Als Hunderasse bezeichnet man eine unterscheidbare, gezüchtete Rasse innerhalb der Unterart der Haushunde.
Der Begriff der Hunderasse Bei Haushunden gilt eine isolierte Zuchtpopulation nur dann als Hunderasse, wenn sie definiert wurde. Hierfür gibt es keine einheitliche wissenschaftliche Grundlage. In der Regel geschieht die Definition einer Hunderasse durch einen Zuchtverband, kann aber ebenso durch einen Züchter vorgenommen werden. Die meisten bekannten Hunderassen werden durch Zucht-Verbände und -Vereine definiert.
Schätzungen gehen von über 800 Rassen aus, die weltweit existieren. Der Genetiker W. Schleger vertritt jedoch die Meinung, dass man beim Haushund lediglich von höchstens 100 Rassen sprechen kann – den Rest hält er für Varietäten.Vergleiche Hans Räber: Vom Wolf zum Rassehund. S. 107. Die Individuenzahl je Rasse variiert von einigen wenigen bis zu tausenden. Die Hunderassenbeschreibungen werden durch unterschiedliche Verbände und Vereine gepflegt. Der größte dieser Verbände ist die Fédération Cynologique Internationale (FCI), ein weltweit agierender Dachverband, dem Vereine aus über 80 Ländern angeschlossen sind.
Der Zoologe Wolf Herre meinte, dass eine Hunderasse nichts Einheitliches sei, sondern sie umfasse „eine Gruppe verschiedener, artgleicher Individuen, die nur einiges gemeinsam haben, was ausschließlich mit statistischen Methoden umschrieben werden“ könne.Hans Räber: Vom Wolf zum Rassehund. S. 107. Er definiert eine Hunderasse folgendermaßen:
Die FCI nahm 1984 auf Vorschlag von Raymond Triquet folgende Rassedefinition an:
Es gibt keine einheitlichen Regeln zur Abgrenzung der FCI-Rassen voneinander: Einige Rassen unterscheiden sich zum Beispiel durch die Farben der Fleckung (einige französische Laufhunde), andere durch die Größe (wie zum Beispiel die Pinscher). Bei den Deutschen Spitzen oder Pudeln ist es egal, wie groß sie sind und welche Farben sie haben, es gibt nur eine Rasse Deutsche Spitze und eine Rasse Pudel. Der Belgische Schäferhund wird als eine Rasse in unterschiedlichen Schlägen gezüchtet, die unterschiedliche Namen haben; der nahe verwandte Hollandse Herdershond ebenso, nur haben diese Schläge keine besonderen Namen. Rassen, die von Zuchtverbänden außerhalb der FCI gezüchtet werden, können sich von denjenigen der FCI unterscheiden, jedoch den gleichen Namen führen.
Bei Nachkommen aus Kreuzungen verschiedener Rassen und Hunden ohne Ahnentafel spricht man von einem Mischlingshund, Bastard oder einer Promenadenmischung. Werden zwei Rassen gezielt gekreuzt, spricht man seit einiger Zeit auch von Designer- oder Hybridhunden.
Nachkommen aus Kreuzungen mit anderen Arten aus der Familie der Hunde (Canidae) sind keine Haushunde (Canis lupus familiaris), abgesehen von Wolfseinkreuzungen wie beim Tschechoslowakischen Wolfhund, Saarlooswolfhund und Lupo Italiano. Direkte Kreuzungen, also die F1-Generation, unterscheiden sich insbesondere in ihrem Verhalten erheblich von Haushunden, was durch zahlreiche Studien (zum Beispiel von Erik Zimen und Dorit Feddersen) belegt wurde. Unsachgemäße Haltung solcher Tiere stellt eine erhebliche Gefahr dar.
Historische Entwicklung der Hunderassen mini|Hunderassen entstehen durch Zucht, sind aber nicht immer so deutlich zu unterscheiden wie auf diesem Bild Funde von Torfhunden lassen auf eine frühe Zuchtwahl schließen, da manche gefundene Schädel Spuren eines gewaltsamen Todes aufweisen, so dass anzunehmen ist, dass nicht der ganze Wurf aufgezogen wurde, sondern nur einzelne Individuen.
Während der Hallstattzeit wurde die Hundepopulation uneinheitlich, es gab Unterschiede in der Größe und in der Unterkieferbreite. Außerdem traten nun erste Zahnanomalien auf.Hans Räber: Vom Wolf zum Rassehund, S. 55–56. Im Mittelalter gab es vermutlich in Europa nur zwölf Hunderassen.Desmond Morris: Dogwatching. Die Körpersprache des Hundes. 2. Auflage. Heyne, München 1996, ISBN 3-453-11508-2. Im fünften bis neunten Jahrhundert wurden in germanischen Rechtssammlungen Rassen aufgezählt, welche nach ihrer Verwendung eingeteilt sind: bis zu sieben Jagdhundrassen – Leithunt, Triphunt (Treibhund), Spurihunt (Spürhund), Windhunt, Hapuhunt (Habichtshund) – sowie der Schäferhund und der Hovawarth (Hofhund).Karl Gottlob Anton: Geschichte der teutschen Landwirthschaft von den ältesten Zeiten bis zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts. Ein Versuch. Anton, Görlitz 1799, S. 153 (online).Gustav Klemm : Handbuch der germanischen Alterthumskunde. Walther, Dresden 1836, S. 90, 91 (online).
Ab dem 13. Jahrhundert wurde eine gelenkte Jagdhundezucht betrieben, damit sich die „reinrassigen“ Hunde nicht mit den Bauernhunden vermischten. Hierbei war das Aussehen der Hunde zweitrangig; „reinrassig“ waren jene, die gut jagen konnten. Vermutlich wurde bereits vielfach Inzucht betrieben, da gute Hunde vermehrt zur Zucht eingesetzt wurden. Im 19. Jahrhundert wurden viele neue Rassen gezüchtet und Rassestandards aufgestelltLeop. Jos. Fitzinger: Die Raçen des zahmen Hundes I. Abteilung und Die Raçen des zahmen Hundes II. Abteilung. In: Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-naturwissenschaftliche Classe. Bd. 56, 1867, , (online)., um eine geschaffene Rasse erhalten zu können. Oftmals begann die Zucht einer neuen Rasse mit wenigen Hunden (genetischer Flaschenhals), beispielsweise wurde die Zucht des Appenzeller Sennenhundes mit elf Tieren begonnen, jene des English Setters sogar nur mit zwei Tieren.Hans Räber: Vom Wolf zum Rassehund, S. 114–119.
Durch die industrielle Revolution wurde der Hund als Arbeitskraft überflüssig, wodurch Wettkämpfe entstanden, welche vor allem auf das verschiedene Aussehen der Hunde abzielten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als es bereits organisierte Hundeausstellungen gab, wurden zahlreiche Rassehunde gezüchtet. Durch das Wachstum der Städte kam es auch zu einer Zunahme der Schoß- und Haushunde. Die Hundezucht im heutigen Sinne (mit Zuchtbüchern und so weiter) nahm ihren Ursprung in Großbritannien, weil dort aufgrund der großen Beliebtheit an Hundekämpfen die erste kommerzielle Zucht von sogenannten „Bullenbeißern“ geschaffen wurde. Später entstanden viele Zuchtverbände, welche zuerst auf Gebrauchshunde beschränkt waren, später jedoch auch lokale Sonderformen wie Hütehunde, Windhunde oder „Toydogs“ einschlossen.Erik Zimen: Der Hund, S. 175–177. Die meisten Hunderassen stammen aus England, danach folgen mittel- und nordeuropäische Länder. Zusammen stellen sie 204 von 313 Rassen (65 %), die von Bo Bengtson 1978 beschrieben wurden.Zimen bezieht sich auf 11 % (37 Rassen) der heutigen Rassen kommen aus südeuropäischen Ländern, 8 % (25 Rassen) stammen aus Osteuropa und Russland.Erik Zimen: Der Hund, S. 189.
Der Kynologe und Tiermaler Ludwig Beckmann gab im Jahr 1893 folgende Definition von Hunderasse: „Der einzig bestimmte Charakter einer Rasse besteht darin, dass letztere regelmäßig Ihresgleichen hervorbringt. Selbst Kreuzungsprodukte müssen als 'Rassen' und 'rein gezüchtet' angesprochen werden, sobald ihre Nachkommen die gewünschten Rassezeichen oder Charaktere zur Schau tragen.“Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes. Zwei Bände. Band 2, Seite 259, Ueber Rassenzüchtung, Friedrich Vieweg, Braunschweig 1894/95
Systematik der Hunderassen
Historische Systematik
Die Römer der Antike waren die ersten, welche die Hunde nach ihrer Verwendung einteilten. Sie unterschieden zwischen villatici (Wachhunde), pastorales (Hirtenhunde) und venatici (Jagdhunde). Die Jagdhunde wurden zusätzlich unterteilt in sagaces, welche der Spur des Wildes folgten, celeres, welche auf Sicht verfolgten, und pugnaces, welche die Beute anfielen und kämpften.
Buffon stellte 1755 eine Unterteilung nach der Form und Haltung der Hundeohren auf. Jean Pierre Mégnin stützte sich dagegen auf die Schädelform und unterschied vier Gruppen. Die erste Gruppe waren die Bracchoidae, deren Merkmale ein prismenförmiger Kopf, Hängeohren, ein deutlicher Stirnabsatz, eine an der Spitze und an der Basis gleich breite Schnauze und lange, herabhängende Lefzen waren (beispielsweise Bracken, Retriever, Spaniels). Die zweite Gruppe (Lupoidae) zeichnete sich durch einen horizontal pyramidenförmigen Kopf, aufrecht stehende oder hängende Ohren, eine lange, schmale Schnauze und schmale Lefzen aus (beispielsweise Terrier, Pinscher, Spitze, Schäferhunde). Die dritte Gruppe (Graioidae) hatte einen langen, kegelförmigen Kopf, einen schwachen Stirnabsatz, rückwärts gerichtete oder aufrecht stehende Ohren, schmale Lefzen und einen schlanken Körper (beispielsweise Windhunde). Die letzte Gruppe (Molossoidae) hat einen runden oder eckigen Kopf, einen deutlichen Stirnabsatz, eine kurze Schnauze, kleine Ohren, lange Lefzen und einen massigen Körper (beispielsweise Doggen).Vergleiche „Die Hunde“. Artikel in: Lekturama-Enzyklopädie, S. 29–59.Raymond Piquet: Für eine komponentenbezogene Definition von Gruppe, Rasse und Varietät. In: Revue Officielle de la Cynophilie Française. Ausgabe 38, 2. Quartal 1982, Société Centrale Canine. Auf Deutsch veröffentlicht in: Die gegenwärtige Nomenklatur der Rassen der FCI: wer, wie und wann? Teil 2/2. In: FCI-Newsletter Nr. 19 vom 28. Februar 2014.
Moderne Systematik nach FCI-System
Die moderne Systematik von Haushunden nutzt Rassestandards, in denen das Aussehen und Verhalten von Hunden dieser Rasse beschrieben wird. Der Standard beschreibt also den idealen Hund dieser Rasse und kann gleichzeitig als Zuchtziel verstanden werden. Die Zugehörigkeit von einzelnen Hunden zu den Rassen wird über Ahnentafeln und Zuchtbücher dokumentiert.
Eine kynologische Systematik der Hunderassen wird unter anderem von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) gepflegt. Von ihr sind derzeit einschließlich vorläufig angenommener Rassen 344 Rassen anerkannt (Stand: November 2017).FCI-Allgemeine Informationen (Stand: November 2017).
Die FCI-Systematik teilt die Hunderassen in zehn Gruppen ein, die wiederum in Sektionen aufgeteilt sind:
Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde) Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer – Molosser – Schweizer Sennenhunde Gruppe 3: Terrier Gruppe 4: Dachshunde Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp Gruppe 6: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen Gruppe 7: Vorstehhunde Gruppe 8: Apportierhunde – Stöberhunde – Wasserhunde Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde Gruppe 10: Windhunde
Moderne Systematik nach angelsächsischen Systemen
Der Britische Kennel Club, der American Kennel Club, der Canadian Kennel Club und andere Dachverbände im englischsprachigen Raum weisen sowohl untereinander als auch im Vergleich mit der FCI gewisse Unterschiede darin auf, welche Rassen sie anerkennen. Die Einteilung der anerkannten Rassen folgt allerdings in vielen Clubs einem ähnlichen System, in dem eine Unterteilung in sieben Gruppen vorgenommen wird. Eine ähnliche Einteilung wurde bis vor kurzem auch in Irland verwendet, das aber 2005 das FCI-System übernommen hat.
Das britische System teilt die Hunderassen in die folgenden Gruppen auf: Kennel Club Breed Standards
Hound Group → :Kategorie:Hound Group (KC) Working Group → :Kategorie:Working Group (KC) Gundog Group → :Kategorie:Gundog Group (KC) Terrier Group → :Kategorie:Terrier Group (KC) Utility Group → :Kategorie:Utility Group (KC) Pastoral Group → :Kategorie:Pastoral Group (KC) Toy Group → :Kategorie:Toy Group (KC)
Das AKC-System benutzt folgende Gruppen,AKC Breed List die unter diesen Namen auch vom CKC geführt werden:CKC Breed Standards
Sporting Group → :Kategorie:Sporting Group (AKC) Hound Group → :Kategorie:Hound Group (AKC) Working Group → :Kategorie:Working Group (AKC) Terrier Group → :Kategorie:Terrier Group (AKC) Toy Group → :Kategorie:Toy Group (AKC) Non-Sporting Group → :Kategorie:Non-Sporting Group (AKC) Herding Group → :Kategorie:Herding Group (AKC) Miscellaneous Class → :Kategorie:Miscellaneous Class (AKC) Foundation Stock Service (FSS) → Kategorie:Foundation Stock Service (FSS) (AKC)