mini|300px|Wraza mini|Wraza – Bulgarien – Nachbarorte: Berkowiza, Montana, Lom, Orjachowo, Dolni Dabnik, Slatiza, Mesdra, Sofia, Pernik Wraza [] (, übliche Schreibung Vratsa, veraltet ) ist eine Stadt in Bulgarien mit Einwohnern (Stand ) am Fuße der steilen Gipfel des Balkangebirges gelegen, Industriestadt (Textil- und Zementindustrie), kultureller Mittelpunkt des Gebietes mit Theater, Oper und Kunstgalerie. Wraza ist Hauptstadt der gleichnamigen Oblast und Sitz der Diözese von Wraza, eine Eparchie der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche.

Geographie Lage mini|Teile der Schlucht »Wratsata« Die Stadt Wraza liegt in der Wraza-Ebene, am Fuße des Wratschanski Balkan (zu Dt. auch Wrazaer Balkangebirge oder verkürzt nur Wraza-Gebirge), ein Gebirgszug im nordwestlichen Teil des Balkangebirges. Zudem liegt die Stadt am Fluss , an der Stelle, in der er die Ebene eintritt und das Wratiza-Pass mit dem Durchbruchstal »Wrazata« hinter sich lässt. Südwestlich grenzt die Stadt unmittelbar am Naturreservat Wratschanski Karst, Teil des Schutzgebietes Wratschanski Balkan. Wraza ist der Ausgangspunkt für die Erkundung des Reservats; der Schlucht »Wrazata«, die im südwestlichen Teil der Stadt endet; zum Berg Okoltschiza und gleichnamigen Berghütte oder einer der 500 Höhlen und Kluften, darunter die Höhle Ledenika, die sich ca. 16 km westlich der Stadt befindet.

Das Stadtzentrum befindet sich 370 m über dem Meeresspiegel. Die nördlichsten Wohn- und Industrieviertel der Stadt liegen auf 340 m Höhe, während die südlichsten entlang des Flusses Lewa auf 400 m Höhe liegen.

Der Süden von Wraza ist durch den grau-violetten Karstfelsen des Wratschanski Balkan geprägt, im Norden erhebt sich ein bewaldetes, niedriges, steiniges Plateau des Milin kamak-Gebirges mit weichen, abgerundeten Geländeformen, und im Osten wechseln sich die niedrigen Gipfel des Weslets-Hügels ab. Der Wratschanski Balkan ist Teil des sogenannten Vorbalkans, eine Morphostruktur, die zwischen dem Mesozoikum und dem Neozoikum entstand. Er besteht aus regelmäßigen antiklinalen und synklinalen Falten, die parallel zueinander verlaufen, und aus mesozoischen und tertiären Sedimenten wie Kalksteinen, Dolomiten und Sandsteinen bestehen.

Wraza liegt am paneuropäischen Verkehrskorridor Korridor 4 und in der Nähe des Korridors 7, der entlang der Donau führt. Die Stadt liegt ca. 154 km nordwestlich der Hauptstadt Sofia (über Botewgrad und der Republikstraße I-1), 246 km nordwestlich von Plowdiw, 403 km westlich von Warna und 72 km südlich von Orjachowo an der Donau entfernt. Über eine im Bau befindliche Schnellstraße ist Wraza mit den ca. 124 km nordwestlich liegendem Widin und die Donaubrücke 2 verbunden. Über eine vierspurige Schnellstraße ist Wraza mit dem ca. 16 km östlich gelegenen Mesdra und im weiteren Verlauf mit Botewgrad verbunden, welche dann bei Botewgrad zur A2 „Hemus“ führt.

Klima Das Klima in Wraza ist mäßig kontinental und steht hauptsächlich unter dem Einfluss ozeanischer Luftmassen aus gemäßigten Breiten, die vor allem aus dem Westen und Nordwesten eindringen. Die steilen Hänge des Balkangebirges schwächen den Einfluss der mediterranen Stürme aus dem Süden ab und schaffen manchmal Bedingungen für mäßige und starke Föhnwinde (warme Winde, die von den nördlichen Berghängen herabströmen). Zusammen mit den Höhen von Weslez und Milin Kamak sind die Voraussetzungen für Temperaturinversionen, häufige Nebel und vorherrschende Nordwestwinde gegeben. Die Winter in der Stadt sind kalt und die Sommer heiß. Die höchste monatliche Durchschnittstemperatur ist im Juli (22,2 °C) und die niedrigste im Januar (−1,9 °C). Das Niederschlagsmaximum im Mai/Juni und das Niederschlagsminimum im Februar sowie der Einfluss des Balkangebirges sind deutlich ausgeprägt. Die Anzahl der Tage mit Schneedecke beträgt 55. Im Gebirge über der Stadt ist diese Zahl wesentlich höher, und die Schneedecke erreicht gewöhnlich 80–100 cm.

Geschichte Antike und Mittelalter 100px|rand 100px|rand

Bereits um 6000 v. Chr. war das Gebiet von Wraza besiedelt. Die Menschen beschäftigten sich hauptsächlich mit Landwirtschaft und Viehzucht. In einer späteren Periode begannen sie auch mit der Töpferei. Im Dorf Gradeschniza wurde Keramik mit speziellen Inschriften entdeckt, die als einige der ältesten in Europa gelten. Parallel dazu begann auch die Entwicklung des Kupferbergbaus.

Um das 6.–7. Jahrhundert v. Chr. begannen sich die Triballer auf dem Gebiet des heutigen Wraza niederzulassen. Es wird vermutet, dass sich hier auch ihre Hauptstadt befand. Die Triballer waren ein besonders kriegerisches Volk. Im Jahr 425 v. Chr. besiegten sie die thrakischen Odrysen und später sogar die Armee von Philipp II. Im Jahr 335 v. Chr. kämpften sie gegen Alexander den Großen und wurden anschließend seine Verbündeten.

Der älteste Teil der Stadt, das südlich gelegene Stadtviertel , liegt dort, wo die Lewa, in der Ebene eintritt und die Wratiza-Schlucht hinterlässt. In diesem Teil der Stadt gibt es Spuren von Siedlungen, die zur antiken thrakischen Zivilisation gehören. Sechs Grabhügel im Stadtzentrum von Wraza und in der Umgebung weisen auf diese Spuren hin. Aus dem 4./3. Jahrhundert v. Chr. stammt der 1969 in Wraza im »Mogilanska Grabhügel« gefundene Goldschmuck einer thrakischen Prinzessin, oder der Silberschatz von Rogozen der zum Teil im Historischen Museum von Wraza aufbewahrt wird. In der Wratiza-Schlucht, südlich von Wraza wurden Reste eines römischen Militärlagers gefunden.Machiel Kiel: Artikel İvraca, In. İslâm Ansiklopedisi, Türkiye Diyanet Vakfı, abgerufen am 17. Juni 2024

Der mittelalterliche Vorgänger von Wraza ist die kleine befestigte Stadt Wratiza / Vratica, die an der engsten Stelle der Schlucht des Flusses Lewa errichtet wurde. Die Festung wird in Chroniken des 6. und 13. Jahrhunderts erwähnt und wohl auf die Besiedlung der Gegend durch die Slawen zurück. Im 7. Jahrhundert wurde die Gegend zu einer der Grenzregionen des neubegründeten Ersten Bulgarischen Reichs. Die Geschichte dieses Ortes wird durch archäologische Funde (unbearbeitete slawische Keramik aus dem 10. Jahrhundert, byzantinische Keramik, Münzen, die im Namen byzantinischer Kaiser des 11. und 12. Jahrhunderts, bulgarischer Zaren des 13. und 14. Jahrhunderts) belegt. Neben den Bergbauausrüstungen wurden auch Reste kleiner Steinhäuser und Steinkirchen bei Ausgrabungen freigelegt. Im Jahr 1941 wurde unter den Ruinen einer der freigelegten Kirchen eine bulgarische Inschrift aus dem 13. Jahrhundert gefunden, in der der Name der Stadt als Wratiza verzeichnet war. Die Inschrift lautet „Asen, Zar von ganz Bulgarien“, was darauf hindeutet, dass die Inschrift aus der Zeit des Zaren Michael II. Assen stammt, der das Land zwischen 1246 und 1256 regierte. In der Folge geriet die Region unter dem Einfluss der Schischmaniden, die ihren Sitz in Widin hatten.

Osmanischer Zeit Unter der Herrschaft des Osmanischen Reiches war Wraza Wirtschafts- und Verwaltungszentrum der Region. Das mittelalterliche Vraticawurde während des Bürgerkriegs zwischen den Söhnen von Sultan Bayezid I. oder, was wahrscheinlicher ist, während der Schlacht bei Warna (1444) von Kreuzfahrertruppen zerstört. Nach der Zerstörung wurde die Stadt auf dem offenen Gelände außerhalb der Schlucht wieder aufgebaut (genau wie in Larisa/Yenisehir, Schumen, Lowetsch und anderswo). Die frühesten Aufzeichnungen über Ivraca, wie die Stadt nun von den Osmanen genannt wurde, finden sich in einem osmanischen Steuerregister (Defter) aus dem Jahr 1479. In diesem wird Ivraca als Teil von Erdogdu Beys Ländereien erwähnt. Im Ort gab es zu der Zeit dreiundzwanzig muslimische und 296 christliche Haushalte. Ivraca war auch ein Marktort. In einem Register des Sandschaks von Nikopol aus dem Jahr 1485 wird Wraza mit einer christlichen Bevölkerung von 287 Haushalten und achtundvierzig Junggesellen angegeben. Die Muslime hingegen hatten fünfundzwanzig Haushalte und mehr als vierundzwanzig Junggesellen.

Aus den osmanischen Steuerunterlagen der frühen 1550er Jahre geht hervor, dass sich die Stadt in einer kontinuierlichen Entwicklung befand. Demnach gab es 82 muslimische Haushalte, die etwa 400 Personen entsprachen, und eine Moschee, die später als „Eski Camii“ bekannt wurde, mit einer Bevölkerung von 31 unverheirateten Männern. Die in 12 Stadtvierteln lebenden Christen hingegen erreichten mit 354 Haushalten und 172 unverheirateten Männern eine Bevölkerungszahl von etwa 1840 und stellten die Mehrzahl der Stadtbewohner. Zu diesem Zeitpunkt stieg der Anteil der muslimischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung auf 18 Prozent. Außerdem wird in der Urkunde erwähnt, dass die muslimische und nicht-muslimische Bevölkerung in der Stadt und einige Bewohner der beiden Nachbardörfer in nahegelegenen Bergwerken arbeiteten und daher diese Arbeiter und ihre Familien von der avarız-Grundsteuer befreit waren. Im Jahr 1580 machten die Muslime 30 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Zu dieser Zeit gab es in der Stadt 3 muslimische Stadtteile (Mahalle-i Câmi-i Atik, Mahalle-i Câmi-i Cedid, Mustafa Çavuş Mescidi mahalle). In diesen Stadtvierteln gab es insgesamt 258 Haushalte. Die christliche Bevölkerung nahm ebenfalls zu und zählte insgesamt 583 Haushalte in 12 nach ihren Priestern benannten Vierteln. Darüber hinaus gab es sieben koptische Bergbauhaushalte, deren Status 1550 anerkannt wurde. Die Zahl der Klöster, die bis zu diesem Zeitpunkt 4 betrug, stieg auf 8.

Wraza verfiel, als es 1596 von Mihai Viteazul, dem Woiwoden der Walachei, zerstört wurde, der auch Swischtow an der Donau und die wichtige Stadt Plewen im Landesinneren eroberte und zerstörte. Mihal zwang auch viele Christen zur Auswanderung, um sich auf Feudalgütern in der Walachei niederzulassen. Drei Quellen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts deuten darauf hin, dass sich die Stadt Wraza wieder zu entwickeln begann. Das Avârız-Steuerregister von 1642 erwähnt 226 muslimische Haushalte, die in vier Vierteln leben (drei sind seit 1580 bekannt, eines ist das neue Debbağlar-Viertel). Angrenzend an die Muslime gab es sieben verschiedene christliche Viertel und eine Gruppe von Haymana, die zusammen 240 Haushalte umfassten. Insgesamt gab es 466 Haushalte in der Stadt. Neben diesen Haushalten gab es noch andere Gruppen, die die Avârız-Steuer nicht zahlten und somit nicht erfasst wurden. Evliya Çelebi erwähnt an einer Stelle seines Werks, dass die Bergleute von Ivraca wegen ihrer Arbeit in den (Silber-)Minen neben der Stadt als sehr privilegiert galten.

Im Jahr 1659 erwähnt Bischof Filip Stanislawow in seinem Werk Vratsa-Civitas sieben Kirchen in Wraza und etwa 2000 orthodoxe „separatistische“ Siedler. Ihm zufolge waren die Türken in der Stadt zahlreich und hatten vier Moscheen. Römisch-katholische Christen sind überhaupt nicht zu finden, im Gegensatz zum etwas nördlich gelegenen Tschiprowzi. Die Christen in Wraza werden von einem griechisch-orthodoxen Bischof der Erzdiözese von Tarnowo geleitet. Vier Jahre später beschrieb Evliya Çelebi in seinem Werk Seyahatnâme die geografische Lage der Stadt zum ersten Mal genauer. Wraza habe ihm zufolge 1500 Häuser, neun Moscheen, zwei Madrasas, vier Schulen, zwei Tekkes und ein Gasthaus. Eine der Tekkes gehörte der Halveti und die andere dem Jalvetiyya-Zweig desselben Ordens. Der Basar ist recht klein und hat nur 150 Geschäfte. Sowohl Çelebis als auch Stanislawows Zahlen scheinen realistisch zu sein. Es ist wahrscheinlich, dass Wraza im Jahr 1580 4000 Einwohner hatte, von denen 30 % Muslime waren. Die von Stanislawow genannten 2000 Christen entsprechen etwa 420–440 Haushalten, was weniger ist als 1580. Es ist anzunehmen, dass dies auch für die Muslime gilt. Am Ende der osmanischen Periode lag die Einwohnerzahl der Stadt zwischen 10.000 und 11.000.