mini|Weltweite Inflationsraten April 2026 mini|Inflationsraten von 2016 bis 2023 Unter einer Inflation (, „aufblähen“, „anschwellen lassen“;Ursula Hermann: Knaurs etymologisches Wörterbuch. 1983, ISBN 3-426-26074-3, S. 214. oder Preissteigerung, Teuerung) wird in der Volkswirtschaftslehre und Wirtschaft der Anstieg einzelner Preise oder des Preisniveaus in einem Staat innerhalb eines bestimmten Zeitraums verstanden, ohne dass dies auf Mengen- oder Qualitätsveränderungen der Güter und Dienstleistungen zurückzuführen ist. Sofern das Gegenteil passiert und die Preise in einer Volkswirtschaft fallen, spricht man von Deflation, bleiben sie konstant von Preisniveaustabilität.

Inflation bezeichnet den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus einer Volkswirtschaft. Während die Inflation den Vorgang als solchen beschreibt, ist die Inflationsrate (Preissteigerungsrate, Teuerungsrate) die volkswirtschaftliche Kennzahl, mit der das Ausmaß der Inflation gemessen wird.

Ein alternativer Begriff für Inflation ist die Geldentwertung. Steigt nämlich das allgemeine Preisniveau, kann man für jede Geldeinheit weniger Güter und Dienstleistungen erwerben, es ist eine Verteuerung eingetreten mit der Folge, dass der Geldwert sinkt. Damit ist der Geldwert die reziproke Größe zum Preisniveau :Werner Mahr: Einführung in die Allgemeine Volkswirtschaftslehre. 1971, S. 192. . Das Preisniveau ist der gewogene Durchschnitt aller Preise für Güter und Dienstleistungen, eine ebenfalls in Geldeinheiten definierte Größe.Ute Arentzen, Heiner Brockmann (Hrsg.): Gabler Volkswirtschafts-Lexikon, Band II, 1997, S. 504. Die Entwicklung des Preisniveaus im Zeitablauf ist ein Maß für die Änderung der Kaufkraft des Geldes.

Steigt das allgemeine Preisniveau, kann man für jede Geldeinheit weniger Güter und Dienstleistungen kaufen (Verteuerung). Folglich spiegelt die Inflation eine Abnahme der Kaufkraft pro Geldeinheit wider – ein realer Wertverlust des Zahlungsmittels.

Definition mini|Inflationsrate der Eurozone von 1991 bis 2022 Inflation bezeichnet den Anstieg des Preisniveaus einer Volkswirtschaft. Historisch bedeutete Inflation dabei einen spezifischen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, verursacht durch ein Ungleichgewicht zwischen Geldmenge und Güternachfrage. Heute verwenden Ökonomen den Begriff Inflation ausschließlich, um sich auf steigende Preisniveaus zu beziehen. Eine Zunahme der Geldmenge kann als monetäre Inflation bezeichnet werden, um sie von steigenden Preisen zu unterscheiden, die der Übersichtlichkeit halber als Preisinflation bezeichnet werden.

Inflation bezieht sich auf die allgemeine Preisentwicklung, nicht auf Änderungen bestimmter Preise. Kaufen Konsumenten beispielsweise mehr Gurken und weniger Tomaten, werden Gurken teurer und Tomaten billiger. Diese Veränderungen sind jedoch keine Inflation – sie spiegeln lediglich eine Veränderung in den Präferenzen der Konsumenten durch Substitutionsgüter wider. Steigen einzelne Produktgruppen (wie etwa Energiekosten), so liegt eine Inflation vor.

Andere Begriffe der Wirtschaftswissenschaft im Zusammenhang mit Inflation sind: Disinflation – ein Rückgang der Inflationsrate Hyperinflation – eine außer Kontrolle geratene Inflationsspirale Stagflation – eine Kombination aus Inflation, langsamem Wirtschaftswachstum und hoher Arbeitslosigkeit Reflation – ein Versuch, das allgemeine Preisniveau anzuheben, um einem Deflationsdruck entgegenzuwirken Vermögenspreisinflation – ein allgemeiner Anstieg der Preise von finanziellen Vermögenswerten, wie Aktien, Immobilien oder Gold, ohne einen entsprechenden Anstieg der Preise von Gütern oder Dienstleistungen.

Messung Da die Inflation als allgemeiner Anstieg des Preisniveaus definiert wird, hängt die Messung der Inflation davon ab, wie das allgemeine Preisniveau bestimmt ist. Es existieren dabei verschiedene mögliche Maßzahlen für das Preisniveau. Benötigt wird ein breiter Preisindex, der das allgemeine Preisniveau für Güter und Dienstleistungen in der Wirtschaft repräsentiert und die Lebenshaltungskosten eines Privathaushalts widerspiegelt. Der Verbraucherpreisindex (VPI), der Preisindex der privaten Konsumausgaben (PCEPI) und der BIP-Deflator sind einige Beispiele für solche breiten Preisindizes.

Die EZB verwendet zur Messung der Inflation der Eurozone den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Der Index wird mit Hilfe eines Warenkorbs berechnet, der in einem bestimmten Jahr (Basisjahr) repräsentativ für einen durchschnittlichen Haushalt festgesetzt wird. Außerdem werden die Kostenänderungen zum Erwerb von typischen nationalen Konsumbündeln auf das Niveau der Eurozone aggregiert.

Neben dieser Methode hat sich in den Wirtschaftswissenschaften auch der Lebenshaltungskosten-Index (= COLI = cost of living index) etabliert. Dabei werden die Ausgaben gemessen, die Wirtschaftssubjekte zum Erreichen eines bestimmten Nutzenniveaus tätigen müssen.

Daneben werden von Zentralbanken auch die Inflationserwartungen erfasst. Sie dienen der Prognose der zukünftigen Inflationsrate und werden für geldpolitische Entscheidungen genutzt.

Großen Einfluss auf die Messung hat der nur teilweise oder auch gar nicht im Warenkorb der Bürger erfasste Bereich des Wohnens (je nach Index), der etwa 20–30 Prozent der Konsumausgaben ausmacht. Im deutschen VPI sind Nettokaltmieten mit Nebenkosten berücksichtigt, allerdings mit vielen niedrigen Altverträgen. So werden die stark steigenden Kosten bei neuen Mietverträgen und hauptsächlich in den Städten nur bedingt abgebildet. Noch größer ist die Wirkung bei selbstgenutztem Wohneigentum. Beim Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) – der Kennzahl, die die EZB für ihre Zinspolitik berücksichtigt – fehlt das selbstgenutzte Wohneigentum bisher komplett. Während der deutsche VPI hier mit Schätzungen arbeitet (was würde der Eigentümer theoretisch an Miete zahlen), klammert der HVPI diese Kosten aus, weil sich die EU-Länder bisher nicht auf eine einheitliche Rechenmethode einigen konnten. Würden neu abgeschlossene Mietverträge und selbstgenutztes Wohneigentum stärker bzw. überhaupt in die Verbraucherindizes einfließen, läge die Inflation signifikant höher.

Ob und wie die Messung politisch beeinflusst wird, ist wichtig für die Beurteilung veröffentlichter Inflationszahlen. Gustav Theile und Alexander Wulfers: Wirtschaft im Blindflug, in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.08.2025, S. 22.

Warenkorb

mini|Entwicklung der Konsumentenpreisindizes verschiedener Länder Verbraucherpreisindizes basieren anders als der BIP-Deflator auf einem repräsentativ ausgewählten Warenkorb. In Deutschland ermittelt diese Daten das Statistische Bundesamt, in Österreich die Statistik Austria und in der Schweiz das Bundesamt für Statistik. Der Warenkorb des deutschen Statistischen Bundesamtes umfasst 650 Güter und Dienstleistungen. Die genaue Zusammensetzung und Gewichtung des Warenkorbs werden in regelmäßigen Abständen überprüft und sofern nötig angepasst. Auf Grundlage des repräsentativen Warenkorbs und eines definierten Basisjahres werden jeden Monat die Kosten der Güter und Dienstleistungen und daraus die prozentuale Steigerung zum Vergleichsmonat oder Vorjahr ermittelt. Dabei werden monatlich mehr als 300.000 Einzelpreise in Geschäften in ganz Deutschland und im Onlinehandel erfasst.

Abrupte Änderungen im Konsumentenverhalten können die Inflationsmessung verzerren. Das hat sich zum Beispiel in der COVID-19-Pandemie gezeigt, da aufgrund der staatlichen Eindämmungsmaßnahmen zahlreiche Waren und Dienstleistungen nicht mehr konsumiert werden konnten und der Warenkorb damit nicht mehr repräsentativ für den Konsum während der Krise war. Europäische Statistikbehörden haben daher die Gewichtung des Warenkorbs aktualisiert, um den veränderten Konsumverhalten Rechnung zu tragen und eine korrekte Inflationsmessung sicherzustellen.

Weiterhin müssen Qualitätsveränderungen der beobachteten Produkte im Zeitverlauf betrachtet werden. So unterliegen z. B. IT-Produkte einem großen technischen Fortschritt, weshalb die Qualitätsverbesserungen in der Inflationsmessung berücksichtigt werden müssen. Andererseits können Hersteller statt einer Preiserhöhung auch eine Qualitätsverschlechterung des Produktes durchführen, indem etwa die Verpackungsgröße bei gleichem Preis verkleinert wird. Diese und andere Qualitätsveränderungen müssen daher für eine korrekte Inflationsmessung erfasst werden. Daher wenden Statistikbehörden wie das Statistische Bundesamt Methoden zur Qualitätsbereinigung an. Das sind verschiedene statistische Methoden, die sicherstellen sollen, dass trotz qualitativen Veränderungen der Produkte des Warenkorbs „Gleiches mit Gleichem“ verglichen wird. In der deutschen Preisstatistik werden unter anderem folgende Methoden zur Qualitätsbereinigung angewendet: Direkter Preisvergleich (), Mengenbereinigung (), Expertenurteil (), Hedonische Techniken (), Preisänderung interpretiert als reine Qualitätsänderung ().

Internationale Studien zeigen, dass die mit Warenkörben ermittelte Inflation systematisch zu hoch liegt. Darin wurden zwei hauptsächliche Gründe für diese Fehleinschätzung ausgemacht: verändertes Kaufverhalten und verändertes Warenangebot. Durch steigende Preise verändert sich das Kaufverhalten der Konsumenten, die nun zu günstigeren Alternativen greifen oder gewisse Produkte weniger stark konsumieren. Auch werden Geschäfte und Händler zunehmend bevorzugt, die Produkte günstiger anbieten. Dadurch verändern sich aber der Warenkorb und die realen durchschnittlich bezahlten Preise für Produkte, was in der Berechnung der Inflation nicht abgebildet wird. Zudem werden neu eingeführte Produkte und deren häufig schnell sinkenden Preise oftmals in den betrachteten Warenkörben nicht betrachtet, was ebenfalls zu einer Verzerrung der berechneten Inflation führt. Insgesamt wird die Abweichung zur realen Inflation bei ca. einem Prozent eingeschätzt.

2021 gab die Europäische Zentralbank im Rahmen ihrer geldpolitischen Strategieüberprüfung bekannt, die Preisentwicklung für selbst genutzte Wohnimmobilien in die Inflationsmessung zu integrieren, um die allgemeine Preisentwicklung für Konsumenten im Euroraum besser abzubilden – die Mietpreisentwicklung wird bereits erfasst.

Kernrate

Die Kernrate der Inflation schließt die Preise für Lebensmittel und den Energiesektor aus der Berechnung aus, da diese in stärkerem Maße Schwankungen unterworfen sind, deren Ursachen nicht innerhalb der betrachteten Volkswirtschaft zu finden sind.

Gefühlte Inflation

Gefühlte Inflation bezeichnet die von Konsumenten subjektiv bzw. individuell wahrgenommene Inflationsrate – im Gegensatz zur tatsächlichen und mit wissenschaftlicher Methodik gemessenen. Ein Grund für mögliche Abweichungen der gefühlten zur gemessenen Inflation ist die Tatsache, dass im Warenkorb, der zur Inflationsmessung herangezogen wird, sowohl Produkte des täglichen Bedarfs (z. B. Lebensmittel) als auch langlebige Konsumgüter (z. B. Autos) enthalten sind. Daher können die Produkte in Auswahl oder Gewichtung nicht mit der jedes einzelnen Konsumenten bzw. jeder individuellen Konsumentengruppe übereinstimmen; darüber hinaus ist die Wahrnehmung von Preisveränderungen für Waren des täglichen Bedarfs aufgrund ihrer Bedeutung und ihres häufigeren Einkaufs sensibler als die für langlebige Konsumgüter; und so liegt die gefühlte Inflation über der gemessenen, wenn die Preise für Waren des täglichen Bedarfs stärker steigen als die langlebiger Konsumgüter.Werner Rothengatter, Axel Schaffer: Makro kompakt. Grundzüge der Makroökonomik. 2., aktualisierte und erweiterte Ausgabe. Physica-Verlag, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-7908-2007-2, S. 141, online.