Ringier ist ein in mehreren Ländern tätiges, diversifiziertes Medienunternehmen mit über 6500 Mitarbeitern. Das 1833 gegründete Familienunternehmen führt Medienmarken in Print und Digital, TV und Radio und ist im Entertainment- und digitalen Marktplatzgeschäft tätig. Der Hauptsitz der Ringier AG ist in Zofingen, Aargau. Weitere Standorte befinden sich in Zürich (Pressehaus und Medienpark) sowie Lausanne.
Geschichte
Gründung und Etablierung (1833 bis 1898) mini|Logo über dem Haupteingang des Ringier-Pressehauses in Zürich Die Geschichte des Familienunternehmens begann 1833, als Johann Rudolf Ringier (1803–1874) eine Buchdruckerei im schweizerischen Zofingen gründete. Das Geschäft begann in einem Hinterzimmer im Haus seines Bruders, Gottlieb Sigmund Ringier.Vom Amtsblatt zum Boulevard. In: Handelszeitung. 8. März 2012, S. 8. Als Verleger publizierte Ringier 1834 das Zofinger Wochenblatt als seine erste Zeitung. Produziert wurde die Zeitung über eine hölzerne Handpresse, welche einen Druck von bis zu 250 Abzügen pro Stunde ermöglichte.
Ein Jahr nach der Gründung bezog das Unternehmen seinen eigenen Standort in Zofingen. Das Wachstum des Unternehmens wurde im 19. Jahrhundert durch diverse finanzielle Belastungen sowie durch Aufkommen von Konkurrenten gemildert. Weiterhin wurden andere Verlage und Zeitungen zunehmend politischer, Ringier hingegen folgte dieser Entwicklung nicht, wodurch weitere Einbussen entstanden.
1874 übernahm der Sohn des Gründers, Franz Emil Ringier, das Unternehmen, mit dem Ziel, dieses konkurrenzfähig zu machen. Er stellte den Druckbetrieb auf eine Schnellpresse um, wodurch Produktionskosten reduziert und Kapazitäten gesteigert wurden. Durch den Umstieg wurde Ringier zu einer der leistungsstärksten und modernsten Druckereien der Schweiz.
1898 verstarb Franz Emil Ringier und sein Sohn Paul Ringier übernahm das Unternehmen. Aufstieg zum Druck- und Verlagshaus (1899 bis 1984) Paul Ringier schloss 1902 eine Zusammenarbeit mit den Konkurrenten Francke und Brupacher und wechselte dazu erneut den Standort in Zofingen. 1906 verstarben beide Partner, wodurch Ringier das gesamte Geschäft übernahm.
1911 erschien erstmals die noch heute verkaufte Zeitschrift Schweizer Illustrierte unter dem Titel Schweizer Illustrierte Zeitung. Zehn Jahre später wurde das Pendant für die französischsprachige Schweiz L’illustré lanciert.
Während des Ersten Weltkriegs stieg die Nachfrage nach bildlichen Darstellungen und Dokumentationen der Kriegsereignisse erheblich an. Durch die hohe Druckqualität und den grossen Bildanteil der Schweizer Illustrierten Zeitung konnte Ringier seine Marktposition schnell ausbauen.Daniel Ammann: Urschweizerisch und kommerziell. In: Die Weltwoche. 26. Juli 2007, S. 36.
Der Verlag lancierte 1959 mit Blick die erste Boulevardzeitung der Schweiz. Herausgegeben wurde sie von der AG für Presseerzeugnisse, in welcher Ringier als Hauptaktionär vertreten war. Die Zeitung traf vermehrt auf politischen Widerstand. In den folgenden Jahren gründete Ringier weitere Zeitschriften, wie die Programmzeitschrift Tele und die erste Schweizer Sonntagszeitung SonntagsBlick.Pietro Supino: 175 Jahre Ringier – Tamedia gratuliert. In: Tages-Anzeiger. 16. Mai 2008, S. 3. Zwischen 1948 und 1994 verlegte Ringier zudem die Bildergeschichten von Ringgi und Zofi.
Das Unternehmen wuchs kontinuierlich durch Übernahmen. 1973 wurde der Verlag C.J. Bucher samt der ehemaligen Tageszeitung Luzerner Neueste Nachrichten übernommen. Anschliessend wurde der Münchner Heering-Verlag übernommen, welcher später zur Ringier Deutschland GmbH wurde. Der Verlag war vor allem im Bereich Fotografie mit Büchern und Magazinen aktiv. Zudem beteiligte sich Ringier in den 1980er Jahren mehrheitlich an der Konzertagentur Good News, wodurch Ringier erstmals in die crossmediale Unterhaltung einstieg.Deutscher Konzertveranstalter übernimmt Schweizer Marktführer Good News für die Deag. In: Die Welt. 11. Juli 2000, S. 15.
1974 gründete Ringier die unternehmenseigene Ringier-Journalistenschule (JouSchu), welche die erste Bildungsstätte ihrer Art in der Schweiz war und weiterhin besteht (Stand 2024). 1978 wurde das Ringier-Pressehaus im Zürcher Seefeld eröffnet, welches mehrere Redaktionen beheimatete.
1977 wurde die Schweizerische Allgemeine Volkszeitung in die Glückspost umbenannt.Entstehung der GlücksPost. 1984 gründete Ringier zusammen mit dem Tages-Anzeiger und Radio 24 die TV-Programmgesellschaft Zürivision.
Generationenwechsel und Internationalisierung (1985 bis 1999) Hans Ringier übergab 1985 die Unternehmensführung an seine Söhne Chirstoph und Michael ab, welche zu diesem Zeitpunkt bereits als Verwaltungsratspräsident und als Direktionspräsident aktiv waren.
Es folgte eine Expansion des Unternehmens ins Ausland; 1987 wurde die Druckerei Times-Ringier in Hongkong gegründet; 1989 erfolgte die Übernahme der US-amerikanischen W.A. Krueger Co. In den Jahren 1989 und 1990 startete Ringier Aktivitäten in Tschechien und in Rumänien. In der Schweiz wurden 1993 die TV-Sendungen Cash-TV, Spotlights, MotorShow und Gesundheit-SprechStunde lanciert, die später in PresseTV übergingen. Im selben Jahr begannen Aktivitäten in Bulgarien, Polen, Ungarn und Vietnam. Die Geschäftstätigkeiten in Polen und Bulgarien wurden jedoch nach drei Jahren wieder eingestellt.
Christoph Ringier trat 1991 aus dem Unternehmen aus und Michael Ringier wurde zum Präsidenten des Verwaltungsrats.
Digitalisierung und Wachstum (2000 bis 2015) 1999 erwarb Ringier eine 50-prozentige Beteiligung an dem Fernsehsender Sat.1 Schweiz.Kurz notiert. In: Frankfurter Rundschau. 2. Dezember 1999, S. 11.
In den 2000er Jahren wurden mehrere Bereiche, Beteiligungen und Zeitschriften von Ringier abgetreten, so gab 2001 Ringier Deutschland GmbH seine Geschäftstätigkeit auf. 2001 verkaufte Ringier die Hälfte der Anteile an der 1995 übernommenen Betty Bossi AG an den Detailhändler Coop,Beteiligung: Coop steigt bei Betty Bossi ein. In: Berner Zeitung. 24. November 2001, S. 18. später wurden auch die restlichen Anteile abgetreten. 2002 war zudem der Axel Springer AG ein Interesse am Kauf der Ringier AG nachgesagt worden.
2004 kehrte Ringier nach Deutschland zurück und brachte aus der Ringier Publishing GmbH in Berlin das Magazin Cicero auf den Markt.
Am 15. Mai 2006 veröffentlichte das Unternehmen die erste Abendzeitung der Schweiz, das Gratisblatt heute,Christian Mensch: Gute Nacht für den Blick am Abend. In: Aargauer Zeitung. 29. November 2018, S. 12. die am 2. Juni 2008 durch die neue Gratiszeitung Blick am Abend ersetzt wurde. Im Juni 2007 wurde die Wirtschaftszeitung Cash nach 18 Jahren eingestellt und zum 1. Juli 2007 erwarb Springer über die Schweizer Tochtergesellschaft Jean Frey AG die deutschsprachigen TV-Programmzeitschriften Tele, TV4 und TV2 von Ringier.Axel Springer macht sich in der Schweiz breit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Juni 2007, S. 17.
2009 übergab Ringier sein physisches Bildarchiv an das Staatsarchiv Aargau.Jörg Meier: Das nationale Bildgedächtnis. In: Aargauer Zeitung. 23. August 2016.
Seit dem 7. März 2010 werden die Print- und Online-Publikationen von Blick, wie Blick, Blick am Abend (inzwischen eingestellt), SonntagsBlick, blick.ch sowie Blick-Apps aus einem integrierten Newsroom im Pressehaus in Zürich produziert. Der Blick-Newsroom war in dieser Form der erste der Schweiz und sorgte für grosse Beachtung in der Schweizer Medienlandschaft sowie auch beim Publikum.Maurice Thiriet: Rochaden im Blick-Newsroom. In: Tages-Anzeiger. 21. November 2012, S. 3. 2024 wurde der Blick-Newsroom in den sogenannten Content Hub von Ringier Medien Schweiz umfunktioniert.
2011 startete Ringier die sukzessive Expansion in die Wachstumsmärkte in Afrika, darunter in den Ländern Kenia, Nigeria, Ghana, Senegal und Tansania, und bietet auf diesem Kontinent hauptsächlich digitale Newsplattformen sowie Marktplätze an.
Mit dem Zürcher Verlagshaus Tamedia übernahm Ringier im Herbst 2012 die jobs.ch Holding AG von der US-Beteiligungsgesellschaft Tiger Global Management. Nachdem die Wettbewerbskommission Ende 2012 ihre Zustimmung erteilt hatte, wurde die Übernahme der grössten Stellenplattform der Schweiz vollzogen.
Im Juli 2014 kommunizierte Ringier den Verkauf von 49 Prozent der Anteile der Tochterfirma Scout24 Schweiz AG an den amerikanischen Investor KKR. Im Frühling 2016 übernahm die Schweizerische Mobiliar die Anteile von KKR und hielt fortan 50 Prozent der Scout24 Schweiz AG, wobei Ringier das Unternehmen weiterhin konsolidiert. Im November 2021 wurde die Zusammenführung des Gemeinschaftsunternehmens SMG Swiss Marketplace Group von den Unternehmen TX Group AG, Ringier AG, die Mobiliar und General Atlantic abgeschlossen. Unter dem Namen SMG Swiss Marketplace Group und mit eigenem Markenauftritt vereinte es digitale Marktplattformen wie acheter-louer.ch, anibis.ch, AutoScout24, Car For You, FinanceScout24, home.ch, Homegate, icasa.ch, ImmoScout24, ImmoStreet.ch, MotoScout24, Ricardo, tutti.ch sowie die Werbevermarktung. Ringier brachte dabei die Marktplätze aus der Scout 24 Schweiz AG ein. Gemeinschaftsunternehmen mit Axel Springer in Mitteleuropa Am 23. März 2010 gaben die Ringier AG und das deutsche Medienhaus Axel Springer AG ihre Absicht zur Gründung einer gemeinsamen Holding-Aktiengesellschaft Ringier Axel Springer Media AG mit Sitz in Zürich bekannt, an der beide Unternehmen zu je 50 Prozent beteiligt waren.Joseph Croitoru: Widerstand gegen Medienbesitzer mit politischen Interessen. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. Mai 2017, S. 9. In dieser Holding wurden die Aktivitäten der beiden Konzerne gebündelt. Die Axel Springer AG leistete in das Joint Venture eine Bareinlage in Höhe von 50 Mio. Euro und zahlte zudem rund 125 Mio. Euro Ausgleich an Ringier.Beat Kirchhofer: Ringier und Springer: Liaison mit Tradition. Aargauer Zeitung. 20. Dezember 2014. Die Axel Springer AG brachte das Geschäft seiner Tochtergesellschaften in Polen, Tschechien und Ungarn ein, Ringier sein Geschäft in Serbien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn. Mit dem Gemeinschaftsunternehmen entstand eines der grössten Medienunternehmen in diesem Bereich von Europa, das auf das Gesamtgebiet gesehen Marktführer bei Boulevardzeitungen und einer der grössten Anbieter im Zeitschriftensegment war. CEO der Holding war bis 2022 Mark Dekan. Vorsitzender des paritätisch besetzten Verwaltungsrats war unter anderem Ralph Büchi, der seit 2019 Aufsichtsratsvorsitzender der Axel Springer SE ist.Simon Widmer, Jens Mattern: Recht und Gerechtigkeit auf Polnisch. In: Sonntagszeitung. 26. März 2017, S. 12.
Gemeinschaftsunternehmen mit Axel Springer in der Schweiz Per 1. Januar 2016 nahm die Ringier Axel Springer Schweiz AG, das Joint Venture zusammen mit Axel Springer in der Schweiz, ihre Geschäftstätigkeit auf, zu der sämtliche Zeitschriften beider Unternehmen in der Schweiz sowie die Zeitungen Le Temps und die Handelszeitung gehörten.Christian Mensch: Ringiers Versicherung für den Investitionsfall. In: Aargauer Zeitung. 4. Februar 2020, S. 10. Im November 2020 wurde die Westschweizer Zeitung Le Temps an die Stiftung Aventinus verkauft. Ende 2023 übernahm die Ringier AG alle Anteile an der Ringier Axel Springer Schweiz AG von Axel Springer.Springer stößt Ringier ab. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. September 2023, S. 17.
Entwicklungen seit 2015 Per 1. Mai 2016 gingen die beiden Titel von Ringier in Deutschland – Cicero und Monopol – im Rahmen eines Management-Buy-outs an Christoph Schwennicke und Alexander Marguier über. Ringier zog sich damit erneut aus dem Deutschland-Geschäft zurück.Ringier gibt auf. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. Februar 2016, S. 13.Cicero und Monopol verkauft. Chefredakteur übernimmt Magazine. In: Tagesspiegel. 18. Februar 2016, S. 27.