Die Alfred-Toepfer-Stiftung F. V. S. ist heutzutage eine gemeinnützige Stiftung, die sich für die Förderung der europäischen Verständigung unter Wahrung der kulturellen Vielfalt engagiert. Sie ist europaweit in den Feldern Kunst und Kultur, Wissenschaft, Naturschutz und Jugend präsent und vergibt vier Preise: den KAIROS-Preis, den Freiherr-vom-Stein-Preis, den Max-Brauer-Preis und den CULTURA-Preis.

Die Stiftung wurde vom Hamburger Kaufmann und Landwirt Alfred C. Toepfer (1894–1993) zum Jahreswechsel 1931/1932 als Stiftung F. V. S. gegründet. Die Abkürzung „F. V. S.“ nimmt laut Toepfer Bezug auf den preußischen Reformer Freiherr vom Stein.Vgl. Begrüßungsworte des Herrn Alfred Toepfer, Vorstand der Stiftung F.V.S., anläßlich des Festessens am 26. Oktober 1950, in: Stiftung F.V.S. zu Hamburg: Der Fritz-Schumacher-Preis 1950, S. 17–19, hier: S. 17. Dort heißt es wörtlich: "Die Stiftung leitet ihren Namen vom Freiherrn vom Stein her, der seinerzeit eine zeitgemäße soziale Befriedigung durch Aufhebung der Leibeigenschaft und Wiederherstellung bürgerlicher Freiheit in den Städten herbeiführte." In der Zeit des Nationalsozialismus wurden von der Stiftung zahlreiche Preise im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie vergeben.

Geschichte und Funktion Die Stiftung ist bis heute wegen des schwierig einzuordnenden Verhältnisses des Gründers Alfred Toepfer zum Nationalsozialismus umstritten. So kam es Anfang der 1990er-Jahre in Wien zu heftigen Attacken der Forschungsgruppe Kulturgeschichte gegen den neu gestifteten Grillparzer-Preis (der nach drei Vergaben eingestellt wurde) und die Kontinuität der Herder-Preise.Friedrich Denk: Die Zensur der Nachgeborenen. Weilheim i. OB 1996 (3. Aufl.), S. 17, nennt Angela Gruber als deren Vorsitzende.Vgl. die damaligen Debatten in der Zeitschrift FORVM Im Jahr 1996 musste der 1962 geschaffene Straßburg-Preis für Beiträge zur deutsch-französischen Verständigung wegen anhaltender Proteste gegen den Stifter eingestellt werden. Dies nahm die Stiftung 1997 zum Anlass, das Wirken der Stiftung und des Stifters durch eine unabhängige Kommission untersuchen zu lassen. Die am 11. Dezember 2000 vorgestellten Ergebnisse stellten zum einen fest, dass Toepfer „nie die zentralen Ziele und Motive der führenden Nationalsozialisten“ teilte, „Rassismus und Antisemitismus lagen ihm fern“ (Mommsen, Kreis et al.). Zum anderen zeigte sein Wirken durch die Vergabe von Kulturpreisen eine große Nähe zu nationalsozialistischer Volkstumspolitik, zu deren Parteifunktionären er Kontakt pflegte. In den Tagebüchern des Joseph Goebbels ist eine freundschaftliche Begegnung vermerkt. Auch eine personelle Kontinuität in den Stiftungsgremien von der Zeit des Nationalsozialismus bis in die jüngere Vergangenheit, etwa durch die Funktion des ehemaligen NS-Staatssekretärs im Ernährungsministerium Hans-Joachim Riecke als zeichnungsberechtigter stellvertretender Vorstand der Stiftung von 1958 bis 1976, stellte die Kommission fest und kritisierte die Vermeidung „selbstkritische(r) Vergangenheitsanalysen“ des Stifters selbst, attestierte ihm jedoch auch Lernfähigkeit und eine Abkehr vom extremen Nationalismus. (Lit.: Kreis et al.)

Dennoch verhinderte diese von der Stiftung in Auftrag gegebene Aufarbeitung nicht, dass das Verhältnis Alfred Toepfers zum Nationalsozialismus auch danach noch der Stiftung zum Vorwurf gemacht wurde. So verweigerte 2005 die französische Theaterleiterin Ariane Mnouchkine die Annahme des Hansischen Goethe-Preises. 2010 forderte der britische Historiker Michael Pinto-Duschinsky die Einstellung der Hanseatic Scholarships an der Universität Oxford.Gina Thomas: Alfred Toepfer: Mäzen im Zwielicht. Gutes Geld, dunkle Absichten? FAZ.net am 8. April 2010 Nach dem Ausscheiden von Birte Toepfer als letzter Familienangehörigen des Gründers (sie war die Schwiegertochter Alfred Toepfers) aus dem Vorstand leitete die Stiftung im Jahr 2004 eine Umstrukturierung des Stiftungsprogramms ein. Eines der Ziele war es, die Vielzahl von Preisen und Stipendien, die historisch gewachsen war, zu straffen und die Mittel in ein operatives Programm zu überführen. Dieser Prozess wurde 2007 abgeschlossen.

Von den 1960er bis in die 1980er Jahre hatte die Stiftung neben ihrer Funktion zur Förderung kultureller Vielfalt auch Bedeutung als wesentlicher Kapitalträger der Firma Alfred C. Toepfer. Das Stiftungsvermögen wuchs von 50 Millionen DM 1963 auf 84 Millionen DM 1970 und 185 Millionen DM 1985.Jan Zimmermann: Alfred Toepfer. Ellert & Richter, Hamburg 2008, S. 129. Das Kapital der als persönlich haftenden Gesellschafterin für die Firma gegründeten Alfred C. Toepfer Verwaltungsgesellschaft (mbH), deren Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Toepfer war,Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1255. war schon 1961 an die Stiftung übertragen worden.Jan Zimmermann: Alfred Toepfer. Ellert & Richter, Hamburg 2008, S. 195.

Die Geschichte der Stiftung F. V. S. und die Biografie ihres Stifters Alfred Toepfer bleiben Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und kritischer Begleitung auch der Stiftungsaktivitäten. Entsprechende Publikationen und Debatten aktualisiert und veröffentlicht die Stiftung regelmäßig (letztmals 2016)., abgerufen am 24. Juli 2021

Kulturpreise während des Nationalsozialismus Überblick aller Preise, die – laut Stifter – einen Wall um das Binnendeutschtum (Zweckbestimmung von 1932) ziehen sollten:

Verschiedene Wolfgang-Amadeus-Mozart-Preis, in der Nachkriegszeit wieder begründet und weiter vergeben Erwin-von-Steinbach-Preis Joseph-Freiherr-von-Eichendorff-Preis Joseph-von-Görres-Preis Johann-Gottfried-von-Herder-Preis, in der Nachkriegszeit als Herder-Preis weiter vergeben Nicolaus-Kopernicus-Preis Prinz-Eugen-von-Savoyen-Preis Shakespeare-Preis, in der Nachkriegszeit weiter vergeben Rembrandt-Preis Henrik-Steffens-Preis, in der Nachkriegszeit weiter vergeben Ossian-Preis, vermutlich nie verliehen

Nicolaus-Kopernicus-Preis Bestimmt für das „Deutschtum in Polen“, später „im ehemaligen Polen“. Verleihung durch die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau. Preisträger: 1937/38 Theodor Zöckler, evangelischer Theologe 1939 Walter Kuhn, Volkskundler, Siedlungshistoriker 1940 Albert Breyer, Volkstumsforscher 1941 Alfred Lattermann, Bibliothekar, Volkstumsforscher 1942 Viktor Kauder, Bibliothekar, Volkstumsforscher 1943/44 Alfred Karasek, Volkstumsforscher; Hertha Karasek-Strzygowski, Malerin Kuratorium: Hermann Aubin; Ernst Birke; Günther Grundmann; Viktor Kauder; Hans Koch (V); Walter Kuhn; Alfred Lattermann; Kurt Lück

Prinz-Eugen-von-Savoyen-Preis Bestimmt für das „Deutschtum im Südosten“, Verleihung durch die Universität Wien. Preisträger: 1938 Rudolf Spek, Museumsdirektor 1939 Franz Ferch, Maler 1940 Franz Basch, Germanist, Volkstumspolitiker 1941 Richard Huß, Germanist, Volkstumspolitiker; Heinrich Schmidt, Germanist 1942 Felix Millecker, Lehrer, Heimatforscher, Archäologe 1943 Johannes Lipták, Gymnasialprofessor, Historiker; Roland Steinacker, evangelischer Theologe Kuratorium: Carl Freiherr von Bardolff; Otto Brunner; Hugo Hassinger (V); Hans Hirsch; Josef Nadler; Rudolf Spek; Heinrich Ritter von Srbik

Shakespeare-Preis Bestimmt für „Angelsachsentum“, vornehmlich im Vereinigten Königreich. Verleihung durch die Hansische Universität, Hamburg. Preisträger: 1937 Ralph Vaughan Williams, Komponist 1938 John Masefield, Schriftsteller Kuratorium: Hans Friedrich Blunck; Hermann Fiedler; Hans Grimm; Adolf Rein (Geschäftsführer); Rudolf Sieverts

Für die Preisträger ab 1967 siehe unten.

Rembrandt-Preis Bestimmt für das „niederländisch-niederdeutsche Volkstum“. Verleihung durch die Hansische Universität, Hamburg. Preisträger: 1935/36 René de Clercq, Schriftsteller, Volkstumspolitiker (Belgisch-Flandern); Stijn Streuvels, Schriftsteller (Belgisch-Flandern); Cyriel Verschaeve, Theologe, Schriftsteller (Belgisch-Flandern) 1937 Altfriesisches Wörterbuch, Projektförderung 1938 Willem Mengelberg, Dirigent (Niederlande) 1939 Hendrik Luyten, Maler (Belgisch-Flandern) 1940 Raf Verhulst, Schriftsteller, Volkstumspolitiker (Belgisch-Flandern) 1941 Henk Badings, Komponist (Niederlande) 1942 Felix Timmermans, Schriftsteller (Belgisch-Flandern) 1943 Jan de Vries, Altgermanist (Niederlande) Kuratorium: Hans Friedrich Blunck; Conrad Borchling (V); Antoon Jacob; Adolf Rein (Geschäftsführer); Geerto Aeilko Sebo Snijder; Anton Johan van VessemParlamentsabgeordneter der Nationaal-Socialistische Beweging in Nederland (NSB); siehe Jan Zimmermann 2008, S. 66.

Ossian-Preis Bestimmt für das „keltisch-nordische Volkstum“. Verleihungen sollten durch die Hansische Universität, Hamburg, erfolgen. Es kam jedoch zu keinen Verleihungen. Kuratorium: Leo Weisgerber.

Ehemalige Preise nach 1949 Franz-Grillparzer-Preis gemeinsam mit der Universität Wien Hans-Böttcher-Preis für Hörspiele in niederdeutscher Sprache (1960–1982) Robert-Schuman-Preis Europa-Preis für Staatskunst Immanuel-Kant-Preis Joseph-Bech-Preis Joost-van-den-Vondel-Preis,Kulturpreise.de er wurde erstmals 1960 vergeben und war mit 20.000 Euro dotiert, für Geisteswissenschaften im flämisch-niederländisch-niederdeutschen Raum. Europa-Preis Europa-Goldmedaille für Denkmalpflege van-Tienhoven-Preis für Naturschutz Louis-Pinck-Preis für Deutsches Volkslied Fritz-Reuter-Preis für herausragende Leistungen im Niederdeutschen (wurde von der Carl-Toepfer-Stiftung übernommen) Straßburg-Preis. 1996 distanzierte sich die Stadt Straßburg aufgrund der Vergangenheit von Alfred Toepfer von dem Preis, woraufhin die Stiftung eine Kommission einsetzte, die Toepfers Vergangenheit aufarbeiten sollte (siehe Alfred Toepfer). Der Preis wurde 1997 eingestellt. Hans-Klose-Preis für den Aufbau des Naturschutzes in den neuen Bundesländern Alexander-Sergejewitsch-Puschkin-Preis für russischsprachige Literatur. 1990 bis 2005 vergeben. Europa-Preis für Volkskunst Montaigne-Preis für Beiträge zum europäischen Kulturerbe aus dem romanischsprachigen Raum (Universität Tübingen). Er bestand bis 2006. Herder-Preis und Johann-Gottfried-von-Herder-Preis für Beiträge zur Erhaltung und Mehrung des europäischen Kulturerbes aus den Ländern des europäischen Ostens (Universität Wien) Henrik-Steffens-Preis für den kulturellen Beitrag des skandinavischen Raums (Universität Kiel) Justus-von-Liebig-Preis für agrarwissenschaftliche Forschung und Thünen-Goldmedaille für die Landwirtschaft (Universität Kiel) Hansischer Goethe-Preis. 2005 lehnte Ariane Mnouchkine den Preis auf Grund ihrer Einschätzung der Vergangenheit von Alfred ToepferTheaterleiterin Mnouchkine lehnt Goethe-Preis ab, Deutschlandfunk, 18. April 2005, Interview mit Hans Mommsen ab. Daraufhin stellte die Stiftung diesen Preis ein, wie z. B. auch den Montaigne-Preis und den Shakespeare-Preis. Oberrheinischer Kulturpreis Johann-Wolfgang-von-Goethe-Medaille zur Förderung übernationaler Gesinnung und humanitärer Bestrebungen Wilhelm-Leopold-Pfeil-Preis für Leistungen auf dem Gebiet der Forstwirtschaft (Fachhochschule Eberswalde) Fritz-Schumacher-Preise für die Gebiete Städtebau und Landesplanung, Baukunst, konstruktiver Ingenieurbau, Baugeschichte, Landschaftsplanung und Gartenkunst oder Stadtökologie und Stadtsoziologie (Universität Hannover) Alexander-von-Humboldt-Medaille, vergeben von 1962 bis 1986 für Leistungen im Naturschutz (PDF; 46 kB) Alexander-Petrowitsch-Karpinskij-Preis für hervorragende Leistungen von russischen Wissenschaftlern auf den Gebieten der Natur- und Gesellschaftswissenschaften und auf dem Gebiete der Ökologie und des Umweltschutzes (1977–2006)Kulturpreise, abgerufen am 25. Mai 2016. Der CULTURA-Preis würdigte von 2008 bis 2017 beispielhafte Forschungs- oder Arbeitsansätze auf den Gebieten Naturschutz, Landwirtschaft, agrarwissenschaftlicher Forschung und Forstwirtschaft.