Der SV Babelsberg 03 (offizieller Name: Sportverein Babelsberg 03 e. V.), kurz Nulldrei, ist ein Sportverein aus der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam, der am 10. Dezember 1991 durch Ausgliederung der Fußballsektion aus der ehemaligen Betriebssportgemeinschaft SV Motor Babelsberg gegründet wurde.
Die Wurzeln des im Potsdamer Stadtteil Babelsberg beheimateten Vereins reichen zurück bis zum am 1. Oktober 1903 gegründeten Sport-Club Jugendkraft 1903. Seine bislang größten Erfolge: Zugehörigkeit zur höchsten deutschen Spielklasse in der Vorkriegszeit (der Gauliga), zur zweithöchsten Spielklasse der DDR (der DDR-Liga) und nach der Wiedervereinigung der Aufstieg 2001 in die 2. Bundesliga.
Dem Verein mit den Farben Blau und Weiß gehören (Stand: Februar 2023) über 1350 Mitglieder an. Seit der Saison 2013/14 spielt der Verein mit seiner bekanntesten und mitgliederstärksten aktiven Abteilung, der Fußballabteilung und deren 1. Herrenmannschaft, in der Regionalliga Nordost. Die Heimspiele trägt der Verein im größten Fußballstadion der Stadt, dem Karl-Liebknecht-Stadion, aus. Mit Roller Derby, Schach und Volleyball unterhält der Verein weitere Abteilungen im Leistungs- und Breitensport. vom 20. September 2016.
Geschichte Anfänge bis 1945 Saisonergebnisse 1933–1945 Saison Liga Platz (von) Tore Punkte 1933/34 1. Kreisklasse N/A N/A N/A 1934/35 Bezirksklasse Berlin-Potsdam 1 (11) 66:30 31:9 1935/36 Gauliga Berlin-Brandenburg 8 (10) 33:46 15:21 1936/37 Gauliga Berlin-Brandenburg 8 (10) 31:36 15:21 1937/38 Gauliga Berlin-Brandenburg 9 (10) 25:40 12:24 1938/39 Bezirksklasse N/A N/A N/A 1939/40 Bezirksklasse N/A N/A N/A 1940/41 Bezirksklasse N/A N/A N/A 1941/42 Bezirksklasse N/A N/A N/A 1942/43 Bezirksklasse N/A N/A N/A 1943/44 Gauliga Berlin-Brandenburg 3 (10) 50:22 25:11 1944/45 Gauliga Berlin-Brandenburg 4 (10) 28:23 15:11 Am 1. Oktober 1903 gründeten sieben junge Männer aus Nowawes mit Interesse für Gewichtheben, Kraftsport und Ringen den Sport-Club Jugendkraft 1903. Unabhängig davon gründeten zwei Jahre später fußballinteressierte Arbeiter aus Nowawes den Fußball-Club Fortuna 05 und nahmen am organisierten Spielbetrieb teil. Am 15. Februar 1919 fusionierten beide Vereine zum SV Nowawes 03. Ab Sommer 1919 spielte der neue Verein in der Kreisliga Berlin-Brandenburg, der zweithöchsten regionalen Spielklasse.
In der Saison 1928/29 trainierte kurzzeitig der spätere deutsche Nationaltrainer Sepp Herberger den SV Nowawes 03. Nach dem Abstieg 1931 in die KreisligaErgebnisse der Spielzeit 1931/32 (doc-Dokument; 5,3 MB) folgte zwischen 1933 und 1935 der Durchmarsch in die höchste deutsche Spielklasse, die Gauliga Berlin-Brandenburg. Als Neuling belegte Nowawes dort in der Saison 1935/36 unter zehn Mannschaften Platz 8. Sportlicher Höhepunkt war der Gaufestsieg 1937, bei dem man im Endspiel den FV Cottbus mit 7:1 besiegte.
1938 wurden die Stadt Nowawes und die Villenkolonie Neubabelsberg zur Stadt Babelsberg vereinigt. Es folgte die Umbenennung des Vereins in SV Babelsberg 03. 17 Monate später, Babelsberg hatte bereits das Stadtrecht verloren und war nach Potsdam eingemeindet worden, fusionierten die Nulldreier mit den Sportfreunden Potsdam zur Sportvereinigung Potsdam 03. Nach dem Abstieg aus der Gauliga 1938 schaffte der Verein 1943 den Wiederaufstieg und belegte in den folgenden Spielzeiten den dritten und vierten Platz.
BSG Motor Babelsberg (1949 bis 1991) 1946 musste die Sportvereinigung wie alle bürgerlichen Vereine aufgelöst werden. 1949 wurden in der DDR die ersten Betriebssportgemeinschaften (BSG) gegründet, die von so genannten Trägerbetrieben unterstützt wurden. In Babelsberg gründete sich neben anderen die BSG Karl Marx Babelsberg. Als Trägerbetrieb fungierte der ortsansässige VEB Karl Marx Babelsberg. 1950 erfolgte die Unterstellung unter die zentrale Sportvereinigung Motor, der künftig alle BSG des Maschinen- und Fahrzeugbaus angehörten. Daraufhin kam es zur Umbenennung in BSG Motor Babelsberg. Deren Fußballmannschaft spielte in den 1950er Jahren zunächst unterklassig.
1961 wurde der SC Potsdam gegründet, der neben ebenfalls neu gegründeten Sportklubs in Neubrandenburg und Frankfurt (Oder) der weiteren Leistungssteigerung des DDR-Sports dienen sollte. Als wesentliches Standbein des SC wurden die Fußballmannschaften der bisherigen BSG Rotation Babelsberg als Sektion Fußball übernommen. Da die Entwicklung der ersten Männermannschaft in der zweitklassigen DDR-Liga stagnierte, wurde die Fußballsektion im Januar 1966 wieder aufgelöst und in die BSG Motor Babelsberg eingegliedert, die dadurch den Platz in der DDR-Liga einnahm. Bis auf Verteidiger Konrad und Mittelstürmer Harald Betke (zu Union Berlin) spielte die Stammelf auch die zweite Saisonhalbzeit unverändert weiter und lag am Ende auf Platz 11.
Stammelf SC Potsdam/Motor Babelsberg 1965/66 KörnerPollaene, Benkert, Konrad*Jacob, PoochDresler, Borowitz, Betke**, Mohrmüller, Aldermann___ *Karras, **Zedler ab Februar 1966
Motor spielte noch zweieinhalb Jahre in der DDR-Liga, stieg dann aber 1968 mit vier Siegen als Tabellenletzter in die Bezirksliga Potsdam ab. In den 1970er Jahren pendelte Motor Babelsberg zwischen Bezirksliga und DDR-Liga. Nach einem erneuten Aufstieg 1981 folgten neun Jahre Liga-Fußball, in denen die BSG dank ihrer treffsicheren Stürmer Axel Brademann und Jörg Nachtigall zum Teil gute Platzierungen erreichte (1982 und 1984 jeweils Zweiter). 1984 erreichte Motor Babelsberg das Achtelfinale des DDR-Pokals (FDGB-Pokal), unterlag dort aber dem Oberligisten Wismut Aue mit 4:2. Als Tabellen-Vorletzter musste die Mannschaft 1989 erneut in die Bezirksliga absteigen.
In der Ewigen Tabelle der DDR-Liga steht Babelsberg unter 199 Mannschaften auf Platz 23.
SV Babelsberg 03 (seit 1991) Saisonergebnisse 1991–2003 Saison Liga Platz Tore Punkte Zuschauer-schnitt 1991/92 Bezirksliga 2. 92:40 46:18 244 1992/93 Landesliga Süd 1. 118:16 66:02 315 1993/94 Verbandsliga 2. 68:25 45:15 445 1994/95 Verbandsliga 2. 79:25 47:13 549 1995/96 Verbandsliga 1. 90:14 79 621 1996/97 Oberliga Nordost Nord 1. 67:13 68 1509 1997/98 Regionalliga Nordost 14. 33:50 38 2153 1998/99 Regionalliga Nordost 15. 36:50 34 1647 1999/2000 Regionalliga Nordost 5. 57:40 57 2515 2000/01 Regionalliga Nord 2. 57:41 57 3482 2001/02 2. Bundesliga 18. 39:82 18 4480 2002/03 Regionalliga Nord 16. 54:73 34 2252 Am 10. Dezember 1991 wurde die Fußballabteilung aus dem SV Motor Babelsberg herausgelöst und gründete sich als SV Babelsberg 03 neu.Vereinsregisterauszug VR 660 P – Historischer Abdruck, abgerufen am 22. Februar 2023.Babelsberg 03 wieder da. Nach Wiedergründung will der Klub an alte Zeiten anknüpfen. In: Fußball-Woche Nr. 3/1992, 13. Januar 1992.
Von der Bezirksliga bis in die 2. Bundesliga und Insolvenz (1991 bis 2003) In der ersten Saison startete der SV Babelsberg 03 in der Bezirksliga und stieg als Tabellenzweiter in die Landesliga Süd auf. In der Saison 1992/93 holte man als Aufsteiger sogar gleich den Meistertitel und schaffte den Durchmarsch in die Verbandsliga, die zu diesem Zeitpunkt die vierthöchste Spielklasse war. Dort hätte man den Erfolg beinahe wiederholt, jedoch erwies sich der SV Motor Eberswalde als zu stark. Durch die Einführung der Regionalligen war man als Verbandsligist zudem mit der Saison 1994/95 wieder fünftklassig. Erneut wurde der SV Babelsberg 03 Vizemeister, dieses Mal war man einen Punkt hinter dem Stadtrivalen SV Bornim gelandet. Im dritten Anlauf gelang der Aufstieg schließlich – mit nur einer Niederlage und 79 Punkten sicherte sich Nulldrei einen Platz in der Oberliga Nordost. Dort schaffte man es in der Saison 1996/97 sogar, gänzlich ohne Niederlage zu bleiben, so dass erneut ein Durchmarsch gelang. Binnen sechs Jahren hatte der SV Babelsberg 03 damit vier Aufstiege (1992, 1993, 1996, 1997) erringen können.
Mit der Teilnahme an der Regionalliga 1997/98 gab Babelsberg sein Debüt in der Drittklassigkeit. In den ersten beiden Spielzeiten in der Regionalliga Nordost spielte der SV Babelsberg 03 zum ersten Mal seit der Neugründung aber gegen den Abstieg. Mit vier Punkten Vorsprung auf Hertha Zehlendorf glückte der Klassenerhalt knapp. Auch im zweiten Jahr gelang dies. Zwar hatte man weniger Punkte geholt, jedoch war der Abstand zu den Abstiegsplätzen deutlich größer. 1999 gewann Nulldrei darüber hinaus den Brandenburgischen Landespokal gegen Stahl Eisenhüttenstadt und durfte in der Folgesaison am DFB-Pokal teilnehmen. In der zweiten Pokalrunde, nach Freilos in der ersten Runde, gelang sogar ein 1:0-Sieg über die SpVgg Unterhaching. In der Regionalliga-Saison 1999/2000 war eine Leistungssteigerung notwendig, war es doch das Qualifikationsjahr für die nunmehr zweigleisige Regionalliga. Hierzu musste man mindestens den 6. Tabellenplatz erreichen. Nach einem misslungenen Start und einer 4:1-Niederlage beim Rivalen Union Berlin musste Trainer Karsten Heine gehen. Neuer Coach wurde der ehemalige Spieler Hermann Andreev, unter dem Babelsberg zurück in die Spur fand. Mit Platz 5 verblieb man direkt in der dritthöchsten Spielklasse. Zudem wurde mit einem Sieg gegen den Frankfurter FC Viktoria der Landespokaltitel verteidigt.
Trotz der Steigerung galt der SV Babelsberg 03 in der ersten Saison der zusammengeführten Regionalliga Nord als Kandidat für den Abstieg. Weil man aber von Beginn an konstant punktete, fand man sich zur Winterpause auf den 4. Tabellenplatz wieder. In der Spätphase der Saison zog man an den direkten Konkurrenten Fortuna Köln und Preußen Münster vorbei und verteidigte mit einem 1:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf am letzten Spieltag den zweiten Tabellenplatz hinter Union Berlin. Damit gelang der sensationelle Aufstieg in die 2. Bundesliga und in den Profifußball – der bis heute größte Erfolg der Vereinsgeschichte.
Mit dem nun fünften Aufstieg in nicht einmal zehn Jahren war für den SV Babelsberg 03 allerdings die Fahnenstange erreicht. Zwar startete man auch in die Zweitliga-Saison 2001/02 furios, in den ersten fünf Spielen zehn Punkte sammeln und sogar kurzzeitig auf einen Aufstiegsplatz klettern, jedoch gelang in der Folge so gut wie nichts mehr. Bis zum Ende der Saison kamen nur noch acht Punkte hinzu, auch weil man in der Rückrunde sieglos blieb. Nach dem 29. Spieltag stand Nulldrei als Absteiger fest.
In der folgenden Regionalliga-Saison wurden die finanziellen Probleme, die den Verein schon länger begleiteten, endgültig zum Problem. Sportlich kämpfte man in der Spielzeit 2002/2003 nun erneut gegen den Abstieg, konnte diesen aber nicht verhindern. Wegen angehäufter Schulden musste der Verein im April 2003 Insolvenz beantragen.
Neuausrichtung und zweiter Anlauf im bezahlten Fußball (2003 bis 2013) Saisonergebnisse 2003–2013 Saison Liga Platz Tore Punkte Zuschauer-schnitt 2003/04 Oberliga Nordost Nord 2. 91:33 84 1699 2004/05 Oberliga Nordost Nord 3. 59:25 65 1643 2005/06 Oberliga Nordost Nord 3. 56:42 51 1943 2006/07 Oberliga Nordost Nord 1. 46:15 68 1641 2007/08 Regionalliga Nord 15. 33:53 34 2602 2008/09 Regionalliga Nord 3. 46:25 63 1596 2009/10 Regionalliga Nord 1. 54:18 77 1590 2010/11 3. Liga 13. 39:47 46 2809 2011/12 3. Liga 17. 44:59 44 2480 2012/13 3. Liga 19. 32:54 37 3102 mini|links|Brandenburgisches Landespokalfinale 2009: Vorbereitung zu einer Babelsberger Ecke