mini|300px|Ortsteile und Nachbargemeinden der Gemeinde Michendorf Michendorf ist eine amtsfreie Gemeinde im Osten des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Brandenburg südlich von Potsdam. Die heutige (Groß-)Gemeinde entstand 2003 durch den gesetzlich festgelegten Zusammenschluss der sechs amtsangehörigen Gemeinden des von 1992 bis 2003 existierenden Amtes Michendorf.

Geografie Michendorf liegt in einem ausgedehnten Waldgebiet etwa neun Kilometer südlich von Potsdam. Die Ortsteile Fresdorf, Stücken und Wildenbruch liegen im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Im Süden grenzt die Gemeinde an den Großen Seddiner See. Im westlichen Teil des Gemeindegebietes liegen der Große und der Kleine Lienewitzsee. Im Süden gehören der Fresdorfer See, das Poschfenn und der Katzwinkel zum Gemeindegebiet.

Die Gemeinde grenzt im Nordwesten und Norden an die Gemeinde Schwielowsee und an die Landeshauptstadt Potsdam, im Osten an die Gemeinde Nuthetal und im Südosten an die Stadt Trebbin, im Süden an die Stadt Beelitz und im Südwesten und Westen an die Gemeinde Seddiner See. Die Gemeinde umfasst eine Fläche von 68,51 km².

Das Gebiet der Gemeinde Michendorf gehört geologisch und geomorphologisch zum glaziären Aufschüttungsgebiet des nördlichen Mitteleuropas und ist Teil der naturräumlichen Großeinheit Mittelbrandenburgische Platten und Niederungen. Diese kennzeichnet sich durch die Abfolge von meist flachen Grundmoränenplatten, hügeligen Endmoränen, schwach geneigten bis flachen Sander- und Talsandflächen sowie eingesenkten Niederungen und Tälern. Naturräumliche Untereinheiten bilden die Beelitzer Heide und die Nuthe-Notte-Niederung.

Die Gemarkungen der Ortsteile Wilhelmshorst, Michendorf sowie die westlichen Gebiete von Langerwisch und Wildenbruch liegen im nordöstlichen Teil der naturräumlichen Haupteinheit Beelitzer Heide, die durch flache Grundmoränenflächen (z. B. Michendorf), Talsandflächen (z. B. westlich des Großen Seddiner Sees) sowie Stauch- und Endmoränenflächen (z. B. westlich der Lienewitzseen) geprägt ist.

Der naturräumlichen Haupteinheit Nuthe-Notte-Niederung sind die Gemarkungen der Ortsteile Fresdorf, Stücken und die östlichen Teile von Langerwisch und Wildenbruch zuzuordnen. Hier handelt es sich um eine stark verzweigte, feuchte Niederungslandschaft, aus der sich verschiedene, meist flachwellige Grundmoränenflächen erheben (z. B. östliche Gemarkung Wildenbruch). Ihnen sind verschiedene Stauchmoränenkuppen und -rücken aufgesetzt, u. a. der Ziebchenberg (Wildenbruch), die Grämitzberge, der Stertberg sowie der Kesselberg (Fresdorf). Diese bilden den Hügelzug der Saarmunder Endmoräne, die mit dem Großen Ravensberg bei Potsdam bis zu 116 m ü.N.N. aufragt, während sonst die Höhenlage der Stauchmoränen zwischen 45 und 60 m schwankt. Die Niederungen weisen eine durchschnittliche Höhe von 30 bis 40 m auf.

Die Gesamtwaldfläche in der Gemeinde Michendorf beträgt 2.941 ha (43 % des Gemeindegebietes). Der Waldbestand teilt sich etwa zur Hälfte auf die dominierenden Eigentumsarten Privatwald und Landeswald auf. Für die Bewirtschaftung des Landeswaldes ist der Landesbetrieb Forst Brandenburg zuständig. Die Oberförsterei Potsdam betreut den größeren Waldanteil mit 1.892 ha. Weitere Waldanteile befinden sich in der Zuständigkeit der Oberförsterei Ferch (1.049 ha). Der überwiegende Teil der Privatwaldbesitzer ist Mitglied in den Forstbetriebsgemeinschaften „Fresdorfer Heide“ oder „Märkische Heide“. Die weiteren Eigentumsarten Treuhandwald, Kommunalwald, Bundeswald und Eigentum sonstiger Körperschaften spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Gegenwärtig wird ein Großteil der Forstflächen von Nadelwaldbeständen eingenommen, in denen die Kiefer dominiert. Allgemeines Ziel bei Neuaufforstungen ist der Umbau der monotonen Kiefernbestände zu Mischbeständen, soweit es die standörtlichen Gegebenheiten zulassen (Waldumbau).

Siedlungsstruktur Während der innerhalb des Berliner Autobahnrings gelegene Gemeindeteil mit den Ortsteilen Wilhelmshorst, Michendorf und Langerwisch, trotz ausgedehnter Waldflächen suburban von Potsdam geprägt ist, haben die südlich gelegenen, kleinen Ortsteile Fresdorf und Stücken bereits deutlich ländlichen Charakter.

Die unterschiedliche Siedlungsstruktur und die politische Entwicklungsgeschichte der im Jahr 2003 entstandenen Gebietskörperschaft Gemeinde Michendorf lässt Probleme beim Zusammenwachsen der Ortsteile wegen individueller Ortsteilsinteressen aufwerfen.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Michendorf besteht aus den folgenden sechs Ortsteilen: (Einwohner am 31. Dezember 2025) Fresdorf (312) Langerwisch (1.790) Michendorf (5.816) Stücken (498) Wildenbruch (2.615) Wilhelmshorst (3.177)

Zum Ortsteil Wildenbruch gehören die bewohnten Gemeindeteile Wildenbruch-Bergheide, Wildenbruch-Lehnmarke und Wildenbruch-Six. Sie sind zwar räumlich von den übrigen Teilen Wildenbruchs abgegrenzt, besitzen aber keinen Ortsteilstatus gemäß Brandenburgischer Kommunalverfassung.

Darüber hinaus gehören zu den sechs Ortsteilen die historisch gewachsenen sogenannten Wohnplätze ohne Rechtsstatus: Alt Langerwisch, Neu Langerwisch, Galgenberg, Gut Breite, Lienewitz, Siedlung Michendorf West, Siedlung Willichslust, Tannenhof, Teufelshorn, Waldhaus und Weinberg.

Geschichte Die Geschichte der (Groß-)Gemeinde ist bis 1992 die Geschichte ihrer sechs Einzelgemeinden, welche einige Gemeinsamkeiten aufweist, aber auch deutliche Unterschiede. Alt Langerwisch und Neu Langerwisch fusionierten 1938 zur Gemeinde Langerwisch. Die sechs im Mittelalter angelegten Orte wurden 1375 zur historischen Landschaft der Zauche gerechnet. Der daraus entstandene Zauchische Kreis wurde 1816/17 mit dem zuvor kursächsischen Amt Belzig zum Zauch-Belzigschen Kreis (später Landkreis Zauch-Belzig genannt) vereinigt. In der Kreisreform von 1952 aufgelöst, kamen die damals schon sechs Gemeinden zum Kreis Potsdam-Land und 1993 im Zuge der Kreisreform im Land Brandenburg zum Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Alle sechs mittelalterlichen Dörfer, Fresdorf, Alt Langerwisch, Neu Langerwisch, Michendorf, Stücken und Wildenbruch waren ursprünglich markgräflicher Besitz. Fresdorf war immer markgräflich und gehörte zunächst zur Vogtei Beelitz, die sehr früh mit der Vogtei Saarmund vereinigt worden war. Alt Langerwisch gehörte als markgräflicher Besitz immer zur Vogtei bzw. Amt Saarmund. Neu Langerwisch war nur bis 1285 landesherrlich, es kam in diesem Jahr an das Domkapitel in Brandenburg als Oberlehensherr. Lehensinhaber waren: 1285 die von Barby, vor 1375 bis 1545 die von Schönow, 1545–1548 das Domkapitel, 1548 bis 1667 von Pfuel, danach wiederkäuflich an de la Chaise. Nach dessen Tod 1671 wurde das Lehen vom Kurfürsten eingezogen und dem Amt Potsdam zugeordnet. Michendorf wurde als landesherrlicher Besitz von der Vogtei bzw. vom Amt Saarmund verwaltet. Stücken gehörte als markgräflicher Besitz noch bis 1524 zur Vogtei bzw. zum Amt Saarmund. Das Dorf war 1482 zunächst pfandweise der Familie von Thümen zu Lehen gegeben worden, 1524 wurde der Besitz erblich. Stücken gehörte ursprünglich zur Vogtei Beelitz. Eine Sonderstellung nimmt Wildenbruch ein, das bereits 1375 im Besitz derer von Rochow als markgräfliches Lehen war. Von 1414 bis 1416 hatte Friedrich I. das Lehen kurzzeitig eingezogen, weil sich die von Rochow gegen ihn gestellt hatten.

Aus der Kolonie Wilhelmshorst bildete sich 1907 die Gemeinde Wilhelmshorst. Alt und Neu Langerwisch schlossen sich 1938 zur Gemeinde Langerwisch zusammen.

Michendorf und seine heutigen Ortsteile gehörten 1952 bis 1993 zum Kreis Potsdam-Land (zunächst im DDR-Bezirk Potsdam, dann im Land Brandenburg). Seit 1993 liegt die Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Im Jahr 1992 wurde das Amt Michendorf gegründet, in dem sich die späteren Ortsteile Fresdorf, Langerwisch, Michendorf, Stücken Wildenbruch und Wilhelmshorst, damals noch eigenständige Gemeinden, zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen hatten. Jede Gemeinde blieb jedoch selbstständig mit einem eigenen (ehrenamtlichen) Bürgermeister und Gemeinderat. Im Rahmen der Gemeindereform 2003 in Brandenburg wurden die sechs amtsangehörigen Gemeinden per Gesetz zur neuen Großgemeinde Michendorf zusammengeschlossen. Der Zwangszusammenschluss wurde von der namensgebenden Gemeinde Michendorf vor dem Verfassungsgericht des Landes Brandenburg angefochten. Die kommunale Verfassungsbeschwerde der Gemeinde wurde jedoch 2005 „teils verworfen, im übrigen zurückgewiesen“.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 277 1890 483 1910 1 147 1925 1 408 1933 1 941 1939 2 526 Jahr Einwohner 1946 3 055 1950 3 070 1964 2 990 1971 2 884 1981 2 690 1985 2 620 Jahr Einwohner 1990 2 602 1995 2 569 2000 3 748 2005 11 163 2010 11 805 2015 12 178 Jahr Einwohner 2020 13 278 2021 13 618 2022 13 531 2023 13 635 2024 13 708 2025 13 769

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Potsdam-Mittelmark. S. 22–25Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Die Zunahme der Einwohnerzahl 2005 ist auf den Zusammenschluss von sechs Gemeinden zur neuen Gemeinde Michendorf im Jahr 2003 zurückzuführen.

Aufgrund der unmittelbaren Nähe zu Potsdam, der Bahnanbindung nach Berlin und der Anschlüsse an die Autobahnen A 10 und A 115 haben insbesondere die Ortsteile Michendorf und Wilhelmshorst seit der Wiedervereinigung einen stetigen Einwohnerzuwachs erlebt.

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Michendorf besteht aus 22 Gemeindevertretern und der hauptamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 76,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Bündnis für Michendorf (BfM) 19,0 % 4 28,5 % 6 CDU 17,0 % 4 18,3 % 4 AfD 10,9 % 2 16,7 % 4 Bündnis 90/Die Grünen 17,2 % 4 12,3 % 3 SPD 10,4 % 2 9,4 % 2 Unabhängige Wählergemeinschaft–Freie Wähler (UWG/FW) 9,6 % 2 5,2 % 1 FDP 7,2 % 2 4,5 % 1 Die Linke 6,5 % 2 3,9 % 1 Fresdorfer Interessengemeinschaft (FRIG) – – 1,2 % – Einzelbewerber Mathias Latzo 1,2 % – – – Einzelbewerber Maik Nadolny 0,8 % – – – Einzelbewerber Rolf Siwula 0,3 % – – – Insgesamt 100 % 22 100 % 22

Bürgermeister 1998–2003: Hartmut Besch (FDP) 2003–2011: Cornelia JungKommunalwahlen 26. Oktober 2003. Bürgermeisterwahlen, S. 30 2011–2019: Reinhard Mirbach (CDU)Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 25. September 2011 seit 2019: Claudia Nowka (Bündnis für Michendorf)

Nowka wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 1. September 2019 mit 70,5 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 1. September 2019 Ihre Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgi-sches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|hochkant|Fachwerkkirche Michendorf Bauten In der Liste der Baudenkmale in Michendorf und in der Liste der Bodendenkmale in Michendorf stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Dazu zählen unter anderem: Fachwerkkirche Michendorf Paltrockwindmühle und Bockwindmühle sowie die Dorfkirche in Langerwisch Dorfkirche Stücken, im Kern 13. Jahrhundert. Feldsteinkirche Wildenbruch aus dem 13. Jahrhundert Kirche Wilhelmshorst aus den 1930er-Jahren Peter-Huchel-Haus Wilhelmshorst Gedenkstein auf dem Friedhof an der Luckenwalder Straße für den 1935 im KZ Dachau ermordeten kommunistischen Journalisten Werner Abel

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