mini|hochkant=1.2|Abbildung der kaiserlichen Kriegsflagge auf einer zeitgenössischen Postkarte

Die Kaiserliche Kriegsflagge war bis 1892 die offizielle Seekriegsflagge der Kaiserlichen Marine, danach unter der Bezeichnung Reichskriegsflagge die Kriegsflagge der Streitkräfte des Deutschen Reiches bis 1921. Die zum Teil davon abgeleiteten Versionen in der Weimarer Republik sowie die Flaggen in der Zeit des Nationalsozialismus werden ebenfalls als Reichskriegsflaggen bezeichnet.

Deutschordenskreuz Die Verwendung des Deutschordenskreuzes in Flaggen stammt aus der Zeit der Kreuzzüge. Ein schwarzes Kreuz auf weißem Grunde bildete das Abzeichen der Ritter des Deutschen Ordens. Als solches wurde dieser Kreuzbalken in die Flagge des Norddeutschen Bundes sowie in die Kriegsflaggen des Kaiserreichs von 1871 und der NS-Zeit übernommen. Noch heute nutzt die Bundeswehr es als Hoheitszeichen.

Kriegsflagge der Reichsflotte mini| Seekriegsflagge der Reichsflotte 1848–1852

Die von der Frankfurter Nationalversammlung im Zuge der Revolution 1848/49 gegründete Reichsflotte verwendete als Seekriegsflagge die Farben Schwarz-Rot-Gold mit dem in das Obereck auf ein goldenes Grundfeld gesetzten doppelköpfigen Reichsadler. Die Flagge wurde durch ein Reichsgesetz vom 12. November 1848 eingeführt. Nach Wiederherstellung des Deutschen Bundes wurde die Reichsflotte 1852 aufgelöst und die schwarz-rot-goldene Kriegsflagge nicht mehr verwendet.

mini|Kriegsflagge der Marine von 1848 Während der Einführung der Kriegsflagge der Reichsflotte versäumte es die deutsche Zentralgewalt, die neue Flagge auch von der Seemacht Großbritannien anerkennen zu lassen. Dies führte am 4. Juni 1849 zu einem Zwischenfall im Ersten Deutsch-Dänischen Krieg. Bei Helgoland, das zu dieser Zeit noch britisch war, beschoss die britische Flotte ein Schiff der Reichsflotte, das unter der neuen Kriegsflagge fuhr und ein dänisches Schiff verfolgte. Die britischen Schiffe betrachteten das unter der neuen Kriegsflagge fahrende Schiff als Piratenschiff. Letztmals wurden die Kriegsflaggen der Reichsflotte am 11. April 1852 niedergeholt und auf Anweisung Otto von Bismarcks in die Bundesfeste nach Mainz gebracht.Dreyhaupt/Martin: Deutsche Nationalflaggen Teil I: Das Heilige Römische Reich deutscher Nation. In: Deutsche Gesellschaft für Flaggenkunde Der Flaggenkurier Nr. 7/8; Dezember 1998.

Kriegsflagge des Norddeutschen Bundes Die Gründung des Norddeutschen Bundes am 18. August 1866 erforderte die Gestaltung sowohl einer Handels- als auch einer Kriegsflagge. Während zunächst mit der schwarz-weiß-roten Handelsflagge am 22. Juni 1867 eine Lösung gefunden wurde, verzögerte sich die Einführung der Kriegsflagge. Mit der Entwicklung bzw. den Entwürfen für die neue Kriegsflagge wurde der Oberbefehlshaber der Marine des Norddeutschen Bundes Adalbert von Preußen beauftragt. Bereits um 1850 erwies sich Adalbert als Schöpfer zahlreicher Flaggenentwürfe für die von Preußen geplante Deutsche Union, die eine kleine Föderation unter Ausschluss Österreichs bilden sollte, sowie für eine neue Seekriegsflagge und Gösch für die Reichsflotte. Viele dieser Entwürfe orientierten sich an der schwarz-rot-goldenen Flagge des Deutschen Bundes und kombinierten die Farben unterschiedlich mit einem Eisernen Kreuz.Flags of the World: Prince Adalbert’s 1849 Proposals (Germany) (englisch).

mini| Entwurf einer Kriegsflagge für die Deutsche Union von 1849 Einen Teil der Entwürfe für die Deutsche Union verwendete Adalbert später als Grundlage für die zu entwickelnde neue Kriegsflagge. Adalbert war der Auffassung, dass die Farben der Handelsflagge unbedingt in die neue Kriegsflagge einfließen sollten. Hintergrund hierfür war seine Überzeugung, dass ein effektiver Schutz der Handelsmarine durch die Kriegsflotte nur durch eine Übereinstimmung der Farben der jeweiligen Flaggen möglich sei. Sowohl der Respekt in ausländischen Häfen gegenüber der Handelsflotte als auch der Respekt der norddeutschen Handelsschiffe gegenüber der Kriegsflotte wären mit einer Übereinstimmung der Farben garantiert.

Adalbert beabsichtigte, das traditionelle preußische, weiße Grundtuch beizubehalten und auf dieses ein schwarzes Kreuz zu setzen, das die Flagge insgesamt viertelte. Dieses schwarze Kreuz sollte eine Verkörperung des Eisernen Kreuzes darstellen, wie es auch schon die preußische Kriegsflagge von 1818 enthielt. In einem Brief an den preußischen König Wilhelm I. vom 9. Januar 1867 schreibt Adalbert:

Adalbert war jedoch der Auffassung, dass ein dem Original nachempfundenes Kreuz mit gebogenen Rändern auf der Flagge nicht akzeptabel war, da andere seefahrende Nationen grundsätzlich geradlinige Kreuze auf Flaggen verwendeten:

mini| Entscheidender Entwurf für die Kriegsflagge von 1867 Zahllose Entwürfe und Skizzen Adalberts zeigen, dass dieser versuchte, insbesondere auch die Vorgaben des Königs, der auf strikter Einhaltung der preußischen Symbolik bestand, einzuhalten. Sie wurden in den 1960ern wiederentdeckt.Ottfried Neubecker: Gesamtdeutsche Flaggenpläne. Nach den bisher unbekannten Entwürfen des Prinzen Adalbert von Preußen dargestellt. 1848–1850. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv 2, 1978 (= Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Band 9) S. 207–213. Aus der Vielzahl der Entwürfe zog man schließlich ein Modell in die engere Wahl, das sowohl das als Balkenkreuz ausgeformte Eiserne Kreuz, die Bundesfarben, als auch den preußischen Adler zeigte. Wilhelm I. war es letztendlich, der die endgültige Ausgestaltung der Kriegsflagge festlegte. Da dieser darauf bestand, das Eiserne Kreuz auch in seiner Originalform auf der Flagge abzubilden, wurde der preußische Adler auf ein weißes, kreisförmiges Feld auf den Schnittpunkt des Balkenkreuzes gesetzt, während eine dem Original nachempfundene Version des Eisernen Kreuzes auf die Reichsfarben in der linken oberen Ecke platziert wurde. Mit Allerhöchster Kabinettsorder vom 4. Juli 1867 wurde dieses Muster schließlich zur Kriegsflagge des Norddeutschen Bundes bestimmt. Die offizielle Einführung der neuen Kriegsflagge erfolgte am 1. Oktober 1867 mit der Niederholung der alten preußischen Flaggen auf allen Kriegsschiffen, Werften und Depots. Das Hissen der neuen Kriegsflagge beschrieb ein Augenzeuge:

Deutsches Kaiserreich mini|links|Kriegsflaggen in Deutsch-Ostafrika um 1890 mini| Kriegsflagge des Norddeutschen Bundes 1867–1871/Kaiserliche Kriegsflagge 1871–1892 mini|links|Zeitgenössische Postkarte mit der Abbildung der ersten Version der kaiserlichen Kriegsflagge (um 1890) mini| Reichskriegsflagge 1892–1903 mini| Reichskriegsflagge 1903–1919, de facto in Gebrauch bis 1921 Nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 wurden die Symbole des Norddeutschen Bundes übernommen. Da Preußen weiterhin die führende politische Kraft im neu geschaffenen Staate blieb, wurde auch die Kriegsflagge weitergeführt. Der preußische Adler wurde unverändert abgebildet und nie durch den Reichsadler ersetzt. War die Bezeichnung der Flagge ab 1871 noch Kaiserliche Kriegsflagge, so erfolgte ab dem Jahr 1892 eine allgemeine Umbenennung in Reichskriegsflagge.Jörg M. Karaschewski: Flaggen im deutschen Kaiserreich. Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-1966-7, S. 20 f. In den Jahren 1892Allerhöchste Order betreffend die Reichskriegsflagge vom 19. Dezember 1892 und Bekanntmachung vom 28. Dezember 1892 und 1903Allerhöchste Order über die Reichskriegsflagge vom 26. September 1903 und Bekanntmachung vom 2. Oktober 1903 wurden kleinere Modifikationen vorgenommen, als man zuerst die Form des Adlers bzw. im Jahre 1903 die Breite der schwarzen Streifen sowie die Randeinfassung der Mittelscheibe änderte. Alte Versionen der Kriegsflagge wurden jedoch bis zum „Aufbrauchen“ weiter verwendet, wobei es genaue Termine für die endgültige Umsetzung gab. So ermöglichte eine Anordnung des Reichsmarineamts die Verwendung der ersten Version der Kriegsflagge bis zum 1. April 1896 bzw. der zweiten Version bis zum 1. April 1907. Die Änderung des preußischen Adlers im Jahr 1892 hatte rein „modische“ Gründe, während die Breitenänderung der schwarzen Streifen auf Grund der Tatsache erfolgte, dass die Reichskriegsflagge auf große Entfernung eine gewisse Ähnlichkeit mit der britischen Kriegsflagge („White Ensign“) besaß. Dies manifestierte sich bei einem Zwischenfall mit einem russischen Kriegsschiff, das zum Salutieren versehentlich die britische, anstelle der deutschen Kriegsflagge hisste, was zu jener Zeit einer Beleidigung gleichkam.Jörg M. Karaschewski: Flaggen im deutschen Kaiserreich. Norderstedt 2008, S. 21 f. Entsprachen die Streifen bis zum Jahr 1903 einem Siebtel der Flaggenhöhe, so wurden sie nach diesem Zeitpunkt auf ein Viertel der Flaggenhöhe ausgedehnt.

Zunächst nur für die Kriegsmarine auf See gedacht, wurde die Kriegsflagge ab dem 2. März 1886Allerhöchste Order zur Führung der Kriegsflagge vom 2. März 1886. auch von Regierungsmitgliedern der Bundesstaaten gebraucht. In den Jahren zwischen 1926 und 1944 wurde die abgeschaffte kaiserliche Reichskriegsflagge in ihrer letzten Version an jedem 31. Mai zur Erinnerung an die Skagerrakschlacht 1916 auf den Schiffen der Kriegsmarine gehisst.

Weimarer Republik mini| Reichskriegsflagge 1921/1922–1933

Die Gründung der Deutschen Republik im Jahre 1919 machte eine Änderung der Kriegsflagge erforderlich, da sie mit Symbolen der Monarchie ausgestattet war. Mit dem Erlaß über die Flagge des Reichspräsidenten, Flagge des Reichswehrministers und der neuen Reichskriegsflagge nebst Gösch vom 27. September 1919,Marineverordnungsblatt Nr. 34, 1919, S. 463. wurde eine neue Reichskriegsflagge angeordnet. Diese sollte dem kaiserlichen Modell nachempfunden werden, jedoch mit folgenden Unterschieden: Anstelle des schwarz-weiß-roten Oberecks sollten die neuen Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold gesetzt, sowie der alte preußische Adler durch den neuen republikanischen ausgetauscht werden. Dieser Erlass wurde am 1. November 1919 veröffentlicht.Bundesarchiv: Akten der Reichskanzlei, 1919 Obwohl Modelle dieser Flagge hergestellt worden sind, wurde sie nie verwendet.

Da Reichspräsident Friedrich Ebert keinen konkreten Termin für die Einführung dieser Flagge nannte, konnte der Chef der Admiralität Adolf von Trotha in den Ausführungsbestimmungen zum Gesetz den Satz Bis dahin sind die bisherige Kriegsflagge und Gösch weiterzuführen aufnehmen lassen. Somit benutzte man in der Praxis weiterhin die Kaiserliche Kriegsflagge von 1903, die endgültig erst zum 1. Januar 1922 abgeschafft wurde. In einem Tagesbefehl der Reichsmarine vom 1. Januar 1922 hieß es: „Was wir empfinden, wenn diese Flagge sinkt, verschließen wir in unseren Herzen.“Zitiert nach: Veit Valentin, Ottfried Neubecker: Die Deutschen Farben. Mit einem Geleitwort von Reichskunstwart Dr. Edwin Redslob. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig 1928, S. 132.

Die Weiterverwendung der alten Kriegsflagge war ein Zugeständnis der Reichsregierung an konservative Kräfte in der Reichsmarine, die kein Interesse daran hatten, neue republikanische Symbole einzuführen. Auch die Reichswehrführung wies darauf hin, dass die Kriegsflagge üblicherweise die gleichen Farben tragen solle wie die Handelsflagge. Für Letztere wurden aus Gründen der internationalen Erkennbarkeit die alten Farben zunächst weiterverwendet; aufgrund eines Kompromisses war dann im Juli 1919 ein schwarz-weiß-rotes Grundtuch mit schwarz-rot-goldenem Eck angenommen worden. Ein weiterer Grund für die Weiterverwendung der alten Kriegsflagge war die unklare Form des neuen Reichsadlers, die zu dieser Zeit noch nicht festgelegt und lange umstritten war.Bundesarchiv: Kabinettssitzung vom 1. Juni 1920

mini|links|Alte Reichskriegsflagge beim Kapp-Putsch in Berlin, 1920