Die Ingwergewächse (Zingiberaceae) sind eine Familie in der Ordnung der Ingwerartigen (Zingiberales) innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen (Monokotyledonen). Diese Familie enthält je nach Quelle 52 oder 53 Gattungen und ist mit 1200 bzw. über 1300 Arten die artenreichste Familie der Zingiberales. Einige Arten werden als Gewürz- und Heilpflanzen vom Menschen genutzt, zum Beispiel Ingwer, Curcuma, Galgant, Kardamom und Zitwerwurzel. Viele Arten sind tropische Zierpflanzen.
Beschreibung und Ökologie mini|links|Unterfamilie Alpinioideae, Tribus Alpinieae: Rhizom von Thai-Ingwer (Alpinia galanga) mini|Unterfamilie Alpinioideae, Tribus Alpinieae: Illustration von Etlingera elatior mini|links|Unterfamilie Zingiberoideae, Tribus Zingibereae: Echter Ingwer (Zingiber officinale),Illustration aus Koehler 1887. mini|Unterfamilie Zingiberoideae, Tribus Zingibereae: Blütenstand von Zingiber spectabile
Erscheinungsbild und Laubblätter Es sind immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden fleischige Rhizomen, die knollig verdickt sein können; bei vielen Arten bilden sie Wurzeln. Sie wachsen meist terrestrisch, selten epiphytisch. Es werden nur kurze Stängel gebildet, die bei vielen Arten durch Scheinstämme, die von den Blattscheiden der Laubblätter gebildet werden, ersetzt sind.
Die wechselständig und zweizeilig (distich) angeordneten Laubblätter sind nie zu grundständigen Rosetten vereinigt. Auch die Stellung der Blätter unterscheidet die beiden Familien Costaceae und Zingiberaceae. Die gestielten bis sitzenden Laubblätter besitzen eine einfache Blattscheide. Die ungeteilten Blattspreiten sind krautig bis ledrig, mit oder ohne Haare. Im knospigen Stadium ist die Blattspreite der Länge nach eingerollt. Es ist eine erhabene Mittelrippe und Parallelnervatur vorhanden. Der Blattrand ist glatt. Es sind meist Ligulae vorhanden. Die untersten Blätter sind oft stark reduziert, so dass nur noch die Blattscheide ausgebildet ist.
Blütenstände und Blüten Endständig an den Scheinstämmen oder auf eigenen kurzen von Blattscheiden bedeckten Stängeln, die direkt aus den Rhizomen hervorgehen, werden die Blütenstände gebildet. Die Blütenstände sind dickkopfige bis schmal ährige Thyrsen, oder es sind aus zwei- bis siebenblütigen Zymen zusammengesetzte traubige Blütenstände. Die Blütenstände enthalten oft auffällig, leuchtend gefärbte Hochblätter (Brakteen) und wenige bis viele Blüten.
mini|links|110px|Blütendiagramm des Ingwer mini|Unterfamilie Alpinioideae, Tribus Alpinieae: Fruchtstand von Hornstedtia conica
Die zwittrigen Blüten sind dreizählig und zygomorph. Das Perianth ist doppelt. Die drei Kelchblätter sind zu einer relativ schmalen Röhre verwachsen, die auf einer Seite offen ist, manchmal spathaähnlich wirkt oder oben dreizähnig oder -lappig ist. Die drei Kronblätter sind an ihrer Basis untereinander verwachsen; die drei Kronlappen unterscheiden sich je nach Taxon sehr in Länge und Form. Es sind zwei Kreise mit ursprünglich je drei Staubblättern vorhanden. Nur das mittlere Staubblatt des inneren Kreises ist fertil; es besitzt einen langen oder kurzen Staubfaden. Alle anderen Staubblätter sind zu Staminodien reduziert und mindestens eines oder drei fehlen. Die beiden seitlichen Staminodien des äußeren Kreises sind kronblattähnlich oder bilden schmale Zähne an der Basis des Labellum, mit dem sie verwachsen sein können, oder sie fehlen. Das mittlere Staminodium des äußeren Kreises fehlt immer. Die beiden seitlichen Staminodien des inneren Kreises sind zu einem sogenannten Labellum verwachsen; es stellt den auffälligsten Teil der Blüte dar. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen (synkarpen) Fruchtknoten verwachsen, der ein- oder dreikammerig sein kann, mit mehr oder weniger vielen Samenanlagen je Fruchtknotenkammer. In einer Furche des Staubfadens befindet sich der sehr dünne Griffel und die Narbe befindet sich oberhalb des Staubbeutels.
Die Blüten scheiden relativ viel Nektar ab aus zwei Nektarien, die sich an der Basis des Fruchtknotens befinden. Die einzelnen Blüten verwelken schnell, meist sind sie weniger als einen Tag geöffnet. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie) oder Vögel (Ornithophilie).
Früchte und Samen Sie bilden trockene bis fleischige Kapselfrüchte bis manchmal beerenartige Früchte, die wenige bis viele Samen enthalten. Die Samen enthalten Stärke. Der gerade Embryo besitzt ein Keimblatt (Kotyledone). Die Samen besitzen einen Arillus, der oft gelappt bis gefranst ist.
Inhaltsstoffe und Chromosomenzahl Alle Arten besitzen Exkretzellen im Grundgewebe, die essentielle oder ätherische Öle enthalten. Es wird Kieselsäure in kleinen kugel- oder scheibenförmigen Körpern in Deckzellen oder als Kieselsand in Parenchymzellen akkumuliert. Die Chromosomenzahl beträgt meist n = 12 (9–26).
Systematik und Verbreitung mini|Unterfamilie Zingiberoideae, Tribus Globbeae: Habitus und Blütenstand von Globba winitii mini|Unterfamilie Zingiberoideae, Tribus Zingibereae: Habitus und Blüte der Gewürzlilie (Kaempferia galanga) mini|Unterfamilie Zingiberoideae, Tribus Zingibereae: Blütenstände und Blüten von Roscoea cautleoides mini|Unterfamilie Alpinioideae, Tribus Alpinieae: Bodennahe Früchte von Aframomum angustifolium mini|Unterfamilie Alpinioideae, Tribus Alpinieae: Blütenstand von Alpinia malaccensis mini|Unterfamilie Alpinioideae, Tribus Alpinieae: Blütenstand von Etlingera elatior mini|Unterfamilie Alpinioideae, Tribus Alpinieae: Habitus und Blütenstand von Renealmia cernua mini|Unterfamilie Alpinioideae, Riedelieae: Burbidgea schizocheila mini|Unterfamilie Siphonochiloideae, Tribus Siphonochileae: Blütenstände von Siphonochilus aethiopicus
Die meist tropischen Arten sind meist in der Paläotropis beheimatet und kommen schwerpunktmäßig in Südostasien und auf dem indonesischen Archipel vor. Nur von der Gattung Renealmia sind Arten in der Neotropis beheimatet. Vier Gattungen kommen in Afrika vor: Aframomum, Aulotandra, Siphonochilus und Renealmia.
Der Familienname Zingiberaceae wurde 1820 von Iwan Iwanowitsch Martynow in Tekhno-Botanicheskīĭ Slovar': na latinskom i rossīĭskom iazykakh. Sanktpeterburgie, S. 682 und im September 1835 von John Lindley in Key Bot., 69 veröffentlicht. Typusgattung ist Zingiber Der Gattungsname Zingiber leitet sich aus einem Wort des Sanskrit sringavera ab und bedeutet hornförmig, dies bezieht sich auf die Rhizome. Synonyme für Zingiberaceae sind Alpiniaceae , Amomaceae , nom. illeg., Curcumaceae Früher gehörten auch die Taxa der heutigen Familie Costaceae in die Familie der Zingiberaceae, aber beispielsweise das Fehlen von ätherischen Ölen und die Stellung der Laubblätter grenzt sie gut ab.
Unterfamilien mit Tribus und Gattungen Die Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) wird gegliedert in vier Unterfamilien und sechs Tribus mit etwa 52 bis 53 Gattungen und 1200 bis mehr als 1300 Arten. In dem hier wiedergegebenen, weitgehend Kress et al. 2002 folgenden Umfang sind einige Gattungen polyphyletisch, beispielsweise Afromonum, Alpinia, Globba, Curcuma und Zingiber. Danach erfolgten viele Neubeschreibungen und Veränderungen der Umfänge von Gattungen, die mit jeweiliger Literatur belegt sind:
Unterfamilie Zingiberoideae : Verbreitung im indonesischen Archipel und im tropischen Australien. Sie enthält zwei Tribus: Tribus Globbeae: Sie enthält drei (bis vier) Gattungen: Gagnepainia : Die nur drei Arten sind von Thailand bis Kambodscha und im südlichen Vietnam verbreitet. Globba (Syn.: Hura , Lampujang , Sphaerocarpos , Manitia , Mantisia , Ceratanthera , Ceratanthera , Colebrookia , Achilus ): Die etwa 100 Arten sind vom östlichen tropischen Himalaja-Gebiet bis ins südliche China, in Indien und von Indochina bis Malaysia und nordöstlichen Australien weitverbreitet. Die meisten Arten sind im indochinesischen Monsun-Gebiet beheimatet. Die vier in Indien, Bangladesch, Myanmar und auf dem Malaiischen Archipel beheimateten ehemaligen Mantisia-Arten bilden die Sektion Mantisia innerhalb der Gattung Globba. Hemiorchis : Die drei bis vier Arten sind vom zentralen und östlichen Himalaja-Gebiet bis Myanmar verbreitet. Tribus Zingibereae (inklusive der Gattungen der Hedychieae): Sie enthält 20 bis 24 Gattungen: Boesenbergia (Syn.: Gastrochilus nom. illeg., Banglium nom. nud., Curcumorpha ): Die etwa 60 Arten sind im tropischen bis subtropischen Asien, besonders im südlichen tropischen Himalaja-Gebiet und ganz Südostasien weitverbreitet; mit Zentren der Artenvielfalt im indochinesen Monsun-Gebiet und auf Borneo. Camptandra : Die etwa vier Arten kommen auf der Malaiischen Halbinsel und Borneo vor. Cautleya : Die nur zwei Arten sind im Himalaja-Gebiet vom nördlichen Indien, Nepal, Bhutan, Myanmar und Thailand über das südliche China bis Vietnam weitverbreitet. Cornukaempferia : Die seit 2007 drei Arten kommen in Thailand vor. Curcuma (Syn.: Erndlia , Kua , Hitcheniopsis , Paracautleya , Stissera nom. illeg.): Die (50 bis) etwa 90 Arten sind im tropischen bis subtropischen Asien und in Australasien von Indien bis Queensland weitverbreitet. Distichochlamys : Die seit 2012 vier Arten kommen nur in Vietnam vor. Haniffia : Die seit 2007 drei Arten kommen von der Malaiischen Halbinsel bis ins südliche Thailand vor. Haplochorema : Von den seit 2006 fünf Arten kommen vier nur auf Borneo und eine nur auf Sumatra vor. Hedychium (Syn.: Brachychilum , Gamochilus , Gandasulium ): Die seit 2011 etwa 88 Arten sind vom südlichen Asien bis Südostasien weitverbreitet und kommen auch auf Madagaskar vor. Hitchenia : Sie enthält nur eine Art: Hitchenia glauca : Sie kommt in Myanmar vor. Kaempferia (Syn.: Monolophus , Tritophus ): Die etwa 40 Arten sind im tropischen bis subtropischen Asien weitverbreitet; beispielsweise: Indische Gewürzlilie (Kaempferia galanga ) Laosanthus : Sie enthält nur eine Art: Laosanthus graminifolius : Es sind nur Exemplare aus Laos in Herbarien hinterlegt. Larsenianthus : Die vier Arten sind vom nordöstlichen Indien über das nordöstliche Bangladesch bis ins nördliche Myanmar verbreitet. Nanochilus : Sie enthält nur eine Art: Nanochilus palembanicum : Sie kommt nur in Sumatra vor. Parakaempferia : Sie enthält nur eine Art: Parakaempferia synantha : Sie ist nur von der Typus-Aufsammlung aus dem indischen Assam bekannt. Pommereschea : Die nur zwei Arten kommen nur im nördlichen Myanmar und im angrenzenden Gebiet in Thailand vor. Pyrgophyllum (Syn.: Kaempferia yunnanensis , Caulokaempferia yunnanensis , Monolophus yunnanensis ): Sie enthält nur eine Art: Pyrgophyllum yunnanensis : Sie gedeiht in dichten Bergwäldern in Höhenlagen von 1500 bis 2800 Metern in den chinesischen Provinzen Yunnan und Sichuan. Rhynchanthus : Von den etwa vier Arten kommen alle in Myanmar vor, eine kommt auch in Assam vor und eine auch in der südlichen chinesischen Provinz Yunnan. Roscoea : Die 17 bis 21 Arten gedeihen in größeren Höhenlagen vom Himalaja-Gebiet (Indien, Kaschmir, Bhutan, Nepal, Sikkim, Myanmar) bis ins südliche China (13 Arten, davon 8 nur dort) und nördliche Vietnam, darunter: Szillablättrige Ingwerorchidee (Roscoea scillifolia ) Scaphochlamys : Die etwa 43 Arten kommen hauptsächlich auf der Malaiischen Halbinsel, aber auch auf der thailändischen Halbinsel und auf Borneo vor. Smithatris : Die nur zwei Arten gedeihen nur in Gebieten mit tropischem Karst: die eine nur in Saraburi, nördlich von Bangkok, und die andere in Myanmar. Stadiochilus : Sie enthält nur eine Art: Stadiochilus burmanicus : Sie kommt nur in Myanmar vor. Stahlianthus : Die seit 2007 sieben Arten sind vom östlichen Himalaja-Gebiet bis Hainan im südlichen China, Vietnam, Kambodscha, Laos und nördlichen Thailand verbreitet. Ingwer (Zingiber ): Die 100 bis 150 Arten sind vom tropischen bis ins warm-gemäßigte Asien verbreitet, mit Zentren der Artenvielfalt in Indochina und auf Borneo; in China gibt es 42 Arten, 34 davon nur dort.