sammeln – es kamen nur etwa 30.000 US-Dollar zusammen. Ein zweiter Versuch folgte im Herbst 2014 über Indiegogo zur Finanzierung von Rampage 3, bei dem lediglich 6.375 von 100.000 kanadischen Dollar erzielt wurden. Im Juni 2015 startete Boll eine dritte Kampagne erneut über Kickstarter mit dem Ziel von 50.000 Euro, erreichte jedoch nur rund 23.000 Euro; daraufhin veröffentlichte er zwei Videos, in denen er Crowdfunding-Plattformen und Unterstützer wütend beleidigte und erklärte, künftig auf solche Finanzierungsformen zu verzichten.Filmstarts: "Fuck Yourself" - Uwe Boll ist wütend Nach eigener Darstellung finanziert Boll seit 2008 seine Filme über einen eigenen Filmvertrieb sowie Privatinvestoren und Rückstellungen. 2026 scheiterte er allerdings bei einem erneuten Versuch, über Indiegogo einen Film zu finanzieren: Für den Horrorfilm 23 Years Later: Return to Zombie Island konnte Boll nur 14.000 der angestrebten 20.000 kanadischen Dollar erzielen.Indiegogo: 23 Years Later - Return to Zombie Island

Rezeption Filmkritik Boll wird immer wieder als einer der schlechtesten Filmregisseure bezeichnet, auch als „schlechtester Regisseur aller Zeiten“ und „der Welt“. Gelegentlich wird Boll mit dem Trashfilm-Regisseur Ed Wood verglichen, so bezeichnete ihn eine britische Kinozeitschrift 2006 als „Son of Ed Wood“, und bei den Razzies wurde er als „Deutschlands Antwort auf Ed Wood“ tituliert.. Worst Career Achievement. Auf: razzies.com, zuletzt abgerufen am 21. April 2009.

Negativpreise und Auszeichnung Boll und seine Filme wurden mehrfach mit dem Negativpreis Goldene Himbeere bedacht. So gewann er 2009 die Goldene Himbeere als „Schlechtester Regisseur“ für seine Filme Postal, 1968 Tunnel Rats und Schwerter des Königs – Dungeon Siege und wurde zusätzlich für das „Schlechteste Lebenswerk“ (Worst Career Achievement) ausgezeichnet. Auf: tagesschau.de, 22. Februar 2009. Vgl. Dieser Preis war zuvor seit 1987 nicht mehr vergeben worden.Lane Brown: 2008 Razzie Nominating Ballot Calls Into Question Seriousness of Awards. Auf: nymag.com, 7. Januar 2009, zuletzt abgerufen am 21. April 2009. Als Reaktion beleidigte Boll die Mitglieder der Razzie-Gesellschaft als „Arschlöcher“.Uwe Bolls Antwort an die Razzies. Video bei YouTube, hochgeladen am 10. März 2009 (englisch); abgerufen am 15. August 2012