Butscha ( und ) ist eine ukrainische Stadt, die vor dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 laut der amtlichen Statistik rund 34.000 Einwohner zählte. Sie liegt etwa 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kiew in deren Großraum und als Sitz und Zentrum des Rajons ButschaПостанова Верховної Ради України Про утворення та ліквідацію районів (Відомості Верховної Ради України (ВВР), 2020, № 33, ст.235) Teil der Oblast Kiew. Durch das Massaker von Butscha wurde der Ort zu einem Symbol für russische Kriegsverbrechen.

Geschichte mini|links|Eingang zum Schewtschenko-Park in Butscha 2017 Die heutige Stadt entstand als Siedlung um eine Bahnstation, die hier Ende des 19. Jahrhunderts an der heutigen Bahnstrecke Kowel–Kiew erbaut wurde. Der Name bezog sich auf den hier die Bahnstrecke kreuzenden Fluss Butscha. Bis zum 9. Februar 2006 war Butscha eine Siedlung städtischen Typs und der südlich gelegenen Stadt Irpin untergeordnet, danach wurde ihr der Stadtstatus zuerkannt und sie unter Oblastverwaltung gestellt.Верховна Рада України; Постанова від 9. Februar 2006 № 3434-IV Про віднесення селища міського типу Буча Ірпінської міської ради Київської області до категорії міст обласного значенняБуча // Облікова картка на офіційному веб-сайті Верховної Ради України.

Im Rahmen der Verwaltungsreform vom 18. Juli 2020 wurde Butscha Verwaltungssitz eines neu gebildeten, gleichnamigen Rajons.Верховна Рада України; Постанова від від 17. Juli 2020 № 807-IX Про утворення та ліквідацію районів

Massenhafte Ermordung von Zivilisten mini|Die am 27. Februar zerstörte russische Militärausrüstung.

Während des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 wurde Butscha als Teil der Offensive auf Kiew ein Ort von Kriegshandlungen. Am 27. Februar suchte die Ukraine gezielt eine russische Militärkolonne.Ukrainian Armed Forces looking for column of enemy equipment marked with letter V, these are especially dangerous terrorists – Danilov. Interfax, 27. Februar 2022. Sie wurde in Butscha gefunden und zerstört;Ukraine says it destroyed Russian military convoy outside of Kyiv. In: Times of Israel, 27. Februar 2022. ansonsten erfolgte außer punktuellem Widerstand um den 5. März keine organisierte Verteidigung Butschas,«Кто-то перед смертью ехал на велосипеде. Кто-то гулял парой» Буча. Депутат местного совета Катерина Украинцева — о том, как этот город жил под российской оккупацией. Meduza, 3. April 2022. so dass es von russischen Truppen eingenommen wurde. Eine Gemeinderätin erklärte, dass die Ukraine, obwohl die russischen Truppen von Butscha aus Irpin beschossen hätten, nicht militärisch geantwortet hätte und somit die Zerstörung der Stadt verhindert worden sei. Nach dem Rückzug der russischen Truppen am 31. März wurden in der Stadt zahlreiche Leichen von Zivilisten gefunden.Massengräber in Butscha – Bürgermeister von Kiewer Vorort berichtet von fast 300 Toten nach russischem Rückzug. In Der Tagesspiegel. 2. April 2022, abgerufen am 2. April 2022. Die genaue Zahl der Toten war Anfang April noch unklar. Nach Angaben des Bürgermeisters von Butscha mussten 280 Leichen in Massengräbern beigesetzt werden, weil die drei Friedhöfe der Stadt noch in der Reichweite des russischen Militärs lagen. Nach Aussagen von Einwohnern sollen russische Soldaten ohne erkennbare Provokation auf Zivilisten geschossen haben.Ukrainische Kleinstadt Bucha: Leichen liegen in den Straßen. In: t-online.de. 4. April 2022, abgerufen am 8. August 2022.Ukraine meldet Kontrolle über Region Kiew. In: tagesschau.de. 2. April 2022, abgerufen am 3. April 2022. Augenzeugen berichteten über die gezielte Tötung von Zivilisten durch russische Soldaten.Was über die Gräuel in Butscha bekannt ist In: tagesschau.de. 2. April 2022, abgerufen am 3. April 2022. Einige der Opfer wiesen Spuren von Folter auf. Mehrere Frauen wurden vergewaltigt.Butscha war kein Einzelfall – die brutale Säule der russischen Militärstrategie In Die Welt 16. April 2022, abgerufen am 8. August 2022. Russland bestreitet die Tötung von Zivilisten. Butscha wurde zum weltweiten Medienthema.Constanze von Bullion und Paul-Anton Krüger (SZ): Das Bild des Grauens wird schärfer. (sueddeutsche.de vom 7. April 2022) Bis August 2022 (Schlussbilanz) wurden 458 Leichen gefunden, von denen 419 Anzeichen dafür trugen, dass die Opfer erschossen, gefoltert oder erschlagen worden waren. 39 scheinen eines natürlichen Todes gestorben zu sein. Fast alle Toten waren Zivilisten.Accounting of bodies in Bucha nears completion. In: Washington Post, 8. August 2022.Die Brutalität des Massakers von Butscha liegt jetzt in konkreten Zahlen vor. In: Watson.ch, 10. August 2022.

Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Butscha (Бучанська міська громада/Butschanska miska hromada). Zu dieser zählen auch die 2 Siedlungen städtischen Typs Babynzi und Worsel sowie die 11 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten DörferКабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 715-р „Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Київської області“, bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Butscha (Бучанська міська рада/Butschanska miska rada) im Norden des Rajons Kiew-Swjatoschyn, war jedoch kein Teil desselben, sondern direkt der Oblastverwaltung unterstellt.

Am 17. Juli 2020 kam es im Zuge einer großen Rajonsreform zum Anschluss des Rajonsgebietes an den Rajon ButschaВерховна Рада України; Постанова від 17. Juli 2020 № 807-IX Про утворення та ліквідацію районів.

Folgende Orte sind neben dem Hauptort Butscha Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch Babynzi Бабинці Бабинцы (Babinzy) Blystawyzja Блиставиця Блиставица (Blistawiza) Buda-Babynezka Буда-Бабинецька Буда-Бабинецкая (Buda-Babinezkaja) Hawryliwka Гаврилівка Гавриловка (Gawrilowka) Lubjanka Луб'янка Лубянка Myrozke Мироцьке Мироцкое (Mirozkoje) Rakiwka Раківка Раковка (Rakowka) Sdwyschiwka Здвижівка Здвижевка (Sdwischewka) Synjak Синяк Синяк (Sinjak) Tarassiwschtschyna Тарасівщина Тарасовщина (Tarassowschtschina) Tscherwone Червоне Червоное (Tscherwonoje) Woronkiwka Вороньківка Вороньковка (Woronkowka) Worsel Ворзель Ворзель

Städtepartnerschaften Quelle: Bergamo, Italien, seit 2022 Bergisch Gladbach, Deutschland, seit 2022 Bilhorod-Dnistrowskyj, Ukraine, seit 2010 Bucsa, Ungarn, seit 2004 Cascais, Portugal, seit 2022 Jarocin, Polen, seit 2006 Kattowitz, Polen, seit 2022 Kavadarci, Nordmazedonien, seit 2022 Kowel, Ukraine, seit 2001 Ospedaletto Euganeo, Italien, seit 2000 Palanga, Litauen, seit 2015 Pont-de-Chéruy, Frankreich, seit 2004 Pszczyna, Polen, seit 2016 Škofja Loka, Slowenien, seit 2018 Tjatschiw, Ukraine, seit 2006 Tuszyn, Polen, seit 2004

Persönlichkeiten Michail Bulgakow (1891–1940), Schriftsteller, verbrachte seine Sommerferien in Butscha, wo die Familie seit dem Jahr 1900 eine Datscha besaß.Elsbeth Wolffheim: Michail Bulgakow, rororo-Monographie, Reinbek, 1996, S. 18. Leonhard Kossuth (1923–2022), deutscher Übersetzer und Verlagslektor Oleksandr Kysljuk (1962–2022), mehrsprachiger Übersetzer und Opfer des Massakers von Butscha Mychajlo Artjuchow (* 1971), Skilangläufer Anna Kowalenko (* 1991), Politikerin, Aktivistin und Journalistin

Literatur

Galina Kossuth: Butschaer Tagebuch: zum hundertjährigen Jubiläum von Butscha. Herausgegeben von Leonhard Kossuth, NoRa, Berlin 2010, ISBN 978-3-86557-238-7.

Weblinks

bucha.com.ua (ukrainisch)

Siehe auch

Liste beschädigter und zerstörter Kulturstätten in der Ukraine infolge des russischen Angriffskrieges seit 2022

Einzelnachweise

Kategorie:Rajon Butscha Kategorie:Ort in der Oblast Kiew