mini|hochkant|Wolfgang Jeschke (2008) mini|Wolfgang Jeschke, Herbert W. Franke und Erik Simon auf der Penta-Con 2007 Wolfgang Jeschke (* 19. November 1936 in Tetschen, Tschechoslowakei; † 10. Juni 2015 in MünchenWolfgang Jeschke (1936–2015) Der große Science-Fiction-Autor und -Herausgeber ist tot. auf diezukunft.de) war ein deutscher Schriftsteller, Verlagslektor und Herausgeber von Buchreihen im Heyne Verlag aus dem Bereich der Science-Fiction-Literatur. Neben zahlreichen Werken gab er über 100 für die deutsche Science-Fiction-Literatur mitbestimmende Anthologien heraus sowie die Science-Fiction-Jahrbücher, die neben literarischen Entdeckungen vor allem sekundärliterarische Beiträge wie Essays und Interviews zur Science-Fiction enthalten. Er gilt als eine der prägenden Figuren der deutschsprachigen Science-Fiction.

Leben Wolfgang Jeschke wurde 1936 im böhmischen Tetschen geboren und wuchs nach 1945 in Asperg bei Ludwigsburg auf. Nach der mittleren Reife absolvierte er eine Lehre als Werkzeugmacher und arbeitete im Maschinenbau. 1959 erwarb er nachträglich das Abitur und studierte anschließend Germanistik, Anglistik und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Es folgte ein Buchhändlerpraktikum bei der C. H. Beck’schen Verlagsbuchhandlung. 1969 bekam Jeschke eine Anstellung als Redaktionsassistent bei „Kindlers Literatur Lexikon“, später auch als Redakteur.

Als 1970 Herbert W. Franke, ein Sachbuchautor der Verlagsgruppe, dem Haus einen Science-Fiction-Roman anbot, erinnerte man sich daran, dass Jeschke sich seit Jahren mit Science-Fiction beschäftigte, und bat ihn um ein Urteil.Vgl. Erhard Ringer: Interview mit Wolfgang Jeschke, in Fantasia, Nr. 1, 1978. Daraus entstand die von Jeschke herausgegebene Reihe „Science Fiction für Kenner“ im Lichtenberg Verlag, in der nicht nur Frankes Roman Zone Null erschien, sondern auch Jeschkes eigene Kurzgeschichtensammlung Der Zeiter. In der Edition wurden einige bedeutende Autoren erstmals in Deutschland in vollständigen – nicht aufs Heftchenformat heruntergekürzten Ausgaben – zugänglich gemacht, wie Robert Silverberg, Thomas M. Disch und Brian W. Aldiss. Als am Jahresende 1972 die Stelle des SF-Lektors und -Herausgebers im Heyne-Verlag frei wurde, übernahm Jeschke – anfangs zusammen mit Herbert W. Franke – diese Position, zunächst als freier Mitarbeiter.

Jeschke trug ab den 1970er Jahren maßgeblich dazu bei, dass wichtige Texte der Science-Fiction in Deutschland ungekürzt in deutscher Übersetzung erschienen. Er hatte großen Anteil an der Etablierung der Gattung, unter anderem auch als Herausgeber zahlreicher Anthologien.

Der Erfolg der Reihe Heyne Science Fiction und Fantasy führte zu einer steigenden Zahl von Titeln, so dass Jeschke 1978 seinen Abschied bei Kindler nahm und ausschließlich Lektor bei Heyne wurde. Nach dem Weggang Frankes 1979 war er alleinverantwortlicher Redakteur für Science-Fiction bei Heyne und blieb es bis 2002, als er in den Ruhestand ging. In dieser Zeit brachte er Texte weiterer Autoren nach Deutschland, wie Der stählerne Traum von Norman Spinrad, den er auch intensiv während des Rechtsstreits aufgrund der Indizierung des Romans betreute.

Bis zu seinem Tod lebte er in München und gab nach wie vor das von ihm begründete Das Science Fiction Jahr heraus, gemeinsam mit Sascha Mamczak.

Wolfgang Jeschke verstarb am 10. Juni 2015 in München.Nachruf bei DieZukunft.de https://diezukunft.de/news/buch/wolfgang-jeschke-1936-2015 In Das Science-Fiction-Jahr 2015 wurden 35 Nachrufe auf Jeschke veröffentlicht, u. a. von Brian W. Aldiss, Andreas Brandhorst, Dietmar Dath, Andreas Eschbach, Herbert W. Franke, Werner Fuchs, David G. Hartwell, Christopher Priest, Robert Silverberg, Karlheinz Steinmüller und Norman Spinrad.http://www.isfdb.org/cgi-bin/pl.cgi?544707

Werk Jeschke interessierte sich bereits seit den 1950er Jahren für Science-Fiction und gehörte zu den ersten Mitgliedern des 1955 gegründeten SFCD. Erste Kurzgeschichten erschienen in Fan-Magazinen und semiprofessionellen Publikationen, und mit Ad astra gab er zusammen mit Peter Noga auch ein eigenes Fanzine heraus. In den Jahren seiner Tätigkeit als Redakteur und Herausgeber kam er wenig zum Schreiben, so dass sein Werk relativ schmal blieb. Es wurde jedoch stark beachtet und etliche seiner Texte wurden ausgezeichnet. Kennzeichnend für seine Science-Fiction-Texte ist die atmosphärische Dichte der geschilderten Szenarien, die psychologischen Dimensionen der Protagonisten und das Thema „Zeitreise“ in allen Variationen. Dabei verlässt er auch die Konventionen des Erzählens und montiert fiktive Dokumente zusammen (Dokumente über den Zustand des Landes vor der Verheerung) oder liefert eine Liste, die aus ebenso fiktiven geschichtlichen Ereignissen besteht (Die cusanische Acceleratio). Sein erster Roman Der letzte Tag der Schöpfung wurde mehrfach übersetzt und immer wieder nachaufgelegt; er schildert den Versuch, die Geschichte zu korrigieren – und sein grandioses Scheitern. Jeschke ist auch als Hörspielautor hervorgetreten, wobei es einige dieser Stoffe auch als Erzählungen gibt.

Veröffentlichungen Romane 1981: Der letzte Tag der Schöpfung. Heyne, München, ISBN 3-453-52121-8, Taschenbuchausgabe 1985 mit einem Vorwort von Brian W. Aldiss, ISBN 3-453-31134-5. 1989: Midas oder Die Auferstehung des Fleisches. Heyne, München, ISBN 3-453-06228-0. 1997: Meamones Auge. Heyne, München, ISBN 3-453-08461-6. 1997: Osiris Land Heyne, München (Erstausgabe 1982 als Privatdruck), ISBN 3-453-12823-0. 2005: Das Cusanus-Spiel. Droemer, München, ISBN 3-426-19700-6; Taschenbuchausgabe bei Droemer Knaur, München 2008, unter dem Titel: Das Cusanus-Spiel, oder Ein abendländisches Kaleidoskop. ISBN 3-426-63958-0. 2013: Dschiheads. Heyne, München, ISBN 978-3-453-31491-7.

Übersetzungen in fremde Sprachen: Französisch 1981: Le dernier jour de la création (Der letzte Tag der Schöpfung) 2008: Le Jeu de Cuse (Das Cusanus-Spiel) – ISBN 2-84172-416-6. Englisch 1982: The Last Day of Creation (UK/USA) – ISBN 0-7126-0042-6 / ISBN 0-312-47061-4 (Der letzte Tag der Schöpfung) 1985: The Land of Osiris (USA, in Isaac Asimov’s Science Fiction Magazine, Mar 1985) (Osiris Land) 1990: Midas (UK) – ISBN 0-450-50937-0 (Midas oder Die Auferstehung des Fleisches) 2014: The Cusanus Game (Das Cusanus-Spiel) – ISBN 978-0-7653-1909-8 Polnisch 1987: Ostatni dzień stworzenia (Der letzte Tag der Schöpfung) 1990: Pielgrzymi czasu (Der Zeiter) Ungarisch 1990: A Teremtés utolsó napja (Der letzte Tag der Schöpfung) 1997: Ozirisz országa (Osiris Land) 1999: Midas/Meamone szeme (Midas oder Die Auferstehung des Fleisches und Meamones Auge in einem Band) 2008: A Cusanus-játszma (Das Cusanus-Spiel, in zwei Bänden)

Kurzgeschichtensammlungen 1970: Der Zeiter, erweiterte Neuauflage 1978 – ISBN 3-926126-65-5 1993: Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan – ISBN 3-453-06605-7 ausgewählte Kurzgeschichten in drei Bänden (Shayol Verlag) 2006: Der Zeiter, überarbeitete und erweiterte Neufassung, mit einem Vorwort von Andreas Eschbach – ISBN 978-3-926126-65-8 2008: Partner fürs Leben, Vorwort von Franz Rottensteiner, enthält Meamones Auge und bisher nicht in Buchform publizierte Erzählungen – ISBN 978-3-926126-78-8 2011: Orte der Erinnerung, Vorwort von Herbert W. Franke – ISBN 978-3-926126-91-7

Hörspiele 1975: Der König und der Puppenmacher 1984: Wir kommen auf Sie zu, Mister Smith. Regie: Alexander Malachovsky, BR, 9 Min. 1985: Sibyllen im Herkules, oder Instant Biester 1988: Jona im Feuerofen, oder Das versehrte Leben 1989: Cataract 1991: Midas, oder Die Auferstehung des Fleisches 1993: Der Wald schlägt zurück 2019: Der letzte Tag der Schöpfung, Ohrenkneifer, 147 Min.

Kurzgeschichten 1959: Supernova, auch Der Riß im Berg, in Utopia Magazin, Nr. 23 1957: Welt ohne Horizont, in Thomas Landfinder (Hrsg.): Welt ohne Horizont 1957: Der Türmer, in Henry Bings (Hrsg.): Lockende Zukunft 1958: Zwölf Minuten und einiges mehr 1959: Die Anderen, in Jürgen vom Scheidt (Hrsg.): Das Monster im Park 1960: Sirenen an Ufern, in: Mario Kwiat (Hrsg.): Amateur Science Fiction Stories 1960: Unweit Toulouse, auch Tore zur Nacht 1961: Der König und der Puppenmacher, in Munich Round-Up, Nr. 43 (Beilage) 1961: Pater Ramseys Totenmessen, in Munich Round-Up, Nr. 56 (Beilage) 1974: I Love Bombay 1980 (Gedicht) 1975: Denkmodelle (Gedicht) 1976: Seveso (Gedicht) 1976: Sterne (Gedicht) 1976: Aufbruch (Gedicht) 1979: Begegnung, in Gedankenkontrolle (o. Hrsg., Das Neue Berlin, Auszug aus Unweit Toulouse) 1980: Nackt zum Gipfel, auch Yeti, in Playboy, Nr. 4/1980 1980: Anachronismen, oder Die Flöte des heiligen Veit, in: Frank Flügge (Hrsg.): Utopia. SFCD-Sonderdruck 2/1980 (Auszug aus Der letzte Tag der Schöpfung) 1981: Dokumente über den Zustand des Landes vor der Verheerung, in Science Fiction Story Reader 15 1982: Osiris Land, in Arcane (hrsg. zus. mit Helmut Wenske) 1983: Wir kommen auf Sie zu, Mr. Smith, in Dieter Hasselblatt (Hrsg.) 1984: Sybillen im Herkules oder Instant Biester 1985: Nekyomanteion, in Science Fiction Jubiläumsband – Das Lesebuch 1988: Jona im Feuerofen oder Das versehrte Leben 1989: Nachrichten von Lebenden und Toten 1988: The Mississippi Straightforward Society 1993: Es lebe der Wald 1993: Happy Birthday, dear Alice! Happy Birthday, dear Anne! 1993: Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan 1995: Partner fuers Leben 1997: Die Reise einer Zeitmaschine 1999: Die Cusanische AcceleratioEpilog.de: , in Erik Simon (Hrsg.): Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod 2001: Allah akhbar – And So Smart Our NLWs 2004: Das GeschmeideEpilog.de: , in: Andreas Eschbach (Hrsg.): Eine Trillion Euro 2005: Lucia 2010: Orte der Erinnerung

Auch auf Englisch erschienen: 1970: The King and the Dollmaker 1975: A Little More Than Twelve Minutes 1980: Yeti 1983: Haike the Heretic’s Writings 1984: Loitering at Death’s Door

Sachbücher 1980: Lexikon der Science Fiction Literatur, 2 Bände. Mit Hans Joachim Alpers, Werner Fuchs und Ronald M. Hahn, Heyne Verlag, ISBN 3-453-01063-9 / ISBN 3-453-01064-7. 1988: Lexikon der Science Fiction Literatur, erweiterte und aktualisierte Neuausgabe in einem Band. Mit Hans Joachim Alpers, Werner Fuchs und Ronald M. Hahn, Heyne Verlag, ISBN 3-453-02453-2. 2003: Marsfieber. Mit Rainer Eisfeld, Droemer Knaur Verlag, ISBN 3-426-27288-1.

Herausgeberschaft Anthologien

1982: Arcane, ISBN 3-453-30856-5 (mit Helmut Wenske) 1985: Fantasy, ISBN 3-453-37005-8 1985: Das Auge des Phönix, ISBN 3-453-31223-6 1989: Frohes Fest. 13 grausige Bescherungen, ISBN 3-453-03900-9 (mit Uwe Luserke) 1991: Frohes Fest, ISBN 3-453-05369-9 (mit Uwe Luserke) 1992: Die Rückkehr der Göttin, ISBN 3-453-06236-1 (mit Henry Rider Haggard) 1993: Neuland, ISBN 3-453-06227-2 (mit Karl-Michael Armer) 1998: Star Trek Timer 1998, ISBN 3-453-13369-2 (mit Ralph Sander) 2000: Fernes Licht, ISBN 3-453-17117-9 2001: Ikarus 2001 – Best of Science Fiction, ISBN 3-453-17984-6 2002: Ikarus 2002 – Best of Science Fiction, ISBN 3-453-19669-4

Nebula-Award-Preisträger

Jeschke verantwortete als Herausgeber bzw. Redakteur einen Teil der deutschen Übersetzungen der Sammelbände an SF-Stories, die den Nebula Award erhalten hatten.

US-Erscheinungs-datum US-Titel Deutsche Äquivalenz-veröffentlichungen1966Nebula Award Stories 1965(auch als: Nebula Award Stories 1)Teil 1: Computer streiten nicht(Lichtenberg 1970, Heyne 1973)

Teil 2: Der Gigant (Lichtenberg 1971) Panne in der Hölle(Heyne 1973; leicht gekürzt)1967Nebula Award Stories TwoDer Tag Milion(Lichtenberg 1971, Heyne 1974)1968Nebula Award Stories 3Eispiloten(Lichtenberg 1971)