St. Pantaleon (auch Sankt Pantaleon; in der lokalen Mundart Pontigo) ist eine Gemeinde im oberösterreichischen Innviertel (Bezirk Braunau), mit Einwohnern (Stand ).
Geografie mini|Höllerersee St. Pantaleon liegt auf im Oberen Innviertel, direkt an der Salzach, auf der anderen Seite dieser ist Bayern.
Südlich grenzt St. Pantaleon an das österreichische Bundesland Salzburg.
Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 7,5 km, von West nach Ost 5,7 km. Die Gesamtfläche beträgt 18,32 km². 23,6 % der Fläche sind bewaldet, 63,7 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Im Gemeindegebiet befindet sich in einer bewaldeten Senke der Höllerersee.
Das hügelige Gemeindegebiet ist mit Ausnahme der wenigen Ballungsgebiete dünn besiedelt. Im Nordwesten des Gemeindegebiets liegt die Bergwerkssiedlung Riedersbach. Im Südwesten des Gemeindegebiets befindet sich die Ortschaft Wildshut, in der sich bis 2002 der Sitz eines Bezirksgerichts befand.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst die drei Katastralgemeinden St. Pantaleon Steinwag Wildshut
Die 15 Ortschaften der Gemeinde sind (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Des Weiteren gibt es Ortslagen mit eigenen Bezeichnungen, die einer oder zwei Ortschaften zugerechnet werden, so Eiferding, Esterloh, Söllham, Pichling, wie auch Kirchberg Siedlung, Riedersbach Siedlung und die Vorderberger Siedlung.
Zählsprengel sind Riedersbach für den Nordteil der Gemeinde mit Trimmelkam, und St.Pantaleon-Wildshut für den Süden und Osten.
Der zuständige Gerichtsbezirk ist der Gerichtsbezirk Mattighofen, bis 2004 gehörte die Gemeinde zum Gerichtsbezirk Wildshut.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Mahnmal bei der Erinnerungsstätte Lager Weyer/Innviertel in St. Pantaleon, zum Gedenken an die Opfer des NS-Straflagers in Weyer Seit Gründung des Herzogtums Bayern war St. Pantaleon bis 1779 bayrisch. Der Ort kam nach dem Frieden von Teschen 1779 zusammen mit den östlich des Inn gelegenen Gebieten des kurfürstlichen Rentamtes Burghausen, die bis dahin „Innbaiern“ geheißen hatten, als „Innviertel“ zu Österreich. Salzach und Unterer Inn, die bis dahin in erster Linie Handelswege innerhalb Bayerns gewesen waren, wurden damit zu Grenzflüssen zwischen Bayern und Österreich ob der Enns. Während der Napoleonischen Kriege wieder kurz bayrisch, gehört St. Pantaleon seit 1816 (Vertrag von München) endgültig zu Oberösterreich. Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich.
Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Während der NS-Zeit wurde von den Nationalsozialisten im Juli 1940 auf dem damaligen Gemeindegebiet in Weyer (heute der Gemeinde Haigermoos zugehörig) das Arbeitserziehungs- und Zigeuneranhaltelager St. Pantaleon-Weyer eingerichtet, das zunächst bis Januar 1941 als Arbeitserziehungslager betrieben und dann bis Ende 1941 als Zigeuneranhaltelager weitergeführt wurde.Ludwig Laher: Herzfleischentartung. Roman. Ungekürzte Taschenbuchausgabe. Haymon Verlag, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-85218-808-9.Ludwig Laher: Das Zigeuneranhaltelager Weyer-St. Pantaleon. Zufälliges Zentrum der NS-Aussonderungspolitik im Gau Oberdonau. In: Oberösterreichisches Landesarchiv (OÖLA) (Hrsg.), Florian Freund (Bearb.): Oberösterreich und die „Zigeuner“. Politik gegen eine Minderheit im 19. und 20. Jahrhundert. OÖLA, Linz 2010, ISBN 978-3-900313-97-5 ().
Im Jahr 2000 wurde an der Moosach, einem kleinen Nebenbach der Salzach, die Erinnerungsstätte Lager Weyer/Innviertel geschaffen und dort ein Mahnmal errichtet. Die Häftlinge des ehemaligen nationalsozialistischen Gefangenenlagers in Weyer waren damals bei der Regulierung der Moosach als Zwangsarbeiter eingesetzt worden. Eine Brücke, die in unmittelbarer Nähe zum ersten Lager über die Moosach führt und die St. Pantaleon mit der Salzburger Gemeinde St. Georgen verbindet, wurde 2009 vom St. Pantaleoner Bürgermeister gemeinsam mit dem Bürgermeister der Nachbargemeinde zur Brücke der Erinnerung erklärt.
Einwohnerentwicklung
1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 3108 Einwohner, 2001 wurden 3054 Bewohner gezählt. Von 2001 bis 2011 blieb zwar die Wanderungsbilanz negativ, konnte aber durch die positive Geburtenbilanz wettgemacht werden, sodass die Bevölkerungszahl wieder auf 3.093 stieg. 2018 sank die Einwohnerzahl auf 3085 und stieg in den Folgejahren bis 2025 zum Höchststand von 3.085.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Wildshut mini|Pfarrkirche St. Pantaleon mini|Pfarrkirche Riedersbach
Schloss Wildshut Katholische Pfarrkirche St. Pantaleon Katholische Pfarrkirche Riedersbach Heilige Familie ehemaliges Werksgelände der SAKOG in Trimmelkam
Wirtschaft und Infrastruktur
Industrie Von 1947 bis 1993 betrieb die Salzach-Kohlenbergbau-Gesellschaft (SAKOG) in Trimmelkam den Abbau von Braunkohle.
Vereine (Auswahl) ASKÖ Tennisclub Bergbau Trimmelkam Bergbaufreunde St. Pantaleon Bergknappenchor Trimmelkam Bergknappenkapelle Trimmelkam Bergknappenklub Trimmelkam Fischereiverein Höllerersee Kameradschaftsbund St. Pantaleon Kinderfreunde Riedersbach Landjugend St. Pantaleon Musikkapelle St. Pantaleon Schützenverein St. Pantaleon USV St. Pantaleon Verein Erinnerungsstätte Lager Weyer
Ehemaliger Verein ATSV Trimmelkam (mit den Sektionen Fußball, Schach, Stocksport und Tennis) (1953–2015)Lost Ground ATSV Trimmelkam. In: Fußball, Soccer, Calcio & Co., online unter: https://brucki.blogspot.com/2026/04/lost-ground-atsv-trimmelkam.html?m=1, abgerufen am 9. September 2026.
Verkehr Im Gemeindegebiet liegen der Bahnhof Trimmelkam und weitere vier Stationen der Bahnstrecke Bürmoos–Ostermiething. Diese wird von der Salzburg AG betrieben und ist als Linie S11 in die S-Bahn Salzburg integriert. Die Haltestellen werden stündlich, teilweise halbstündlich angefahren.
Sport und Freizeit Die Gemeinde ist Mitglied in der Tourismusregion Seelentium.
Der Höllerersee gilt als Ausflugsziel und wird sowohl im Sommer als auch im Winter zu Freizeitzwecken genutzt (Schwimmen, Fischen, Eislaufen). Er ist einer von mehreren kleinen Seen aus dem weiter umliegenden Gebiet, die namensgebend für die Tourismusregion Seelentium waren.
Durch das Gemeindegebiet von St. Pantaleon führt der als R 25 geführte „Ibmer Moor Radweg“, ein Radwanderweg vom nahen Ibmer Moor, der über die St. Pantaleoner Ortschaft Riedersbach nach Hochburg-Ach führt.
Politik mini|Gemeindeamt Der Gemeinderat hat seit 2009 25 Mitglieder. Nach den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich hatte/hat der Gemeinderat folgende Verteilungen: 2003: 12 SPÖ, 9 ÖVP und 2 OGL. (23 Mandate) 2009: 11 SPÖ, 10 ÖVP und 4 OGL. 2015: 11 ÖVP, 6 SPÖ, 4 FPÖ und 4 OGL. 2021: 12 ÖVP, 6 Offene Gemeinde Liste (OGL), 5 SPÖ und 2 FPÖ.
Bürgermeister
bis 2009 Herbert Huber (SPÖ) 2009–2025 Valentin David (ÖVP) seit 2026 Walter Hartl (OGL)
Wappen 150px|rechts Die offizielle Beschreibung des Gemeindewappens lautet: Geteilt; oben in Silber ein blauer, rot bewehrter und bezungter, schreitender Löwe, unten in Grün schräggekreuzt ein silberner Hammer und ein silberner Schlegel. Die Gemeindefarben sind blau-weiß-grün. Der Löwe weist darauf hin, dass das Gemeindegebiet lange Zeit zu Bayern gehörte. Die Bergmannszeichen Hammer und Schlegel stehen für den Braunkohleabbau.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Karl Kinzl (1878–1949), Landwirt und Politiker, Mitglied des Gemeindeausschusses Friedrich Kranebitter (1903–1957), Nationalsozialist, Gestapo-Funktionär und SS-Sturmbannführer Reinhard Todt (1949–2025), Politiker (SPÖ)
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
Franz Höfer (* 1980), Triathlet, lebt in St. Pantaleon Ludwig Laher (* 1955), Schriftsteller, lebt in St. Pantaleon Lukas Perman (* 1980), Sänger, als Sohn von Gemeindearzt Ulrich Permanschlager in St. Pantaleon aufgewachsen Hubert Schatz (1960–2023), Autor, Maler, Grafiker und Naturgeist-Forscher Karlheinz Schönswetter (1941–2006), Künstler, war von 1981 bis 1989 Direktor der Hauptschule St. Pantaleon Rudolf Wohland (* 1956), Spieler und Präsident Salzburg Lions, Gewinner des I. Austrian Bowl 1984, Mitglied des österreichischen Nationalteams
Literatur St. Pantaleon – 200 Jahre Innviertel bei Österreich. Gemeinde St. Pantaleon, 1979. Ludwig Laher: Herzfleischentartung. Roman. Ungekürzte Taschenbuchausgabe. Haymon Verlag, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-85218-808-9. Ludwig Laher: Das Zigeuneranhaltelager Weyer-St. Pantaleon. Zufälliges Zentrum der NS-Aussonderungspolitik im Gau Oberdonau. In: Oberösterreichisches Landesarchiv (OÖLA) (Hrsg.), Florian Freund (Bearb.): Oberösterreich und die „Zigeuner“. Politik gegen eine Minderheit im 19. und 20. Jahrhundert. OÖLA, Linz 2010, ISBN 978-3-900313-97-5 (online). Andreas Maislinger: Ergänzung einer Ortschronik. „Arbeitserziehungslager“ und „Zigeunersammellager“ Weyer. In: Österreich in Geschichte und Literatur. Mit Geographie, Heft 3–4/1988, .
Weblinks
Website der Gemeinde Tourismus-Website, auf oberoesterreich.at
Einzelnachweise
Kategorie:Südinnviertler Seengebiet Kategorie:Pantaleon (Heiliger)